Uno heißt in München nicht eins

Wie Sie wissen, wohne ich alleine. Bei mir geht es deshalb zu wie in einem Taubenschlag. Es ist ein einziges Kommen und Gehen, weil ja Besucher und Gäste ja nicht bleiben, sondern beständig ankommen und wieder gehen. Seit ich alleine wohne, ist die Tür zu meinem Badezimmer oft verschlossen, und wenn ich an klopfe dann heißt es ein halbes Stündchen, bis das Wasser in der Wanne kalt ist, habe ich noch zu warten. Mein Kühlschrank ist meist leer gefressen, und meine Wohnungsschlüssel oder meine Handtasche, liegen selten an der Stelle, an der ich sie beim Betreten meiner Wohnung hinterlassen habe. Früher läutete es oft an der Türe, aber seit mein Drittschlüssel verschwunden ist, dreht er sich oft im Schloss und mein Telefon wird abgenommen, bevor ich rangehen kann. So ist das, wenn man unverheiratet ist und keine Kinder hat. Dann ist man wirklich selten alleine und die Wohnung für die man Miete bezahlt gehört einem nicht wirklich, weil Partner, Familie und Nachbarn sich sorgen, man könne sich einsam fühlen. Weiterlesen

Geputz

Ich putze gerne. Im Gegensatz zu vielen anderen Tätigkeiten sind Putzen und Aufräumen sinnvolle Beschäftigungen. Im Gegensatz zu einem Date zum Beispiel, hat man immer und ausnahmslos ein sofortiges Erfolgserlebnis und kann dabei seine Gedanken ganz wunderbar sortieren.

Die besten Ideen  hingegen kommen mir grundsätzlich beim Abstauben meines Bücherregals. Dort sind so viele Leben, Geschichten, Wissen und Erzählungen auf engem Raum vereint, dass ich selbst bei einer banalen Tätigkeit wie Staubwischen inspiriert werde. Hinterfrage ich mein eigenes Veralten in einer Beziehung, dann reicht zum Beispiel ein Blick auf den Einband von Madame Bovary und ich weiß, dass noch viel Luft nach oben ist, bevor ich mich sorgen muss. Brauche ich einen Hinweis wie ich mit meinen Nachbarn Paul umgehen soll, dann sehe ich mir „Vom Winde verweht“ an und ermahne mich…nicht wie Scarlett, nicht wie Scarlett. Weiterlesen

Jules ist schuld oder Kramerladengeschichten

Ich habe meinen Eltern in den letzten zwanzig Jahren nicht mehr offen ins Gesicht gesagt, wie enttäuscht ich von ihnen bin. Nicht weil ich es nicht mehr bin, sondern weil ich den Grund der Enttäuschung an den meisten Tagen schlicht vergesse. Vermutlich auch, weil ich mittlerweile erwachsen bin und eigentlich doch nicht mehr enttäuscht bin. Es fällt mir aber sehr leicht, mich wieder daran zu erinnern. Dann schiebe ich die Unterlippe nach vorne, ziehe die Nase kraus und kaue zutiefst beleidigt auf meiner Oberlippe herum. Weiterlesen

Halogen und Schwein verträgt sich nicht 

Ich lebe in einer Wohnung, in der außer Küche und Bad, kein Raum vier Wände hat – fünf sind normal und mein Schlafzimmer hat sogar sechs. Das liegt daran, dass man meine Wohnung zwischen zwei Häuserzeilen quetschen musste um dem Verlauf der Straße zu folgen. Netterweise hat man mir und den Nachbarn über und unter mir, zum Ausgleich drei ineinander übergehende Flure zur Verfügung gestellt. Seit Jahren versuche ich mich mit Nachbar unten und Nachbar oben anzufreunden. Einzig mit dem Hintergedanken, ihren Flur Nr. 3 zu Gesicht zu bekommen. Weiterlesen