März Problem

Jedes Jahr Anfang März kehrt die Sonne auf meinen Balkon zurück. Den ganzen Winter über lässt sie sich nur wenige Stunden lang blicken. Ab März aber, ist sie in alter Pracht zurück. Von halb acht Uhr morgens bis etwa drei Uhr am Nachmittag, ist mein Balkon eine windgeschützte und zugleich sonnendurchflutete Oase, die ich sehr zu schätzen weiß. Und jedes Jahr Anfang März stöhne ich leise auf, wenn ich mit dicken Kissen unter den Achseln und Buch und Kaffeetasse in den Händen auf dieser Oase stehe und mich niederlassen möchte. Pünktlich zum ersten März fällt mir ein, dass ich meinen Christbaum ja noch nicht entsorgt habe und ein Drittel meiner Oase von einem 2,20 Meter großem Monstrum in Beschlag genommen wird. Ein bisschen stur quetsche ich mich dann neben das nadelnde Gerippe und rede mir ein, dass es so wenigstens angenehm frisch nach Wald riechen würde. Tut es aber nicht. Es riecht nach dem Holzschuppen unserer Hütte und der ist immer etwas feucht und modrig. Das sind die Reste meines Christbaumes auch. Erst gestern hat es ihn wieder ein wenig angeregnet. Weiterlesen

Als ungarische Prinzessin haben Sie nichts zu lachen

Als Münchnerin etwas über den Fasching schreiben zu wollen, ist eigentlich ein richtiger Schmarrn. Wer etwas über den Münchner Fasching wissen möchte, der soll sich die Serie „Monaco Franze“ ausleihen und die Folge 5 „Herr der sieben Meere“ anschauen. Damit ist alles gesagt. Besser geht es nicht. Auch nicht wenn fast 35 Jahre vergangen sind. Helmut Dietl hat München so perfekt und so auf den Punkt genau beschrieben, dass ein jeder der es versucht, nur scheitern kann. Ich natürlich auch, aber das ist mir egal. Ich mag den Fasching nämlich nicht und den Karneval noch viel weniger. Ich gehöre zu den Menschen, die sich viel zu oft aus versehen zum Affen machen, als das sie ein Kostüm bräuchten und auch zu denen, die nicht auf Kommando fröhlich sein könnenden. Die Aufforderung doch ein bisschen Spaß zu haben, funktioniert bei mir nicht. Wenn  mich einer bittet, zu lachen, dann frage ich ihn warum und erbitte ganz ernst eine Erklärung warum ich gerade jetzt denn  lachen solle. Jetzt, wo gerade die Polarkappen schmelzen und der Plastikmüll die Weltmeere verschmutzt. Wer mich kennt, bittet mich aus leidvoller Erfahrung gar nicht erst darum, zu lächeln oder lachen. Meine Freunde hoffen sogar, dass ich nicht  in schallendes Gelächter ausbreche. Das tue ich nämlich am liebsten dann, wenn es unangebracht ist. Weiterlesen

Frau Irsaj ist abgängig

Es gibt Orte, die sind mir fremd. Kleine, in sich geschlossene Universen, die ich nur vom Hörensagen kenne und in deren Dunstkreis ich bisher immer nur kurz und oberflächlich eingetaucht bin. Polizeistationen zum Beispiel. Dort war ich bisher nur ein einziges Mal und ich kann Ihnen versichern, dass es sich um ein großes Missverständnis handelte. Sowohl die diensthabenden Beamten als auch ich, waren überaus froh, als sich unsere kurze Begegnung dem Ende zuneigte. Ich muss da nicht hin. Es reicht mir völlig ab und zu einen Krimi oder eine Vorabendserie zu sehen. Ähnlich geht es mir mit Krankenhäusern. Die mag ich nicht, weil ich mich mit ihren Abläufen nicht auskenne. Polizisten und Ärzte dagegen, mag ich. Aus mir unverständlichen Gründen, üben letztere sogar eine ganz besondere Anziehung auf mich aus. Möglicherweise gefällt mir der Gedanke, bei einem plötzlichen Herzinfarkt oder dem versehentlichen aufschneiden der Pulsadern beim Spülen von Weingläsern in guten Händen zu sein. Ihr berufliches Umfeld aber, ist mir fremd. Ich bin mit solch robuster Gesundheit gesegnet, dass ich die heiligen Hallen eines Krankenhauses bisher nur mit Blumen und Schokolade zu kurzen Besuchen betreten habe. Umso unangenehmer war es mir ein solches vor kurzem betreten zu müssen. Es stellt einen  vor ganz neue Herausforderungen. Vielleicht nicht jeden. Aber mich. Weiterlesen

Bei leisem Schnurren gibt es nur eine richtige Antwort

Meine Nachbarin Judith kann Paul nicht ausstehen. Das weiß ich, weil sie es mir gesagt hat. Das ist kein großes Unglück, denn mein Nachbar Paul kann mit Judith auch recht wenig anfangen. Das wiederum weiß ich, weil er wenn sie am Lift steht, grundsätzlich die Treppen benutzt nur um nicht mit ihr sprechen zu müssen. Bei jeder Treppenbenutzung Pauls steigt Judiths Abneigung. Aktuell befindet sie sich auf dem Level eines missbilligen Schnaufens, wenn er an ihr vorbei läuft. Mitte des Jahres wird sie ihr Schnaufen durch ein Schnalzen der Zunge ersetzten. Dann fehlt nicht mehr viel und nächstes Jahr läuft Paul Gefahr, dass sie ihm im Vorbei gehen ein Bein stellt. Judith ist nachtragend. Seit sie mit Paul vor zwei Jahren anlässlich unseres Hinterhof Flohmarktes einen Kaffee getrunken hat und er sie fragte wann das Kleine den kommen würde, spricht sie nicht mehr mit ihm. Das Kleine war zu diesem Zeitpunkt bereits vier Monate alt und lag schlafend im Kinderwagen neben ihr. Weiterlesen

Blöde Kuh, denkt Paul

Er geht nicht, sagt Paul und deutet mit einer Kopfbewegung in Richtung des Lifts. Er ging gestern schon nicht, informiere ich ihn und sortiere die Werbung aus meinem Briefkasten. Das Sortieren dauert ein wenig, da mir immer besonders viel Werbung geliefert wird, seit ich einen Aufkleber angebracht habe, der darum bittet auf den Einwurf dieses Blödsinns zu verzichten. Ich klappe jedes einzelne Faltblatt auf. Es könnte ja sein, dass sich eine Karte oder ein Brief dazwischen geschmuggelt hat. Als ich fertig bin, steht Paul noch immer vor dem Lift und starrt auf die geschlossene Tür. Ich kann nur vermute, dass es sich bei diesem sturen Stehenbleiben um eine Art Armmuskel Training handelt, da er vor seinem nicht vorhandenen Bauch einen Kasten verschiedener Säfte festhält. KirschMango ist mir zu süß, informiere ich ihn und bleibe aus Solidarität ein wenig neben ihm stehen. Die Flasche sei ja auch nicht für mich, lässt er mich wissen und wir starren wie zwei Großstadtkälber auf die  Türen unseres Aufzugs. Weiterlesen

Kloß-Tag

Aufwachen mit einem Kloß im Hals. Vollmond, Neumond, PMS, Weltschmerz oder einfach mit dem falschen Fuß aufgestanden. Auch solche Tage müssen durchlebt werden, weil es an Alternativen fehlt. Lästig sind solche Tage. Stets nur eine Haaresbreite vom Losheulen entfernt und sich bloß nichts fragen lassen. An Kloß-Tagen geht man anderen besser aus dem Weg. Sie sind selten, aber wenn sie da sind, dann kann ich nicht schlucken und muss mir die Decke über den Kopf ziehen. Wenn das nicht geht, wird es schwierig und ich bin untragbar. Für mein männliches Umfeld. Frauen scheinen sich mit Klößen auch jenseits der Küche besser auszukennen. Ein Buchhalter mit dem ich einmal zusammen arbeitete, ist nie darüber hinweggekommen. Über meinen Kloß-Tag. Weiterlesen

Könnte eng werden.

Unter all den Sätzen, die ich in meinem Leben bisher gehört, gelesen und gesagt haben, gibt es einen, der mich seit Jahrzehnten begleitet und eigentlich gar nicht schön ist. Er ist nur vertraut. Und vertrautes gewinnt man dem Jahren lieb. Mein liebster Satz ist so banal, dass er der Rangliste schönster Sätze mit Sicherheit auf den unteren Plätzen rangieren oder gar nicht erst aufgenommen werden würde. Weder zeichnet er sich durch eine schöne Wortwahl aus, noch wird er mit klugen Köpfen in Verbindung gebracht. Wahrscheinlich ist er nur in meinem Kopf schön und präsent und das mit einer Beständigkeit, wie sonst kaum einer. Weiterlesen

Herr Mu sagt danke

Wolln´s a Gutzerl, fragt Herr Mu an der Bushaltestelle und lächelt mich freundlich an. Sehr gerne, sage ich und setzte mich auf den freien Platz neben ihm. Es ist noch kalt, so früh morgens, aber neben Herrn Mu ist es immer ein paar Grad wärmer. Drei Bonbons fischt er aus seiner Hosentasche und drückt sie mir in die Hand. Auf einem Bein kann man nicht gut stehen, sagt er und verrät mir nicht, wofür das dritte steht. Im Winter wollte ich wieder mit er U-Bahn fahren. Dann, wenn Herr Mu nicht mehr an der Bushaltestelle sitzt. Weil er aber noch immer jeden Morgen dort sitzt und seine Guterzln verteilt, nehme ich weiter den Bus. Ich hab ihn lieb, den Herrn Mu. Und weil ich ihn lieb habe, lasse ich den Bus vorbei fahren und bleibe noch ein bisschen bei ihm sitzen. Weiterlesen

Zerschlagen und gekittet

Ein Hammer liegt auf meinem Tisch. Er passt nicht recht zwischen die Weingläser, Kaffeetassen und den Resten des Stollens, den wir zum Frühstück gegessen haben. Und doch passt er besser zu diesem Weihnachten als alle Christbaumkugeln, Geschenke und Weihnachtsbäume zusammen. Ich bin gleich da, schrieb ich dem Mann der in der gleichen Straße wie ich aufwuchs und zerschlug damit die Weihnachtsleere in meiner Wohnung. Ich wollte es nicht, aber der Hammer muss den ganzen Tag schon auf dem Tisch gelegen haben ohne das ich ihn bemerkt. Bratenduft in der Wohnung und eine leise Stimme die versicherte, das alles gut werden würde. Wie lächerlich, wenn sie von einem kommt, der wissen sollte, dass manchmal nichts wieder gut wird. Und wie unverschämt, wenn einer nickt, der Experte darin ist, das Grauen zu duplizieren. Es ist erstaunlich mit welcher Kraft man Stille und Leere zerschlagen kann, wenn man nur wütend genug ist. Der, der so oft auf meiner Bettkante sitzt und wortlos mit mir spricht ist klug genug den Mund zu halten. Der andere flüstert noch leise, dass es wieder wird und sieht erst im letzten Moment, dass ich wütend genug bin ihre flüchtigen Reste mit einer einzigen Handbewegung zu zerschmettern. Er verschwindet bevor ich ihn anschreien kann und ich fühle mich betrogen, weil ich brüllen und schreien möchte. Weiterlesen

Betrogene Frau dank DHL

Die negativen Einflüsse des Online Shoppings auf den stationären Einzelhandel sind hinlänglich bekannt. Über die verheerenden Auswirkungen auf das harmonische Zusammenspiel einer Hausgemeinschaft wird dagegen kaum berichtet. Wer noch nicht erlebt hat, in welches Chaos ein einzelner DHL Bote ein ansonsten ruhiges Haus stoßen kann, der würde sich wundern. Soviel sei vorweg genommen – seit Amazon bis kurz vor Weihnachten noch versandkostenfrei liefert, ist es mit der besinnlichen Adventszeit vorbei . Bis vor kurzem gab es zwei in meinem häuslichen Umfeld zwei unerschütterliche Felsen, dank derer die stürmische Paketbrandung in Schach gehalten wurde. Hugo, den zuverlässigen DHL Boten und ein russisches Ehepaar aus dem zweiten Stock. Seit letzten Montag könnten wir uns auf beide nicht mehr verlassen und es herrscht Anarchie. Weiterlesen