Gefundene Sätze #10

„Nicht?“, sagte Pippi. „Aber genau das tu ich. Ich lüge so, dass meine Zunge schwarz wird, hörst du das nicht? Du musst doch merken, dass das gelogen ist. Du darfst dir doch nicht alles Mögliche von den Leuten einreden lassen!“

Astrid Lindgren
„Pippi Langstrumpf“

 

Ach, Anna…. U-Bahn Gedanken

Wir sind Gewohnheitstiere, die ihre Rituale selbst dann pflegen, wenn sie diese nicht einmal als solche erkennen. Anders ist es nicht zu erklären, dass die tägliche Fahrt zur Arbeit und zurück, einem wiederkehrenden Eintauchen in einen in sich geschlossenen Mikrokosmos gleicht. Tag für Tag sitzen mir die gleichen Menschen gegenüber und obwohl ich mit keinem von ihnen spreche, sind sie mir alle vertraut. Nur ein kleiner Teil von ihnen sitzt wirklich jeden Tag am selben Platz, aber der Verstand neigt dazu, die fremden Gesichter auszublenden. Ich bin die, die morgens immer in der siebten Tür von vorne einsteigt, mit etwas zu lauten Absätzen ein bis zwei Türen nach vorne läuft, bevor sie sich ans Fenster setzt. Weiterlesen

Ein Höschen führte zum Eklat

Mein Nachbar Herr Meier, spricht nicht besonders viel, ist grantig, konstant schlecht gelaunt und wirkt immer etwas mürrisch. Dennoch würde ihn die Hausgemeinschaft nicht als unfreundlich beschreiben. Er ist schon in Ordnung, der Meier. Auf seine spezielle Art scheint er uns zu mögen. Die lauten Studenten aus dem Hinterhaus, das lesbische Pärchen aus dem ersten Stock und die netten Russen die die Pakete für das ganze Haus entgegen nehmen. Er mag auch die Vietnamesen, die seit einigen Monaten den Back-Shop betreiben. Das ist neu und wie ich erfahren habe, besucht Herr Meier den Back-Shop erst, seit er auf der Eigentümerversammlung erfahren hat, dass Frau Obst die Vietnamesen nicht ausstehen kann. Herr Meier mag alles was Frau Obst nicht mag. Schon aus Prinzip. Weiterlesen

Gefundene Sätze #9

  
Besonders schön sind Sätze, die ohne nachzudenken ausgesprochen werden. Manchmal. 

Bei obigem Beispiel müssen Sie sich einen Mann Mitte 30 vorstellen. Intelligent, charmant und mit den Grundsätzen der Emanzipation durchaus vertraut. Er rührt in seinem Milchkaffee und in seinem Gesicht spiegelt sich das intensive Grübeln über eine recht gute Idee. Dann fällt es ihm ein und er strahlt.  „Man müsste da etwas für Randgruppen machen! Frauen…“ Er nimmt einen Schluck aus seiner Tasse. „….oder andere.“

Was auch immer aus dieser Idee werden wird. Vom Marketing sollte er die Finger lassen. 

Sákis brüllt „stop“!

Tage wie dieser machen mich unruhig. An Tagen wie diesen zuckt schon beim Aufwachen ein Erinnerungsfetzen durch meinen Kopf und lässt mich Lachen. Man wacht ja gerne mit einem Lachen auf und ich will mich nicht beschweren. Dennoch sind Tage wie dieser, an denen ich mich andauernd an etwas erinnere, ein wenig anstrengend weil ich mich schlecht auf andere Dinge konzentrieren kann. Es ist ein bisschen wie Weihnachten. Da schleppt man auch Erinnerungsfetzen aus Jahrzehnten mit sich herum und denkt alle paar Minuten an liebgewonnen Traditionen oder kleine Katastrophen aus den vergangenen Jahren. Alle paar Minuten klopft das Gedächtnis an die Stirn und präsentiert eine neue Erinnerung. Heute morgen wachte ich auf, weil in meinem Kopf jemand „Stop“ brüllte. Da wusste ich, heute ist es wieder so weit. Heute ist der Tag des Grand Prix Eurovision de la Chanson. Weiterlesen

Reden lassen… U-Bahn Gedanken

Die etwa 30 jährige Mutter beklagt sich in der vollbesetzten U-Bahn bei ihrem Mann, dass er ihr schon wieder nicht zuhört. Gerne hätte ich ihr gesagt, dass er ihr bereits seit zwei Stationen still zuhört, ihre Sätze aber kaum Informationen enthalten. Sie beklagt sich nur mit wehleidiger Stimme darüber, dass man ihren Worten kein Gehört schenkt. Eine glatte Lüge. Notgedrungen lauscht nicht nur ihr Gatte dem Lamento, sondern mit mir noch ein Duzend weiterer Personen, die das Pech haben in Hörweiter ihrer nicht nur anklagenden, sondern auch lauten Stimme zu sitzen. Weiterlesen

24 Stunden Burn-Out

Kennen Sie das Gefühl morgens aufzuwachen und schon vor dem Aufschlagen der Augen zu wissen, dass man es besser nicht täte? Das Augenaufschlagen und überhaupt das Aufwachen. Der Grund ist objektiv betrachtet klein, nichtig und ein regelmäßiger Gast. An manchen Tagen wird er über Nacht groß. Das sind die unangenehmen Tage.  Die Augen noch geschlossen hört man das fröhliche Zwitschern der Vögel, riecht den Frühling durch das offene Fenster und ahnt, dass es nur noch ein paar Minuten dauert, bis die ersten Sonnenstrahlen auf die Bettdecke treffen. Wenn man – oder ich – dann keine Lust hat mit Elan aus dem Bett zu springen, dann hat mich das 24 Stunden Burn-Out erwischt. Weiterlesen

Gefundene Sätze #8

 Der Flügelschlag eines halben Liedes streifte die Luft vor dem Fenster.

Boris Pasternak „Doktor Schiwago“

Doktor Schiwago gehört nicht zu meinen Lieblingsbüchern. Einige Passagen aber mochte ich sehr gerne. Und ein Satz ist für immer hängen geblieben. Der Flügelschlag eines halben Liedes streifte die Luft vor dem Fenster. Ist das nicht schön? Ab und zu höre ich die zweite Hälfte des Liedes. Gestern in der Abendsonne zum Beispiel. Vor den Ausläufern des Rapsfeldes hinter den Häusern, da klang es ganz leise…das halbe Lied. Es tat sich etwas schwer, weil es gegen das übermächtige Gelb im Sonnenlicht und den schweren Rapsgeruch ankämpfen musste. Weil es nur ein halbes Lied und damit leicht war und zudem Flügel besitzt, konnte man es aber doch hören.

Liebe ist ein Butterbrot

Fast hätte dieser Text den Titel „Liebe ist…“ bekommen. Der einzige Grund warum ich davon absehe, sind die kleinen Comiczeichnungen eines Pärchens, die mit eben diesen zwei Worten betitelt sind. Ich mag sie nicht besonders. Wenn man ein liebendes Paar darstellt, dann sollte man ihm entweder etwas anziehen oder ihm in seiner Nacktheit wenigstens die Geschlechtsteile lassen. Sie merken schon, ich mag die Figuren nicht besonders und empfinde die Sprüche als zu  banal und zu platt. Wären sie mir etwas sympathischer, hätte ich den Titel übernommen. Dann könnten Sie hier lesen: „Liebe ist ein Butterbrot.“ Weiterlesen