Googeln Sie nicht!

Ich bin wirklich froh, dass es mir schon immer herzlich egal war, was man als Frau tragen soll oder tragen darf. Wie 9 von 10 meiner Freundinnen bin ich mehr oder weniger dem Mainstream hinterher geschwommen und hatte meist einen Mann an meiner Seite, der Entgleisungen im Bezug auf Kleidungsstücke mit dem Zucken der rechten oder wahlweise linken Augenbraue verhinderte. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich mag Mode und ich ziehe mich gerne schick an. Ich hege eine ausgeprägte Leidenschaft für Cashmere und versuch mich meiner Körper- und Kleidungsgröße entsprechend ansprechend anzuziehen. Seit ich ein Alter erreicht habe bei dem der Monat nicht vor dem nächsten Gehaltseingang endet, achte ich auf Qualität und freue mich über Dauerbrenner wie meine zwanzig Jahre alte Jeansjacke. Merken Sie was? Ich rechtfertige mich sogar bei Ihnen. Fühle mich genötigt eingangs ein paar Sätze zu schreiben, damit Sie mich nicht für eine völlige modische Entgleisung halten. Bin ich auch nicht. Oder vielleicht doch.

Glauben Sie nicht? Dann googeln sie mal „Adidas Stan Smith“. Und erzählen Sie mir jetzt nicht, dass Ihnen der Schuh nicht gefällt oder dass es schönere Sneaker gibt. Mag sein, aber darum geht es nicht. Er ist nur ein Beispiel für den Idiotismus mit dem man sich als Frau im Bezug auf Kleidung konfrontiert sieht. Da sucht man ein paar Turnschuhe. Schuhe die womöglich nicht sexy sind, die aber jede Frau im Schrank haben sollte. Nicht unbedingt die Stan Smith, aber irgendwelche. Unbedingt weil a) bequem b) High Heels Regen und Schnee meist nicht mögen und c) es Situationen gibt, in denen Frau einen spontanen Sprint hinlegen muss. Sieht die „Welt“ in der Einleitung ihres Artikels „Turnschuh Abrechnung“ auch so. Zitat: „Ohne Sneakers wäre das Leben unbequemer, grauer und viel, viel komplizierter. Ob man mit dem Fahrrad zur Arbeit fährt, dem Bus hinterher rennt oder stundenlang auf einer mit Scherben übersäten Tanzfläche im Club hüpft, es gibt kein Schuhmodell, mit dem sich diese Dinge so gut meistern lassen, wie mit Sneakern.“ Kluge, Welt. Aber dann, dann schreibt sie, dass Stan Smith (um beim Beispiel zu bleiben) out sind. Und weil sie sich für klug hält, die Welt, schlägt sie eine Alternative vor. Halten Sie sich fest, ich zitiere:  „…wer ein Glitzer-freies Schuhleben führen will, sollte zu den schlichten Wildleder-Pumps mit mittelhohem Blockabsatz und den Pantoletten der New Yorkerin Maryam Nassir Zadeh greifen.

Wildleder Pumps mit mittelhohem Absatz um den Bus hinter her zu rennen? Womöglich im Regen. Nachts um drei kann man einen solchen Absatz höchstens noch zur Selbstverteidigung nutzen – dann aber bitte einen ganz und nicht nur mittelhohen. Und Pantoletten um damit auf einer mit Scherben übersäten Tanzfläche im Club zu hüpfen? Vermutlich hüpfen die meisten dann lieber barfuß weil die hübschen Schühchen mal eben 250 Euro gekostet haben. Die Gazelle von Adidas ist übrigens auch out. Stattdessen besser Samt-Stiefeletten von Aquazurra für ca. 450 Euro. Auch wenn ich mich wiederhole…Regen? Glasscherben? Kind mit Magen Darm? Einmal drauf gebrochen und sie können die hübschen Samt(!!) Stiefeletten wegschmeißen.

Wenn Sie aber gerade keine neuen Turnschuhe brauchen und nur ein bisschen Spaß haben wollen, dann können Sie Frauen und Schuhe einfach so mal googeln. Am besten mit einem Satz, wie zum Beispiel: „Schuhe für selbstbewusste Frauen“. Erster Treffer: Extralange Overknee Stiefel. Ganz ehrlich, kennen Sie eine Frau die diese Dinge ernsthaft trägt? Draußen? Zweiter Treffer: Welche Schuhe finden Männer an Frauen unsexy. Ging es bei der gestellten Frage nicht gerade noch um selbstbewusste Frauen? Aber gut. Sneakers, Ballerinas, Mokassins, Flip Flops, Wedges, Plateau, kuschlige und warme Stiefel ohne Absatz sind ein no go. Bleiben anscheinend doch nur die Samt-Stiefeletten und die Wildleder Pumps mit halbhohen Absatz um als selbstbewusste Frau zu punkten. Da es mit Schuhen schwer wird, kann man dann – nur um Spaß zu haben – auf Treffer sechs klicken: 5 simple Schritte um das Selbstbewusstsein als Frau zu steigern. Tipp eins: Sieh so gut wie möglich aus. Ok, jetzt hört der Spaß auf!

Aber einer geht noch. Von den 5 simplen Schritten des Selbstbewusstsein geht ein Link zu: „Was du dir von selbstbewussten Frauen abschauen kannst.“ Ganz vorne mit dabei, der selbstsichere Gang. Bodenhaftung und fester Stand. Ja, in Sneakern schon aber in 11 Zentimeter Samt-Stiefeletten? Ich geh mir jetzt Flip Flops kaufen.

 

 

 

26 Gedanken zu “Googeln Sie nicht!

  1. Liebe Mitzi!

    Um dieses ganze Schuhchaos zu umgehen, laufe ich so oft es geht barfuß oder zumindest in Socken. Klar, im Aldi zwischen den Lebenmittelregalen so rumzustehen, wäre dann eine neue Herausforderung für die selbstbewusste Frau. Aber dazu bin ich dann doch wieder zu bequem und greife zu einfachen Turnschuhen… die Stan Smith Sneaker gefallen mir nicht so gut. Bei mir bleibts der weiße Adidas Samba Schuh 🙂

    Herzliche Grüße … und Sie haben immer ein gutes Auftreten 🙂
    Mallybeau

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  2. Meine Ausrede, warum ich niemals Schuhe mit hohen Absätzen trage, ist, dass ich groß bin und ohnehin vielen Männern hier in Süddeutschland auf den Kopf spucken könnte, ohne mich besonders zu recken und zu strecken. Tatsache ist allerdings, dass ich – Größe hin oder her – hohe Schuhe einfach entsetzlich unbequem finde.

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  3. Liebe Mitzi,
    die oben erwähnten Schuhe erinnern mich an die Fußbekleidung der Crohani – Humanoide einer Äquivalent-Zivilisation, beheimatet auf Javaid im Maquinna-System. Sie gehen auf die Lebenssaat der Pandora zurück, der ersten Hochkultur in der Galaxis. Und damit sie überhaupt dorthin zurückgehen konnten, haben sie diese Schuhe entworfen.
    Damit können Sie sich also überall im Universum blicken lassen und alle Raum-Zeit-Anomalien gefahrlos durchqueren. 😉

    Gruß Heinrich

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    1. Lieber Herr Heinrich!
      Mit diesem Statement könnten Sie sich zum absoluten Schuh-Guru unter Fetischisten mausern. Das klingt ja wirklich hoch professionell. Diese Aussage hat Profil … wie jeder gut besohlte Schuh 🙂

      Herzliche Grüße
      Mallybeau – heute mit Hufen

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    2. Lieber Heinrich, nie im Leben wäre ich auf die Crohani Humanoide gekommen.
      Da ich ja nicht mehr google bin ich sehr froh, Sie an meiner Seite zu wissen. Besonders weil man ja nie weiß wann man Raum-Zeit-Anomalien durchqueren muss.
      Herzliche Grüße
      Mitzi

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  4. nun hab ich doch gegoogelt – nämlich das Wort sneaker. Wurde in Deutschland erst in den 90er Jahren gängig, vorher hieß es Turnschuh. Aha. Ja. Ich gehöre offenbar zur Turnschuh-Generation. Nicht, dass ich sie besonders hübsch finde. Als ich 20 war und in Aix en Provence mit Amerikanerinnen gleichen Alters zusammen wohnte, wunderte ich mich, wieso sie nicht merkten, wie häßlich diese Dinger/Turnschuhe aka Sneakers) waren, die sie mit Boby-Socks und eng anliegenden halblangen Shorts trugen. Das konnten eigentlich nur schmalhüftige langbeinige junge Frauen anziehen, dachte ich. Und diesem Ideal entsprachen meine Mitstudentinnen durchaus nicht. Seither ist der Turnschuh für mich mit Amerika und, leider, auch mit Herrn Fischer assoziiert, der sie bei seiner ersten Vereidigung als Minister trug und danach vergaß, wofür er (angeblich) angetreten war. (Natürlich habe ich auch welche).

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    1. Jetzt wo du es schreibst, sehe ich Herrn Fischer auch vor mir und bedaure, seine Vergesslichkeit. Ich gehöre auch noch zu der Generation, die Turnschuhe einfach für Turnschuhe hält. Da man aber anscheinend nur noch Sneaker sagt, zumindest auf den Seiten auf denen ich gegoogelt habe, habe ich mich angepasst. Den Begriff Boby-Socks kannte ich nicht, die Söckchen allerdings schon. Am besten man trägt weiterhin was bequem und praktisch erscheint und man selbst trotzdem für schön hält und dass keine seltsamen Assoziationen beinhaltet.

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  5. Ich bin sowas von out! Ich habe keine Turnschuhe – keine Sneakers in neudeutsch – ich mag die Dinger nicht und finde sie zudem unsexy! Ich kann mit allen meinen Schuhen rennen und notfalls auch mich selbstverteidigen, mich hat noch nie interessiert was in oder out ist, für mich muss es passen und wenn es das tut, bin ich unwahrscheinlich weiblich 🙂
    liebe Grüße
    Ulli

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    1. Ich vermute mal, dass du nicht und weiblich bist, sondern einfach nur sehr genau weißt was dir gefällt und zu dir passt. Es müssen für mich auch keine Turnschuhe sein, wenn man sich in ihnen anständig fortbewegen kann und man sie nach einem Regenguss nicht in die Tonne werfen muss.

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  6. Richtig so – Flip Flops, von einer Frau selbstbewußt getragen, sind sexy, aber nicht wegen der Schuhe, sondern weil eine selbstbewußte Frau sexy ist. Allerdings (aus einem anderen Text weiß ich, daß Du zu Optimismus neigst): Sich morgens um 5 mit Flip Flops an eine Bushaltestelle stellen, da sollte man im Moment noch zu Sicherheit ein Paar Socken in der Tasche haben, man weiß einfach nicht, wie sich die Temperaturen tagsüber entwickeln. Und Flip Flops und Socken – das wird schon technisch zu einem Problem, oder?

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  7. Ich trage schon immer, was mir gefällt. Als Teenie alte Blusen und Jackets meiner Mutter und heute nach jahrelang vuel Schwarz, wilde Muster, knallige Farben. Regt keinen mehr auf, auch nicht im Job, ist halt mein Style. Und Sneakers sind super, da ich viel stehe und laufe als Lehrerin.

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  8. Seit wann sind denn dieses Adidas Schuhe schon wieder out? Waren die nicht erst gerade total in? Ich als konstanter Wanderschuhe oder Sneakerträger bin eig immer ganz zu frieden mit meiner Beweglichkeit. Liegt allerdings auch daran, dass ich bereits mit 2cm Absatz zu kämpfen habe 😀 Schickness wird spätestens bei langen Kleidern oder aufwändigen Hosenanzügen Geschichte….

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  9. Liebe Mitzi,
    ich habe den „Adidas Stan Smith“ gegoogelt. Na ja … ziemlich weiß, aus der bescheidenen Sicht eines Mannes, ist er schon.
    Aber! Vermutlich praktisch.
    Sollte Stan Smith oder eine andere Tennisgröße Ihnen einmal höchstpersönlich auf diesen Schuh kotzen – was ich natürlich NICHT hoffe – bin ich überzeugt, er ließe sich 1A reinigen, ohne großartig Spuren zu hinterlassen. Das wäre nun Argument d) und langsam dämmert mir, dass es keine schöneren Sneaker gibt … 😉

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