Liebe ist ein Butterbrot

Fast hätte dieser Text den Titel „Liebe ist…“ bekommen. Der einzige Grund warum ich davon absehe, sind die kleinen Comiczeichnungen eines Pärchens, die mit eben diesen zwei Worten betitelt sind. Ich mag sie nicht besonders. Wenn man ein liebendes Paar darstellt, dann sollte man ihm entweder etwas anziehen oder ihm in seiner Nacktheit wenigstens die Geschlechtsteile lassen. Sie merken schon, ich mag die Figuren nicht besonders und empfinde die Sprüche als zu  banal und zu platt. Wären sie mir etwas sympathischer, hätte ich den Titel übernommen. Dann könnten Sie hier lesen: „Liebe ist ein Butterbrot.“

Falls Ihnen nun auf der Zunge liegt, dass es wenig banaleres als ein Butterbrot gibt, dann unterstelle ich, dass Sie noch kein wirklich gutes gegessen haben. Oder im falschen Moment. Der Butterbrot-Moment ist wichtig. Meine schönsten Kindheitserinnerungen verknüpfe ich mit einem Butterbrot. Wahrscheinlich weil ich schon als Kind so verfressen war wie er Rest meiner Familie. Das Beste gab es bei meiner Mama. Eine Scheibe Brot von der Hofpfisterei, bestrichen mit Butter aus dem Kühlschrank. Meine Mama verstand die Bedeutung eines Butterbrotes und schmierte es mir und meiner Freundin immer genau in dem Moment, in dem wir mit knurrendem Magen vom Spielen in die Küche gelaufen kamen. Ein gutes Butterbrot verdirbt nicht den Appetit und kann auch noch eine halbe Stunde vor dem Abendessen verdrückt werden. Es besteht auch nicht auf gewaschene Hände, sondern kann problemlos von verdreckten Kinderhänden gegriffen und im Laufen oder Gehen verschlungen werden. Letzteres sah meine Mama sicher anders, aber ich kann mich nicht erinnern, dass wir mit unseren Broten ruhig am Küchentisch gesessen haben. Die Butterbrote meiner Mutter waren  frei von jeglichem Schnickschnack und ohne Rinde gab es sie nicht. Ganz oder gar nicht. Wir nahmen sie ganz.
Ich vermute, dass die Frauen in meiner Familie sich abgesprochen haben, wenn es um die Butterbrot Variationen ging. Bei meiner Oma auf dem Land gab es Butterbrot mit Schnittlauch. Finden Sie immer noch banal? Dann haben Sie auch keine Ahnung von Schnittlauch. Das sollten Sie umgehend ändern. Mieten Sie sich irgendwo am Land ein und achten Sie darauf, dass ein Garten zum Haus gehört. Dann laufen Sie in den letzten Sonnenstrahlen, wenn das Gras schon etwas feucht und kühl wird, zum Garten. Bitte barfuß – die Schnecken im Gras sind egal. In der Hand ein Messer und im optimalen Fall mit einem Hund im Schlepptau und dem Abendgezwitscher der Vögel im Ohr. Schneiden Sie sich ein Büschel der saftigen, grünen Halme ab und finden Sie jemanden der sie in feinste, winzige Röllchen schneidet. Wenn Sie ihn selbst scheiden, dann schmeckt er nicht so gut. Schauen Sie ob es eine alte Frau im Haus gibt, die macht Ihnen das. Den Schnittlauch auf einem Teller verteilen und das Butterbrot mit Schwung auf das grüne Glück fallen lassen. Etwas andrücken, sonst müssen Sie beim Abbeißen die Luft anhalten, damit die Röllchen nicht wegfliegen. Kauen Sie! Schlucken Sie! Fühlen Sie sich geliebt! Sie mögen keinen Schnittlauch? Dann wären Sie  bei meiner zweiten Oma gut aufgehoben gewesen. Dort gab es Nutellabrote. NUTELLA! Das gab es zu Hause nicht. Ein verfressenes Kind hält man besser von solchen Schweinereien ab. Aber bei Oma und Opa gab es Nutella. Das Brot musste meine Oma schmieren. Opa hatte die unangenehme Angewohnheit den Butter nur sehr dünn unter dem süßfetten Glück zu verteilen und seine Nutellaschicht war nicht einmal einen Zentimeter hoch. Oma wusste wie es geht – ordentlich Butter und so viel Nutella, dass es an den Zähnen schmerzte. Ein Nutellabrot können Sie sich übrigens auch selbst schmieren. Bei Dritten ist die Gefahr zu groß, dass am falschen Ende gespart wird.

Wie ich überhaupt auf Butterbrote komme und diese auch noch mit Liebe in Verbindung bringe? Na, gestern war Vatertag und übermorgen ist Muttertag. Ich habe lange überlegt, was Elternliebe ausmacht und den Wald vor lauter Bäumen nicht gesehen. Dabei ist es so einfach – in meiner Familie schmiert man dem, den man liebt, ein Brot. Da wird nicht lange geredet, da wird geschmiert. Entschuldigen Sie bitte, dass ich mit vollem Mund schreibe, aber ich esse gerade die Reste von Papas Liebeserklärung. Heute kann ich Tippfehler getrost dem Brot in der Hand zuschreiben. Und bevor Sie fragen, ich kann nicht erst essen und dann schreiben. Ich habe eine ganze Box voller Liebe mit nach Hause bekommen und werde den ganzen Abend naschen. Schmeckt ja nur frisch. Mein Vater kann neben den Butterbot Frauen meiner Familie gut bestehen. Heimlich und leise hat er sich in den letzten Jahren sogar an die Spitze geschoben. Seine Brote haben die Küchen verlassen und liegen auf der Rückbank im Auto, wann immer wir länger als 30 Minuten fahren. Oder sie sind in seinem Rucksack und werden bei Wanderungen hervorgezaubert. Rustikal sind sie und seit heute eine Liebeserklärung. Mutterliebe ist ein Butterbrot. Väterliche Liebe sind Gürkchen! Vor zwei Wochen standen scharfe, winzige Essiggurken auf dem Tisch meiner Eltern und ich habe beiläufig erwähnt, dass sie mir unheimlich gut geschmeckt haben. Heute waren sie auf den Broten auf dem Rücksitz im Auto meines Vaters. Fällt Ihnen etwas ein, wie man die Liebe zu seiner Tochter besser zeigen könnte als mit kleinen Gürkchen und einem Butterbrot? Mir nicht. Mein „ich euch auch“ besteht darin, dass ich sie ratzeputz verschlinge und verfressen bleibe.

Und jetzt wird mit die Tipperei mit einer Hand zu blöd. Ich wünsche Ihnen einen wunderschönen Abend und umarme Sie alle virtuell. Butterbrote (mit Gürkchen) machen mich sentimental.

P.S. Es hilft nichts. Liebe ist ein Butterbrot. Ich hoffe keine  Copyright Probleme mit dem Erfinder des nackten, geschlechtslosen Pärchens zu bekommen.

54 Gedanken zu “Liebe ist ein Butterbrot

      1. Es ist einfach so: Ein Butterbrot ist Zuhause, Geborgenheit und Liebe. Vor allem, wenn man es liebevoll verpackt in die Hand gedrückt bekommt oder jemand einem mit einem Lächeln einen Teller in die Hand drückt. Da kann keine Torte und kein noch so doller Burger mithalten. Höchstens noch selbst geschabte Kasspatzn aber die brauchen länger als Brot schmieren 🙂

        Gefällt 2 Personen

  1. … gab keinen Vater, und Butterbrot war mit Senf, mein Liebstes… für meine Tochter war Butterbrot immer die Alternative zum Probieren und des Probiertens nicht mögen dürfendens… schlicht und Dankbar meinerseits für ihr aufgeschlossene Liebe Andererseits… 😉

    Gefällt 3 Personen

  2. Hallo Mitzi,

    witzig, erst heute beim Abendessen musste ich an die Butterbrote meiner Eltern denken, die wir immer dabei hatten, wenn wir einen Ausflug zum Ufer eines weiter entfernt gelegenen Flusses unternahmen. Dann gab es kalte Fleischküchle, Hähnchenschenkel und … Butterbrote. Und wenn ich die Krumme von so einem Butterbrot aufgegessen hatte, durfte ich die Rinde noch einmal mit Butter bestreichen (dick natürlich), sie dann in Zucker wälzen, zu einer Schnecke zusammenrollen, es eine Praline schimpfen und sie anschließend verspeisen (Kinder mit viel Phantasie sind soooo leicht zufriedenzustellen). Das Ganze natürlich, nachdem ich mich in der trüben Brühe am Ufer gewälzt hatte, weil der Fluss leider ziemlich viel Schlick entlang des Ufers hatte.

    Und nachdem ich nun an einem einzigen Abend bereits zwei Mal in Erinnerung schwelgen durfte, wünsche ich noch einen guten Appetit (auf das die restlichen Butterbrote nicht verderben) und einen schönen Abend.

    Mira

    Gefällt 2 Personen

  3. Das ist eine herrliche Ode an ein Butterbrot, liebe Mitzi und eine schöne Liebeserklärung, Mein Vater starb schon, als ich noch klein war. Aber ich erinnere mich, dass ich gern seine Hasenbutterbrote gegessen habe, die er wieder mit von der Arbeit brachte, weil er keine Zeit gefunden hatte, sie zu essen.
    Dankeschön für die virtuelle Umarmung. Fühl dich virtuell zurück gedrückt.

    P.S.:
    Die Neuseeländerin Kim Casali verliebte sich Ende der Sechziger in einen Italiener, ihren späteren Mann Roberto. Um ihrer Zuneigung Ausdruck zu verleihen, zeichnete sie ihm die kleinen Cartoons mit dem albernen Pärchen. „Liebe ist…“ wird übrigens täglich in 120 Tageszeitungen weltweit publiziert, in der BIldzeitung seit 1978 – (und weil Paarung bekanntlich auf die Partner wirkt …)

    Gefällt 3 Personen

    1. Hasenbutterbrote? Woher kommt dieser hübsche Begriff? Kann es sein, dass du schon einmal darüber geschrieben hast? Das wieder mit nach Hause bringen der Brote, kommt mir bekannt vor.
      Danke, lieber Jules, für die Randnotiz mit Kim Casali. Mit diesem Hintergrund sind sie mir gleich ein wenig sympathischer. Erfolgreich sind sie eh – dass es so viele Tageszeitungen sind hätte ich allerdings nicht vermutet.

      Gefällt 1 Person

      1. Darüber habe ich noch nicht wirklich geschrieben, es kommt aber hier vor
        https://books.google.de/books?id=LF40AwAAQBAJ&pg=PT64&lpg=PT64&dq=Hasenbutterbrote&source=bl&ots=KQXFvNhL8B&sig=0OHsXyyh3GyixhCuTaTpVcBQZ2s&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwi0yI6KocbMAhUFAcAKHfX-BioQ6AEINDAE#v=onepage&q=Hasenbutterbrote&f=false

        Ha|sen|brot, das [weil man es zurückbringt mit der scherzh. Erklärung, man habe es einem Hasen abgenommen, dem man zuvor den Schwanz mit Salz bestreut habe] (ugs. scherzh. veraltend): für die Reise od. die Arbeit als Proviant mitgenommenes, aber nicht verzehrtes u. trocken gewordenes Brot: Ede, dessen H. ich aß, wenn er abends aus seinem Taxenkontor heimkam (Lentz, Muckefuck 57). Quelle: Universal-Lexicon

        Gefällt 2 Personen

  4. Oh ja, wie recht du hast, Butterbrote haben einen starken emotionalen Faktor. In Spanien ißt man die Weißbrote auch mit Olivenöl getränkt statt mit Butter beschmiert. Kann man nicht vergleichen, nicht im entferntesten !

    Gefällt 1 Person

  5. Das ist die puuuure Wahrheit. Auch ich liebe Butterbrote. Mit denen ist es wie bei Bratkartoffeln. Nur alle Frauen können es wirklich gut. Ich habe mich Jahrzehnte abgemüht Bis ich ein wirklich leckeres Brot zustande brachte! 😀

    Gefällt 1 Person

      1. Das Geheimnis der Bratkartoffeln, ich kenne es (strahlen vor Stolz, hüstel, hüstel): Man nehme eine riesengroße (das ist sehr wichtig) gusseiserne (nice-to-have) Pfanne, mindestens ein halbes Pfund Butter(schmalz) (vielleicht übertreibe ich auch ein wenig in diesem Punkt), in dünne Scheibchen geschnittene Kartoffeln, erhitze die Pfanne mitsamt der Butter und (Achtung! Das ist jetzt das eigentliche Geheimnis; alles davor war nur Glitzerstaub zum Ablenken) röste die Kartoffelscheibchen in *einer* Lage in der Pfanne. Die Kartoffeln dürfen wirklich nur in einer Lage liegen, sonst wird’s nichts.
        Dauert superlange, wenn man mehr als eine Portion gleichzeitig zubereiten will (daher auch die riesengroße Pfanne, die ich nur mit beiden Händen heben kann), ist der Mühe aber Wert.
        Bon appétit!

        Gefällt 1 Person

      2. Das Geheimnis zu teilen ist eine große Sache. Lassen wir den Glitzerstaub (der aber schön und anschaulich geschrieben war – ich denke es muss schon ein halbes Pfund Butter sein) beiseite und kommen noch mal auf die Kartoffelscheiben zurück. Denn eine elementare Info fehlt…..rohe oder gekochte Kartoffelscheiben. Da scheiden sich ja die Geister 🙂

        Lieben Dank! Ich schau meinem Vater mal über die Schultern ob er auch nur eine Lage macht…dann wüsste ich warum sie so gut schmecken. 🙂

        Gefällt 1 Person

      3. Tja, liebe Mitzi, an der Frage roh oder gekocht scheiden sich wirklich die Geister. Erst heute beim Mittagstisch (ja, ich war heute so inspiriert, dass ich glatt Bratkartoffeln machen musste) gab es eine angeregte Diskussion darüber.
        Quintessenz daraus: Es kommt darauf an.
        Es kommt darauf an, wo man zuhause ist. Ich kenne von zuhause nur die roh-Variante (Vorteil: sie lassen sich wirklich hauchdünn schneiden). Die anderen kannten nur die koch-Variante (Vorteil: sie verlieren leichter ihre Bissfestigkeit).
        Es gibt übrigens noch eine Grundsatzfrage: festkochend oder mehligkochend (die wischi-waschi-Variante der vorwiegend festkochenden Kartoffeln lassen wir mal weg). In meiner Familie wurde seit Anbeginn der Zeit mehligkochende Variante gebraten. Meine Mitesser (nein, sie sind nicht so schlimm, wie der Name vermuten lässt) akzeptieren dafür eigentlich nur die festkochenden.
        Ach so, gerade fällt mir noch ein, dass es noch an einer Frage scheitern könnte: Butterschmalz oder Schweineschmalz. Wenn ich richtig informiert bin, dann akzeptiert z.B. tiroler Küche nur die Schweineschmalzvariante (bitte nicht schlagen, wenn ich mich irre).
        In einem sind sie aber alle einig: Die Scheible müssen knusprig sein.

        Und diesmal denke ich sogar an den Gruß: Liebe Grüße
        Mira

        Gefällt 1 Person

      4. Am Ende ist es dann doch der persönliche Geschmack, was natürlich nicht bedeutet, dass gerade hier die Grundsatzfragen zu kleinen Glaubenskriegen ausarten können.
        Mir persönlich ist es egal, was nun dran ist – Hauptsache am Ende schmeckt es. Um die Verwirrung komplett zu machen, noch meine persönliche Variante. Butterschmalz und rohe Kartoffel – Achtung!- Würfel. Ich weiß nicht ob ich mit 16 zu faul war dünne Scheiben zu schneiden oder ob ich nicht nachgedacht habe. Ich bin jedenfalls bei den Würfeln geblieben. Knusprig müssen sie natürlich sein und ganz am Ende muss Schnittlauch drüber.

        Liebe Grüße und vielen Dank für den schönen Abstecher zu einer meiner Leibspeisen.

        Gefällt 1 Person

  6. Was für eine schöne Ode an das Butterbrot, das anscheinend hier gerade eine Renaissance erlebt (ich las bei orangeblau bereits davon). Aber auch ein schöner Beitrag über elterliche Liebe. Morgen, Muttertag, kommt meine Mutter auf Besuch – und ich freue mich jetzt schon auf ein Päckchen eingefrorene Maultauschen …

    Gefällt mir

    1. Orangeblau hat den Ausschlag gegeben, dass mein Mutter- und Vatertagstext sich nun komplett um die Brote dreht.
      Ob Brote oder Maultaschen…Familie lässt sich wohl wirklich sehr gut mit Essen verbinden. Oder Essen mit Heimat.
      Liebe Grüße

      Gefällt mir

  7. Butterbrot. Mhmmmm. Stimme dir vollinhaltlich zu.
    Kindergeburtstag vor vielen Jahren – ach was, Jahrzehnten – mit Butterbrot und Kakao. Das war herrlich!
    Meine Luxusvariante: knusprig getoastetes Brot, noch warm, mit dick kalter Butter drauf. Schnell essen! Die Kombination von warm und kalt ist wichtig. 😉
    Liebe Grüße, Veronika

    Gefällt 2 Personen

  8. Bei uns zuhause gab es Käsebrot oder Pflaumenkuchen so zwischendurch, wenn man ausgehungert von irgendeiner Verrichtung heim kam. Dieses Ritual ist heute noch Thema bei den wenigen noch aus der Schulzeit verbliebenen Freunden.

    🙂

    Gefällt 1 Person

    1. Meine Freundin erinnert sich auch noch an die Butterbrote – heute schmieren wir ihrem Sohn welche. Noch erkennt er nicht, welchen kulinarischen Hochgenuss er da hin Händen hält. 🙂

      Gefällt mir

  9. Schöne Hommage an ein kulinarisches Kleinod. Allerdings: BB mit Nutella – da graust mir fast so sehr wie vor diesem ‚Liebe ist…’-Kram. Ansonsten – immer gerne. Allerdings möglichst nach dem ‚Reinheitsgebot‘: Ein herzhaftes Brot (mit Rinde wie ein Mammutbaum), Butter und basta. 🙂
    Butterbrot und Kindheit – da habe ich allerdings keine wirkliche Verbindung. Nicht, dass das jetzt ein Lamento über eine butterbrotlose Kindheit werden soll. Ich weiß, dass da Butterbrot gewesen sein muss. Aber irgendwie lief das wahrscheinlich nach dem Motto: wie gefressen, so vergessen.

    Gefällt 1 Person

      1. Übersüßzeugs fällt bei mir generell unter das Schweinheitsverbot. 😉 Honig geht – aber am liebsten mit Knäckebrot (und ohne Butter).
        Wir waren in meiner Kindheit zu jeder Jahreszeit sehr oft draußen unterwegs – also Rucksackfutter en masse. Aber die Futterdetails sind sehr verblasst…

        Gefällt 1 Person

  10. Das Einfachste ist hier wirklich oft das Schwierigste, weil jedes Gericht eine individuelle Handschrift hat, von der Mutter, Vater, Oma, Opa: Butterbrot, Bratkartoffeln, Kartoffelsalat, Pfannkuchen, Erbsensuppe. Einmal stand ich hinter dem Rücken meiner Mutter mit Zettel und Stift, um mir genau zu notieren, wie sie den Kartoffelsalat macht (höchste Schwierigkeitsstufe: mit selbstgemachter Mayonnaise) – gar nicht so einfach, denn die genaueste Mengenangabe ist: Ein bißchen. Oder ein bißchen mehr, oder: Ein ordentlicher Schuß. Wie soll man da irgendwas nachkochen? Es ist mir ein Rätsel, wie der Kartoffelsalat meiner Mutter immer gleich schmecken konnte, ich habe es nicht 1mal hingekriegt.

    Gefällt 1 Person

    1. Leider klappt das mit dem Aufschreiben nicht. Meine Großmutter hat einmal für uns die Zutaten nicht aus dem Handgelenk verwendet, sondern sie abgemessen – es ging daneben.
      Wir üben nun seit zehn Jahren, ihre Dampfnudeln nachzukochen. Bisher erfolglos. Aber irgendwann vielleicht klappt es doch. Dann wenn wir selbst alt sind und hinter uns einer steht, der wissen möchte, wie es geht 😉

      Gefällt mir

      1. Au ja, die Dampfnudle, die Liebe meines Lebens, die mich jedes Jahr auf die Augsburger Dult trieb(mal nicht selbst machen müssen).
        Was war an den Dampfnudeln Deiner Oma anders?

        Gefällt 1 Person

      2. Omas Dampfnudeln waren lockerer und zugleich kompakter. Den Geschmack bekommen wir ganz gut hin, aber irgendetwas stimmt trotzdem nicht. Bei uns müssen sie auch „Rammerl“ unten haben – also recht gebräunt am Boden sein. Und obwohl wir ihre alte Pfanne benutzen, bleibt es ein „so ähnlich“.

        Gefällt 1 Person

      3. Gebräunt? Meinst Du Rohrnudeln (mit Milch-Zucker-Sauce im Backofen oder auf dem Herd gebacken)? Zumindest wurde diese Variante in meiner Familie immer so genannt. Meine/unsere Dampfnudeln werden in einem Dampfkochtopf gemacht, die sind überall glänzend Schnee-weiß.

        Die Rohrnudeln meiner Oma (gerade fällt mir ein, sie war die Einzige, die sie gemacht hat; wir alle anderen machten immer die Dampfnudeln im Dampfkochtopf) hatten braun-glänzende Kappe (kam wohl von der vielen Butter, mit der sie ihre Köpfchen streichelte), (fast) schwarze Füßle (kam wohl von dem vielen Zucker in der Sauce, die sogenannte Maillard-Reaktion, wie ich es jetzt weiß; damals war mir das egal) und weißes, sich in Schichten ablösendes Innenleben (ich vermute, sie hat den Teig nach dem zweiten Gehen zum Formen der „Pilze“ ein wenig in sich gerollt).

        Und zum Schluss kam ein Stück Butter drauf. Und dann zubeißen.

        Ich glaube, ich bin Essens-süchtig.

        Danke Dir für die schöne Erinnerung, die mir gerade ein (ein wenig) wehmütiges Lächeln ins Gesicht zaubert.

        Gefällt 1 Person

      4. Bei der Essens/Genusssucht schließe ich mich an 🙂

        Rohrnudeln konnte meine Oma auch. Aber ich meinte schon die Dampfnudeln – auf dem Herd in einer Pfanne, die aber eigentlich eher eine Reine war (ein schweres Gusseisernes Ding) und sie sind auch ganz blass weiß. Nur waren sie bei uns unten leicht angebrannt.

        Hach, jetzt hab ich Hunger 🙂

        Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s