Sákis brüllt „stop“!

Tage wie dieser machen mich unruhig. An Tagen wie diesen zuckt schon beim Aufwachen ein Erinnerungsfetzen durch meinen Kopf und lässt mich Lachen. Man wacht ja gerne mit einem Lachen auf und ich will mich nicht beschweren. Dennoch sind Tage wie dieser, an denen ich mich andauernd an etwas erinnere, ein wenig anstrengend weil ich mich schlecht auf andere Dinge konzentrieren kann. Es ist ein bisschen wie Weihnachten. Da schleppt man auch Erinnerungsfetzen aus Jahrzehnten mit sich herum und denkt alle paar Minuten an liebgewonnen Traditionen oder kleine Katastrophen aus den vergangenen Jahren. Alle paar Minuten klopft das Gedächtnis an die Stirn und präsentiert eine neue Erinnerung. Heute morgen wachte ich auf, weil in meinem Kopf jemand „Stop“ brüllte. Da wusste ich, heute ist es wieder so weit. Heute ist der Tag des Grand Prix Eurovision de la Chanson. Weiterlesen

Liebe ist ein Butterbrot

Fast hätte dieser Text den Titel „Liebe ist…“ bekommen. Der einzige Grund warum ich davon absehe, sind die kleinen Comiczeichnungen eines Pärchens, die mit eben diesen zwei Worten betitelt sind. Ich mag sie nicht besonders. Wenn man ein liebendes Paar darstellt, dann sollte man ihm entweder etwas anziehen oder ihm in seiner Nacktheit wenigstens die Geschlechtsteile lassen. Sie merken schon, ich mag die Figuren nicht besonders und empfinde die Sprüche als zu  banal und zu platt. Wären sie mir etwas sympathischer, hätte ich den Titel übernommen. Dann könnten Sie hier lesen: „Liebe ist ein Butterbrot.“ Weiterlesen

Sonntags zurück gedacht – Drei Schwestern

Sonntage eignen sich gut um Denkmäler zu setzen. Zwischen all den sich ähnelnden Tagen, hat sich der Sonntag noch etwas mehr Ruhe und mancherorts auch Würde und Feierlichkeit bewahrt. Wahrscheinlich eignet er sich auch hervorragend, um an den steinernen und starren Sockeln einiger Denkmäler zu kratzen oder sie gleich zum Einsturz zu bringen. Meine Tante Mitzi, der ich heute ein kleines Denkmal setzen möchte, die hat nichts und niemand zum Einsturz gebracht. Man hätte schon gewaltig Anlauf nehmen müssen, um diese prächtige und imposante Frau ins Wanken zu bringen. Weiterlesen

Zettelwirtschaft in Büchern

Die kleine Karte ist unscheinbar. Kaum größer als ein Post it. Im Laufe der Jahre ist das rosa Papier dünn und grau geworden. Obwohl ich sie seit über zwanzig Jahren nicht mehr in der Hand hatte, erkenne ich sie sofort wieder. Sie liegt jetzt auf dem Boden vor meinen Füßen und ist aus Milan Kunderas Buch „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ gefallen. Sofort schießen mir die Tränen in die Augen, weil es mir unmöglich ist, nicht an Karenin, den sterbenden Hund im Buch, zu denken. Die Erinnerung an Karenin verschwindet schnell, die Tränen bleiben. Wegen der Karte. Weiterlesen

Heute nur noch Birken

Die Stille hat mich angeschrien. Ich weiß nicht ob es ich war, die diesen Satz irgendwann gedacht habe, oder ob ich ihn gelesen und mir heimlich zu eigen machte. Es ist nicht wichtig. Dass Stille sehr laut werden kann, ist eine Erfahrung, die nicht nur einer Person gehört. Besonders laut war es an einem Nachmittag im März vor zwei Jahren, als ich fröstelnd in einem Birkenwäldchen stand und auf den breiten Rücken meines Vaters blickte.  Weiterlesen

Nicht erinnern

Früher glaubte ich, dass meine Erinnerungen nur mir gehören. Ich alleine könne bestimmen welche Erlebnisse in den Schubladen meines Gedächtnisses aufbewahrt werden und nur ich würde entscheiden, wann darin gewühlt werden darf. Heute weiß ich, dass das Öffnen einer Penatencreme-Dose reicht, um hilflos von Erinnerungen überflutet zu werden. Ich weiß auch, dass man stundenlang ertrinken und dabei weiter atmen kann. Man kann bis ganz auf den Grund der Schublade sinken, sich im Seegras vergessener Gefühle verstricken und erst durch das Klingeln des Telefons wieder auftauchen. Es ist ganz einfach. Und ganz grässlich. Weiterlesen