Fertig und jetzt Prost

Fertig! Die Lesungen für diese Jahr und am Mittwoch auch ich. Fix und fertig, aber mit einem zufriedenen Grinsen auf den Lippen. Ein Grinsen das meine Nachbarin irritiert hinterfragt. Eine Lesung ohne Zuhörer und trotzdem ein schöner Abend? Ich nicke, stecke mir ein Stück Schokolade in den Mund und schiebe den Koffer mit einem gekonnten Kick hinter die Tür. Mhm, bestätige ich kauend, kein Zuhörer. Kein einziger und das nicht das erste Mal in diesem Jahr. Langsam werden wir echt gut darin uns während einer Lesung selbst zu beschäftigen. Ganz neues Konzept für die Agentur: Autoren lesen gegen die Wand oder vor einzelnen verlorenen Seelen, die falsch abbiegend vor die Bühne gestolpert sind. Inbegriffen im Honorar, die tröstenden Worte für verzweifelt und enttäuschte Veranstalter, die sich während der Vorbereitung ein Bein ausgerissen haben, bis zur letzten Minuten den Abend beworben haben und mit sturem Optimismus für ein warmes Willkommen gesorgt haben. Für sie tut es mir leid. Mehr als für mich. Ich lese auch für nur einen Gast oder für Autorenkollegen vor deren Bühne auch gähnende Leere herrscht. Durch die letzten Monate kommt man im Kultur- und Veranstaltungsbereich nur mit viel Humor. Sehr viel Humor. Angesichts der aktuellen Nachrichten konnte ich es den Torgauern nicht einmal verdenken, dass nur so wenige zur Lesenacht gekommen sind. Ich war mir ja selbst bis Anfang der Woche nicht sicher, ob die Veranstaltung überhaupt stattfinden kann. Und dennoch…ja, es war schön. Ziemlich schön sogar.

Ein schöner Abschluss für das Lesejahr 2021 bevor es jetzt erst mal wieder ruhiger werden wird und wir alle wieder mit Absagen und Verschiebungen rechnen müssen. Drücken Sie uns die Daumen, dass das eine oder andere möglich ist oder viel wichtiger….das 2022 unter einem neuen, besseren Stern steht. Ich konnte mich von diesem verrückten Jahr gestern in Begleitung von tollen Kollegen verabschieden. Und genau deswegen war es am Ende doch eine gelungene Lesung. Gerade schrieb ich es meiner Agentur und habe berichtet, dass sie mich gerne für Lesungen während des Lockdowns (der vor der Tür steht) vorschlagen dürfen – ich lese ohne Publikum wirklich ausgesprochen gut und werde sicher nicht enttäuschen. Bisher haben sie noch nicht geantwortet und nach der vorherigen Pressekonferenz und der Verkündung der neuen Regelungen in Bayern, ist ihnen das Schmunzeln vermutlich im Hals stecken geblieben. Mir auch – mein Lieblingsmensch in Italien und ich glauben beide schon heute nicht an ein gemeinsames Weihnachten. Ein Abend der mir heilig ist und auf den zu verzichten schwerer als jede abgesagte Lesung ist. Warten wir ab. Irgendwo auf meiner Homepage steht „aus Sturheit optimistisch“ und das trifft noch immer zu. Wenn es jetzt also wieder ruhiger wird, dann versuche ich mich auf das zu freuen, was sonst seit Jahren nur Theorie ist: Die staade Zeit, die ruhige Adventszeit. Tee, Kerzen, ein Haufen Bücher und kleine aber feine Treffen mit Freunden auf meinem oder ihrem Sofa und lange schöne Gespräche. Auch für den Blog – den eigenen und all die abonnierten – wird dann Zeit sein. Und nicht zuletzt zum Schreiben.

Auf dem Herd steht der Glühwein und wer weiß vielleicht steht er in den dunklen Monaten doch noch einmal für mich auf einem Gasherd jenseits der Alpen. Plan B, nannte es der mutigste meiner Freunde und obwohl wir wahrscheinlich noch Plan C bis F für ein gemeinsames Weihnachtsfest bräuchten, ist es immerhin ein Plan. Wie schon letztes Jahr baue ich mir mein Nest und mache es mir jetzt gemütlich. Die Lichterkette am Balkon springt gerade an, der Glühwein duftet und ich werde mich an den Stapel ungelesener Bücher machen. Nicht das schlechteste. Aus Sturheit optimistisch zu sein ist harte Arbeit, aber auch darin werde ich langsam gut. Der erste Advent ist erst nächstes Wochenende. Ich wünsche Ihnen schon heute eine schöne Adventszeit und wenn Sie Lesestoff brauchen…..die hier unten haben einiges geschrieben mit dem man ganz gut durch lange Nächte kommt.

Stefanie Gregg, Moses Wolff, Tanja Mairhofer, ich und Matthias Bürgel (oder Jaromir Konecny und Cathrin Moeller). Googeln Sie einfach und kommen Sie nächstes Jahr gerne bei uns vorbei. Lesungen ohne Gäste sind ehrlich gesagt nämlich richtig scheiße. Der Glühwein ist fertig….Prost.

24 Gedanken zu “Fertig und jetzt Prost

  1. Liebe Mitzi,
    ich habe gerade an einem anderen Ort, wo jemand den Tod eines Freundes betrauert gesagt, dass es keine Worte gibt, die Kummer rückgängig machen können. Auch Ihr Kummer über Lesungen ohne Gäste ist mit keinen Worten schönzureden, wenn nicht einmal sturer Optimismus hilft.
    Auch Sarkasmus hilft nicht, sonst hätte ich gesagt, ziehen Sie nach Ludwigslust- Parchim, da ist die Inzidenz 0 (NULL) 😉
    Gruß Heinrich

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    1. Lieber Heinrich,
      mein Kummer ist im Gegensatz zum anderen Ort flüchtig und schlicht auch banal. 😦 Was sind Lesungen im Vergleich Tod eines Freundes…. nichts.
      Ludwigslust- Parchim…sind das nicht die, die wegen eines IT Problems keine Zahlen melden können? Ich schau nicht nach, weil mir der Gedanke einer schönen grauen 0 besser gefällt 😉
      Herzliche Grüße

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  2. Optimistisch habe ich schon vor Wochen eine Bahnfahrkarte für Weihnachten gekauft – und nun weiß ich nicht, ob ich sie auch benutzen kann. Egal, ich hoffe weiter, sind ja noch ein paar Wochen bis dahin. Sag, gibt es vielleicht ein Video, wo man sich Deine Lesung ansehen und anhören kann?

    Du könntest auch eine Online-Lesung anbieten, sogar interaktiv über Zoom oder Webex. Ich gebe Online-Seminar, zu Anfang war ich sehr schüchtern, man fremdelt, aber man gewöhnt sich sehr schnell daran, inzwischen ist es so locker wie eine Unterhaltung zwischen Freunden.

    Ich wäre dabei – wenn ich nicht blöderweise gerade arbeiten muß. Am besten abends. Überleg’s Dir, es macht wirklich Spaß.

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    1. Ja, Online-Lesung finde ich eine gute Option. Ich habe schon an mehreren teilgenommen. Besonders im Winter fand ich’s angenehm, kuschelig zuhause zu sitzen und für eine Lesung nicht in die kalte Nacht hinaus zu müssen. Ich würd nie nach Torgnau reisen … aber online an einer deiner Lesungen teilnehmen, schon.
      Herzliche Grüsse aus der Schweiz – Emma

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      1. Hallo Emma, stimmt – das kuschlige und gemütliche ist ein Vorteil. Ich hab mich im letzten Lockdown noch nicht getraut. Wenn jetzt eine Anfrage kommt, dann würde ich es machen. 🙂
        Ich würde nur den Teil am Bildschirm wo ich mich selbst sehe überkleben. Wenn es eine gibt, dann gebe ich Bescheid. Liebe Grüße in die Schweiz.

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    2. Für die Fahrkarte drücke ich dir ganz fest die Daumen. Im Moment muss man optimistisch planen und hoffen dass die Bahn im Fall der Fälle mittlerweile auf Stornos besser vorbereitet ist als letztes Jahr. 😉
      Online Lesungen sind auf jeden Fall eine Alternative. Meine Kollegen machen das zum Teil schon und ich hab mir selbst die eine oder andere angehört. Mein Problem dabei ist, dass die meisten Zuhörer ihre Kamera und das Mikro (was auch Sinn macht) ausschalten. Auch wenn man vorschlägt, die Kamera anzumachen. Und beim ins Leere lesen hätte ich große Angst, das ganze gegen die Wand zu fahren. Bisher habe ich mich schlicht aus Angst geweigert. Sollten jetzt anfragen kommen, dann mach ich es. Mittlerweile bin ich mutiger und live ging schon so viel schief und war dann doch nicht schlimm :).

      Sollte es also eine geben, dann gebe ich auf jeden Fall Bescheid. Es wäre sicher besonders schön zu wissen, dass jemand zuhört, den ich von hier schon kenne. Wenn dann eh abends…ich bin ja Hobby-Autorin ;).

      Liebe Grüße und gib Bescheid, wenn du eine Online machst. Auch ich wäre dabei.

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  3. Eine Lesung ohne Gäste? – Nun ja, wenn das Honorar stimmt, vielleicht gar nicht so schlecht.
    Man bleibt verschont von grölenden Gästen, die sich nicht zu benehmen wissen, mit Eiern und Tomaten die Bühne bewerfen, buhen, ungeniert rülpsen und bloß die Vorstellung stören… 😉
    Kopf hoch, es kann nur noch besser werden!

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    1. Wenn man solche Gäste hat, dann ist ohne vieeel besser ;).
      Bisher hatte nur deutliche harmlosere.
      Ach ja…es wird schon wieder werden. Und bis dahin bin ich froh, kein faules Ei an den Kopf bekommen zu haben. So gesehen war es dann ja doch ein super Abend. 😉

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  4. Was, keine Lesungen mehr, keine Weihnachts- und Silvesterlesung? Na ja, irgendwie schon fast verständlich.
    Wir haben hier in der Nähe ein kleines, ländliches Theater, das sich zur Aufgabe gemacht hat (technisch nicht unbedingt perfekt umgesetzt), Teile seines Programms per moderner Technik den Leuten zu Hause anzubieten. Und auch so was wie Podcast…?
    Ansonsten treffen wir uns eben alle hier.

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    1. Es hilft ja nichts. Im Moment ist es ja wirklich besser nicht eng aufeinander zu hocken und bei den Hygienekonzepten stemmen das die Veranstalter kaum. Online Lesungen sind eine Option und gar nicht mal eine schlechte. Anders, weil die Stimmung und das „rausgehen“ fehlt. aber in dicken Socken und auf dem Sofa lümmelnd einem Krimiautoren zuzuhören….ich würd´s machen. Und hier ist auch eine schöne Alternative.

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      1. Bestimmt. Bestimmt ist es etwas ganz, etwas völlig anderes, das Publikum kann nicht unmittelbar reagieren, das Lampenfieber ist gewiß nicht dasselbe. Und die „Rampensau“ wird mit dem anderen Format wahrscheinlich nicht glücklich. Ich glaube, dass ein Burgschauspieler in Hollywood und so ein Möchtegern – FilmundFernsehfuzzy am Burgtheater (Broadway, etc.) nicht wirklich glücklich werden, wenn sie sicher auch mal die Plätze tauschen können.
        Aber immerhin, eine Überbrückung oder zweite Möglichkeit

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