Atemwegsinterpretation

Heut in einer Woche ist die nächste Lesung schon wieder rum. Auf meinem Tisch liegt dann wieder das kleine grüne Notzibuch, in das ich alles schreibe, was ich noch zu lernen habe. Als Autorin, auf der Bühne und vor ein paar Duzend Menschen sitzend. Für alles andere habe ich eine Excel-Liste auf meinem Computer gespeichert. In erster Linie wegen der Suchfunktion. Gebe ich dort Socken ein, dann sehe ich auf einen Blick, dass ich bereits gelernt habe, dass es völlig sinnlos ist, verstehen zu wollen, warum ein Mann, seine Socken nicht vor, sondern erst im Bett auszieht. Nach meiner Erfahrung ist das genetisch bedingt. Ebenso wie das Suchen nach selbigen am nächsten Morgen, weil das Männer-Hirn der Meinung ist, dass Socken durchaus zwei Tage hintereinander getragen werden können und dann für eine knappe Woche vor dem Bett zwischen gelagert werden, bevor sie den Weg in den Wäschekorb finden. Es ist gut, dass ich mir das schon vor ein paar Jahren notiert habe, so erspare ich dem aktuellen Sockenträger in meinem Leben ein für ihn lästiges Nachfragen. Eine solche Liste – ganz nebenbei – ist auch für Männer zu empfehlen. Der, der seine Socken unter meiner Bettdecke auszieht, könnte sich darin zum Beispiel notieren, dass ich meinen Kaffee nur mit Milch und Zucker mag und dass ich lüge, wenn ich ihm am Sonntagmorgen in seinem Bett sage, dass schwarz und mit Süßstoff auch ok ist. Ist es nicht. Es versaut mir den Morgen und hätte er es sich notiert, dann könnte er sich den Eintrag „wie bring ich sie wieder zum Lachen“ sparen. Vielleicht wäre es am besten, wenn ich die Datei gleich selbst für ihn anlege und laufend ergänze.

Ich bin nicht kleinlich, aber so ein paar Dinge kann und sollte man in seinem Leben auch als Erwachsener noch lernen. Als Erwachsener Partner. Erdnussflips zum Beispiel. Die hasse ich. Allein schon der Geruch. Hab ich ihn am ersten Abend gesagt. Und am fünften, am zwanzigsten und seit dem bestimmt hundert Mal. Gelernt hat er nichts. Ich muss sie ja nicht essen, ist die Antwort. Klar, ich könnte ihm jetzt sagen, dass es darum gar nicht geht, sondern dass es mir vergeht ihn zu küssen, wenn er nach Erdnussflips riecht. Mach ich aber nicht. Ich sage gar nichts, sondern gehe beleidigt und ohne Angabe von Gründen nach Hause, weil der Mann ja nichts lernt, wenn ich ihm alles vorbete. Ich habe schließlich auch gelernt, dass er auf Erdbeeren allergisch ist und kaufe Schokoladeneis obwohl ich das nicht mag. Ich merke mir alles. Welchen Wein er mag, dass er aus schwer nachvollziehbaren Gründen in einem Bett nur auf der linken Seite einschlafen kann und dass es sinnlos ist ihm erklären zu wollen, dass ich mich nicht freue, wenn er meinen bei ihm vergessenen Spitzen BH der Einfachheit halber bei der nächsten Ladung 60 Grad Wäsche mit in die Maschine wirft. Ok, letzeres steht auf meiner Liste, aber ich weiß wie er sein Frühstücksei mag. Im Gegenzug könnte er sich doch notieren, dass es mir  nicht gelingt, seine Atemzüge zu interpretieren. Es würde unser Zusammenleben um einiges leichter machen, wenn er nach fünf Minuten extrem tiefer Atemzüge einen Blick auf seine Liste wirft und dort nachlesen könnte, dass er mir wohl oder übel sagen muss, was ich gerade falsch mache. Ich mach es ja nicht mit Absicht, aber wenn einer nur tief einatmet, dann beziehe ich das nicht automatisch auf mich. Ich brauche Worte und keine Körperfunktion. Es ist ok mit zu sagen, dass man es nicht mag, wenn ich mir am Frühstückstisch die Nägel lackiere oder das ich im Kino beim jedem Griff in die Popcorntüte, ein paar Krümel im Schritt des Popcorn Besitzers fallen lasse. Aber bitte mit Worten und nein, ein langer und genervter Blick ist kein Substitut für einen Satz. Er braucht keine Liste, sagt er. Er würde mich gut genug kennen und sei leidensfähig genug es mit mir noch eine Weile auszuhalten. Er braucht definitiv eine Liste, sage ich. Denn „eine Weile“ ist etwas über das ich heute Abend sprechen möchte und das er künftig besser anders formuliert. Leidensfähig ist ok.

Worauf ich eingangs hinaus wollte ist aber, dass ich heute in einer Woche sicher wieder etwas notiere was ich künftig besser machen kann. Gelernt habe ich schon, dass es Falentin heißt. Nicht Valentin. Falentin – ich murmle es schon den ganzen Tag vor mich hin. Könnte sein, dass die tiefen Atemzüge neben mir durch mein Murmeln hervorgerufen werden. Solang er nichts sagt…Falentin, nicht Valentin.

Samstag, 16.03 um 18:00 Uhr im Val…Kruzifix, aber auch….Falentinhaus.

Schaun´S vorbei.

 

 

35 Gedanken zu “Atemwegsinterpretation

  1. Genau so ist das … Wieso habe ich keine Liste? Und wenn ich sie hätte, würde dann ähnliches draufstehen, wie bei Dir? Auch ich mag keine Erdnussflips, auch nicht den Geruch, kenne das Sockenproblem nur zu gut und Kaffee ohne Milch – ist gar nicht okay. Allerdings auch nicht mit Milch, falls es sich um einen ,,Ignoranz“-Kaffee handelt, den man im Moment eigentlich gar nicht mag und der für irgendetwas versöhnen soll, wenn man sich nicht so einfach versöhnen will, weil man findet, dass der Streitpunkt schon ein gewaltiger Klopper war, der nicht mit einem Kaffee gutzumachen ist … Listen wären zugegeben, besser als sich dauernd erklären zu müssen! Danke Dir für die tolle Unterhaltung, Nessy von http://www.salutarystyle.com

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    1. Auf einen Ignoranz Kaffee hätte ich auch keine Lust. Das ist ein bisschen wie Blumen die man geschenkt bekommt, nur damit über ein Thema nicht weiter geredet wird. Dass auch du das Sockenproblem kennst, bestätigt mich in meiner Meinung.
      Liebe Grüße

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  2. Irgendwie ist es mir ja egal, wie der Falentin nun heißt. Hauptsache, der Taxifahrer in München versteht gleich, wo ich hin möchte! Notfalls kann ich es ihm ja auch aufschreiben… 😀
    Auf jeden Fall freue ich mich gerade wie Bolle auf Deine Lesung, liebe Mitzi!

    Liebe Grüße, Werner 🙂

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  3. Liebe Mitzi, so gerne würde ich vorbeischauen, aber du weißt ja … München ist weit weg. Zu allem anderen kann ich nicken und sagen: ich verstehe es nicht, wieso „Mann“ sich nicht merken kann, dass ich nicht … wenn ich mir doch merken kann, dass er nicht … oder auch besonders gerne oder so – nur eins habe ich noch nicht kennengelernt, einen Mann, der sich seine Socken im Bett auszieht. Ob das jetzt eine Generationenfrage ist?
    Ich wünsche dir eine wunderbare Lesung mit gaaanz viiiel Publikum und grüße dich von Herzen,
    Ulli

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    1. Liebe Ulli, ich bin so froh, dass dir noch kein Mann über den Weg gelaufen ist, der die Socken im Bett auszieht. Das heißt, es besteht noch Hoffnung. Nicht für mich, aber für andere ;).
      Lieben Dank für die Wünsche für die Lesung. ich werde berichten.
      Liebe Grüße
      Mitzi

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  4. Achtung, Achtung. Ich ziehe meine Socken vor dem Bett aus und habe sie auch immer nur max. 1 Tag an… und ich mag Erdnuss-Flips. Für gewöhnlich sage ich, wenn mir was nicht passt. Aber die Idee mit der Liste ist cool… so lernt man was und wenn man etwas nicht mehr weiss, kann man nachschauen…
    Und wenn ich diese Woche in Bayern unterwegs wäre, ich würde im V(F)Valentins-Haus vorbeischauen… das wird bestimmt ein ganz toller Abend. Alles Gute und viel Erfolg schon mal…
    Liebe Grüsse

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    1. Thomas, du beweist, dass ich auf hohem Niveau jammere und eben nicht alle Männer…. Ein paar Macken sind charmant und ich möchte nicht wissen, was man über mich zu berichten hätte ;).
      Herzlichen Dank und ich bin mir fast sicher das es schön wird im Falentinhaus.

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  5. Technische Geräte kommen selbstverständlich (oder kamen zumindest, früher) mit Bedienungsanleitung daher. Für uns Menschen wäre Selbiges sicher auch praktisch, aber dein Workaround mit Excel-Tabellen ist ja noch viel besser. Stümper wie ich hantieren da mit Zetteln, die sowie so nie da liegen, wo man sie braucht, geschweige denn, dass eine einfache „Suche“ möglich wäre. Aber ich mache ohnehin die Erfahrung, dass jede Frau wieder anders ist, da macht’s eigentlich keinen Sinn, sich irgendwas zu merken… Wünsche vergnügliche Lesung und rege eine Lesereise an, z. B. mal nach Berlin!

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    1. Berlin steht auf der Liste. Ok, auf der imaginären, auf der eine Lesereise durch ganz Deutschland steht, aber man kann ja Träumen.
      Noch besser als Listen ist reden. Aber darüber schreibt es sich weniger amüsant und überspitzt 😉

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  6. Du hast jetzt schon so oft vor Publikum gelesen, liebe Mitzi, dass ich mir kaum vorstellen kann, dass du noch immer was verbessern musst. Trotzdem freut mich deine professionelle Herangehensweise. Die garantiert eine schöne Lesung. Da brauchst du kaum noch gute Wünsche. Trotzdem von Herzen viel Erfolg!

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  7. Mitzi, es war wohl Vorsehung, dass ich die Reise zu deiner Lesung nicht geplant habe – wäre momentan nicht so richtig gut.
    Bei dir sind es die Erdnussflips – bei mir waren es die Fisherman Friends oder wie diese ekligen scharfen Dinger heißen – da hat Heiko demonstrativ ZWEI Stunden Kussverbot bekommen – etwas Konsequenz musste sein.
    Alles Liebe für dich von mir

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    1. Ich hab es mir auch schon gedacht, Clara. Das hätte am Ende noch mehr Streß bedeutet und wäre vielleicht gar nicht so gut gewesen. Ich freu mich aber auf unser Treffen und bin mir sicher, dass es dir bis dahin auch schon viel besser geht.
      Sehr konsequent :))))

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  8. Ja, es heißt ja auch nicht Water, sondern Vater – war so nicht die weitere Begründung von Karl? Ich kenne das von früher: Mein Geburtsort heißt Varel – und nicht Warel, wie es alle Leute ausprechen, die da nicht herkommen. Mit Vogel-Vau. Aber das Vasen-Vau macht es offenbar wirklich schwer …

    Oft habe ich mir gewünscht, ich hätte so eine Liste von der jeweiligen Liebsten schon zu Anfang ausgehändigt bekommen, da hätte ich mir so einige (wie ich fand: eindeutige) Seufzer sparen können. Aber nein, Frauen möchten gern, daß man das selbst herausbekommt, das ist ein Zeichen für Sensibilität. Kernige Männlichkeit und einfühlsame Sensibilität – in ein und demselbem Mann – wie soll das gehen? Ich befürchte, die Evolution ist noch nicht so weit.;-)

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    1. Genau dieser Spruch hängt rechts neben mir an der Wand im Valentinhaus und immer wenn ich Anfange kann ich ihn als Erinnerungsstütze nehmen :).
      Wenn es dich tröstet – auch wir Frauen hätten große Freude an einer so hilfreichen Liste. Ihr Männer seid fantastisch, aber auch so unglaublich kompliziert. Gerade die unkomplizierten. Ich persönlich vermute ja, dass genau das den Reiz ausmacht 🙂

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      1. Wahrscheinlich hast Du recht … nein, ganz sicher sogar: Ich stelle mir gerade vor, wie ich eine solche Liste ausgehändigt bekomme. Sofort würde ich mich fragen: Was kommt als nächstes? Die Liste mit den Aufgaben, die ich in ihrem Haushalt zu erledigen habe? Nacktputzen vielleicht? Obwohl, das ginge noch … in welchen Abständen ich den Müll runterzubringen hätte? Staubsaugen? Ich würde schnellstens das Weite suchen.;-)

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  9. Liebe Mitzi, statistisch gesehen mag es stimmen, dass Männer ihre Socken erst im Bett ausziehen. Vielleicht sind es 90% oder mehr. Ich gehöre nicht dazu.
    Andererseits ist es nachvollziehbar, sie am nächsten Tag noch zu tragen, ja, sogar am dritten oder vierten Tag ist es, nach ausgiebigem Schnuppern, sprich: Geruchsprobe, durchaus vertretbar, sie vor allzu frühzeitigem und unnötigem Waschen zu bewahren … 😉

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  10. „aber wenn einer nur tief einatmet, dann beziehe ich das nicht automatisch auf mich“ – darum beneide ich dich. ich nämlich schon und das macht das leben nicht immer besonders leicht 😉
    ich weiß diese sachen auch. aber mir scheint, dass es, wie mit den socken, auch genetisch bedingt ist, dass männer sowas nicht können. tun. wollen. wobei meiner das mit den socken nicht macht. er legt sie unter den sessel im wohnzimmer.

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    1. Danke für den herzhaften Lacher. Unter den Wohnzimmersessel? Ein ganz besonders Exemplar, der Deine ;).
      Beneide mich nicht. Schreibend, steh ich drüber. Im echten Leben fange ich an nachzudenken was jetzt schon wieder nicht stimmt. Aber darüber kann man schlecht amüsant schreiben und danach war mir. Wir machen es uns also gemeinsam schwer, das Leben :-*

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      1. Jep, ein besonderes Exemplar, das ist er. Und du hast ihn sehr mitgerissen. Das fand ich schön.

        Fast beruhigt es mich ein bisschen. Danke dass du für uns amüsant darüber geschrieben hast ❤

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      2. Ach, das freut mich, dass es ihm auch gefallen hat. Ist am Ende ja doch immer Geschmackssache. Es war wirklich schön, Euch dabei zu haben. Auch wenn so wenig Zeit war, dass mehr als ein paar Sätze wechseln konnte -ich fand es einfach nur schön, die Frau hinter den wunderbaren Bildern und Worten zu treffen. ❤

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  11. ach, ich hab gar nicht fix damit gerechnet, dass ich dich überhaupt für ein paar sätze für mich alleine habe 🙂
    ich habe den abend so genossen und auch auf der heimfahrt noch lange darüber nachgedacht, was es ist an deinen texten, dass sie mir so besonders nahe gehen und gerade der, den ich vorhin kommentiert habe, hat mir meine vermutung nochmal bestätigt… in den dingen, die du schreibst, sind oft so kleine gefühle enthalten, die ich schon lange nicht mehr spüre, die ich vielleicht vergessen oder verdrängt haben. deine vermeintlich alltäglichen geschichten bahnen sich einen weg durch all die krusten und schichten, die ich um erinnerungen und gefühle gelegt habe und irgendwas drinnen brechen sie auf, etwas schnappt nach luft, etwas existiert da in mir drin, zu dem deine worte zugang finden, wenn ich ihn selbst verloren habe.

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