Und doch…

Gestern hatte Robbie Williams Geburtstag. Am 13.2. hat er das immer. Schon so oft, dass es nichts besonderes mehr ist. Für mich. Für ihn ist es das vermutlich noch immer. Auch heute, am 14.02. gratuliere ich nicht nachträglich. Robbie und ich haben uns auseinander gelebt.

Heute hat eine frühere Kollegin Geburtstag. Wir haben keinen Kontakt mehr und nur XING erinnert mich daran. Jedes Jahr, ohne dass ich mich zu einer Handlung verpflichtet fühlen würde, tut es das. Genauso wenig wie das ergoogelte Wissen, dass am 14.02.1349 während der Pest-Pandemie in Europa bei einem Pogrom mehr als 2.000 jüdische Bürger der Stadt Straßburg getötet wurden. Hier aber, frage ich mich kurz, ob wohl noch Nachfahren leben, die sich nach all der Zeit an einen oder mehrere Namen zur puren Zahl gehörend erinnern können.

Wenig empathisch hörte ich, dass James Cook am 14.02.1779 während seiner dritten Weltumrundung von Einheimischen auf den Sandwich-Inseln getötet wurde, als er mit seinen Leuten versuchte, den König als Geisel zu nehmen. So etwas tut mal als Gast nicht und muss dann eben mit den Konsequenzen leben.  An seinen Namen erinnert man sich wenigstens noch. An den der 2.000 Juden kaum. Auch nicht an viele der anderen Menschen, die an einem 14.02. gestorben sind. Und dass man es im Falle vieler Dresdner die zwischen dem 13.02 und 15.02 während der zweiten Angriffswelle der alliierten Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg noch tut, ist gut und wichtig und doch nur ein erschütternd winziger Funken des Grauens, das während dieser Jahre passierte.

Wie lange man sich wohl daran erinnern wird, dass am 14.02.1989 der iranische Revolutionsführer Ruhollah Chomeini durch eine Fatwa zur Tötung des Schrifstellers Salman Rushdie aufgerufen hat? Weiß noch jemand, dass am 14.02.1996 eine chinesische Rakete beim Start von Xichang außer Kontrolle geriet und in einem nahegelegenen Dorf, geschätzten 500 Menschen das Leben kostete? Ich wusste es nicht. Aber ich weiß, dass der Bachelor heute um 20:15 Uhr auf RTL wieder Rosen verteilen wird und sich Paare streiten und trennen werden, weil die lächerlich hohen Erwartungen an den 14.02. nicht erfüllt wurden. Die Restaurants sind ausgebucht, die in Plastikfolie eingeschweißten Blumen überteuert und nie ausverkauft und in der Kantine muss ein Koch Rosen auf die Tabletts der Frauen legen.

Der 14. Februar ist der 45. Tag des gregorianischen Kalenders. Es bleiben noch 320 Tage bis zum Jahresende. In Schaltjahren sogar 321 Tage. Nicht das es mich sonderlich interessiert, aber es ist erfrischend, dass  dies bei Google der erste Eintrag unter diesem Datum ist. Ein Tag wie jeder andere.

Und doch….über die Blumen vor meiner Türe habe ich mich gefreut. Nicht weil der 14.02 ist, sondern weil auf der Karte „Miststück“ steht und ich den Humor meines Nachbarn Paul sehr zu schätzen weiß. Das an ihn adressierte DHL-Paket bekommt er trotzdem erst morgen. Sollte es sich um ein Geschenk zum Valentinstag handeln, wird er froh sein, dass ich ihn seit Tagen davon abhalte es hübscher zu verpacken und einem weiblichen Wesen zukommen zu lassen. Der Werbeslogan „Hilfe im Haushalt zum kleinen Preis“ lässt nichts gutes hoffen.

17 Gedanken zu “Und doch…

  1. Ich hätte mich auch diebisch gefreut über einen Blumenstrauß, garniert mit „Miststück“, liebe Mitzi. Das spricht auf beiden Seiten für Humor.
    So eine „Würdigung“ für den 14. Februar lasse ich mir gefallen, denn das üblichen Rosengesülze finde ich nicht so erbaulich. Für mich ist Google auch eine unverzichtbare Einrichtung geworden.
    Lieben Gruß zu dir

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  2. Liebe Mitzi,
    ich fand jedes Detail Ihrer Geschichte und der Geschichte (14.2. history) hochinteressant. Auch wenn ich morgen viele Einzelheiten schon wieder vergessen habe, werde ich mich erstens daran erinnern, heute mit Freude bei Ihnen gelesen zu haben, und ich werde mich nun immer am 14.2. daran erinnern, dass es Wichtigeres gibt als eingeschweißte Blumen.
    Wenn man von der 14 die 1 zu der 4 addiert und mit dieser 5 und der immer noch vorhandenen 4 den Tag 45 des gregorianischen Kalenders basteln kann, das kann ich mir gut merken. 😉

    Der sogenannte Valentinstag hatte nämlich für mich bisher gar keine Bedeutung!
    Menschen, die ich lieb habe, habe ich JEDEN Tag lieb, und Menschen, die ich nicht mag, habe ich nicht einmal am 14.2. lieb. So einfach ist das. 😉

    Dass Paul Ihnen Blumen geschenkt hat, finde ich prima! Die Wahl seiner „Kosenamen“ ist bezeichnend und lässt tief blicken! 😉

    Gruß Heinrich

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    1. Lieber Heinrich, ich freue mich, Ihnen jenseits der Blumen eine Lesefreude bereitet zu haben. Gerade bei Ihnen war ich mir schon vorher sicher, dass Sie keinen Valentinstag brauchen um Ihre Lieben wissen zu lassen, dass Sie sie gern haben.
      Erstaunlich, nicht wahr? Man lächelt wenn man „Miststück“ genannt wird. Es kommt wohl auf den Tonfall an 🙂

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  3. Herrlich, dass Du Tulpen zum Valentinstag bekommen hast! Mitte der 60er war ein roter Tulpenstrauß das erste Valentinstagsgeschenk meines Lebens. Mein damaliger Freund hatte ihn „bei Nacht und Nebel“ aus einem Blumenautomaten gezogen und hinter der beschlagenen Glasscheibe Rosen vermutet.

    Im Wikipedia Eintrag zum Valentinstag hat jemand aktuell ergänzt, dass Lufthansa Cargo in diesem Jahr 800 Tonnen roter Rosen nach Deutschland transportierte. WIR SIND NICHT SCHULD DARAN! 😀

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    1. Eine wunderbare Geschichte. Ist sind Tulpen sogar lieber. Sie stehen für mich für den Frühling und ich freue mich jedes Jahr, über den ersten Strauß auf meinem Tisch.
      800 Tonnen…unvorstellbar. Wenn es die über einer Stadt regnen würde, könnte ich mich mit ihnen anfreunden.

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      1. Ich denke beim Blumenkauf oft, dass wir – im Vergleich zum Einkauf von Obst und Gemüse – zu wenig darüber nachdenken, wo sie herkommen. Zwar versuche ich immer, meinen Blumenbedarf im kleinen (wohl auch öko-bewusst geführten) Laden nebenan zu decken, aber der ist schon vergleichsweise teuer und die Auswahl begrenzt. Ketten wie Blume 2000 und die Angebote in Supermärkten sollte man sicher hinterfragen. Die seltsame Haltbarkeit meiner 50-Cents-Nelken aus dem Supermarkt war mir schon suspekt. Wer weiß, womit die eingesprüht/gedopt waren. Das mit den 800 Tonnen Rosen hat mich jedenfalls wieder daran erinnert, was für ein Markt das ist.

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      2. Alles, was wir in Massen konsumieren, sollte hinterfragt werden. Bei Blumen, die natürlich sein sollten, klagen heute Floristen über Unverträglichkeiten und Allergien.
        Dennoch…wenn man die Blumen schon mal zu Hause hat, dann sollte man sich wie Du über sie freuen.
        800 Tonnen Rosen. Ich komme über die Zahl nicht hinweg.

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