Bist du da?

Es war das Lachen meiner Freundin, dass mir zeigte, dass ich wieder zu Hause bin. Laut, eine kleine Spur zu grell, aber so herzhaft und warm, wie kein anderes, schallte es gestern Abend durch das Telefon und hieß mich willkommen. Sie wusste, wann mein Flieger landete und ahnte, dass mir der graue Nieselregen in München nicht gefallen würde. Ein kurzes Telefonat, verbunden mit dem Vorschlag ganz bald ein Glas Wein zusammen zu trinken, würde es mir bestimmt leichter machen, meinte sie und hatte recht. Wer mit einem so schönen Lachen empfangen wird, den kümmert das Wetter nicht mehr. Den Wein bräuchte es nicht. Eigentlich braucht es eh wenig, um sich zu Hause zu fühlen. Und doch gelingt es nur wenigen Menschen, dieses ganz besondere Gefühl zu vermitteln. Bei ihr ist es das Lachen, das mir – egal wo ich bin – vermittelt, einen Menschen an meiner Seite zu haben, mit dem ich durch dick und dünn gehe. Sie lachte schon so vieles weg. Manchmal unter Tränen, manchmal schimpfend. Irgendwann aber sprudelte immer dieses ganz besondere herzhafte Lachen hervor. Ich höre es und fühle mich zu Hause. Gestern war ich wieder zu Hause. Und das obwohl ich gerade erst von dort kam.  Weiterlesen

Gurkenhobel, Kernseife und Bücher

Wikipedia behauptet, dass ein Jahrmarkt mit Volksfestcharakter im südostdeutschen Raum häufig als Dult bezeichnet wird. Anders als das Oktoberfest, das böse Zungen als Volksfest der charakterlichen, moralischen und geschmacklichen Entgleisungen bezeichnen, ist die Auer Dult wohl wirklich noch ein Jahrmarkt. Und doch so viel mehr. Die Auer Dult ist eine Institution und gehört für mich so fest zum Bestandteil Münchner Lebens, wie der Viktualienmarkt oder der Englische Garten. Etwas ganz besonderes und zugleich etwas sehr alltägliches, das weit über eine Touristenattraktion hinaus reicht. Wir Münchner aus den Vierteln Au, Giesing und Haidhausen laufen uns drei Mal jährlich auf der Dult über den Weg. Auf der Maidult, die am Samstag vor dem 1. Mai beginnt und die den Frühling in der Stadt auf das Schönste begrüßt; auf der Jakobidult, wenn die Stadt unter der schweren hochsommerlichen Hitze stöhnt und ächzt und auf der Kirchweihdult im Oktober am Wochenende vor Kirchweih wo man jeden warmen Sonnentag noch einmal mit besonders tiefen und wohligen Atemzügen willkommen heißt. Wir Münchner aus den angrenzenden Vierteln, treffen uns in diesen dreimal jährlich stattfindenden neun Tagen immer. Wir müssen nichts ausmachen, um am Dultwochenende nicht alleine durch die Gassen zu schlendern – man trifft sich. Immer. Weiterlesen

Herzlichen Dank!

Herzlichen Dank an die wunderbaren Gäste gestern Abend. 

Schon das neunte Mal durfte ich im Rahmen der Südsehen-Lesereihe im schönen Münchner Valentinhaus lesen. 

Jedes Mal anders, aber immer ein Erlebnis. 

Auf bald,
Mitzi

Permanent schlecht gelauntes Miststück

Entgegen der E-Mail, die mich vor kurzem erreicht hat, bin ich kein „permanent schlecht gelauntes Miststück“ mit Hang zu „undurchschaubaren promiskuitiven Beziehungen“. Wobei ich ganz formell darum bitten möchte, den letzten Satzteil verwenden zu dürfen, wenn ich mich jemals bei Tinder anmelden sollte. Vielleicht auch den ersten, das würde mir Nachfragen jeglicher Art ersparen und ich müsste gar nicht erst versuchen ein solches arrangiertes Beischlaf-Event der Höflichkeit halber als etwas anderes zu bezeichnen. Ok, vielleicht bin ich jetzt gerade wirklich etwas schlecht gelaunt. Jetzt. Nicht permanent. Jetzt etwas mehr, weil mich jemand der mich nicht kennt, als Miststück bezeichnet. Das dürfen nur Freunde und Familienmitglieder. Die wissen warum und denen kann ich ab und an nicht widersprechen. Die sind aber auch aus Bayern und in Bayern ist ein Miststück kein schlechter Mensch, sondern nur einer, der sich zum Beispiel aus Versehen, das letzte Stück Erdbeerkuchen genommen hat und der mit vollem Mund nicht fragen konnte ob vielleicht sonst noch jemand Milch in den Kaffee will, bevor man am Sonntag den letzten Rest in die eigene Tasse kippt. Da sagt der Bayer schon mal Miststück. Also meine Freunde zu mir. Manchmal. Aber in einer E-Mail, in der man sich darüber beschwert, dass ich permanent schlecht gelaunt bin, da möchte ich schon gerne als Mitzi angesprochen werden. Meinetwegen auch als Frau Irsaj oder „hey du“, aber eben nicht als Miststück. Weiterlesen

Nix mit Italien

Geschenkte Tage, nennt meine Mutter sie. Tage, die so schön und kostbar sind, dass man sie auf keinen Fall verstreichen lassen darf. Tage, von denen man ahnt, dass es für lange Zeit die letzten ihrer Art sein werden und Tage, die durch ihre Vergänglichkeit zu einem kostbaren Schatz werden. Heute ist ein geschenkter Tag. Ein Sonntag im Oktober, der so herrlich warm ist, dass man doch noch einmal in offene Schuhe schlüpft und wohlig seufzend den ersten Kaffee des Tages auf dem Balkon genießt. Freilich, der Sommer ist vorbei. Wir hatten schon Tage, da waren es morgens nur vier Grad und Tage, in denen man fröstelnd auf den Bus wartete und dem Sommer hinter her trauert. Aber heute nicht. Gesten und heute wurden uns Münchnern zwei Tage geschenkt, die so herrlich sind, dass man dem Sommer gar nicht hinterher trauern kann.  Weiterlesen

Wiesn Katarrh

In unserem Treppenhaus stinkt es. Obwohl…eigentlich ist das nicht richtig. Eigentlich riecht es vor den Wohnungstüren verführerisch und feine Düfte ziehen durch das Treppenhaus. Das Erdgeschoss begrüßt den Bewohner mit kräftiger Kohlsuppe. Nach all der Völlerei während des Oktoberfestes ist ein kräftiges und zugleich entschlackendes Süppchen genau das richtige. Man kann die Kneipe, die sie auf die Karte gesetzt hat, durchaus verstehen. Mindestens genauso verständlich ist, dass der Wirt auch nach neun Monaten noch keinen neuen Filter in den Dunstabzug seiner Küche eingebaut hat. Warum auch? Das kostet sicher und viel einfach ist es, einfach die Küchenfenster zu öffnen und dem Innenhof plus unterer Stockwerke via Küchendämpfen mitzuteilen, was es heute zu essen gibt. Seit etwa einer Woche Kohlsuppe. Wahrscheinlich auch anderes, aber der penetrante Geruch von stundenlang gekochtem Kohl überlagert alles. Fast alles. Im ersten Stock riecht es weniger nach Kohl, dafür aber extrem intensiv nach Zwiebeln. Leider nicht nach dem feinen Duft, kleingeschnittener Charlotten, die in einer Pfanne mit Butter langsam angeschwitzt werden und einem das Wasser im Mund zusammen laufen lassen. Nein, der Zwiebelduft, der aus Herrn Meiers Wohnung dringt ist hart an der Grenze des erträglichem. Ein jeder weiß, dass gegen hartnäckigen Husten am besten ein Zwiebelsud mit reichlich Honig hilft. Ein jeder riecht aber auch, dass Herr Meier da irgendwas falsch verstanden haben muss. Dem Geruch nach hat er drei bis vier Kilo scharfer, weißer Zwiebeln grob zerhackt und in großzügig in der Wohnung verteilt. Nach einem Aufguss mit Honig oder Kandiszucker, der den pentranten Zwiebelgeruch etwas abmildern könnte, riecht hier jedenfalls nichts. Und zu helfen scheint es auch nicht, weil Herr Meier hustet. Und das laut und ausdauernd. Kein Wunder, er hat wie fast jeder den München den Wiesn Katarrh – die typische Erkältung in der Woche nach dem Oktoberfest, die ganze Viertel ereilt und in ihrer Heftigkeit den gefürchteten Männerschnupfen noch bei weitem übersteigt und beide Geschlechter heimsuchen kann. Damit er den nicht alleine hat, hustet Herr Meier gerne im Treppenhaus und da vorzugsweise im Aufzug, damit er auch möglichst vielen Nachbarn zeigen kann, wie schlecht es ihm geht. Ich nehme seit ein paar Tagen die Treppe und versuche möglichst nichts anzufassen, an dem bereits die Hustenhand von Herrn Meier gewesen ist. Weiterlesen

Alltag XI – Zeit

Ich würde so wenig schreiben, sagt er, dass er das von mir nicht gewohnt sei und ob alles in Ordnung wäre. Logo, sage ich und schiebe ihn aus dem Türrahmen, in dem er steht. Eigentlich kommen wir da gut zu zweit durch, nur heute nicht, weil ich einen Karton mit Büchern im Arm halte und darauf eine übervolle Tasse Milchkaffee balanciere. Da will ich kein Risiko eingehen. Ich schreibe schon, teile ich ihm nuschelnd mit und er zieht die Stirn in Falten weil er mich nicht versteht. Nachdem er mir die Kontoauszüge, die ich zwischen meine Zähne geklemmt hatte aus dem Mund nimmt, wiederhole ich es noch einmal. Doch, ich würde schon schreiben, fast so viel wie immer, nur im Moment eben nur im Kopf. Der Karton mit den Büchern – meinen eigenen – kommt in den Flur. Zur Auer Dult brauche ich sie. Die beginnt zwar erst am 19. Oktober aber wenn sie schon jetzt da stehen, dann kann ich das schon mal nicht vergessen. Wie man im Kopf schreibt, möchte er wissen und ich schiebe den Karton ein Stück unter die Kommode. Nur so weit, dass er mich täglich stört und ich ihn sicher nicht vergessen werde. Nun, ich schreibe eben in Gedanken. Schreiben ist für mich ja nachdenken und damit hört man nicht auf, nur weil die Zeit mal etwas knapper wird. Knapper, fragt er schmunzelnd, schiebt den Karton ein Stück weiter unter die Kommode und rettet den Milchkaffee, der gefährlich wacklig noch immer darauf steht. Wir teilen uns den Milchschaum und weil sein Rücken so schön breit ist, lehn ich mich kurz dagegen. Weiterlesen

Randnotiz

Endlich hätte ich in den letzten 30 Jahren meines Lebens lernen sollen, dass es überhaupt nichts bringt mir ganz besonders wichtige Dinge auf den Handrücken zu schreiben. Was bei den Spickzettel in der Schulzeit schon nicht funktioniert hat, versagt als Erinnerungsfunktion völlig.

„N!“ War eine wirklich wichtige Erinnerung. Soviel weiß ich noch. Auch dass ich hier unbedingt etwas machen muss. Heute! Nur was es war, das fällt mir beim besten willen nicht mehr ein.