Ein Schatz II

106 Jahr wäre sie heute geworden, meine Großmutter. Ein stolzes Alter, aber das hatte sie auch, als sie mit weit über 90 von uns gegangen ist. Immer an hl. Drei König, wenn bei uns Feiertag ist, denke ich an sie und seit sie nicht mehr da ist, würde ich so gerne an diesem Tag zu ihr fahren und mich auf das alte Kanapee in ihrer Stube setzen. Kaum ein Ort strahlte je so eine Gemütlichkeit aus, wie dieser Raum. Immer roch es nach feinem Essen, warmen Kaffee und dem unverwechselbaren Duftgemisch, der auf Bauernhöfen in der Luft liegt. Ein bisschen Stall, ein bisschen Heu, manchmal frisch gemähtes Gras und immer ein Hauch Lavendel, der in kleinen Säckchen in ihren Schränken hing. Meist lag eine Katze auf einem der vielen Kissen und oft der Hund mitten im Raum. Gelassen stieg sie über ihn hinweg und saß jahrein jahraus, auf immer dem selben Stuhl. Dampfnudeln…das würde ich mir zu essen wünschen. Für mich mit Vanillesauce, für sie mit Hollerrzel, von dem ich mal weiß, wie er auf Hochdeutsch heißt. Hollunderkompot vielleicht, aber ein Rezl ist ja doch was anderes. Etwas viel feineres und der von der Oma….einen kleinen Löffel davon wollte ich immer in meine Vanillesauce. Aber nur einen winzigen und den erst ganz zum Schluss. Ja Oma, das wär schön, heut noch einmal bei dir sitzen zu können. Dann könntest du noch einmal von deiner Geburt erzählen.  Weiterlesen

Hashtag #U-Bahngedanken

In der S-Bahn sitzt einer neben mir. Einer, den ich nicht mag, ohne dass ich ihn kennen würde. Ich mag keine Menschen, die ein Gespräch mit den Worten: „Warte, ich muss das liken, sonst vergisst mich der Algorithmus“, unterbrechen. Ernsthaft? Man bittet einen realen Menschen zu warten, damit einen irgendein technischer Schnickschnack nicht vergisst. Ein Schnickschnack, von dem ich bezweifle, dass er des Denkens – nach meiner Definition – überhaupt fähig ist. Vielleicht, wenn er gesagt hätte, dass er eben einem Bekannten ein Like dalassen möchte, weil ihm das auf Instagram hochgeladene Foto gefällt. Dann vielleicht. Vielleicht auch, wenn er vorher noch einmal aufgesehen und bemerkt hätte, dass man ihm gerade einen Apfelschnitz hinhält und er den, zwischen dem Liken und dem Kauen mit eine dankenden Lächeln honoriert hätte. Wenn aber einer, die Schönheit und den Seltenheitswert eines selbst geschnittenen und gereichten Apfelschnitzes nicht wertzuschätzen weiß, dann halte ich ihn für einen respektlosen und oberflächlichen Menschen. Weiterlesen

Liebe ist ein Butterbrot

Fast hätte dieser Text den Titel „Liebe ist…“ bekommen. Der einzige Grund warum ich davon absehe, sind die kleinen Comiczeichnungen eines Pärchens, die mit eben diesen zwei Worten betitelt sind. Ich mag sie nicht besonders. Wenn man ein liebendes Paar darstellt, dann sollte man ihm entweder etwas anziehen oder ihm in seiner Nacktheit wenigstens die Geschlechtsteile lassen. Sie merken schon, ich mag die Figuren nicht besonders und empfinde die Sprüche als zu  banal und zu platt. Wären sie mir etwas sympathischer, hätte ich den Titel übernommen. Dann könnten Sie hier lesen: „Liebe ist ein Butterbrot.“ Weiterlesen