Uiuiui

Man sagt, dass es wichtig ist über sich selbst lachen zu können. Mag sein. Viel wichtiger aber ist es, sich seiner eigenen Blödheit bewusst zu sein, denn das ist lebensrettend. Im Ernst, Sie ahnen gar nicht, wie leicht es ist sich selbst umzubringen. Ohne jeden Vorsatz, einfach nur, weil man sich so saudumm angestellt hat, dass man sich fragt – sofern man überlebt – wie blöd man eigentlich sein kann. Ich selbst unterstreiche besonders dumme Aktionen gerne mit einem gemurmelten „uiuiui“. Bis vor einigen Jahren dachte ich, dass ich dieses Geräusch von mir gebe, wenn ich urplötzlich in eine brenzliche, mit etwas Glück aber zu überstehende Situation gerate. Zum Beispiel, wenn man bei leichtem Nebel etwas zu schnell – oder wie mein Vater sagen würde, völlig hirnlos – einen Skipiste nach unten brettert und aufgrund der schlechten Sicht versehentlich in die Buckelpiste abbiegt. Das ist ein „uiuiui-Moment“. Andere brüllen „Fuck“ ich murmle uiuiui und lache hysterisch wenn ich stehend unten ankomme. Uiuiui sage ich auch, wenn es mal eng wird. Beim Autofahren zum Beispiel. Da gibt’s schmalen Straßen, die richtig eng werden wenn noch ein LKW am Rand steht. Ich fahre dann langsam durch, hoffe das beste und murmle leise mein Mantra. Das zumindest dachte ich lange. Bis vor ein paar Jahren mein Freund neben mir saß, als es eng wurde. Ich murmelte und als ich ihn das nächste Mal ansah war er weiß im Gesicht und sagte betont ruhig, dass ich unverzüglich rechts ranfahren soll. Weiterlesen

Sommerräume

Mein Balkon und mein Laubengang sind mir heilig. Ich habe sie so gern wie meine Wohnung und betrachte sie von Frühling bis Herbst als zwei weitere, besonders schöne Räume. Öffentliche Räume, denn egal ob man will oder nicht, als Geheimnisträger eignen sich die Sommerräume nicht. Von allen Balkonen im Haus ist meiner der Wilde. Man sieht es von unten wenn man den Kopf in den Nacken legt und die Hausfront hinauf blickt. Bei mir ist nichts ordentlich, aber alles üppig. Schlampig nennt ihn Frau Obst, die den Kopf nicht in den Nacken legt, sondern sich täglich einmal gefährlich weit über die Brüstung lehnt um zu kontrollieren ob es vielleicht ordentlicher geworden ist.

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Weiß nicht was

Der Mann, der ab und zu mit einer Flasche Wein vor meiner Türe steht, kommt nicht vorbei. Er ist, er weiß nicht was. Das ist ungewöhnlich. Ich kenne ihn wütend – kurz und heftig wie ein Gewitter. Dauerhaft bewölkt kenne ich ihn nicht. Ich kenne ihn lachend und kenne ihn ruhig, weil er selten mehr als nötig sagt. Sich Worte verkneifend kenne ich ihn nicht. Ich kenne ihn eine Antwort rigoros verweigernd und schmunzelnd den Kopf schütteln. Linkisch mit den Schultern zuckend, kenne ich ihn nicht. Ich kenne ihn angefressen und weiß, dass er es heute nicht ist. Heute ist er, er weiß nicht was und das ist ungewöhnlich.

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Kurze Frage

Wissen Sie wer dieses Bild im Original gemalt hat?

Der Junge, gemalt von meinem Vater, begleitet mich mein Leben lang schon. Leider kann sich mein Vater nicht an den Namen des Malers erinnern, von dem er es vor über 50 Jahren abgemalt hat.

Kennen Sie ihn?

Guten Start in die Woche.

Friss mich nicht – U-Bahn Gedanken

In der U-Bahn sitzt mir einer gegenüber. Unheimlich, irrer Blick und Speichelfäden in den Mundwinkeln. Ohne zu zögern könnte man ihm eine Rolle im Tatort als Massenmörder anbieten. Würde man sich trauen ihn anzusprechen. Keiner sitzt bei ihm. Ich nur, wenn ich muss. Er macht mich nervös. Rucksäcke, Attentatsgedanken und Burkas nicht. Er schon. „Du magst mich nicht.“, sagt er an einem Morgen. Sagt es so plötzlich, dass ich vergesse nicht zu antworten und es versäume schnell aufzustehen und zu gehen. „Ja,“ wenn es zu spät ist kann man ehrlich sein, „Sie sehen aus, als würden Sie mich gleich fressen.“ Er schnaubt. „Ich fresse niemanden auf. Muss ich nicht. Es frisst sie auf. Das Böse. Von ganz alleine.“ Er sieht mich an. Wischt sich mit dem Handrücken über den Mund. „Dich nicht.“ Weiterlesen

Alte Bissgurkn* U-Bahn Gedanken

Schon seit dem Harras höre ich die ältere Dame leise jammern. Worte braucht sie dazu nicht. Jeder einzelne ihrer Atemzüge ist von tiefem Schmerz erfüllt. Beim Einatmen ein schwaches Stöhnen, beim Ausatmen ein leises Seufzen. Dazu ein mildes aber herablassendes Lächeln und wenn ein fremder Blick zufällig den ihren kreuzt, dann schließt sie matt die Augen. Sekundenbruchteile später öffnet sie die selben wieder und schütteln kaum merkbar den Kopf. Ein solches Kopfschütteln signalisiert, dass es schon geht. Schwer, aber es geht schon. Man leidet halt arg. Die Leut im Bus nehmen sie nicht ernst genug. Sie merkt es, weil sich seit zwei Stationen nicht einer erkundigt hat, woran es den fehlen würde. So gerne hätte sie ihre Leidensgeschichte erzählt. Man sieht es an ihrem Gesicht. Aber heutzutage hört ja keiner mehr dem anderen zu und längst sind Egoismus und Desinteresse die Geiseln der Stadtbevölkerung geworden. Das ignorante Volk merkt es nicht einmal und erdreistet sich, trotz ihrer beständigen, schmerzvollen Atemzüge, auch noch zu lächeln und sich auf das lange Osterwochenende zu freuen. Ein letztes Mal atmet sie aus und macht sich dann auf anderem Weg bemerkbar. Weiterlesen

Sommerfilter

Mein Lieblingsmensch mochte keine Fotos. Einen billigen Abklatsch der Wirklichkeit nannte er sie und hatte doch eines von mir auf seinem Handy gespeichert. Eines, von dem er behauptete, dass es echt sei. Und eines das mir gar nicht gefiel. Ich beiße mir darauf auf die Unterlippe, funkle ein bisschen genervt in die Kamera, bin ungeschminkt, von Sommersprossen übersäht und meine Haare sind zerzaust und nass, weil mich die Hitze eines Julitages in die Isar getrieben hatte. Er mochte es wegen des leuchtenden Grün meiner Augen und dem Wassertropfen der sich in den Wimpern verfangen hat.  Und wegen des genervten Gesichtsausdrucks, der – wie er sagte – an eine bockige Dreijährige erinnerte. Mein Lieblingsmensch fand mich immer dann am schönsten, wenn ich mich gar nicht mochte. Man müsse wenigstens einen Filter darüber legen, forderte ich und setzte mich durch. Der bockige Gesichtsausdruck blieb, der Rest wirkte seltsam weichgewaschen. Man könnte keine zwei Filter übereinander legen, meinte mein Lieblingsmensch und löschte das Bild. Ohne die Sommersprossen hatte es für ihn den Reiz verloren.

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Ein ganz besonderer Abend

Herzlichen Dank für Ihre kreativen und herrlichen Vorschläge, wie wir mit der DSGVO umgehen können. Wenn ich es richtig verstanden habe, dann kommen Sie künftig einfach persönlich vorbei und ich erzähle Ihnen das, was ich sonst schreibe. Nicht die schlechteste Idee.

Ich hätte noch eine: Am 5. Juli werde ich in Begleitung spannender und toller Frauen im Herzen Münchens lesen. Sicher wird es genauso schön, wie das Plakat gestaltet ist.

Ich freu mich! Weiterlesen

Randnotiz

DSGVO – jetzt macht bloggen erst richtig Spaß. Am besten schicken Sie mir Ihre Adresse per Postkarte an meine, im vollständigen Impressum angegebene Adresse.

Ich schicke meine Erzählungen dann per Brief an Sie. Das Porto müssten Sie aber bitte überweisen. Meine Bankverbindung einfach bei Amazon erfragen.

Natürlich werden Sie mich hier nicht wirklich los 😉