Franz hat jetzt weiche Hände – U-Bahn Gedanken.

Wenn es richtig ist, dass sich „Sie Arschloch“ schwerer sagt, als „Du Arschloch“, dann möchte ich nach der heutigen U-Bahnfahrt einigen Paaren die Rückkehr zur formellen Distanz ans Herz legen. Dem Paar hinter mir ist es wahrscheinlich egal, was ich denke. Mehr noch. Wenn ihnen schon scheißegal ist, was der Ehepartner denkt, dann dürfte ihnen meine Meinung zu ihrem lautstarken Streit vermutlich gleich doppelt scheißegal sein. Mir wäre es auch egal, würde ich nicht direkt neben ihnen stehen und mir ihre Fäkalsprachlichen Ausgeburten nicht so ungefiltert um die Ohren fliegen.

Neben mir zankt sich nicht ein Teenager-Pärchen, das womöglich noch nicht zu streiten gelernt hat, sondern zwei Menschen die auch bei robuster Gesundheit, bereits in der zweiten Lebenshälfte angekommen sind. Sie schlagen sich verbal ins Gesicht und die Härte ihrer Worte in meinem Rücken, wird durch den Ellbogen der Keifenden an meiner Hüfte unangenehm verstärkt. Dankbar um das Schmunzeln eines älteren Mannes, der das Schauspiel interessiert und durchaus amüsiert verfolgt, versuche ich ein kleine Stück abzurücken und das ganze ebenfalls mit Humor zu nehmen.
Den älteren Mann kenne ich bereits aus der S-Bahn. Dort saß er mir gegenüber und versuchte trotz vergessener Brille, den Beipackzettel einer medizinischen Creme zu entziffern. Der Anteil an Harnstoffen machte ihm zu schaffen. Leise, aber laut genug, erkundigte er sich bei seiner Frau, woraus man diesen den gewinne. Pipi, ist ihre lapidare Antwort und er schüttelt sich übertrieben angeekelt. Feixend sinniert er, dass sie dafür keine Geld hätten ausgeben müssen, davon hätte er reichlich. Ich erfahre dass er Franz heißt. „Franz!“, weist ihn seine Frau zurecht und kann sich ein Lachen trotzdem nicht verkneifen. Ganz so genau möchte Franz es wohl doch nicht wissen. Er steckt den Zettel umständlich in die Tasche, schraubt die Creme auf und riecht lange und leise schnaubend daran. Seine Frau kennt ihn wohl gut genug, um mahnend die Stirn zu runzeln, bevor er sie nötigt ebenfalls daran zu riechen. Als er beginnt, sich probeweise ein wenig auf den Handrücken zu schmieren, legt sie ihre Zeitung zur Seite und flüstert leise: „Des brauchst doch ned, des teure Zeug.“ Franz hält ihr zufrieden den Handrücken hin und murmelt, dass die Haut sich jetzt ganz weich anfühlt. Schneckerl, wie er sie nennt, muss seine Hand befühlen. Beide lächeln, erst als sie sagt: „Du alter Schönling, über achtzig und will weiche Händ´. Du spinnst scho a bisserl.“, da ist er kurz eingeschnappt. Nur einen Moment, dann stupst er mir mit seinem Ellbogen leicht in die Seite und informiert mich, dass die Creme nicht riecht. Ich kann es ihm bestätigen und bin einige Minuten später froh, ihn und sein Schneckerl in der U-Bahn wieder zu treffen.

Da sitzen zwei, die sich in ihrem Leben bestimmt schon reichlich gezankt haben. Man weiß nicht, wie oft sie in Küche oder Wohnzimmer gesessen haben und sich und ihre Zweisamkeit in Frage gestellt habe. Ohne sie zu kennen, meine ich zu wissen, dass sie das Streiten mit den Jahren wohl gelernt haben. So ganz ohne wird es all die Jahrzehnte nicht gegangen sein. Einen liebevollen Umgangston haben sie sich aber bewahrt. Der Umgangston zweier Menschen kommt in der S-Bahn oft ungefiltert ans Licht. Obwohl man sich eng und eingepfercht zwischen Fremden befindet, fühlt man sich in der Anonymität anscheinend unsicht- und unhörbar. Einem Eindruck, den das streitende Paar in meinem Rücken, kaum unterliegt. Die suchen die große Bühne um sich unter Zeugen gehörig die Meinung zu geigen. Ohne mich umzudrehen, weiß ich, dass er ihren Arsch für zu fett hält. Vielleicht spielen die beiden ein Spiel. Gib mir Schimpfworte in alphabetischer Reihenfolge. Den Anfang habe ich verpasst, es beginnt beim H. Er nennt sie hysterische Heulsuse, sie kontert mit dem ignoranten Idioten. Ich verstehe die Regeln nicht, denn sie kehren zurück zum Anfang. Dem A und Arsch. Dem ihren, der zu fett ist, was er anmerkt als es um das Abendessen geht und dem Arsch in Person, wie sie ihn betitelt. Wie muss es um die Beziehung zweier Menschen bestellt sein, wenn „fetter Arsch“ in der  Öffentlichkeit fällt und so brutal und verletzend ausgesprochen wird? Franz stellt den Hintern pantomimisch mit seinen Händen dar und obwohl er schmunzelt, ist ihm anzusehen, dass auch er längst gegen das Fremdschämen ankämpft.

Ich steige mit dem Schneckerl und Franz eine Station früher als gewöhnlich aus. Lieber Schneeregen als mir diesen Schlagabtausch unter der Gürtellinie noch weiter anzuhören. An einem Abend, an dem das Niveau schon so tief gesunken ist, könnte ich mir auch gleich noch den Bachelor und seinen Harem auf RTL ansehen. Schlimmer kann es nicht mehr werden. Ich werde es nicht machen und lieber in die Badewanne gehen. Franz hat mich daran erinnert, dass Winterhaut gepflegt werden muss. Meine Creme, die ich anschließend benutzen werde, enthält kein Urea. Gut riechen tut sie trotzdem. Hinweise auf meine weiche Haut verkneife ich mir.

Es grüßt Sie, Ihre Mitzi, die Sie auch bei leicht distanzierter Ansprache niemals als Arschloch bezeichnen würde.

 

 

43 Gedanken zu “Franz hat jetzt weiche Hände – U-Bahn Gedanken.

    1. Da erinnerst du mich an einen Film, den ich – alleine wegen des Titels – schon immer sehen wollte, aber noch nie gesehen habe. Nachdem ich eben noch mal die Handlung überflogen habe, werde ich ihn mir am Wochenende ansehen.
      Liebe Grüße

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  1. es ist schon erstaunlich, was Gefühle auslösen……mich verwundert auch immer, wie sehr sich so manche Leute in der U-bahn Zuhause fühlen…..vielleicht brauchen sie auch ein Publikum und haben nur da den Mut, etwas auszusprechen……

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  2. Schon oft habe ich mich gefragt, warum Menschen zusammenleben, wenn sie sich so angiften (ich ging dann lieber..). Einige Nachbarn habe ich schon gehabt, die mit ihren Verbalkanonenkugeln so um sich schossen, dass ich mich in meinen vier Wänden bedroht fühlte. Aber offensichtlich sehen diese Menschen es als „Was sich liebt das neckt sich!“ an. Sie scheinen das zu brauchen, für was auch immer.
    Hab gelacht als ich mir Franz vorstellte, wie er pantomimisch tätig wurde… Er war das perfekte Gegengewicht. 🙂

    Liebe Grüße aus der freundlichen Silbenkemenate,
    Silbia

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    1. So ein Franz im richtigen Moment, ist Gold wert.
      Überhaupt ist der Charme älterer Herren (ab dem Alter, indem sie als Partner definitiv ausgeschlossen werden können) ein ganz besonderer. Da kann dir einer dann auch gerne in die Seite stupsen oder dir die Hand zum riechen hinhalten.

      Liebe Grüße und einen schönen Tag.

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  3. Ich las einmal, dass es Paare gibt, die hält nur noch Wut und sogar Hass zusammen. Das scheint zu stimmen, wenn ich das lese.. Ergreifend über das andere Paar zu lesen, dass den liebevollen Umgangston beibehalten hat. Eine sehr schöne Geschichte, sehr lebendig erzählt.

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      1. Liebe Mitzi … bis wir zwei … in der realität ankommen … haben wir genügend zeit das leugnen zu üben …

        das mit der ferne … kann ein seegen sein … da geb ich dir recht … aber auch ein fluch …

        oft sieht man die entfernung schon nach der ersten begegnung … wesentlich weniger positiv …

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  4. Ich wohne in einer Reihenhaussiedlung. Normal hellhörig, was der direkten Nachbarin nicht reicht. Sie öffnet während des Streitens (er flüchtet dabei nämlich immer in die Garage raus) die Fenster, und brüllt ihn über meinen Garten hinweg zur Garage hin an. Auf einem Niveau, das sogar RTLII zu flach wäre. Anfänglich war ich nur verwundert, irritiert, mittlerweile – das Drama wiederholt sich ein bis zweimal die Woche, und ich bin froh zum Herzensherrn ins Haus flüchten zu können – glaube ich, dass das ihr Lebensinhalt ist. Anders kann ich mir nicht vorstellen, warum sie zu allem Übel letzten Sommer geheiratet haben. Beide sind übrigens Ende fünfzig …

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    1. Vielleicht brauchen sie ihre Bühne. Müssen sich kräftig anbrüllen um dann, erleichtert und besänftigt eine harmonische Beziehung zu führen….
      Man kann nicht reinschauen und sich nur wünschen, dass es innen drin etwas ruhiger und netter zugeht. Vielleicht kannst du es mit Humor nehmen. Du hast sozusagen deine eine Realityshow vor dem Fenster.

      Liebe Grüße

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  5. Hallo Mitzi,
    ich komme ja nicht mehr richtig vor die Tür. Nur zum Einkaufen, dann mit dem Motorrad, was ich eigentlich auch stehen lassen sollte, aber nicht will (Freiheit und so).

    Auch hier, wo ich seit 12 Jahren, fast ununterbrochen lebe, ist es gang und gäbe, in der Öffentlichkeit, unter völliger Missachtung der üblichen Anstands- und Verhaltensregeln, Meinungsverschiedenheiten auszutragen und gerne auch mal ungehemmt eskalieren zu lassen. Da können auch schon mal Ohrfeigen und Tritte die „Kommunikation“ unterstützen.

    Ich glaube schon, das es ein Zeichen dieser Zeit ist, das immer mehr Leute glauben, sich überall „gehen lassen zu können“, sich daneben benehmen zu können. Es ist nicht nur ein Zeichen fehlenden Anstandes und fehlender Manieren,sondern auch eine immer mehr um sich greifende Rücksichtslosigkeit gegenüber den Mitmenschen.

    Aber bisher konnte ich nirgends eine humorigere Beschreibung solcher erlebten Vorfälle finden, dazu noch mit einer kleinen und feinen Portion versteckter Gesellschaftskritik versehen. Das, zum Beispiel könnte ich nicht zusammen bringen, ebenso wenig an Deine anderen Texte und Geschichten über das Leben heran reichen.
    Deshalb bin ich so gerne hier und deshalb nehme ich mir auch die Zeit für lange Kommentare.

    Es war gut zu warten, denn heute morgen habe ich noch 3 Seiten an mein „fertiges“ Traktat dran‘ gehängt. Vielleicht sollte ich es besser teilen oder dritteln. Und vielleicht werde ich es doch bei mir einstellen. Der andere Blog hat seit letzter Woche eine ziemlich hohe Taktzahl an täglich neuen und guten Texten neuer und alter Autoren erreicht, die sich nun gegenseitig „abschießen“, die Aufmerksamkeit der Leserschaft damit auch absenken. Aber mein Leben hängt nicht wirklich dran, mal sehen.

    Liebe Grüße und weiterhin ereignisreiche U-Bahnfahrten. Du kannst das so schön verarbeiten!

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    1. Danke, für das schöne Lob, Michael. Es ist eine Art, sich den Tag vom Hals zu schaffen oder das schöne das ich erlebt habe wieder aufleben zu lassen. Rundum egozentrisch, aber vermutlich dem Erlebten der meisten anderen nicht wirklich fremd und daher vertraut.
      Dank der WP Statistik über die Seitenzugriffe ahne ich an welchem Fleck (zumindest grob) du dich befindest. Die Unterschiede zu München, das ja doch ein Dorf ist, sind bestimmt immens.
      Drei Seiten drangehängt? Naja, manche Themen brauchen ihren Raum und lassen sich nicht in einen kurzen und knackigen Text pressen. Es würde ihnen nicht gerecht werden. Ich würde mich freuen, wenn du mir verrätst wo ich dein „Traktat“ lesen kann. Du hast mich neugierig gemacht.
      Das dein Leben nicht daran hängt, beruhig mich. Aber die Leidenschaft dafür, klingt durch – durchwegs positiv gemeint.
      Liebe Grüße

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      1. Hallo Mitzi,
        danke für Deine Antwort und für dein Interesse am „Traktat“, das ich heute, schon wieder, ergänzt und korrigiert habe. Aber jetzt „muss gut sein“. Endgültig….

        Ich denke, es wird doch auf meinem Blog, als erste Veröffentlichung eingestellt. Werde ich Dir aber noch mitteilen, wann und wo die Welt von mir mit weiteren, nicht gewollten und benötigten, schriftlichen Gedankengängen gequält wird.

        Hast Du nochmal Pantoufle besucht? Er hat gestern ein neues „Werk“ eingestellt. Hut ab, es ist zwar sehr technisch und nimmt Bezug auf historische Tatsachen, es ist lang, aber wie es geschrieben wurde, hat mich wirklich beeindruckt.

        Ich lebe mit Sohnemann in Thailand. Natürlich ist hier ein ganz anderes Leben, ein ganz anderes Lebensgefühl, wenn man es verstehen kann (nicht adaptieren, nur manches und nur dann, wenn es mir hilft, Nachteile zu verhindern), was aber für die meisten West’ler fast unmöglich ist, aufgrund der eigenen Sozialisation, der Gewohnheiten.

        Ich habe den längsten Teil meines Erwachsenendaseins außerhalb Europas verbracht, hatte nie besondere Schwierigkeiten damit, andere Menschen und ihre Lebensgestaltung und Lebensumstände zu akzeptieren, versuchen zu begreifen, warum das alles so ist und nicht anders.

        Und letztlich minimieren sich die tatsächlich vorhandenen Unterschiede doch nur wieder darauf, das es sich nur um Menschen handelt, mit Hoffnungen, Wünschen und Träumen, die irgendwie versuchen, durch den Tag zu kommen, satt zu sein, etwas Freude zu finden.
        Wenige schaffen das ganz bequem, auf Kosten vieler anderer. Die anderen manchmal recht und manchmal schlecht. Als ob es ein Naturgesetz wäre, hier und überall auf der Welt, wo mehr als ein Mensch durch die Natur stolpert.

        „Zufriedenheit“ zu definieren ist etwas sehr persönliches. Der tägliche Versuch „Zufriedenheit“ zu erlangen, kann mitunter ein hoffnungsloser Kampf sein, einfach weil man die Definition schon im Ansatz „vergeigt“ hat und sich von vorgefertigten Glückszuständen hat blenden lassen.

        Ich hoffe, du hat einen schönen, mit Zufriedenheit angefüllten Tag, der Dich eine neue Geschichte schreiben lässt, der mir und Deinen vielen Lesern wiederum Freude bereitet.
        Alles Liebe, Michael

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      2. Hallo Michael,

        ich habe den Anfang bei Pantoufle überflogen und das Lesen dann auf einen ruhigeren Moment verschoben. Das klappt in der S-Bahn nicht bzw. will ich Texte wie diesen lieber in Ruhe lesen. Momentan mangelt es an allen Ecken und Enden an der Zeit. Der Großteil des Tages ist alltägliche Arbeit und mein kleines Projekt hier nimmt mehr Zeit in Anspruch als ich dachte. Lustiger Weise ist es nicht das Schreiben. Das geht flott. Das Lesen andernorts frisst Zeit. Verzichten will ich darauf aber nicht. Für mich, als Büchermensch ist es eine neue Erfahrung im Internet auch zu lesen. Eine schöne – ich finde hier Denkanstöße, Humor und Kurzweiliges, auf das ich nicht mehr verzichten möchte.
        Das sich die Unterschiede minimieren, hast du schön ausgerückt. Zwei, drei Sätze stehen da, die nachhallen. Auch der kleine Absatz über die Zufriedenheit. Je mehr man sich abstrampelt um sie zu erlangen, umso leichter übersieht man die Momente, die sich bereits durch empfundene Zufriedenheit auszeichnen. Nur weil gesellschaftliche Vorgaben suggerieren, dass da noch mehr drin sein muss.

        Auch dir Tage mit Zufriedenheit und liebe Grüße nach Thailand. Das schöne am oft verteufelten Internet – es überwindet die Entfernungen. Manchmal bin ich noch immer erstaunt, wenn ich mir bewusst mache, wie leicht es geworden ist. (Und wie starr die Köpfe zur gleichen Zeit geblieben sind).

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  6. Zunächst eine technische Frage. Welche Creme hast du für das Startbild fotografiert? Ich will das nicht so einfach übergehen, weil du dir immer Arbeit machst, zu veranschaulichen, worum es geht. Dabei freut mich die künstlerische Strenge der Umsetzung, die Reduzierung auf Schwarzweiß und die grundsätzlich handgeschriebene Zeile, die fürs Foto sauber ausgeschnitten ist.
    Das Startbild ist auch deshalb bemerkenswert, weil es einen hübschen Kontrast bildet zur Farbigkeit deines Erzählens. Im konkreten Fall ist es dir gelungen, zwei Szenerien aus der U-Bahn so plastisch zu schildern, dass man sich einbezogen fühlt. Mich beeindrucken die Genauigkeit deiner Beobachtung und die viele Einzelheiten, die du noch behalten hast. Ich sähe mich verzweifelt eine Gelegenheit suchen, etwas zu notieren, weil mich meine Erinnerung zu schnell verlässt, wenn ich einen Wortlaut aufgeschnappt habe, aber du stehst in der U-Bahn, musst aus Gründen der Schicklichkeit so tun, als würdest du den Streit nicht mitbekommen, abgesehen vom einvernehmlichen Lächeln, das du mit dem „alten Schönling“ austauschst. Du tust gleichgültig, hast aber in Wahrheit die Antennen weit ausgefahren, weil du weißt, dass du darüber schreiben wirst. Einen Teil der im Text vermittelten Reflexionen wirst du in der Situation schon angestellt haben. Sie gipfeln jetzt in einem beinah vernichtenden Urteil, gemildert um eine intelligente Betrachtung der Kommunikation alter Paare, wobei das erste Paar zu beneiden ist, das andere aber zu bedauern.
    Resumee: Das ist wieder mal ein wunderbarer, gut gebauter Text, direkt aus dem Leben gegriffen. Alles begann mit dem Fokus auf eine Handcreme. Und im Schluss kehrst du zum gleichen Motiv zurück, aber so geschickt, dass mans kaum merkt – (außer ich natürlich 😉 ) Kompliment, und danke, dass du uns hast teilhaben lassen und eine Idee vermittelst, wie man es nach langer Partnerschaft noch handhaben sollte. Ein klein bisschen achtsame Distanz hilft. Sich selbst zu begrenzen, setzt auch dem anderen eine Grenze, hier angezeigt durch die förmliche Andrede.
    Es beglückwünscht Sie zu diesem Schmuckstück von Text, liebe MItzi,
    Ihr Jules

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    1. Es ist die feine Handcreme von Kiehl´s, die für das Foto herhalten musste.
      Es freut mich, dass du dich lobend über die Fotos äußerst. Mittlerweile sind sie mir fast so sehr wie meiner Texte ans Herz gewachsen. Entstanden aus einer Verlegenheitsidee um dem puren Text wenigsten etwas kleines für das Auge mitzugeben, sind sie jetzt die zur einzigen Konstante der verschiedenen Texte geworden. Mittlerweile finde ich die kleinen Zettel überall in meiner Wohnung, weil ich nach dem Veröffentlichen vergesse, sie wieder zu entfernen.
      Eine Konstante sind auch deine Anmerkungen geworden. Ich bin immer wieder beeindruckt wie gut, du meine Gedankengänge, die ich beim Schreiben – abseits des eigentlichen Textes – habe. Gestern stand ich wirklich da und habe bereits gewusst, dass ich über die vier Personen schreiben möchte. Und das ich es recht schnell tun möchte, solange mir dieser Streit noch zutiefst unangenehm im Nacken saß. Den ersten Entwurf habe ich komplett gelöscht. Eine reine Aneinanderreihung von Bosheiten anderer sind keinen Beitrag wert.
      Das du die Rückkehr zum Anfangsmotiv bemerkt hast, lieber Jules, überrascht mich nicht. Das es ein aufmerksamer Leser wie du als geschickt bezeichnet, freut mich umso mehr. Ich erinnere mich an eine zurückliegende Bemerkung von dir, als du geschrieben hast, dass du dich beim Lesen eines Textes gefragt hast, ob ich das wohl noch rund bekommen würde. Es war wohl genau die Stelle, an der ich mir beim Schreiben die gleiche Frage stellte.
      Solltest du Handcreme benötigen, lass es mich wissen. Als kleines Dankeschön, für die Freude die du mir mit Anmerkungen, Links und Hinweisen auf Neues und Interessantes an so vielen Abenden bereitest.
      Liebe Grüße

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      1. Mich freut wiederum, dass du dir meine Bemerkung über die Rundung eines Textes gemerkt hast. In den ersten Jahren meines Bloggens hatte ich den Ehrgeiz, einen Text immer rund zu machen. Eigentlich ist es ein Stilmittel der Reportage. Man beginnt mit einem Bild (Nahbild, einer kleinen Szene, einem Zitat) und kehrt am Schluss ins Bild des Anfangs zurück, so dass Einstieg und Schluss eine Klammer bilden. Obwohl wir im Blog selten Reportagen schreiben, halte ich dieses Stilmittel für besonders geeignet für Blogtexte. Bei dir habe ich es schon oft gefunden.
        Es ist lieb, dass du mir die Handcreme offerierst, doch fürchte ich, sie würde bei mir hart werden, denn anders als Franz habe ich auch so weiche Hände. Von dir zu lesen, hier und in Kommentaren ist eigentlich schon Geschenk genug, liebe Mitzi, obwohl der Gedanke, ein Päckchen von dir zu bekommen, schon verlockend ist. Ein Brief wäre fein. Ich hätte dann auch was für dich, nämlich vier Ansichtskarten aus dem Hause Trithemius.de. Wir müssten halt per Mail die Adressen austauschen oder so.

        Lieben Gruß

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  7. Ich nehme an, das fällt alles unter „die Sau rauslassen“. – Wann ist diese Redewendung eigentlich in Mode gekommen? Ich vermute, es muss zu der Zeit gewesen sein, als die Leute anfingen, ungeniert auf unterstem Niveau in der Öffentlichkeit zu streiten (oder intime Details zu kommentieren). – Übrigens habe ich gegen Pflegemittel mir Urea ähnliche Vorbehalte wie Franz und kann mich – auch wenn die Wirkung gut ist – nicht recht zum Gebrauch durchringen.

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    1. Da müssten wir Jules fragen…mit der Sau rauslassen.
      Gestritten haben Menschen vielleicht schon immer in der Öffentlichkeit. Ich glaube salonfähig oder der Unterhaltung dienend ist es geworden, als TV Programme entstanden die ganze Nachmittage damit füllen so etwas als Unterhaltung zu verkaufen.
      Mit den Harnstoffen habe ich es auch nicht.
      Liebe Grüße

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      1. Nachdem ich den Kommentar geschrieben hatte, dachte ich noch ein bisschen über das Phänomen nach – natürlich nicht zu ersten Mal. Auch mir waren in dem Zusammenhang die Talkshows eingefallen, die ungeniertes privates Streiten und die Erörterung von Intimitäten in der Öffentlichkeit, wenn schon nicht „salonfähig“ doch medientauglich gemacht und damit scheinbar in Mode gebracht haben. Es ist aber ein Irrtum anzunehmen, diese Ungeniertheit sei neu. Wer sich ein bisschen mit dem naturalistischen Roman des 19. Jahrhunderts beschäftig, stellt schnell fest, dass es damals für einen kultivierten Menschen äußert unangenehm gewesen sein konnte, sich unters „gemeine Volk“ zu begeben, dessen Unverblümtheit und Vulgärsprache eine Beleidigung für die Ohren waren. Zwischenzeitig hielt dann – dank Knigge – so etwas wie Umgangsformen auch bei der heute als bildungsfern bezeichneten Bevölkerungsschicht Einzug. Dass das TV-Vorbild so schnell eine negative Wirkung zeigen konnte, beweist nur, wie dünn der Lack ist, den wir Zivilisation nennen. Dabei ist schlechtes Benehmen noch der harmloseste Beweis für diese Tatsache.
        Liebe Grüße auch an Dich.

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  8. Hallo Mitzi Irsaj,

    solche Gespräche sind leider keine Seltenheit, sondern wahre grausame Realität. Meine Ohren bluten nur von deiner Wiedergabe, wer weiß was mit ihnen (meinen Ohren) geschehen wäre, hätte ich diese Unterhaltung zwangsweise mit anhören müssen. Dieses Paar ist sich seiner Sprache nicht bewusst und schon gar nicht der Auswirkung der gesprochenen Worte. Sowohl was diese mit ihnen tun und noch mit ihrer Umwelt. Ich bleibe trotzdem positiv, dass auch dieses Paar eines Tages Erkenntnisse haben wird und die lieb gemeinten Kosenamen dann auch danach klingen.

    Mit sonnigen Grüßen
    Jana

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    1. Liebe Jana,
      es spricht für dich, dass du positiv bleibst. Ich versuche es auch. Das einzig gute an solchen miterlebten Gesprächen ist vielleicht, dass man sich selbst vornimmt, nicht auf das Niveau herunter zu rutschen.
      Liebe Grüße
      Mitzi

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    1. Da steht ganz klar ein Link, den ich in Vorkaffeeverschlafenheit zwar geklickt habe, mich dann aber weiter treiben lies. Die Entstehung des schönen Namen Vibesbild kenne ich jetzt und Sie sind mir gleich schon mal sympathisch – wer die „geschlossene Gesellschaft“ als Zündschnur angibt, den mag ich schon alleine deswegen. Ich bin recht schnell mit einem ersten mögen. Langsam werde ich auch wach und klick jetzt noch mal auf den Link.

      Saßen wir nebeneinander? Der „fette Arsch“ auch in Berlin ein Kosewort geworden. Danke für den Hinweis, es spiegelt meine Gedanken wieder und das Gegengewicht einer 68 Jahre andauernden, liebevollen Beziehung war mehr als schön zu lesen.
      Ich sitze in München – kleiner und ruhiger, aber im Streit Berlin wohl recht ähnlich.

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