
06.12. Nix mit Amore



Um den Hall zu unterdrücken, müsste ich mich vermutlich unter den Tisch setzen und über diesen ein paar Decken werfen – vielleicht probiere ich das morgen ;). Dem Nachbarsjungen und dem Familienhund gefällt es dort schließlich auch immer ganz gut.
Herzlichst, Ihre Mitzi
Was tut man nicht alles für einen Pandoro.
Ihre verfressene Mitzi sehr, sehr viel.
Vor etwa 100 Jahren bestand ein durchschnittlicher Haushalt in Deutschland aus lediglich 100 Gegenständen. Im Jahr 2014, so las ich, besaß ein jeder Mensch bereits 10.000 Dinge. 10.000….das ist unglaublich viel. Oder gar nicht so viel, da ich nicht weiß ob wirklich jedes einzelne Foto und jeder Bleistift gezählt wurde. Wahrscheinlich ist das aber auch nicht wichtig, denn dass wir viel besitzen zeigt ein kurzer Gang durch den Keller eines durchschnittlichen Mietshauses. Zwischen den Holzsparren quillt der Besitz bis an die Decke und beim Öffnen des einen oder anderen Verschlages läuft man Gefahr vom eigenen Hab und Gut erschlagen zu werden. Mein Kellerabteil kann ich sorglos öffnen – dank des letzten Lockdowns habe ich ihn auf- und vor allem ausgeräumt. Gerümpel fand ich keines, aber viele kleine Schätze, die für mich mit den Jahren an Bedeutung verloren haben. Fast alles hat via der von mir initiierten Tauschbörse rund um die Briefkästen meines Hauses einen neuen Besitzer gefunden. Ein schöner Gedanke. Viel schöner, als etwas, das man einmal mochte wegzuschmeißen. Unser Hausmeister und etwa ein Drittel meiner Nachbarn fand meine Idee nicht sonderlich schön und bat mich mehrfach „den Mist“ auf den Sperrmüll zu werfen. Ich habe dann begonnen kleine Zettel an die Dinge zu kleben, damit die Ignoranten verstehen, dass es sich um wirklich feine Dinge und nicht um Müll handelt. Zum Beispiel auf die schweren, weißen Porzellan Terrinen aus der Kantine, in der mein Großvater nach dem Krieg arbeitete. Solche Suppenterrinen werden heute wohl nun noch wenig genutzt aber nachdem ich „Hält Suppe mindestens eine Stunde auf dem Tisch warm und wurde von meiner Oma sehr gerne und oft benutzt“ auf einen Zettel geschrieben habe, waren sie nach einer Stunde weg. Im Sommer sah ich eine auf einem Balkon – sie wurde als Übertopf genutzt. Eine nette Idee, die meiner Großmutter sicher auch gefallen hätte. Einer hat nun 10.001 Gegenstände und ich nur noch 9.999.
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Einmal im Jahr miste ich meine Entwürfe-Ordner aus um Platz für neue Gedanken zu schaffen. Behaupte ich. Unter uns…einmal im Jahr lösche ich konsequent alle Entwürfe, weil ich ahne, dass aus ihnen nie mehr als ein Entwurf werden wird. Geschuldet ist dies in erster Linie meiner Schludrigkeit und der Unfähigkeit endlich zu akzeptieren, dass feine Gedanken schon immer im Notzibuch und lediglich unausgegorene Ideenfragmente bei den WordPress Entwürfen landen. Meistens – manchmal findet sich dort aber auch ein kleiner Absatz, den ich ganz vergessen hatte. Der kommt dann ins Notizbuch, wo er gut und gerne auch mal ein paar Jahre liegt, irgendwann aber gesucht, gefunden und genutzt wird. Zwischen abschreiben, übertragen und löschen schreibe ich diesen Text. Und damit der nicht auch in den Entwürfen landet und nächstes Jahr gelöscht werden muss, bekommen Sie ihn zu lesen. Ob er etwas taugen wird? Selbstverständlich – dank ihm, starte ich mit einem leeren 2020iger Entwürfeordner in den Winter.
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Schön, nicht wahr, frage ich dich und blinzle in die Sonne, die so klar und warm strahlt, als wolle sie beweisen, dass jeder Abschied von ihr verfrüht und viel zu pessimistisch gewesen ist. Oktobersonnentage sind die schönsten, sagst du und ich nicke. Wahrscheinlich hast du recht. Die meisten Dinge werden schöner, wenn man sich ihrer Vergänglichkeit bewusst ist. Selbst dann, wenn man weiß, dass es kein Abschied für immer sondern nur für wenige Monate ist. Weiß man das, höre ich dich fragen und würde die Augen verdrehen, wenn du wirklich noch neben mir sitzen würdest. Natürlich weiß man es nicht. Man weiß in den seltensten Fällen überhaupt etwas und das was man zu wissen oder zu haben glaubt, stellt sich oft genug als falsch und schwindend heraus. Vielleicht sitze ich deshalb jetzt am See und blinzle in die Sonne, obwohl mir ein Blick auf die Uhr hätte sagen müssen, dass es keine gute Idee ist sich eine Stunde an den See zu setzen, wenn der Tag so wenig Stunden hat. Du sitzt neben mir und ohne dich zu sehen, weiß ich dass du schmunzelst. Das hast du immer gemacht, wenn ich mich nicht entscheiden konnte ob es eine gute oder eine schlechte Idee ist, die Uhr zu ignorieren. Eine gute, beschloss ich, als vor wenigen Minute auf halber Strecke aus dem Zug stieg. Und eine gute, denke ich auch jetzt, mit Blick auf den wunderbaren See. Dann komme ich eben eine Stunde später zu Hause an. Was sind schon 60 Minuten, wenn man doch nie weiß ob man noch einmal an einem letzten Oktobertag eine so warme Sonne auf der Haut spüren wird. Ein dummer Gedanke sagst du und ich würde dich gerne daran erinnern, dass ich sie vor deinem Abschied nicht hatte – solche dummen Gedanken. Bevor du gingst, war ich überzeugt, dass ein kräftig schlagendes Herz, auch weiter schlagen wird bis sein Eigentümer ein annehmbares Alter von….sagen wir 105 Jahren erreicht hat. Vorgestern hättest du dieser Zahl ein wenig näher kommen sollen. Hättest, denn in der Wirklichkeit dieses wunderschönen Herbsttagest, bist du schon wieder nicht älter geworden, weil du längst nicht mehr hier bist. Ein kaum in Worte zu fassender Verlust, mittlerweile aber auch eine bodenlose Unterverschämtheit, die ich dir noch immer übel nehme. Heute ein bisschen weniger, weil ein so wunderschöner sonniger Oktobertag ist, dass für Wut und Traurigkeit nur wenig Platz bleibt. Weiterlesen

Cin Cin 😊