Zu laut

Das Reden fiel mir schon immer leicht. Auch geschwiegen und zugehört habe ich oft und gerne. Dann zu schweigen, wenn es viel zu sagen gibt, habe ich erst mit ihm gelernt. Still zu sein, wenn mein Kopf explodieren, war seine Art den unablässigen Gedankenstrom zu lenken ohne ihn zu beeinflussen. Anfangs hielt ich ihn für arrogant und unsensibel, wenn er mitten im Gespräch verstummte und unseren Dialog zu einem Monolog verkümmern lies. Er lies mich reden, aber es machte mich wahnsinnig, gegen eine Wand anzureden, die mich ansah und zuhörte, aber nicht reagierte, bis er mich bat still zu sein. Erst wenn ich verstummt und wir schweigend neben einander lagen, begann er irgendwann wieder zu sprechen. Stellte Fragen und stellte in Frage. Manchmal erst am nächsten Morgen. Meistens früher, weil er wusste, dass ich darauf wartete. Ein Kompromiss, weil mich sein Schweigen und ihn mein Reden verrückt machten. Ich habe die Stille nur schwer ausgehalten. Er wusstest es, nahm im Verstummen meine Hand  und hat sie gegen seine Lippen gedrückt. Sein Daumen strich über die Innenseite meines Handgelenks und ich wurde ruhiger. Die Intimität dieser beider Gesten beruhigte mich mehr, als jedes gesprochene Wort es gekonnt hätte. Irgendwann begann ich auf den Moment zu warten. Mit meinem Reden und Erklären drehten wir uns im Kreis und ich sehnte den Augenblick herbei, in dem er zu sprechen aufhörte, damit auch ich still sein konnte.

Er ist der Einzige, von dem ich mir den Mund verbieten lasse. Manchmal rufe ich ihn an, rede schnell und atemlos, bis er mich überfordert und einen Hauch genervt bittet, einen Moment still zu sein. Dann höre ich, wie er eine Zigarette raucht und manchmal auch nur das Klicken der Warnblinkanlage, wenn er gerade im Auto sitzt. Rauche manchmal selbst eine, werde ruhig und rede dann über das Wetter, bis er mich fragt was eigentlich wirklich los ist. Nichts, sage ich, es war mir nur gerade alles zu laut.

 

 

 

Ohne Titel scheint es bei WordPress nicht zu gehen.

Fast ausnahmslos alle Blogs, die ich hier verfolge sind auf ihre Art sehr persönlich. Mit der Zeit erfährt man vieles über den, der schreibt. Und doch bin ich sicher, dass fast alle sehr genau wissen, was sie preisgeben möchten und was dem privaten Umfeld vorbehalten bleibt. Man balanciert ein bisschen und merkt schnell, wie leicht man etwas schreiben könnte, das besser dem Tagebuch oder dem Gespräch von Angesicht zu Angesicht vorbehalten bleibt. Weiterlesen

ENDE 2015

Ohne Happy End geht’s nicht. Flüstert er leise, während er auf meiner Bettkante sitzt und lächelt. Ich nicke und beobachte, wie der Rauch seiner Zigarette langsam zur Decke aufsteigt. Würde er wirklich auf der Bettkannte neben mir sitzen, hätte ich ihn längst gebeten die Zigarette draußen auf dem Balkon zu rauchen. Menschen die nicht real sind, dürfen auch im Schlafzimmer rauchen. Seltsamerweise riecht der nicht existente Rauch genauso wie der echte. Weiterlesen

Danke von Mitzi

Das ist doch eine schöne Gelegenheit, danke zu all jenen zu sagen, die diesen Blog zu dem machen, was er ist. Ich hätte nicht damit gerechnet, dass mich hier so viele Menschen begleiten. Jeder einzelne von euch ist mir ans Herz gewachsen. Ich genieße die tiefsinnigen, emotionale und auch flapsigen und lustigen Kommentare. Es freut mich, rührt mich und macht mich auch ein wenig stolz, euch zum Lachen oder kurzem Innehalten zu bringe. Genauso schön ist es, eure Texte zu lesen, die tollen Fotos anzusehen und lachend, nachdenkend oder zustimmend nickend vor dem Rechner zu sitzen. Mein kleines Experiment  habe ich lieb gewonnen. Eigentlich sollte es zum Jahresende auslaufen. Ich habe mich dagegen entschieden und bleibe hier, weil ich mir momentan keinen schöneneren Ort zum Schreiben vorstellen kann. Ich habe euch lieb, ihr Lieben. Sagt man viel zu selten 😉 Kommt gut ins neue Jahr! 

 

Hier ist ein Auszug:

Die Konzerthalle im Sydney Opernhaus fasst 2.700 Personen. Dieses Blog wurde in 2015 etwa 8.600 mal besucht. Wenn es ein Konzert im Sydney Opernhaus wäre, würde es etwa 3 ausverkaufte Aufführungen benötigen um so viele Besucher zu haben, wie dieses Blog.

Klicke hier um den vollständigen Bericht zu sehen.

Rotwein gegen dreiste Dämlichkeit – funktioniert!

Seit 1973 ist die Kuppelei in Deutschland kein Straftatbestand mehr. Unter Freunden und Kollegen galt es wohl auch schon zuvor (zu unrecht)  als Kavaliersdelikt. Dort entspringt es in der Regel falschem Mitgefühl gepaart mit einer großen Portion Dämlich- und Dreistigkeit. Die Dämlichkeit beginnt damit, dass einem allein durchs Leben gehenden Menschen ab 30 grundsätzlich unterstellt wird, dass er unglücklich zu sein hat. Frauen über 35 die nicht verzweifelt sind, werden misstrauisch beäugt.  Weiterlesen

Liebster Award

 lba

Koriandermadame hat mich für den „Liebster Award“ nominiert. Danke, liebe Madame! Ein wirklich schönes Kompliment, das mich sehr freut. Toll, dass du  bei den Fragen von den alten „Freundschaftsbüchern“ inspiriert wurdest. Die Büchlein sollte man als Erwachsener ruhig auch mal wieder in Umlauf bringen. Denn wer mich kennt, weiß, dass ich Fragebögen für einen ganz fantastischen Zeitvertreib halten. Weiterlesen