III

Gasöfen sind ganz wunderbar. Ich mag besonders die, an denen die Schalter seit etwa 20 Jahren keine lesbare Beschriftung mehr haben und bei denen der kleine Zündfunke nicht mehr funktioniert. Besonders heimisch fühle ich mich, wenn dann auch das kleine Teil mit dem man den Funken erzeugen kann den Geist aufgibt. Dann macht man es eben mit dem Feuerzeug. Immer wieder überraschend, wie oft man die falsche Platte erwischen kann… egal, dann genießt man eben die kleine, aber doch imposante Stichflamme.

Sie ahnen, dass mich das nicht an der Benutzung hindert. Deutschland mag die EM verloren haben, aber bei einem Gasherd gewinne immer ich. Wenn ich mich jetzt noch erinnern könnte welcher Schalter für unten rechts war….

II

Das erste Mal seit Freitag ist es still. Weder rumpelt der Zug über die Gleise in Richtung Süden, noch begleitet mich das Stimmengewirr unzähliger Menschen an diversen Bahnhöfe. Das Lachen der Nachbarn ist verstummt und meine Freunde haben sich mit einer letzten Umarmung verabschiedet. Diesmal bin nicht ich es, die ins Auto steigt, heute bin ich die, die bleibt, wenn es ruhig wird. Alleine, aber alles andere als einsam. Ich habe es mir gewünscht. Nach langer Zeit einmal wieder alleine in Italien zu sein und Zeit für das zu haben, was in letzter Zeit zu kurz kam. Lesen, schreiben, sehen, riechen und fühlen.

Das Meer, das jetzt im Abendlicht blassblau und ruhig vor mir liegt, ist wunderschön und ebenso schön ist die Ruhe, die sich über den Abend legt. Trotzdem, natürlich, fehlt er mir schon, bevor er die Autobahn erreicht hat. Er gehört zu jenen, wenigen Menschen, die ich immer um mich haben kann. Einer, mit dem es schön ist, still zu sein und einer der mir nie fremd geworden ist. Vielleicht ist es, wie meine Oma sagte. Wenn zwei Herzen im gleichen Rhythmus schlagen, dann werden sie einander nicht überdrüssig. Der Abend ist perfekt, nur er fehlt. Ganz einfach weil er immer fehlt, wenn er nicht da ist. Seit über zwanzig Jahren und deshalb ist es ok. Auch weil er ja wieder kommt. Ans Meer und zu mir. Diesmal warte eben ich.

Ich warte und werde mich keine Minute langweilen. Wie könnte ich, wenn sich vor mir das Meer ausbreitet, drei Bücher darauf warten gelesen zu werden und ein Notizbuch gefüllt werden will. Zwischen meinen Zehen ist noch etwas Sand und in meinen Wimpern etwas Salz von getrocknetem Meerwasser. Leises Stimmengewirr aus den Wohnungen über und unter mir und das Blau des Meeres wird dunkler. Ich tippe auf dem Handy, was ich gar nicht mag, weil ich so viel schneller denke, als tippe. Weil er aber meinte, ich würde in letzter Zeit zu wenig schreiben, mache ich es doch. Auch um ihn zu fragen, ob es nicht verrückt ist, dass ich ihn tatsächlich schon nach fünf Minuten vermisse? Ich verrate es niemanden. Sonst fragen sie ob er wirklich nur ein Freund ist und ich bin schon lange müde, das zu erklären. Nur ein Freund, ja. Aber einer, der fehlt, sobald er nicht da ist.

Ich beobachte ein Containerschiff am Rand des Horizonts und bin glücklich. Echtes Glück ist selten und wenn man es ganz tief im Bauch spürt, dann sollte man es genießen. Das mache ich jetzt. Ich schaue auf das Meer und bin glücklich jemanden zu kennen, den ich bereits nach wenigen Minuten vermissen kann. So viel schönes, gäbe es noch zu beschreiben, aber ich muss egoistisch sein und das Handy zur Seite legen. Das Meer färbt sich rosa und das muss ich mir ansehen. Danke, du mutigster meiner Freunde. Für…du weißt schon.

I

Wenn Sie nach 18 Stunden Anreise, mit einem fünf stündigen Zwischenstopp bei 32 Grad in der prallen Sonne, um eine verloren geglaubte Freundin zu treffen, völlig fertig und todmüde, nur noch ganz ruhig ein Glas Wein, ohne viele Worte und in einer intimen Runde, mit maximal drei Personen trinken wollen, dann sollten Sie nicht den mutigsten meiner Freunde besuchen. Und auch nicht mit einem enorm großen Koffer durch Genua laufen (kriechen). Treppen in der Altstadt von Genua sind mit Koffer übrigens auch eine blöde Idee. Überhaupt sollte man bei einer Anreise, einfach nur anreisen und nicht gleich alles in die ersten Stunden packen.

Warum ich es trotzdem mache, fragte ich mich keine Sekunde lang. Es gibt einen Punkt der Übermüdung, an dem ich das Geschnatter von fünf Nachbarn, diversen Bekannten und Freunden, die EM Übertragung am Tisch mittels Handy und leider auch die an mich gestellten Fragen, einfach überhöre. Ich bin am Meer und neben mir sitzt einer, der wichtig ist. Der Rest ist egal. Der leichte Sonnenstich aus Genua, der Wein, der nicht vor dem Wasser eingeschenkt werden sollte und die Blasen an meinen Füßen. Egal, weil gerade der Mond knallrot aus dem Meer steigt. Hat gestern eigentlich Italien gespielt? Das würde einiges erklären. Sonst war es wohl nur der normale, herrliche, italienische Wahnsinn.

Wir sehen uns im Juli

Als man mich früher, ganz zu beginn meiner Zeit in Italien fragte, was ich beruflich mache, gab ich immer an, Architektur zu studieren. Das war schlichtweg gelogen. Nicht vorsätzlich, sondern einer Notlüge gleichend, weil mein begrenzter Wortschatz Sätze mit „BWL, Marketing und Nebenjob in einem Callcenter“ noch nicht enthielt. Gestern dagegen konnte ich wunderbar erklären was ich beruflich mache: Ich schreibe. Wenn man es ganz genau nimmt, was hier mitlesende Kollegen unter Umständen tun, dann ist das natürlich auch gelogen. Ich bestreite meinen Lebensunterhalt nicht durch das Schreiben. Aber…und das ist nun überhaupt nicht gelogen…es ist eine Berufung. So hochtrabend das auch klingt, ich liebe es schreibend Geschichten zu erzählen. Meist über das was ich sehe, denke und selbst erlebe. Mir etwas auszudenken dagegen, fällt mir schwer. Da warte ich lieber, bis ich wieder etwas erlebe. Kleinigkeiten. Kleine Dinge, die das Leben zu dem machen was es ist. Und genau die kommen jetzt zurück. Alleine diese Woche könnte ich Ihnen erzählen

  • wie unglaublich schön es war zum mutigsten meiner Freunde „bis nächste Woche“ zu sagen
  • wie dämlich ich war, es geschafft zu haben x Formulare auszufüllen, PCR Tests und Fahrkarten zu organisieren um dann am Abend eine Woche vor Abreise festzustellen, dass ich auch ein Airbnb Apartment brauche
  • wie panisch, leicht hysterisch und unglaublich angefressen ich das dem mutigsten meiner Freunde mitteilte und einen der wenigen (wirklich, so bin ich eigentlich nicht) zickigen Momente hatte und feststellte, dass er, wenn ich ausflippe, ruhig und gelassen wird und wir damit ein perfektes Gespann abgeben
  • wie ich mich einem halbstündigen Verhör mit der Airbnb Vermieterin stellen musste, die ganz genau wissen wollte woher ich eigentlich komme und wie man so naiv sein kann zu glauben, dass am Meer spontan noch Unterkünfte frei wären
  • aber auch, wie ich ihr erklärte, dass Naivität gepaart mit Optimismus einem hervorragend durchs Leben bringt
  • und wie Frau Obst die Maskenpflicht im Aufzug beendete und uns alle als „Corona verfettet“ schimpfte und die Nutzung der Treppen anordnete
  • wie ich erschrocken bin, als ich merkte, dass ich direkt nach meiner Rückkehr eine Lesung habe, die ich unmöglich vorher noch nachher vorbereiten kann und mich dann erinnerte, dass ich ja einfach von Italien erzählen kann und das sicher wunderbar klappt, wenn ich noch etwas Sand zwischen Zehen habe. 

Ach so vieles, könnte ich alleine schon diese Woche wieder erzählen. Es geht aufwärts. Wir sehen uns am 07.07.2021 wieder. Falls ich W-LAN finde schick ich Ihnen einen Postkarten Eintrag. Falls nicht, stellen Sie sich das einfach vor….blaues Meer, Wärme und eine Frau die nix weiter braucht als ihren liebsten, tollsten und mutigsten Freund. Und eine Flasche Wein vielleicht. Obwohl, Wasser reicht auch. Naja, Wein ist besser. Sie sehen…ich bin gedanklich schon weg. Lassen Sie es sich gutgehen. Ich gehe jetzt etwas erleben. Kleinigkeiten und Alltägliches, von denen ich Ihnen dann erzählen kann.

 

Liebe Grüße
Mitzi, die vor lauter Herzklopfen endlich zu Ihren Freunden zu können nicht mehr ganz rund läuft. 

 

Sommer – ungewohnt normal

Mundfaul, nennen mich meine Freunde in letzter Zeit und nur weil ich sie gut genug kenne, antworte ich wortlos und mit einem Lächeln. Ein wenig arg ruhig, meinen andere und ich erzählte Dinge über die es sich nicht zu sprechen lohnt. Für mich. Für sie, die Wortlosigkeit als Desinteresse deuten nicht. Ich rede, damit die Stille am Telefon nicht zu schwer wird. Mein belangloses Plappern nervt mich selbst, weil es ihnen aber gefällt, erzähle ich noch ein bisschen weiter. Noch ein, zwei Minuten, dann bin ich wieder still und überlasse ihnen das Reden. Irgendwann in den letzten Monaten wurde telefonieren anstrengend. Am Abend steht einer mit einer Flasche Wein vor meiner Tür und umarmt mich zur Begrüßung. Meine Ankündigung heute so gar keine Lust auf Worte zu haben quittiert er mit einem Schmunzeln und der Frage ob er ebenfalls den Mund zu halten habe. Er kann ruhig sprechen, nur ich, ich mag heute nicht. Ich werde natürlich antworten, ich bin ja nicht stumm. Aber heute mag ich nichts erzählen, weil es absolut nichts zu erzählen gibt. So einfach ist das. Er nickt. Wenn man nichts zu sagen hat, dann sei es in der Tat manchmal besser einfach die Klappe zu halten. Weiterlesen

Gefundene Sätze #57

„Nenn mich nicht Waltentin, du nennst ja auch nicht deinen Vater Water.“

Karl Valentin

Gestern hätte er Geburtstag gehabe und ich bin einen Tag zu spät. Gratulieren hätte ich ihm ja eh nicht mehr können und Valentin kann man an jedem Tag zitieren. Obiges übrigens bekomme ich hoffentlich endlich einmal fehlerfrei über die Lippen, wenn ich wieder in seinem Geburtshaus in München lesen darf. Da steht es übergroß an der Wand und eigentlich weiß ich es ja, das Vater-V in Valentin. Aber weil er da in diesem Raum so grantig und streng schaut, hab ich noch ein jedes Mal „herzlich Willkommen im Walentinhaus gesagt“ und wurde vom Publikum ganz streng ermahnt.
Das sind sie nämlich….streng….die Auer, wenn eine kommt und den Namen ihres liebsten Münchners falsch ausspricht. Und grad deswegen eben, weil ich es ja weiß, wie er heißt und weiß, dass man hier ganz streng ist, wird´s ein ums andere Mal ein W statt einem V.
Wurscht…hauptsach´ ich darf bald wieder hin. Denn ebenfalls nach Valentin…. „es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von jedem“ und mir würd schon noch einiges einfallen, was ich dort erzählen könnte.

Ihnen ein schönes Wochenende und wenn irgendwas nicht passt, dann googeln Sie einfach nach Valentin Zitaten. Da ist bestimmt etwas passendes dabei, das Sie schmunzeln lässt.

Giesinger Sturschädel mit Weitblick

Ein echter Münchner, so sagt man, erkennt schnell aus welchem Stadtteil sein Gegenüber kommt. Ich bezweifle, dass ich eine Haidhausenerin von einer Lehelbewohnerin auseinander halten könnte, einen echten Giesinger aber, den erkenne ich. Spätestens dann, wenn ich weiß, dass er eigentlich etwas will und trotzdem stur und ausdauernd behauptet, genau das nicht zu wollen. Einen solchen, oft an Dummheit grenzenden Starrsinn haben nur die Giesinger. Und zwar alle. Dann kommen zwei die eigentlich das gleiche wollen, nicht zusammen, nur weil der eine dem anderen beweisen will, dass seine Argumente besser sind. Im Fall von Herrn Mu und mir geht es um eine kleine Steigung vor der Stadt, von der Herr Mu behauptet, es sei ein „Bergerl“, fast schon ein Berg und ich darauf bestehe, dass es wenn überhaupt, nur ein kleiner Hügel sei. Seit über einer halben Stunde sitzen wir an der Bushaltestelle und versuchen einander die jeweils eigene Meinung aufzuzwängen. Anfangs schmunzelnd, dann lachend, nach einer Viertelstunde ungeduldig und jetzt kurz vor einem handfesten Streit stehend. Das riskieren wir sorglos, denn Giesinger streiten gerne, schnell und ohne sich Sorgen um das künftige Verhältnis zum Mitmenschen zu machen. Das können sie, weil der Giesinger zu seinem großen Glück nicht nachtragend ist. Gesten gestritten, heut schon wieder vergessen. Selten bleibt etwas hängen. Nur Herr Mu und ich bewegen uns auf dünnem Eis. Wenn der alte Mann die Ludwigshöhe weiter als Berg bezeichnet, dann kann ich ihn nicht mehr ernst nehmen. Es ist nämlich kein Berg. Wie der Name schon sagt, ist es eine Höhe. Eine Anhöhe, von der ich überzeugt bin, dass er da rauf muss. Und zwar schnell, weil jetzt der Raps blüht, das Gras gemäht wird und er genau die Luft von da oben in der Nase braucht, so blas wie er ist. Des is koa Berg. Ned amoi a Bergerl. Des ist nix und des da´schnauft der leicht! Selten war ich froher meine Nachbarin Frau Obst plötzlich neben uns zu sehen. Jetzt versucht auch sie, Herrn Meier davon zu überzeugen, dass die Ludwigshöhe kein Berg ist und der Atem von Herrn Mu leicht für den kurzen Aufstieg reichen wird. Weil zwei gegen einen unfair sind, gehe ich einkaufen und überlasse Herrn Mu seinem Schicksal. Morgen wird er im Bus Nr. 271 sitzen und Richtung Ludwigshöhe fahren. Und wenn er es nur tut, um mir und Frau Obst zu beweisen, dass er mit seinem Berg recht hat. Weiterlesen

Warum nur Padua?

Wussten Sie, dass sie erstaunlich viel über einen Menschen erfahren können, wenn er Ihnen erzählt, wie er ein und den selben Tag im Laufe der Jahrzehnte verbracht hat? Es darf natürlich kein Tag wie zum Beispiel Weihnachten sein. Kein Tag, der von außen bestimmt wird und von familiären Zwängen und Traditionen geprägt ist. Es muss ein Tag sein, der in Erinnerung bleibt und zugleich in seiner Gestaltung doch recht frei ist. Zum Beispiel ein Tag wieder gestrige. Der Tag an dem der alljährliche ESC, der Eurovision Song Contest, stattfindet. Mit etwas Glück, kann sich Ihr gegenüber an alles was an diesem Tag passiert ist ganz gut erinnern. Selbst dann, wenn er oder sie das ganze Spektakel überzogen, erbärmlich oder lächerlich findet. Mir selbst zum Beispiel, fallen unzählige Abende ein, an denen der ESC die Begleitmusik und der Hintergrund für einen Abend war, der symbolisch für das restliche Jahr stand. Weiterlesen

Corona Homeoffice XXX

Wie geht es Ihnen im Homeoffice? Sind Sie dort noch immer, jetzt dauerhaft oder vielleicht nie gewesen? Gut zwei Drittel meines privaten und beruflichen Umfeldes sitzt wie ich noch immer zu Hause und wenn man uns fragt, ob wir uns mittlerweile daran gewöhnt haben, antworten wir mit einem klaren Jein. Einer nicht repräsentativen Umfrage zufolge wurde von gut der Hälfte meiner Freunde die Küche zum Büro erklärt. Der offensichtliche Vorteil – die Nähe zu Kühlschrank und Kaffeemaschine – ist dabei eher nebensächlich. Viel öfter ist es der verzweifelte Versuch, durch das Arbeiten am wackligen Küchentisch, den beruflichen Alltag wenigstens Ansatzweise vom Privatleben zu trennen. Mit etwas Phantasie kann man sich dort vorstellen in der Gemeinschaftsküche eines Büros zu sitzen. Selbstgespräche und ein Hang zum Selbstbetrug unterstützen das geborgene Gefühl. Die andere Hälfte sitzt im Wohnzimmer und gibt an, sich noch immer regelmäßig mit den Füßen im Kabelsalat unter dem Tisch zu verheddern. Für ein paar Wochen Pandemie haben sich nur die wenigsten Kabelbinder zugelegt. Ich selbst gehöre zu den wenigen Glücklichen, die ein Arbeitszimmer besitzen. Eines für das man ebenfalls etwas Phantasie benötigt um es als solches zu erkennen. Bis vor einem Jahr war es ein völlig sinnloser Zwischenraum zwischen Flur und Schlafzimmer ohne Fenster und Heizung. Wunderbar für Bücherregale bis unter die Decke, aber ansonsten nicht zu gebrauchen. Jetzt steht dort noch mein Schreibtisch. Der…Sie ahnen es….verzweifelte Versuch die Arbeit wenigstens räumlich etwa vom Privatleben abzugrenzen. Ob es funktioniert? Natürlich nicht. Weiterlesen

Und wenn die Welt untergeht!

Ohne die verdammte Pandemie würde ich jetzt am Meer sitzen. Nein, stehen – in Cogoleto regnet es gerade. Das wäre mir sehr wahrscheinlich aber völlig egal. Nachdem ich die Fahrt fünf Mal verschieben musste, wäre mir heute alles egal, weil ich endlich wieder am Meer stehen würde. Gegen elf Uhr wäre ich angekommen und hätte bis jetzt mindesten schon fünf Kaffee getrunken und wäre vier Kilometer am Strand bis Arenzano entlang gelaufen. Bei jedem einzelnen Kaffee hätte ich eine SMS an meinen Freund geschrieben und gefragt wie lange er noch arbeiten muss und ihn gleichzeitig gebeten langsam zu fahren, weil die Straßen nass und glitschig sind. Ich hätte ihn tierisch genervt und Ausschau nach Menschen gehalten, die ich bereits kenne. Wäre mir wider Erwarten doch langweilig geworden, wäre ich in jene Metzgerei gegangen in der ich vorletztes Jahr wie eine Idiotin gehackten Hund bestellt habe. Irgendwann muss ich dort noch klarstellen, dass ich diese zwei Worte – Fleisch und Hund – seit zwanzig Jahren verwechsle und das nichts mit einen Italienischkenntnissen zu tun hat. Vielleicht hätte ich heute die Chance und das schlechte Wetter genutzt. Stattdessen sitze ich auf meinem Balkon in der Sonne, überlege schon wieder ob der Hund nun Carne oder Cane ist und habe meinen Besuch wieder verschieben müssen. Das erste Mal ist es mir egal. Es ist egal, weil ich in sechs Wochen in Italien sein werde. Und wenn wir dann mitten in der vierten Welle stecken, ist mir auch das egal – in sechs Wochen bin ich unten. Und wenn die Welt untergeht, ich fahre! Weiterlesen