Als man mich früher, ganz zu beginn meiner Zeit in Italien fragte, was ich beruflich mache, gab ich immer an, Architektur zu studieren. Das war schlichtweg gelogen. Nicht vorsätzlich, sondern einer Notlüge gleichend, weil mein begrenzter Wortschatz Sätze mit „BWL, Marketing und Nebenjob in einem Callcenter“ noch nicht enthielt. Gestern dagegen konnte ich wunderbar erklären was ich beruflich mache: Ich schreibe. Wenn man es ganz genau nimmt, was hier mitlesende Kollegen unter Umständen tun, dann ist das natürlich auch gelogen. Ich bestreite meinen Lebensunterhalt nicht durch das Schreiben. Aber…und das ist nun überhaupt nicht gelogen…es ist eine Berufung. So hochtrabend das auch klingt, ich liebe es schreibend Geschichten zu erzählen. Meist über das was ich sehe, denke und selbst erlebe. Mir etwas auszudenken dagegen, fällt mir schwer. Da warte ich lieber, bis ich wieder etwas erlebe. Kleinigkeiten. Kleine Dinge, die das Leben zu dem machen was es ist. Und genau die kommen jetzt zurück. Alleine diese Woche könnte ich Ihnen erzählen
- wie unglaublich schön es war zum mutigsten meiner Freunde „bis nächste Woche“ zu sagen
- wie dämlich ich war, es geschafft zu haben x Formulare auszufüllen, PCR Tests und Fahrkarten zu organisieren um dann am Abend eine Woche vor Abreise festzustellen, dass ich auch ein Airbnb Apartment brauche
- wie panisch, leicht hysterisch und unglaublich angefressen ich das dem mutigsten meiner Freunde mitteilte und einen der wenigen (wirklich, so bin ich eigentlich nicht) zickigen Momente hatte und feststellte, dass er, wenn ich ausflippe, ruhig und gelassen wird und wir damit ein perfektes Gespann abgeben
- wie ich mich einem halbstündigen Verhör mit der Airbnb Vermieterin stellen musste, die ganz genau wissen wollte woher ich eigentlich komme und wie man so naiv sein kann zu glauben, dass am Meer spontan noch Unterkünfte frei wären
- aber auch, wie ich ihr erklärte, dass Naivität gepaart mit Optimismus einem hervorragend durchs Leben bringt
- und wie Frau Obst die Maskenpflicht im Aufzug beendete und uns alle als „Corona verfettet“ schimpfte und die Nutzung der Treppen anordnete
- wie ich erschrocken bin, als ich merkte, dass ich direkt nach meiner Rückkehr eine Lesung habe, die ich unmöglich vorher noch nachher vorbereiten kann und mich dann erinnerte, dass ich ja einfach von Italien erzählen kann und das sicher wunderbar klappt, wenn ich noch etwas Sand zwischen Zehen habe.
Ach so vieles, könnte ich alleine schon diese Woche wieder erzählen. Es geht aufwärts. Wir sehen uns am 07.07.2021 wieder. Falls ich W-LAN finde schick ich Ihnen einen Postkarten Eintrag. Falls nicht, stellen Sie sich das einfach vor….blaues Meer, Wärme und eine Frau die nix weiter braucht als ihren liebsten, tollsten und mutigsten Freund. Und eine Flasche Wein vielleicht. Obwohl, Wasser reicht auch. Naja, Wein ist besser. Sie sehen…ich bin gedanklich schon weg. Lassen Sie es sich gutgehen. Ich gehe jetzt etwas erleben. Kleinigkeiten und Alltägliches, von denen ich Ihnen dann erzählen kann.
Liebe Grüße
Mitzi, die vor lauter Herzklopfen endlich zu Ihren Freunden zu können nicht mehr ganz rund läuft.


