In der WordPress Vorlage für neue Beiträge steht immer ein Satz, eine Frage. Vermutlich als Einstiegshilfe, wenn einem so gar nichts einfällt.
Hier stand eben „Siehst Du manchmal wilde Tiere?“
Ja.
An mir würde sich WordPress die Zähne ausbeissen, aber vielleicht hilft das manchen Bloggern ja. Ich erzähle Ihnen heute lieber von etwas anderem, das ich gesehen habe und jetzt im Winter ganz oft sehe. Besser in was ich oft sehe. Nicht ins Glas, nein in hellerleutete Fenster. Das ist schön. Die erzählen nämlich Geschichten, diese Fenster. Man muss nur genau hinsehen.
Und hier erzählen die Fenster gleich noch mal zum Nachlesen.
Die Liebe…immer wieder ein schönes Thema. Obwohl…ich lese ja lieber dann von der Liebe, wenn man sich darin ein bisschen wieder erkennt. Also von den Dramen. Da kommen die schönsten Kommentare im Publikum. Bei diesem Text allerdings gab es nach der Lesung eine Diskussion (an der ich nicht beteiligt war), ob es „anständig“ ist das „Fremdgehen“ zu thematisieren.
Ich finde durchaus. Wenn man vom Leben erzählt, dann bitte vollständig. Hätte man mich gefragt, dann hätte ich auch gerne erklärt, dass ich ganz persönlich, davon aber nichts halte. Falls Sie das interessiert…falls nicht, dann erzähle ich Ihnen heute, dass die Liebe zwar schön ist, aber alles andere als leicht.
Über Weihnachtsdekoration lässt sich streiten. Wie so oft ist es auch hier eine Sache des (guten) Geschmackes. Manchmal aber, sage ich nein. Einfach nur nein. Gerne auch mehrfach.
Irgendwann ist dann der Zeitpunkt gekommen, an dem ich nichts mehr sage und nur still beschließe, dass Babbo Natale sterben muss.
Sein Ende können Sie hier nachlesen oder sich anhören.
Manchmal bleibt Frauen gar nichts anderes übrig als zu schreiben. Früher, weil man sie sonst nicht hörte oder weil man ihnen sprechend den Mund verboten hat. Dann taten sie es heimlich. Oder aber sie versuchten zu beweisen, dass sie es ebenso gut wie ihre männlichen Kollegen konnten. Oft nahm man sie nicht ernst und sie hatten es wohl alle um einiges schwererer als wir heute.
Mein Schreiben wird von niemandem beschränkt. Im Gegenteil, ich kenne einen der mag das besonders gerne. Vor allem, wenn es dazu führt, dass ich ihm ein kleines bisschen weniger erzähle. Er mag es zum Beispiel gar nicht, wenn ich kurz vom Einschlafen noch zu erzählen beginne. Dann wünscht er sich, ich würd´s halt aufschreiben und ihn nicht vom Schlafen abhalten. Oft mach ich das, aber manchmal muss ich es ihm erzählen, weil es ein ganz wichtiger Gedanke ist. Dann sag ich zu ihm:
Und wenn auch Sie nicht wollen, dass ich erzähle und es schön fänden, wenn ich es aufschreibe….hier bitte.
Bevor Ulli in unserer Adventslesung aus dem Büchlein der von Reventlow „Von Pedro zu Paul“ las, erkläre ich dem Publikum ganz unverblümt, dass es gefälligst zu erzählen lernen solle.
Jedenfalls dann, wenn es zu jenen Menschen gehört, die gerne in Bus und Bahn telefonieren und ihre Mitfahrer zum Zuhören verdammen. Wer mit lauter Stimme öffentlich telefoniert, der muss bitte auch etwas interessantes zu erzählen haben. Gerne von Amouresken. Wer hört nicht gerne von Liebschaften anderer?
Allerdings, nicht jeder kann es. Zum Üben eigenet sich das Buch „Von Pedro zu Paul“ von Franziska zu Reventlow. Es eignet sich auch zum Lesen ;). Es ist herrlich.
Und wenn Sie so ungerne zuhören, wie ich manchmal morgens im Bus, dann können Sie hier in aller Ruhe und Stille nachlesen.
Bei der angedachten Adventslesung gab es eine kleine Erzählung, die Ulli gelesen hätte, in der es um Kameradschaft innerhalb einer Beziehung geht. Letztendlich darum, dass es die kleinen Dinge sind die zwei Menschen manchmal am stärksten aneinander binden.
Ab und an, so glaube ich, können es auch die Eigenarten des anderen sein. Man muss diese nicht einmal besonders mögen. Viel wichtiger ist es am Ende doch, dass man trotz allem gut mit ihnen leben kann. So ist es auch besonders schön wenn einem einer sagt, dass man ihn in den Wahnsinn treibt, er trotzdem aber keinesfalls den Wunsch verspürt zu gehen. Damit das auch so bleibt und sich nicht ändert, habe ich für einen ganz besonderen Menschen eine zweite Zuckerdose in die Küche gestellt.
….Teil 2 der erzählenden Frauen in meiner Familie.
Meine Großmütter haben mir in meiner Kindheit viel erzählt. Geschichten um Geschichten aus dem Fundus ihrer Erinnerungen. Keine von beiden dachte sich je etwas aus oder las mir ein Märchen vor. Die Erzählungen meiner Großmütter bestanden ausschließlich aus ihren Erinnerungen. Beide berichteten am liebsten von ihren großen Lieben. So weiß ich, dass der Martl, der Martin, die erste große Liebe meiner Großmutter mütterlicherseits war. Sie hat uns Kinder oft von ihm erzählt. Ich kann mich an ihre leuchtenden Augen und das warme Lächeln erinnern, wenn sie von ihm berichtete und erzählte wie schwer es mit einem ledigen Kind war. Er ist ihr weggestorben noch bevor sie ihn heiraten konnte, auch das wusste ich, und dass sie ihn nie vergessen konnte, war mir leicht zu verstehen. Sie hat uns so oft von ihm erzählt und doch nicht alles. Oder ich kann mich nicht mehr richtig erinnern. Seltsamer Weise verschwinden die Details bei Erzählungen, die man besonders oft hört, am leichtesten. Gestern Abend hat sie es mir noch einmal erzählt. Ganz in Ruhe und ganz ausführlich. Hat erzählt und sich erinnert:
Ich bleib noch ein bisschen bei den erzählenden Frauen in meiner Familie. Lange bevor ich angefangen habe, habe sie das schon gemacht – das Erzählen. Und weil ich jeder von ihnen zugetraut hätte, mehrere Buchbände an Erzählungen zu füllen, habe sie alle einen Platz in einer Lesung gefunden. Einer, die ich gemeinsam mit der wunderbaren Ulrike Dostal leider erst einmal aufgeführt habe. Im Valentinhaus lasen wir einen Abend unter dem Titel: „Und ewig schreibt das Weib.“ Ulli übernahm es Erzählungen von ganz wunderbaren deutschen, meist bayerischen, Schriftstellerinnen zu lesen. Über die Kameradschaft von Emma Haushofer-Merk, aus der Geierwally von Wilhelmine von Hillern (das Buch hat kaum etwas mit dem oder den Filmen zu tun), den Juhschroa von Emerenz Meier und von Lena Christ und der Gräfin Franzika von Reventlow. Wie unglaublich schön sie das gemacht hat, kann man wahrscheinlich nur erahnen, wenn man Ulli schon einmal auf der Bühne erlebt hat. Im Internet finden Sie unter ihrem Namen so einiges. Hier zum Beispiel.
Meine Großmutter tanzte für ihr Leben gern. Das tat sie bis ins hohe Alter. Selten freilich, weil die Beine nicht mehr so wollten, aber manchmal hat es sie noch gepackt. Um genau zu sein packte sie ihr Enkel. Ein Brackel von einem Kerl. Kräftig genug um die winzige Frau in seinen Armen über das Parkett zu heben und ein so guter Tänzer, dass meine Großmutter nicht widerstehen konnte. Dann staunten die Urenkel wenn sie erschöpft zurück auf den Stuhl sank. Verlegen hob sie dann die Hände und meinte, dass sie nun wirklich zu alt dafür sei. Aber sie strahlte und in ihren Augen spiegelte sich eine Jugend, die ich nur von Erzählungen kannte. Ihren jugendlichen Übermut hat sie nie verloren, meine Großmutter. Selbst kurz vor ihrem Tod im Krankenbett liegend, wies sie mich noch schmunzelnd auf einen hübschen Pfleger hin. Der hätte ja gar so schöne Schneckerl. Dunkle Schneckerl, die ihr so gut gefielen. Hatte sie doch immer eine Vorliebe für Männer mit dunklen Locken. Das war ihr so lieb wie ein guter Tänzer. Ihr Mann, der Schorsch, war plattert und konnte überhaupt nicht tanzen. Aber das war nicht wichtig. Sie hat ihn ja so gern gemocht, ihren Schorsch.
Advent…und grad erst is doch die Wiesn vorbei gegangen. Es liegt an meinem fortschreitenden Alter, dass die Monate jedes Jahr schneller rennen, sagt mein Freund. Und am rasenden Verfall – körperlich und geistig -, dass wir nicht mehr belastbar sind, meint mein Nachbar Paul. Mein Freund hat recht, Paul nicht. Paul ist seit Monaten in der Midlifcrises. Das ist schlimm – für ihn. Und wunderbar für mich. Ich habe nämlich endlich neues zu erzählen. Auch von Herrn Meier und im Bus hab ich auch Dinge erlebt. Herrlich. Nachdem ich mich die letzten eineinhalb Jahres etwas leer geschrieben hatte und es hier ruhiger wurde, ist endlich wieder mehr passiert und ich freu mich auf nächstes Jahr. Wenn im Leben nämlich nur noch Alltag passiert, dann ist das für eine so faule Autorin wie mich unangenehm. Eine wie ich denkt sich ja nichts aus, sondern erzählt nur. Wenn also bei Paul nichts mehr passiert und mein Freund und ich wunderbar harmonisch vor uns hinleben, dann gibt es für mich nichts zu schreiben. Aber es geht aufwärts. Die Männer in meinem Umfeld erkennen, dass sie keine „jungen Männer“ mehr sind. Das ist lustig zum Beobachten…Sie werden sehen. Erstaunlich auch, denn eigentlich sind sie das seit fast 20 Jahren nicht mehr, aber wie wir wissen, brauchen die…die Männer…manchmal länger um festzustellen, dass auch sie altern. Wir Frauen merken das schneller. Meist, weil es uns ein aufmerksamer Mann (ungefragt) mitteilt.
Erzähl ich Ihnen alles nächstes Jahr. Jetzt recycle ich aber noch meinen Adventskalender von 2022. Der war nämlich so viel Arbeit, dass Sie den jetzt noch mal hören müssen. Oder Sie tun so als würden Sie ihn hören. Schwindeln müsssen Sie nicht. Das mach ich schon genug, indem ich den Männern hier versichere, dass sie noch gut in Form sind.
Beginnen wir vielleicht doch mit einer kleinen Schwindelei: Heute ist der 1. Dezember. (Stimmt nicht, aber gestern hatte ich keine Zeit). Und mit der Aussage, dass mir der Jahresendstress nichts ausmache. Und dass, ich überhaupt nur selten gestresst und am durchdrehen bin.
Da können Sie wirklich jeden fragen. Ich bin…. ok, fragen Sie vielleicht doch lieber nicht. Oder erst nach den Feiertagen.
Und wenn Sie über meine Ruhe und Gelassenheit lieber lesen, als sich diese ins Ohr brüllen zu lassen, dann können Sie das hier.
Und weil heute schon der 2. Dezember ist geht es gleich weiter.
02.12.2024
Alles andere als objektiv ist einer meiner Lieblingstexte bei Lesungen. Der über den Atem von München. Ich schrieb ihn an einem saukalten Abend an dem ich nach einem Essen mit Freunden nach Hause gelaufen bin und auf dem Heimweg mehrere Umwege gemacht habe, weil meine Stadt so schön ist.
Viele Städte sind schön, keine Frage. Besonders schön werden sie aber, wenn man in ihnen aufgewachsen ist, sie irgendwann langweilig und älltäglich fand, sie verlässt und dann beim „Heimkommen“ merkt, dass sie doch schön sind. Schön, vertraut und mit dem Gefühl von „Daheim“ verbunden.
Sollten Sie von außerhalb nach München kommen und die Gelegenheit haben, die Stadt nachts zu erkunden…machen Sie es. Und wenn Sie in München wohnen und die Stadt in und auswendig kennen…dann biegen Sie in der Altstadt einfach mal wieder ab. In die kleinen Gassen und…aber das wissen Sie ja eh.