Weihnachten gefaltet und ungebügelt

In meinem ersten Jahr hier schrieb ich, dass mir Weihnachten heilig ist. Ein fester Plan? Unnötig, es kommt eh anders. Ein paar fixe unumstößliche Termine? Ja, weil Weihnachten auch Tradition ist. Wem es nicht gefällt, der möge sich gefällige eigene Traditionen schaffen und diese bei Bedarf jährlich ändern, schrieb ich. Nun gut, dann machen wir das eben. Nicht weil wir wollen, sondern weil diese unsägliche Pandemie noch immer den Takt vorgibt. Es hilft ja nichts, dann ändern wir unsere Traditionen also das zweite Mal in Folge – Traditionen, die ehrlich gesagt so perfekt waren, dass Änderungen, wenn es nach mir geht, völlig unnötig wären. Leider sieht Corona das etwas anders. Und weil man mit einem Virus nicht diskutieren kann, hilft nur sturer Optimismus. Fünf ganz elementar wichtige Dinge gibt es: Den Baum – den Brunch mit Freunden – die Kirche – den eine Freund aus Italien – und den familiäre Wahnsinn. Diese fünf Dinge müssen sein. Alles andere zu planen wäre sinnlos. Die Katastrophen, das Schöne und das Schlimme im Leben fragen nicht nach Weihnachten. Sie kommen einfach. Springen einen hinterrücks an und werfen einen zu Boden. Man muss sie dann um diese fünf Punkte herum drapieren. Ähnlich wie die scheußlichen Christbaumkugeln, die man nicht aufhängen will, die aber dazu gehören.

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Eine goldene Glocke und ein Esel

In meinem Keller steht ein Karton, der mir wichtiger und wertvoller ist als die meisten meiner Besitztümer. Obwohl er groß ist, wirkt er auf den ersten Blick unscheinbar und niemand weiß, dass er so kostbares beinhaltet. Die schönsten Dinge werden ja oft in unscheinbaren Behältnissen aufbewahrt. Früher war er weiß. Heute ist er grau und die Ecken des festen Kartons sind abgewetzt und der Deckel schließt nicht mehr richtig. Er muss nicht schön sein. Er steht ja das ganze Jahr im Keller. Solange er den Inhalt fest umschließt und die Schnüre, die als Griffe dienen, noch halten, ist es mir gleichgültig wie er aussieht. In ein paar Jahren werde ich ihn austauschen. Noch aber darf er bleiben, weil ich an ihm hänge und es mag zu wissen, dass dieser Karton an jedem Ort an dem ich lebte im Keller stand. Weiterlesen