Frau Wolf zieht ein

Im Schnee liegt zwischen vertrockneten Christbäumen ein Usambaraveilchen. Sie gehören hier nicht hin. Weder die Christbäume noch das lila blühende Veilchen. Die Bäume wurden der Einfachheit halber nicht zur Sammelstelle gebracht, sondern auf die Wiese im Innenhof geworfen. Einer fängt an, ein Zweiter folgt und schon der Dritte vermutet, dass es sich um einen offiziellen Abgabeort handelt. Man kann ihm keinen Vorwurf machen, denkt sich der Vierte, der es besser weiß und seinen Baum deshalb erst im Dunklen auf die Wiese legt. Der Fünfte könnte ich sein, aber mein Baum steht noch auf dem Balkon. Vermutlich bis Mitte März. Bis dahin wird das Usambaraveilchen im Schnee nicht überleben. Bleibt es hier, zwischen den Bäumen, wird es sterben.

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Happy 2024

Eigentlich sollte man Feuerwerke nicht filmen sondern genießen. Da ich aber nicht widerstehen konnte, kommen Sie nun in den Genuss einiger Sekunden von meinem Jahreswechsel.

Für das neue Jahr wünsche ich Ihnen alles Gute.

Notiz an mich selbst

Hallo.

Ich bin eigentlich gar nicht da. Sie können mich bitte einfach ignorieren. Ich muss mir nur eben ein paar Dinge notieren, die ich Ihnen in 2024 erzählen möchte, zu denen ich 2023 aber nicht mehr kommen werde.

  • Die WordPress Seite auf die ich so oft geschimpft habe, ist gar nicht so grottenschlecht wie ich dachte.
  • Der Service meines Internetanbieters (auf den ich vermutlich in den letzten Jahren auch geschimpft habe) ebenfalls nicht. WordPress mag mich, seit ich einen neuen Router habe. Der Servicemitarbeiter meines Providers vermutlich nicht. Dem habe ich nämlich so lang erklärt, dass ich aus Gründen der Nachhaltigkeit keine neue Fitz.Box möchte, bis er sie mir irgendwann einfach zugeschickt hat. Ich muss zugeben, er hatte recht. Falls Sie noch nicht wussten, dass sich Seiten im Internet in unter 15 Sekunden aufbauen und Ihr Router so alt ist, dass der Anbieter ihn nicht zurück haben möchte……dann suchen Sie sich einen Callcentermitarbeiter, der Sie zu Ihrem Glück zwingt.
  • Unbedingt erzählen muss ich Ihnen vom Irrenhaus hier. Aber nicht mehr dieses Jahr. Notiz an mich selbst: Frau Hintereder trommelt gegen die Aufzugstür, der DHL Bote bekommt Eierlikör, junge Frauen mit Baby im Arm nicht fragen, ob das Kind von Paul ist.
  • Auch berichten muss ich von heute. Aber nicht heute. Ich muss erst noch verdauen, dass mich der Fahrer tatsächlich aus dem Bus geschmissen hat. Ich hatte recht, aber er das Hausrecht. Mehr als unangenehm.
  • Nicht Ihnen, aber meiner Mutter muss ich erzählen, dass der letzte Fabrikreste Laden in der Innenstadt geschlossen hat und damit eine Ära zu Ende geht. Sag ich Ihr lieber erst im neuen Jahr, aber Ihnen könnte ich von einem der tollsten Läden ganz Münchens erzählen. Leider jetzt ein Abgesang.
  • Herrn Ösi muss ich noch sein eigenes Buch zuschicken, damit er es mir signierte. Das schreibe ich hier, damit Sie es lesen und es sich ebenfalls holen. Ösi-Humor ist….sehr fantastisch.
  • Und von Jules muss ich mir das Buch erst noch besorgen. Sie gerne auch. Das Teestübchen Trithemius ist ein Schatz, eine Fundgrube und ein ganz besonderes Archiv. Notiz an mich selbst: Jules habe ich das in letzter Zeit zu selten gesagt. Nachholen.

Den Rest werde ich andernorts notieren. An meinen Wintergroßputz Aktivitäten (selbstverständlich nicht zwischen den Jahren besteht sicher wenig interesse.

Mir bleibt für dieses Jahr nur noch, Ihnen allen einen guten Rutsch und ein gesundes und frohes neues Jahr zu wünschen. Das meine wird gut. Das weiß ich, weil ich fest daran glaube, dass das neue so wird, wie das alte in den letzten Stunden endet. Großzügig gerechnet, befinden wir uns heute schon in den letzten Stunden und ich war heute um 06:45 Uhr zum Sonnenaufgang auf einem Konzert im Freien. Selten etwas so besonderes und schönes erlebt. Schauen Sie mal:

Kommen Sie gut rüber. Und nächstes Jahr bin ich aktiver. Versprochen.

Liebe Grüße
Ihre Mitzi

Obacht – Rauhnacht!

„Mei, geh hoid waida, dumm’s Tritschal.“, fordert mich Herr Meier auf. Er hat Recht. Ich stehe gerade wirklich saudumm vor der Türe zum Keller und versperre ihm den Weg. An mir vorbei kommt er nicht, weil auf meiner Hüfte ein Wäschekorb sitzt und ich damit doppelt so breit wie gewöhnlich bin. Die Wäsche müsste in die Maschine. Sie und zwei weitere, die noch oben im Flur stehen. Eigentlich müsste ich dringend waschen und gerade jetzt zwischen den Jahren, wo ich Zeit habe, viele Hausbewohner im Urlaub und die Maschinen frei verfügbar sind, ist der Zeitpunkt ideal. Herr Meier schaut mich an. Erst mich, dann den Wäschekorb, dann noch einmal mich. Wieder hat er Recht. Die Wäsche wird warten müssen. Vielleicht nicht die ganze Wäsche, aber ganz sicher die Leintücher. Ich trete zurück und Meier nickt zufrieden. „Ganz sauber bist ned, ha?“ Fragt er noch mit einem Blick auf meine Bettwäsche und schiebt sich dann an mir vorbei. Er weiß es auch, wer in den Rauhnächten ein Leintuch wäscht, der läuft Gefahr, dass es im nächsten Jahr zum Leichentuch wird. So blöd, das zu riskieren bin ich dann doch nicht. Danke, sag ich noch, weil mein Nachbar mir vielleicht das Leben gerettet hat. 

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Paprika Edelsüß

Der, der ab und zu mit einer Flasche Wein vor meiner Türe steht, teilt mir mit, dass er in näherer Zukunft nicht bei mir einziehen wird. Eine Information die mich etwas irrtiert, da ich ihn meines Wissens weder aktuell, noch in ferner Vergangenheit darum gebeten habe. Auf keinen Fall wiederholt er und ich bin mir nicht sicher ob diese plötzliche Eingebung etwas mit mir oder dem Gewürzdöschen in seinen Händen zu tun hat. Letzters betrachtet er schon eine Weile und weil ich mir beim besten Willen nicht vorstellen kann, was Paprika Edelsüß verbrochen haben könnte, entscheide ich mich, bis auf weiteres beleidigt zu sein. Man teilt schließlich niemanden ungefragt mit, dass man ein räumliches Zusammenleben konsequent ausschließt. April 2019, sagt der Mann, der nicht bei mir einziehen möchte, und weil ich beleidigt immer wortkarg werde, ignoriere ich diese vermeintliche Begründung, indem ich weiter meine Gewürze ins Regal sortiere. Was auch immer im April 2019 vorgefallen sein mag – es sollte längst verjährt sein.

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Dezember und Sie ahnen es bestimmt…..

… zum ersten Advent bekommen Sie von mir Schneebilder. Die muss ich posten, da ich ansonsten mit einem Schneeliebe etwas alleine dastehe.

Ob ich noch alle Tassen im Schrank habe, erkundigt sich meine Kollegin, als ich ihr am Freitag im Büro mitteile, dass es von mir aus jetzt gerne bis Mitte Januar durchschneien könne. Ich antworte nicht, da mir völlig klar ist, dass eine solche Menge an Schnee für sie bzw. ihr Auto, mehr als lästig ist. Da ich aber kein Auto besitze und die Erfahrung zeigt, dass so viel Schnee nicht zu erwarten ist, erlaube ich mir weiter ein bisschen zu träumen.

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Schnee

Auf Instagram fragt einer, ob es denn wirklich geschneit hat, wenn man nicht ein Foto postet. Vermutlich nicht, denn alle meine Freunde posten ein Scheefoto. Das mag man albern finden. Das mag man dann mit schlechter Laune unter all die Posts schreiben. Oder man schmunzelt, postet sein eignes Foto und gesteht sich ein, dass sie tatsächlich, nach all den Jahren, noch immer etwas besonderes sind – die ersten Flocken.

Den ersten Schnee des Jahres gibt es nur einmal und jedes Mal ist es etwas ganz besonderes. Wunderschön ist es, wenn man morgens aufwacht und ihn riecht noch bevor man die Augen öffnet und sieht, was man ahnt. Alles weiß. Dann fühlt es sich so an. Anders, aber genauso schön ist es, wenn man spät abends vor die Türe tritt und mitten im Gespräch plötzlich merkt, dass es kein feiner Nieselregen ist, der die Nasenspitze kitzelt, sondern erste feine Schneeflocken. Dann muss man unbedingt stehen bleiben, den Kopf in den Nacken legen und die Augen schließen. Mindestens drei Atemzüge lang sollte man so stehen bleiben und es muss einem unbedingt egal sein, ob einen Menschen von hinten fast umrennen oder für bescheuert halten. Der erste Schnee in einem Jahr ist so schön und so wertvoll, dass einem alles egal sein sollte. Vielleicht nicht die Winterreifen, die man noch aufgezogen hat, aber sonst fast alles.

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Wunsch mit Schleife

Niemand der bei Verstand ist, schenkt sich heutzutage noch etwas zu Weihnachten, erklärt mir eine Bekannt und schüttelt beim Anblick des Regals meines Arbeitszimmers fassungslos den Kopf. Für wen um Gotteswillen soll das alles bitte sein, fragt sie und ich unterdrücke den Impuls ihr auf die Finger zu klopfen, als sie etwas unverpacktes in die Hand nehmen und näher betrachten möchte. Ebenfalls unterdrücke ich das Verlangen, ihr die Hand auf die Schulter zu legen und sie einfach aus dem Raum zu schieben. Stattdessen erkläre ich peinlich berührt, dass all das materielle natürlich nicht Zeit, Zuneigung und Emotionen ersetzt und nur ein kleines Extra sind. Extras die nur so viel wirken, weil ich einem mir sehr am Herzen liegenden Ehepaar (meinen Eltern) einen Adventskalender mit nun mal 24 Päckchen schenke und eine große Familie habe. Ich erkläre mit vor der Brust verschränkten Armen, dass ich es durchaus genauso sehe, dass man nur wenige gute Freunde hat und Freundschaften nicht durch Pakete am Leben gehalten werden. Versuche zu erklären, dass mich noch junge Kinder umgeben und ich denen eine Freude machen möchte und bekomme einen Vortrag, letztendlich nur dem Konsumwahnsinn zu erliegen und zu den bemitleidenswerten Menschen zu gehören, die in der Adventszeit hektisch durch die Fußgängerzonen hasten und das eigentlich besinnliche der Weihnachtszeit dabei völlig aus den Augen zu verlieren.

Ich gebe zu ein Idiot zu sein. Wir lachen über den nicht lustigen Witz und verabschieden uns, nicht ohne, dass sie mir ans Herz legt mich etwas mehr auf das Wesentliche zu konzentrieren.

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