Corona Home Office IV

In unserem Haus gibt es schon viele sehr eigene Typen. Eine Mutter Beimer hat bisher gefehlt. So wie sich die Dinge entwickeln, werde ich die Rolle übernehmen. Der Gedanke gefällt mir nicht. Weniger, weil mir die drei Kinder fehlen, eher aus oberflächlichen Gründen. Mutter Beimer ist unanttraktiv. Ok, für Ihren Hansemann nicht (bis er sie mit einer jungen und schlanken betrogen hat), aber für die meisten Männer dann doch. Oder wenigstens für mich. Föhnwelle, Glucke und ständig am Spiegeleier braten, wenn es mal schwierig wird. Falls Sie sich fragen wovon ich rede….Mutter Beimer aus der Lindenstraße. Die gibt es glaube ich nicht mehr und um Mutter Beimer ist es nicht schade. Die Figur war aus erzählt – bis mich Corona ins Home Office schickte und ich binnen viereinhalb Tagen den Tagesablauf von drei unselbstständigen und verzogenen Schratzen (bayerisch für innig geliebten, aber doch sehr nervigen Nachwuchs) organisieren muss. Weiterlesen

30 Tage

Vor genau einem Moment saß ich lachend auf der Rückbank im Auto des mutigsten meiner Freunde. Den ganzen Tag über lachten wir und hatten so viele schöne Stunden auf den Schultern liegen, dass uns Wind und Kälte des Februartages nur wenig anhaben konnten. Er, der sonst nur einmal im Jahr die alte Heimat besucht, war gekommen, weil ich ihn darum gebeten hatte. Ein Joker den ich nur dann ziehe, wenn mir etwas wirklich wichtig ist. Heute, einen Monat später klingt es banal, dass mir gerade diese eine Lesung so wichtig war, dass ich ihn bat zu kommen. Und heute, einen Monat später, bin ich froh, dass diese Banalität dafür sorgte, jetzt einen Vorrat an Lachen und belanglosem Geplauder zu haben. Spätestens seit ganz Italien zur "zona rossa" erklärt wurde, sind unser Telefonate ein wenig ernster geworden. Reflektierter und weniger belanglos. Lachend, ja, aber auch nachdenklich und mit den Tagen immer besorgter. Alles was ich von ihm höre, erwartet mich im Moment ziemlich genau acht Tage später selbst. Weiterlesen

Corona Home Office III

CANNELLONI, brülle ich über die Brüstung des Laubengangs gelehnt, quer durch unseren Innenhof. Frau Angermeier, die ihrerseits draußen auf ihrem Balkon steht zuckt mit den Schultern. Herrgott noch eins, die ist aber auch schwerhörig. CANNELLONI, brülle ich erneut, DAS SIND CANNELLONI! NUDELN! Mittlerweile wissen das komplette Hinterhaus und große Teile des Vorderhauses, was bei Frau Angermeier dank ihres schlechten Gehörs noch nicht angekommen ist. 

Mein Nachbar Paul erbarmt sich, stellt seinen Laptop ab und beugt sich ebenfalls über seinen Balkon, der mittig zwischen dem Laubengang und Frau Angermeiers Balkon liegt. CANNELLONI, FRAU ANGERMEIER, schreit er Luft holend, NUDELROLLEN. Frau Angermeier zeigt lachend einen nach oben gestreckten Daumen und zuckt dann mit den Schultern. Ich ahnte, dass ihr ein Päckchen Kartoffelbrei lieber gewesen wäre. Momentan gibt es aber manchmal grad das nicht, was sie auf ihre Einkaufsliste für mich notiert hat. Es ist aber immer noch genug in den Regalen und da ich der Meinung bin, dass eine 80ig Jährige wahrscheinlich kreativer als ich kochen kann und ich keine Lust hatte in der Mittagspause zu verschiedenen Supermärkten zu rennen, hat sie jetzt halt Cannelloni vor die Tür gestellt bekommen. Nur blöd, dass sie diese – in meinen Augen in den letzten Jahren eh völlig unterschätzte – Nudelsorte nicht kennt. Das Gebrülle geht weiter.

Ich: PAUL!….PAUL!?! – Paul unterbricht seine Arbeit und steht widerwillig auf. SAG IHR, DIE DARF SIE NICHT VORKOCHEN.
Paul: WAS?
Ich: DIE CANNELLONI DARF SIE NICHT VORKOCHEN.
Paul: BIST DU SICHER? DIE WERDEN DOCH NICHT GAR SONST.
Ich: WIE WILLST SIE DENN FÜLLEN, WENN SIE GEKOCHT UND LAPPRIG SIND?
Frau Angermeier: WAS SAGT SIE?
Paul: NIX
Frau Angermeier: JA DOCH. DIE PLÄRRT DOCH DIE GANZE ZEIT. WAS SAGT´S?
Unbekannter Nachbar: Könnt ihr bitte das Telefon nutzen?
Paul und ich: NEIN!
Frau Angermeier: ANGENEHM, ANGERMEIER. SIND SIE NEU IM HAUS?

Den Rest des Dialoges erspar ich Ihnen. Er dauerte noch etwas, weil Paul und ich uns nicht über die korrekte Zubereitung von Cannelloni einigen konnten. Drei Nachbarn bezeichneten uns im Laufe der Übereck Balkon-Laubengang-Kommunikation als Idioten und einer als Hornochsen (Herr Meier). Dafür wissen nun alle wie man Cannelloni mit Spinat und Ricotta Füllung zubereitet. Nur fürs Protokoll….nicht vorkochen!

Randnotiz – Home Office II

Ich gehöre ja zu den Menschen, für die nur das existiert was sie sehen. Deshalb schaue ich morgens nach dem Aufwachen seit einigen Jahren schon nicht mehr in den Spiegel. Vermindert das Frustpotential ungemein und lässt mich in dem Glauben leben, dass sich in den letzten Jahren an meinem Aussehen nicht sonderlich viel verändert hat. Das ist ein ungemein beruhigendes Gefühl. War es. Bis ich aus Gründen von Corona ins Home Office versetzt wurde.

Schöne neue Welt, zwinkert mir einer zu, den ich in diesen Tagen nur selten zu Gesicht bekomme und nötigt mich via Fernlehrgang am Telefon Skype auf dem Handy zu installieren. Man will sich ja sehen. Will man nicht. Wir haben beide beschlossen auf Skyp zu verzichten, nachdem er mich heute um 06:15 Uhr mittels dieses Schrotts kontaktiert hatte und etwas sah, dass er sonst, dank noch nicht eingesetzten Kontaktlinsen so nicht sieht – mich nach dem Aufwachen. Probleme die Sie sicher auch kennen und mit denen man Leben kann. Der Vorteil in liebevollen Beziehungen ist schließlich, dass der Blick milde ist und die inneren Werte zählen. Hoffe ich zumindest, denn sein Blick heute morgen schwankte zwischen „Wer bist du?“ und „Wie machst du es denn bitte sonst, anders auszusehen, wenn ich neben dir aufwache?!?“ (Könnte ich ihm erklären – ich wache vor ihm auf und war meist schon im Bad, wenn er die Kontaktlinsen einsetzt). Geduld, ich richte mich erst noch ein und muss lernen wie es ist komplett von zu Hause aus zu Arbeiten. Zum Beispiel war ich von der Notwendigkeit direkt nach dem Aufstehen zu duschen, bisher noch nicht überzeugt. Sieht ja keiner, da reicht es, sich die Zähne zu putzen. 

Mag stimmen, trifft aber nicht zu, wenn die Kollegen morgens um 09:30 Uhr ein Abteilungs-Meeting  via XYZ einberufen und man erst um 09:26  Uhr begreift, dass es sich um eine Video und nicht Autiokonferenz handelt. Dann muss man mit geradem Rücken und klarem Blick vor dem Rechner sitzen und seine Snoopy-Nacht-Shirt professionell weglächeln. Dann muss man trotz unfrisierter Haare Kompetenz ausstrahlen. Da ich das erst noch üben muss, habe ich die Kameralinse überklebt und behauptet, sie sei kaputt. 

Man hat uns hier im Haus heute das warme Wasser abgestellt. Ich bin also immer noch ungeduscht. Aber gekämmt. Als ich mit dem mutigsten und eingsperrtesten meiner Freunde in Italien telefoniere, erkläre ich ihm, dass es unabdingbar ist, seinen Tagesablauf in Zeiten wie diesen zu strukturieren. Als er mich fragt, was es zum Mittagessen gibt, antworte ich etwas verlegen wahrheitsgemäß. Heute Eierlikör-Ostereier.

 

Randnotiz – Home Office

So, jetzt ist es soweit. Ich bin, wie meine Kollegen, bis auf weiters im Home office. Gestern Abend ruckelte es gewaltig in Bayern. Wahlen vorbei und es ging los. Die Nachrichten müssen wir alle noch etwas verdauen, aber das Vorderhaus beginnt sich einzurichten.

Dank des traumhaften Wetters weiß ich, dass auch meine Nachbarn von zu Hause aus arbeiten. Oben klappert eine Tastatur, unter mir wird telefoniert und neben mir mit dem Handy am Ohr gewunken. Und weil wir nicht ändern können, was nicht zu ändern ist, machen wir alle – die Balkone haben Abstand – gemeinsam um 13:00 Uhr Mittagspause. Jeder auf seinem Balkon, aber keiner alleine. Gefällt mir. So ist es gleich ein wenig weniger gruselig. Nur Frau Obst schimpft, weil wir uns über die Brüstung brüllend verabredet haben. Sie wird aber wohl auch auf ihrem Balkon sitzen, damit sie nichts verpasst.

 

Es war toll!

Ernsthaft? Ok.

Also, Sie von Amazon können nichts dafür, aber wenn ich ehrlich bin, dann fand ich es nicht so toll. Mir fehlte bei dieser Zustellung das gewisse Etwas. Einwurf im Briefkasten…das ist einfach nichts besonders. Da sagt man beim Öffnen der Klappe nicht: „Ui ja, das war toll!“. Sie fragen ja nach der Zustellung und nicht dem Inhalt. Schlüssel rein, drehen, Klappe zu, Schlüssel raus und fertig. Daumen hoch, meinetwegen, aber wenn etwas toll sein soll, dann erwarte ich mir mehr.

Ich drück auch nicht den Daumen runter, so schlimm war es auch nicht. Es war ok. Ich finde keinen Punkt, den ich nicht gut gefunden habe. Und weil weder das eine noch das andere passt, schreib ich Ihnen. Damit Sie künftig vielleicht den Text ein bisschen ändern.

Wenn Sie aus der Zustellung ein Event machen wollen, dann suchen Sie entsprechendes Personal. Der hier, der war richtig gut. Ok, ist nicht Amazon, sondern DHL, aber der Mann hat es verstanden eine Zustellung zum Event zu machen. Mittlerweile spricht er nicht mehr mit mir und wirft mir Paket aus zwei Meter Entfernung vor die Tür, aber es gab eine Zeit, da hatten wir unseren Spaß. Er hörte auf, als er sich mit mir – via Abholkarte – zum Essen verabreden wollte, aber bis zu diesem Zeitpunkt war es echt nett. Daumen hoch. 

Nachdem ich gerade etwas nachdenken konnte, gebe ich Ihnen, Amazon, doch einen Daumen nach oben für die Zustellung. Ich muss Ihnen zu gute halten, dass sie überhaupt etwas zugestellt haben. Selbstverständlich ist das nicht. Nicht für mich, die ich regelmäßig Pakate nach Italien schicke. Bzw. es versuche. Wenn da was ankommt, dann drücken die bestimmt alle sofort auf „Es war toll“. Kommt ja nicht so oft vor. Also Rechnungen schon. Da hab ich noch nie Beschwerden meiner Freunde gehört. Aber Päckchen – puh, das ist reine Glückssache. Da traut sich selbst ein Optimist wie ich nicht mehr ran. Ende November habe ich es wider besseren wissen versucht. Zwei Flaschen meines liebsten Weines, den es in Italien nicht zu kaufen gibt. Eine Flasche – im Hinterhof einer kleinen Giesinger Fabrik hergestellten, Ingwerlikör und eine Flasche super special Weißbier. Dazu nur selten käuflichen Apfelsstollen, selbstgemachte Anisplätzchen, ein Buch und noch ein paar andere Dinge. Ein Dankeschön für meine Freunde, die mich und meine Freundin am Meer in Italien verwöhnten. Gut es ist saublöd ein so schweres Paket zu verschicken, wenn man das Porto bedenkt. Noch blöder aber ist es, etwas das selbst durch die Verpackung gut riecht mit der Post nach Italien zu schicken. Es kam nie an. Ein Zettel zur Abholung schon, aber als mein Freund den fand (war nicht im Briefkasten) war das Paket schon wieder zurück geschickt worden. Sagen sie. Ich vermute es wurde gegessen und getrunken. 

Daher – Daumen hoch. Es war toll, die Zustellung via meines Briefkastens.

 

 

18.04.2020 – Abgesagt

„Jedes Ding hat drei Seiten, eine positive, eine negative und eine komische“, sagt Karl Valentin. 

Ein schönes Thema über das ich gerne am 18. April 2020 im Geburtshaus dieses großartigen Künstlers gelesen hätte. Aufgrund der aktuellen Situation und besonders weil die Lesungen im Valentinhaus vor oft älterem Publikum stattfinden, hat das Theater Südsehen die Termine für das Frühjahr jetzt aber abgesagt. Eine, wie ich meine, richtige Entscheidung. 

Wir sehen uns wenn der Spuk vorüber ist. Dafür lesen wir uns mehr – Sie mich hier und ich Sie auf allen anderen Kanälen. 

Nicht panisch, aber auch nicht gedankenlos werden wir das überstehen. Über die weiteren Termine ab Mai halte ich Sie auf dem Laufenden. 

Herzliche Grüße
Mitzi

 

…..ganz bald!

Reiß dich zusammen, sagt das Kind

Das Kind aus der Verwandtschaft, das längst kein Kind mehr ist erkundigt sich ob es Dienstag Nacht bei mir übernachten kann. Ich wohne so schön zentral, da bietet sich das – für das Kind – an. Da ich die 40 überschritten habe und meinen Schlaf brauche, passt es mir unter der Woche überhaupt nicht, weil man ja nicht weiß wann das Kind, das kein Kind mehr ist in die Wohnung torkelt und die Klingel benutzt weil die Suche nach dem Schlüssel in den Tiefen des Rucksacks zu anstrengend ist. Nein unter der Woche bitte nicht, da bin ich mittlerweile raus. Weiterlesen

Gleisbett Versprechen

Aus Sturheit optimistisch, steht in meiner Selbstbeschreibung und ich schnaube verächtlich, weil Optimismus zu diesem Tag nicht passen will. Dabei wäre er gerade an diesem Freitag durchaus angebracht gewesen. Pessimistisch gestimmt hätte es keinen Sinn gemacht dreißig, selbst verfasste Bücher in einen Rucksack zu packen – wer soll sie kaufen? Und in pessimistischer Laune hätte ich den Schirm gleich zu Hause lassen können, weil der Wind ihn eh sinnlos macht und man sich mit dem Gedanken klatschnass zu werden, besser beizeiten anfreundet. Grantig, sei ich, schrieb ich dem mutigsten meiner Freunde und weil er mich kennt ignoriert er es und wünscht mir statt dessen einen schönen Tag und eine tolle Lesung. Es beschämt mich, weil grantig zu sein kindisch ist, wenn man doch eigentlich auf dem Weg zu etwas schönem ist. Ich bin nicht mehr grantig, schreib ich ihm und beschließe es auch nicht mehr zu sein. Das geht. Probieren Sie es. Beschließen Sie einfach Ihre Laune zu ändern und zwingen Sie sich zu behaupten gut gelaunt zu sein. Wenn man es drei bis fünf Mal gesagt oder geschrieben hat, dann ist man es – ein bisschen. Und das reicht meist. Ein bisschen gut gelaunt steige ich in den Zug und beschließe nur noch das Schöne zu sehen.  Weiterlesen