Frankenstein und die EM

Der klügste meiner Freunde meinte vor kurzem, dass man sich für ausnahmslos alle Themen begeistern könne, wenn sie nur mit Leidenschaft und Herzblut vorgetragen werden. Ich bezweifelte, dass dies auch auf mich zutreffen würde und nannte als Beispiel Fußball. Dafür würde ich mich nie begeistern können. Der Klügste grinste und sah es als persönliche Herausforderung. Wenige Tage später wurde ich mit Pasta geködert und musste mir mit ihm ein Champions League Spiel ansehen. 22 schwitzende Männer und ein Ball? Er würde es nicht schaffen, mich für diesen Blödsinn zu begeistern.  Weiterlesen

Ganz umsonst. U-Bahn Gedanken

Für meine Monatskarte des Münchner Nahverkehrs bezahle ich über 70 €. Bis vor kurzem habe ich mich über diesen hohen Preis geärgert. Es ist ein bisschen viel für regelmäßige Verspätungen, unangenehme Geruchsbelästigungen und missmutige Gesichter, die einen den Tag schon vor 7:00 Uhr morgens verderben. Erst vor kurzem habe ich entdeckt, dass mir für 70 € monatlich weit mehr geboten wird. Damit meine ich nicht die lächerlichen Nachrichtenfragmente, welche auf den kürzlich installierten Monitoren in den U-Bahnen zu lesen sind. Ich bekomme auch keinen Rabatt und keine Mitgliederzeitung. Ich bekomme etwas viel besseres. Weiterlesen

Gefundene Sätze #12

50 Shades of Grey
E.L. James

Glauben Sie mir, ich habe es versucht.
Versucht einen Satz zu finden, der es wert ist, in Erinnerung zu bleiben.
Das gelingt bei fast jedem Buch. Entspricht es nicht meinem Geschmack, dann steht doch immer irgendwo ein hübscher oder kluger Satz.
Ist es ein grausames Buch, so amüsiert es mich wenigstens oder ich kann mich darüber ärgern.

Hier…….nichts.

Und dieses große Nichts ist so umfassend belanglos, schlecht geschrieben und ahnungslos, dass es mir am Ende doch in Erinnerung geblieben ist.

 

 

Danzt hob i für mei Lebn gern

Meine Großmutter tanzte für ihr Leben gern. Das tat sie bis ins hohe Alter. Selten freilich, weil die Beine nicht mehr so wollten, aber manchmal hat es sie noch gepackt. Um genau zu sein packte sie ihr Enkel. Ein Brackel von einem Kerl. Kräftig genug um die winzige Frau in seinen Armen über das Parkett zu heben und ein so guter Tänzer, dass meine Großmutter nicht widerstehen konnte. Dann staunten die Urenkel und wenn sie erschöpft zurück auf den Stuhl sank. Verlegen hob sie dann die Hände und meinte, dass sie nun wirklich zu alt dafür sei. Aber sie strahlte und in ihren Augen spiegelte sich eine Jugend, die ich nur von Erzählungen kannte. Weiterlesen

lz.

Zwei Buchstaben nur und doch so viel mehr.

In den letzten Stunden hat WordPress einen Teil seiner Farben und einige seiner schönen Worte verloren. Der versteckte Poet hat seine Seite gelöscht und mit ihr einen Fundus an wunderschönen Bildern und Texten. Ich werde sie vermissen. Sehr.

Misstrauen Sie Wikipedia (und mir…denn dieser Text hat eigentlich nichts mit Wikipedia zu tun)

Halleluja, endlich Juni! Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie froh ich bin! Der Mai steckt mir noch in den Knochen und ich bin noch etwas wacklig auf den Beinen. Aber es geht aufwärts. 01.06.2016 – sagt der Kalender und  erfahrungsgemäß habe ich jetzt für 11 Monate meine Ruhe. Sie sehen schon, ich habe es nicht so mit dem Mai. Frühling hin oder her, blaues Band, Fliederbusch-Duftattacken – alles schön und gut, aber als Gesamtpacket mag ich den Mai nicht. Mehr noch, er ist mir zutiefst zuwider. Statistisch gesehen passieren gut drei Viertel aller Dramen in meinem Leben im Mai. Weiterlesen

Ostsonne

Hätte man mich gefragt ob ich den Sturz der Mauer oder einen Kuss von Hörbie wählen würde, dann hätte ich die Wiedervereinigung verhindert. Ohne mit der Wimper zu zucken hätte ich die Teilung Deutschlands akzeptiert und wäre mit 14 Jahren zum am meist bewundertsten Mädchen der Klasse 8b aufgestiegen. Meine politisch engagierte Mutter hätte die Hände über den Kopf zusammen geschlagen und mein Vater hätte, wie damals häufig, an meinem Verstand gezweifelt. Heute bin ich froh, dass ich weder die Wiedervereinigung verhindert habe, noch sonst mit meinem Teenager-Ich den Lauf der Geschichte beeinflussen konnte. Es war ja nur eine hypothetische Frage.  Weiterlesen

Nur mal eben…

Auf die Frage ob ich schreiben kann, habe ich bisher immer mit einem klaren und eindeutigen Ja geantwortet. Ich hab´s mit sechs in der Grundschule gelernt und kann nach 33 Jahren noch immer den Stift halten, ohne dass er mir aus der Hand fällt. Selbst nach drei Gläsern Rotwein gelingt es mir, im Kneipenlicht meine Telefonnummer und meinen Namen fehlerfrei auf einen winzigen Kassenbon zu kritzeln. Weiterlesen

23 Atemzüge

Manchmal war dir die Welt zu groß. An solchen Tagen machten dich der weite Blick und die Ruhe in den Bergen nervös, während dir die Menschen in der Stadt gleichzeitig zu laut und zu nahe waren. An solchen Tagen bist du laufen gegangen, um den Kopf frei zu bekommen und an nichts mehr zu denken. Wenn du zurückkamst, warst du noch unruhiger als zuvor. Alles gut, sagtest du dann und nichts war gut. Weiterlesen