Randnotiz – München lächelt

Selbst wenn man gerade bis zur Nasenspitze in Arbeit steckt und alles nach hinten schiebt – Vatertag ist Vatertag. 

Von dem unseren hab ich für Sie zwei Postkarten aus München. Aufgenommen vor wenigen Stunden. Durch diese Straßen schieben sich normalerweise Unmengen von Touristen und der Hauch der Jahrhunderte geht im Trubel unter. Heute nicht. Heute schläft mein München noch. Obwohl…nein, es ist wach und lächelt. Lächelt die Münchener an und lädt sie ein, durch seine Straßen zu schlendern. Mit Abstand können wir wieder draußen sitzen und wir tun es. So viel Platz nur für uns. Gleich hinter der Frauenkirche ein freier Platz am schönsten und sonnigsten Tisch. Auch am Jakobsplatz viele freie Tische und sogar auf der Terrasse vom Rischart am Viktualienmarkt. Nichts kann die Schönheit dieser Stadt zerstören. Ein Virus schon gleich gar nicht. Ruhig angehen lassen, flüstert mein München und sagt mit einem Augenzwinkern, dass es so unter uns doch auch mal schön ist. Erinnert lachend daran, dass wir uns das doch immer mal gewünscht haben – einmal die Stadt ein bisschen leerer und ruhiger. Bitte sehr – dieser Vatertag gehört euch. 

Die anderen Städte sehen das vermutlich ähnlich. Bald besuchen wir uns wieder. Aber heute, heute bleiben wir noch daheim und genießen. Genießen und geben viel Trinkgeld für die, denen die leere Stadt im Magen liegt. Trotzdem lächeln auch sie. An einem so schönen Tag muss man das einfach. 

 

Schade ist es schon

Ich würde Ihnen so gerne erzählen, was ich gerade mache. Machen darf. Aber es könnte sein, dass ich noch nicht darf. Also, man hat mir nicht direkt gesagt, dass ich nicht darf, aber das ist eigentlich auch nicht nötig. Manchmal möcht ja der, der was macht, es selber erzählen und findet es gar nicht schön, wenn aus der zweiten Reihe schon einer – eine, also ich – wild mit dem Finger schnippst und plärrt, dass sie was zu erzählen hat. Ich versteh es, aber schade ist es schon. Weil´s grad so gut passen würde. Und damit Sie es auch schade finden, erzähle ich Ihnen, dass es gerade wirklich schade ist. 

Ich muss es auch Ihnen erzählen, weil ein anderer es nicht mehr hören will. Auch der weiß von nix, weil ich – wenn ich schon nix sagen will, lieber gar nix sag und mich still freue. Also nicht ganz still. Ich erzähl dem, der jetzt wieder mit einer Flasche Wein vorbei kommen darf einiges. Nur interessiert ihn das nicht. Er will, dass ich, wenn ich schon nix sag, auch wirklich nix sag. Also ganz still bin. Freuen darf ich mich aber, sagt er. Nur ein bisschen stiller, wäre nett. Auch das ist schade. Er könnte sich ruhig ein bisschen mehr freuen, dass ich jetzt wieder weiß (ohne nachzuschlagen) wann genau der Dreißigjährige Krieg war. Sparen Sie sich den Witz mit „wie lange er dauerte“. Das wusste ich schon vorher. Er könnte auch etwas mehr Interesse an den Öffnungszeiten des Schlosses Hohenschwangau zeigen. Da er das nicht tut, setze ich auf Sie. 

Damit dieser zugegeben etwas wirre (weil ich noch nix erzählen darf) Artikel für Sie wenigstens einen kleinen Mehrwert hat…Das Schloss ist täglich von 7.30 – 17.00 Uhr geöffnet (von Januar bis April von 8.30 – 15.30 Uhr). Die Jahreszahlen des Dreißigjährigen Krieges wissen Sie sicher selbst. 

 

Randnotiz

Wenn Sie einem Autoren (mehrfach) versichern, dass die letzten seiner acht Bücher eine Breite von 13 cm haben. Der sich irgendwann erkundigt welche Spezialausgabe man denn da bitte im Regal stehen hätte und Sie dann feststellen, dass 7+5 schon immer 12 und noch nie 13 war.

Verdammtes Geodreieck!

Mama sagt nein – nix neues von der Klofrau in Nizza, aber ich arbeite daran.

Meine Mutter hat mir explizit verboten über sie zu schreiben. Sie hätte ich rauszulassen und sie würde ganz sicher nicht zum Thema irgendeiner meiner Erzählungen werden. Keine Bitte, eine Feststellung. Mein Vater hat das nicht. Vermutlich weil er lange Zeit von der Existenz meiner Homepage nichts mitbekam und es schlicht und einfach versäumt hatte, auf seine Persönlichkeitsrechte zu pochen. So wie meine Nachbarn, meine Bekannten und meine Freunde auch. Jetzt ist es zu spät und meine Mutter kann sich über ihre Weitsicht freuen. Von ihr findet sich nichts im Internet. Ok, sie hat sich vor Jahren versehentlich (fragen Sie nicht) bei Facebook angemeldet, aber auch dort kann man nichts über sie finden. Ihre Privatsphäre ist ihr wichtig und Dinge die ihr wichtig sind, die behütet und beschützt sie. Mich zum Beispiel. Weiterlesen

Guten Morgen, Giesing

Heute morgen um kurz nach sieben hat es auf meinem Balkon nach Italien gerochen. Es mag albern klingen, aber überall auf der Welt kann es unter bestimmten Umständen nach Italien riechen. Vermutlich gibt es Tage an denen es in Toronto nach München riecht und in Amsterdam nach Wien. So wie jede Stadt und jedes Land hat seine ganz eigene Geräuschkulisse hat, so hat sie auch ihren Geruch. Italien riecht man hier in München meist früh morgens und ausschließlich an Tagen, die versprechen besonders warm zu werden. Um kurz nach sieben ist die Luft noch frisch, aber man riecht bereits die Sonne, die gerade erst über die Hausdächer klettert. Damit es nach Italien riecht muss Kaffee auf dem Tisch stehen. Kein Filterkaffee versteht sich und es hilft wenn die Morgenluft vor dem Einatmen an der offen stehenden Tür einer Bäckerei vorbei gekommen ist. Heute morgen roch es nach Italien und klang nach München. So sehr ich die anfangs fast gespenstische Stille meines Viertels in den letzten Wochen genossen habe – der Klang der Stadt hat mir gefehlt. Heute nun beides. Mit geschlossenen Augen Italien riechen, München hören und den ersten Schluck Kaffee schmecken.  Weiterlesen

Alles beim Alten

Wenn man nach sieben (!) Wochen das erste Mal sein Viertel verlässt, um ins Büro zu fahren, dann ist es ein unheimlich beruhigendes Gefühl, wenn sich nicht allzu viel verändert hat. Auch außerhalb Giesings ist München tatsächlich noch bewohnt – ich hörte davon, konnte mich in letzter Zeit aber nicht selbst davon überzeugen. Fahrräder werden nach wie vor geklaut, Papiertüten vom Bäcker vor und nicht in den Mülleimer geworfen und irgendwer hat sich in der Nacht auf dem Bahnsteig übergeben. Back to life. Schön, dass es dich da draußen noch gibt. 

Ok, man sieht dich nicht mehr ganz so gut, wegen der ganzen Masken, aber du bist noch da. Ich jetzt auch wieder. Den einen oder anderen Kollegen hab ich damit wohl überrascht. Warum die zum Teil vermuteten, dass ich in Italien bin und in der Büro-Toilette erst mal einen Meter zurück gesprungen bin, kann ich nur erahnen. Wahrscheinlich blickte keiner mehr so richtig durch, wann ich in diesem Frühjahr vor hatte über den Brenner zu fahren. Für mitlesende Kollegen – drei Mal und drei Mal habe ich das Ticket stornierte. Wäre es nach mir gegangen dann wäre ich durchaus gerne gefahren, aber die geschlossenen Grenzen sind ein Argument, dem sogar ich mich beugen musste. Sie werden mir jetzt also wieder öfter auf der Büro-Toilette begegnen. Nächste Woche allerdings eher nicht. Da bin ich nur einmal vor Ort. Die Benutzer des öffentlichen Nahverkehrs gelten wohl als Keimschleudern und dürfen nach wie vor von zu Hause aus arbeiten. Nein, im Ernst, ich bin meinen engsten Kollegen wirklich dankbar, dass sie es mir ersparen mich täglich in den Wahnsinn des Münchner Nahverkehrs zu stürzen. So gern ich ihn mag – im Bus gestern war es mir ein wenig zu kuschelig. Klar, wenn einer ausfällt, dann wird es schon mal eng und eng ist im Frühling 2020 gleichbedeutend mit „bäh“. Aber auch das irgendwie schön. Es hat sich nichts geändert. Der Bus kommt noch immer wann er will und auch die S-Bahn hat mich nicht enttäuscht. Die ist nämlich gleich ganz ausgefallen.

Etwas hat sich doch geändert. Wenn man auf der Echtzeit-Livemap nachschaut, wie lange man sich die Beine in den Bauch stehen muss, dann sieht man, was sich geändert hat. Schauen Sie selbst….Die S-Bahn Symbole tragen jetzt Mundschutz.

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Corona Home Office XXIII – Ende

Heute ein letztes Mal Corona Home Office – Zwischen Muse und Wahnsinn. Obwohl weder Muse noch Wahnsinn enden und ich für nicht absehbare Zeit weiter viel Zeit im Home Office verbringen werde, sind 23 Artikel erst einmal genug. Mitte März hätte ich es nicht für möglich gehalten, dass das was mit einer kurzen E-Mail begann ganze sieben Wochen dauern würde. 

Keiner der Menschen, die mich die letzten sieben Wochen begleitet haben, weiß wie es in den nächsten Monaten weiter gehen wird. Paul arbeitet weiter von zu Hause, nachdem er seinem Chef gestern mitgeteilt hat, dass er die Notwendigkeit physischer Anwesenheit als nicht mehr gegeben sieht, und ist damit durchgekommen. Was auch immer kommt, Paul hat sich ein Stück Freiheit erkämpft. Und das in Zeiten, in denen uns genau jene auf so vielfältige Weise genommen wurde. Zwei aus dem Hinterhaus sind jetzt arbeitslos und eine Handvoll in Kurzarbeit. Gestern, bevor es zu regnen begann, haben wir mit einer großen Portion Galgenhumor auf unseren Balkonen darauf angestoßen. Prost! Auf die Arbeitslosigkeit, die Kurzarbeit und die Ungewissheit was uns in diesem Jahr noch erwarten wird. Cheers – wenn´s richtig eng wird, dann hilft nur noch Lachen. Auch wenn es schmerzt, das Lachen, das sich auf Höhe der unteren Rippen wie eine Prellung anfühlt und ein wenig arg rau klingt. Wir sind in den letzten Wochen zusammen gewachsen und ich werde noch weiter für Frau Angermeier und Frau Obst zum Einkaufen gehen. Virus hin oder her, die beiden sind zu alt um Taschen zu schleppen und sollen sich lieber auf eine Bank in die Sonne setzen. Dass sie das mit zwei Metern Abstand tun müssen, aber jetzt wieder können, ist ein Fortschritt der bitter schmeckt. In nur sieben Wochen ist es normal geworden, dass wir Abstand halten. In jedem Laden steht es an der Tür, im Supermarkt wird jedem Kunden an der Kasse mittels Bodenmarkierung gezeigt wo er zu stehen hat und manch einer wechselt freiwillig die Straßenseite wenn ihm einer entgegen kommt. Schönes neues Leben! Prost!  Weiterlesen

Corona Home Office XXII

Rosa mit weißen Sternen, grau mit weißen Punkten oder hellgrün mit winzigen, bunten Blümchen, was meine Sie? Was passt am besten zu Jeans, FlipFlops und einem weißem T-Shirt? Die hellgrünen Blümchen? Ja, das würde ich auch sagen. Mein tägliches Corona Home Office Outfit ist so schlicht, da beißt sich nichts mit dem etwas auffälligeren Stoff meines Mundschutzes. Zum Einkaufen morgen also die. Das passt ganz gut, dann habe ich den Grauen für den Dienstag wenn ich ins Büro fahre. Der passt zu allem und zur Jeansjacke sogar richtig gut. Der mit den rosa Sternen muss am Dienstag trotzdem mit, falls der Graue nicht schnell genug trocknet. Ich werde ihn gleich nach der Ankunft im Büro mit kochendem Wasser übergießen, abkühlen lassen und dann zum Trocken an den Gummibaum im Büroflur hängen. Aber Baumwolle, im Falten genäht….da nehm ich lieber einen zweiten Mundschutz für den Heimweg mit. Wie gesagt, rosa passt ja auch zur Jeansjacke. Abends daheim kann ich dann beide bei 80 Grad für 30 bis 60 Minuten in den Backofen legen, falls mir die Milch ausgeht und ich in den Supermarkt muss. Die Handschuhe sind einfache, da zieh ich einfach ein Paar aus dem Beutel und habe nicht die Qual der Wahl. Alle sind weiß, alle sind aus dünner Baumwolle und alle wandern nach der Benutzung in die Wäsche. Mundschutz und weiße Handschuhe – mein Gott, wenn das Michael Jackson noch erlebt hätte. Ganz Bayern verkleidet sich ab Morgen und wirkt wie eine Hommage an diesen schrecklich traurigen, vielleicht pädophilen und unheimlich talentierten Mann.  Weiterlesen