Ohne Blumen werde ich nicht intim

Ich mag den Valentinstag! Punkt. Mitten in all den „Ich mag den Valentinstag nicht“ Beiträgen fehlt mir das Gegengewicht. Wenn´s sonst keine tut, dann eben ich. Ich mag ihn wirklich. Den Valentinstag.
Nicht den Konsumwahnsinn mit Blumen, Pralinen und gedankenlosen vorgefertigten Kalenderspruch-Grußkarten. Auch nicht das Gefühl, das er bei einsamen oder Liebeskummer geplagten Menschen auslöst. Und schon gar nicht, wenn es der einzige Tag im Jahr ist, an dem man sich ein liebes Wort oder eine warme Geste abringt. Aber sonst, finde ich ihn eigentlich ganz nett. Weiterlesen

Jetzt mal ehrlich….die Fragen des „Liebster Award“ am Schreibtisch beantworten

Ach herrje. Da mogelt man einmal ein bisschen und bekommt sofort eine auf den Deckel. Ob ich mir die Regeln des Liebsten Awards nicht durchgelesen hätte. Ob ich mich aus Faulheit oder Ignoranz über die Regeln hinweg gesetzt habe? Und überhaupt, ob da nicht der ursprüngliche Gedanke des Awards zu kurz käme, wenn jeder sich nur ein paar Fragen herauspickt und sie zur Beantwortung auch noch an Familienmitglieder weiter reicht? Einer meiner Freunde ist da sehr kritisch. Weiterlesen

Liebster Award in der U-Bahn

In der U-Bahn sitzend, nahm ich mir vor endlich  Rezas Fragen zu beantworten, die er mir im Rahmen des Liebsten Awards gestellt hat. Es klingt so leicht, elf Fragen zu beantworten und doch merkt man schnell, dass es alles andere als leicht ist. Man ist versucht, etwas amüsantes oder witziges zu erzählen. Will dabei ehrlich bleiben und muss sich die tiefer gehenden Fragen zuerst ein paar Minuten auf der Zuge zergehen zu lassen. Man will ja keinen Blödsinn schreiben. Weiterlesen

Jeden Tag schön hässlich

In meinem Wohnzimmer beginnt die blaue Stunde, der kurze Moment zwischen dem Untergehen der Sonne und dem Einbruch der Nacht, mit einem letzten Aufbäumen goldenen Lichts. Die letzten Sonnstrahlen leuchten über die Hausdächer genau in mein Küchenfenster. Sie tauchen meine hässlichen beigen Hängeschränke in ein strahlendes und funkelndes Licht. Als man irgendwann in den achtziger Jahren die Küche einbaute, hielt man noch nichts von Hochglanz-Flächen. Meine Schränke verzeihen Fingertappser und ihre raue Fläche ist nicht kaputt zu bekommen. Robust und praktisch musste es damals sein. Hässlich beschreiben es nachfolgende Generationen. Weiterlesen

Bleiben Sie mir mit Fasching vom Hals!

Ich bin nicht zickig. Und nur ganz selten missmutig. Das können Sie mir ruhig glauben. Ich hab´s ja selbst nicht so mit zickigen Frauen und kenn mich gut mit solchen aus. Ich kenn die Sorte, die latent schlecht gelaunt in der Ecke steht und eine Schnute zieht, weil man ihnen nichts recht machen kann. Man fragt sich, warum sie nicht zu Hause geblieben sind. Wo es ihnen draußen, zwischen all den fröhlichen und gut gelaunten Menschen doch so gar nicht behagt. Man kennt solche Frauen. Schlimm, wie sie missmutig das Gesicht verziehen und anderen die Laune verderben.
Man muss aber differenzieren. Es gibt Ausnahmen. Es gibt ganz wundervolle Geschöpfe, die sich gänzlich unverschuldet in einer Situation wieder finden, in der sie hilflos und überfordert so lange um sich schlagen, bis sie missmutig verstummen. Diese Frauen können, ja müssen, einem leid tun. Es sind jene, die sich jahrelang mit Händen und Füßen dagegen gewehrt haben, am Faschingsdienstag die Innenstadt zu betreten und sich heute am Rosenmontag im Drogerie Markt vor einem Regal mit Hasenohren wieder finden. Frauen wie ich zum Beispiel. Weiterlesen

Spontan entschieden

Wichtige Entscheidungen treffe ich gerne spontan, aus dem Bauch heraus und unter Missachtung jeglicher Aspekte der Vernunft. Nicht alle. Aber etwa ein Drittel der wichtigen Entscheidungen wird von mir ohne vorheriges Nachdenken getroffen. Mit siebzehn zum Beispiel beschloss ich, dass ein ganz bestimmter Mann mein zukünftiger Seelenverwandter werden würde, obwohl ich noch kein Wort mit ihm gesprochen hatte. Drei kleine Muttermale auf der linken Wange erinnerten mich an den Gürtel Orions und waren mir Zeichen genug. Mir ein sonnig gelegenes Grab unter den Nagel zu reißen, war eine ebenso spontane Entscheidung, wie die, mir den Mann mit Orions Gürtel auf der Wange zu schnappen. Beide waren zum Zeitpunkt der jeweiligen Entschlussfassungen noch belegt. Der Mann hatte seine damalige Freundin noch nachts neben sich liegen und im Grab lagen zwei Verstorbene. Weiterlesen

Ein fremder Kopf – und ein Kern I

Ich mag´s ja, in fremde Köpfe einzudringen. Mag es auf Gedanken, die mir fremd sind, so lange herumzukauen, bis ich sie ausspucke oder genüsslich schlucke. Besonders fein ist es in kluge Köpfe einzutauchen. Sich etwas abschauen oder überraschend etwas ganz Neues zu finden. Unangenehm wird es erst, wenn man unvorsichtig an Gedanken knabbernd,  auf etwas nur schwer zu schluckendes stößt. Eben noch schmeckt das sprudelnde Gespräch wie eine saftige Pflaume, bis man unvermittelt auf den harten Kern im Fruchtfleisch stößt. Ausspucken ist unhöflich. Schlucken unmöglich – man könnte daran ersticken. Weiterlesen

Franz hat jetzt weiche Hände – U-Bahn Gedanken.

Wenn es richtig ist, dass sich „Sie Arschloch“ schwerer sagt, als „Du Arschloch“, dann möchte ich nach der heutigen U-Bahnfahrt einigen Paaren die Rückkehr zur formellen Distanz ans Herz legen. Dem Paar hinter mir ist es wahrscheinlich egal, was ich denke. Mehr noch. Wenn ihnen schon scheißegal ist, was der Ehepartner denkt, dann dürfte ihnen meine Meinung zu ihrem lautstarken Streit vermutlich gleich doppelt scheißegal sein. Mir wäre es auch egal, würde ich nicht direkt neben ihnen stehen und mir ihre Fäkalsprachlichen Ausgeburten nicht so ungefiltert um die Ohren fliegen. Weiterlesen

Zu laut

Das Reden fiel mir schon immer leicht. Auch geschwiegen und zugehört habe ich oft und gerne. Dann zu schweigen, wenn es viel zu sagen gibt, habe ich erst mit ihm gelernt. Still zu sein, wenn mein Kopf explodieren, war seine Art den unablässigen Gedankenstrom zu lenken ohne ihn zu beeinflussen. Anfangs hielt ich ihn für arrogant und unsensibel, wenn er mitten im Gespräch verstummte und unseren Dialog zu einem Monolog verkümmern lies. Er lies mich reden, aber es machte mich wahnsinnig, gegen eine Wand anzureden, die mich ansah und zuhörte, aber nicht reagierte, bis er mich bat still zu sein. Erst wenn ich verstummt und wir schweigend neben einander lagen, begann er irgendwann wieder zu sprechen. Stellte Fragen und stellte in Frage. Manchmal erst am nächsten Morgen. Meistens früher, weil er wusste, dass ich darauf wartete. Ein Kompromiss, weil mich sein Schweigen und ihn mein Reden verrückt machten. Ich habe die Stille nur schwer ausgehalten. Er wusstest es, nahm im Verstummen meine Hand  und hat sie gegen seine Lippen gedrückt. Sein Daumen strich über die Innenseite meines Handgelenks und ich wurde ruhiger. Die Intimität dieser beider Gesten beruhigte mich mehr, als jedes gesprochene Wort es gekonnt hätte. Irgendwann begann ich auf den Moment zu warten. Mit meinem Reden und Erklären drehten wir uns im Kreis und ich sehnte den Augenblick herbei, in dem er zu sprechen aufhörte, damit auch ich still sein konnte.

Er ist der Einzige, von dem ich mir den Mund verbieten lasse. Manchmal rufe ich ihn an, rede schnell und atemlos, bis er mich überfordert und einen Hauch genervt bittet, einen Moment still zu sein. Dann höre ich, wie er eine Zigarette raucht und manchmal auch nur das Klicken der Warnblinkanlage, wenn er gerade im Auto sitzt. Rauche manchmal selbst eine, werde ruhig und rede dann über das Wetter, bis er mich fragt was eigentlich wirklich los ist. Nichts, sage ich, es war mir nur gerade alles zu laut.

 

 

 

Sonntags zurück gedacht – Drei Schwestern

Sonntage eignen sich gut um Denkmäler zu setzen. Zwischen all den sich ähnelnden Tagen, hat sich der Sonntag noch etwas mehr Ruhe und mancherorts auch Würde und Feierlichkeit bewahrt. Wahrscheinlich eignet er sich auch hervorragend, um an den steinernen und starren Sockeln einiger Denkmäler zu kratzen oder sie gleich zum Einsturz zu bringen. Meine Tante Mitzi, der ich heute ein kleines Denkmal setzen möchte, die hat nichts und niemand zum Einsturz gebracht. Man hätte schon gewaltig Anlauf nehmen müssen, um diese prächtige und imposante Frau ins Wanken zu bringen. Weiterlesen