Aufgeblüht

Hier werden wir glücklich werden, sagte er mir und ließ den ersten Karton, von vielen auf den Boden fallen. Hier beginnt der Rest unseres gemeinsamen Lebens, behauptete er, als wir in die Nähe seiner Eltern und den Ort seiner Kindheit zogen. Du wirst dich hier wohlfühlen, war er überzeugt und überließ es mir, dafür zu sorgen, dass es so sein würde. Mit einigen Jahren Italien im Nacken, dem Diplom in der Tasche und einer erschreckenden Planlosigkeit was den Rest des Lebens betraf, war es gut, dass mir einer sagte, dass ich nun angekommen sei. Hätte er es nicht so überzeugend behauptet, ich hätte es womöglich hinterfragt.

Was zum Teufel ich hier eigentlich mache, erkundigte sich vor vielen Jahren, der klügste meiner Freunde, als er mir kurz vor Weihnachten. Er war mir in die Küche, in der ich den Rest meines Lebens begonnen hatte, gefolgt. Ich lebe jetzt hier mit ihm, teilte ich dem Klügsten mit und er leerte eine halbe Flasche Bier, bevor er mich aufstoßend beglückwünschte und mir kopfschüttelnd gegen die Stirn tippte. Mehr sagte er nicht. Es wäre sinnlos gewesen, mir damals mehr zu sagen. Hundert Quadratmeter, Kinderzimmer, zwei sichere Jobs und ein Blick auf den Wald. Perfekt. Der klügste meiner Freunde sah es in meinen Augen, schüttelte resigniert den Kopf und raunte mir beim Abschied zu, dass dieses Kartenhaus ein Witz sei. Ein schlechter. Die nächsten fünf Jahre hielt er den Mund. Weiterlesen

Bummel über den Teestübchen-Weihnachtsmarkt

Wenn es Ihnen draußen zu kalt und ungemütlich ist – auch hier können Sie bummeln. Ich kenne da einen hübschen, kleinen Basar.

Schauen Sie hier ist er, der Teestübchen Weihnachtsbasar. Es findet sich dort ganz besondere Bücher. Nein, nicht das meine. Auch, aber das kenne Sie ja schon. Aber vielleicht kennen Sie weder Jules van der Ley noch Malte Schiefer. Beide finden Sie im Basar vertreten. Die Bücher von Jules kann ich Ihnen von Herzen empfehlen. Malte Schiefer kenne ich noch nicht, aber Cover und Rezension haben mich sofort angesprochen. Ein Besuch lohnt sich.

Meine Lieben Damen und Herren, über Nacht hat es auch im Norden geschneit, und beinah ebenso über Nacht ist der Teestübchen-Weihnachtsmarkt eröffnet worden. Es findet sich dort ein prächtiges Buchangebot von einer Autorin und zwei Autoren. Ich lade Sie und euch herzlich zum literarischen Bummel ein, ganz bequem vom heimischen Rechner aus, vielleicht bei einem […]

über Bummel über den Teestübchen-Weihnachtsmarkt —

Elite im Schnee

Der, der ab und zu mit einer Flasche Wein vor meiner Tür steht, durfte die Wohnung heute gar nicht betreten. Rot oder weiß, fragte er noch als ich ihn gleich wieder nach draußen schob. Mir egal, heute morgen lag Schnee, informierte ich ihn und der Wein müsse heute warm und in einem funkelnden Lichtermeer getrunken werden. Er mag sie nicht, die Märkte. Auch die Adventszeit mag er nicht. Er sagt mir nicht warum, und weil ich weiß, dass er es mir nicht sagen möchte, frage ich ihn nicht. Weil man aber, wenn man sich gerne hat, ab und zu etwas macht was man eigentlich nicht mag, ziehe ich ihn durch die Straßen zu einem besonders kleinen und hübschen Christkindlmarkt. Es ist ok, das weiß ich, weil er sich nicht ziehen lassen würde, wenn es nicht so wäre. Er mochte auch die einzelne dunkelgrüne Christbaumkugel nicht, die ich ihm schenkte und doch hing sie letztes Jahr vier Wochen an seiner Küchenlampe. Weil ich mich über das hässliche Ding freute, sagte er damals. Ich vermute er begleitet mich heute Abend auch aus diesem Grund. Als wir uns eine Tüte heiße Maronen teilten fragte er mich was wir mit diesem Abend anfangen würden. Wir werden Fragen beantworten, sagte ich und hielt ihm mein Handy unter die Nase, auf dessen Display die Beantwortung einiger Fragen des Elite Awards von wordBUZZz zu lesen waren. Weiterlesen

Randnotiz #3

Umgestellt.

Hundert mal bestimmt habe ich meine Wohnung umgestellt, weil sich etwas nicht richtig anfühlte.  Die geerbte Kommode, mit langer Geschichte, ins rechte Licht gerückt und sie mit den gerahmten, liebsten Worten aus Briefen geschmückt. Dicht bei mir musste sie sein und doch fehlte etwas. Habe Decken und Kissen auf das Raumgroße Sofa geworfen und mich glückselig ganze Tage darauf eingeigelt. Herrlich, aber etwas fehlte.

Ein großes, helles Wohnzimmer. Ein Traum. Es ist nicht vollgestellt, weil ich in drei Fluren unendlich viel Stauraum besitze. Ich habe mehr Stauraum, als materielles Leben. Ein großes Glück und pure Freude. Täglich am sehr, sehr großen Tisch zu sitzen, der aktuelle Bücherstapel Bücher genauso großherzig beherbergt wie all die unzähligen Notizen, Blöcke und beschriebenen Papierschnipsel. Aber etwas fehlt. Was mache ich nur mit all den Wänden? Ich kann sie nicht vollhängen. Das nimmt mir die Luft zum atmen. Kleine feine Stellen, dicht berahmt, sehr gerne. Aber doch nicht alles. Ich würde ersticken.

Ich habe sogar einen extra Flur für all meine Bücher. Ein kleiner Zwischenraum, in dem sie alle stehen…..

Meine Bücher ersticken in diesem Raum und ich ertrinke, auf dem Sofaschiff liegend oder am Tischfloß sitzend, in der Leere der Wände meines Wohnzimmers. Ein kleines Bücherzimmer war immer mein Traum. Jetzt habe ich es und merke, wie falsch ich doch lag. Sie müssen in das Wohnzimmer. Die fünf Meter lange Wand, bis unter die Decke füllen. Dann können wir wieder atmen, denn an Büchern ist noch keiner erstickt. An die Wände des Bücherzimmers kommt feines, dass ich seit einiger Zeit im Briefkasten finde. Und anders, dass ich im Blick haben möchte. Wann immer ich durch diesen Raum gehen werde, wird mein Blick daran hängen bleiben und mir Freude bereiten.

Manchmal muss man sieben Jahre warten, bevor man endlich weiß wie man seine Räume einzuteilen hat. Das ist ok. Manch einer findet die Lösung nie.

 

Was so ein Gehirn alles kann…..unangenehm ist das!

Am 29.10.2017 um 18:00 Uhr ist es für mich wieder so weit. Dann schlagen meine Gedanken Purzelbäume und ich wundere mich, dass ich an etwas anderes denken kann, während ich doch gerade einen meiner Texte vorlese. Dann fällt mir auf, dass das nun wirklich seltsam ist, dass der Mund Worte formt während der Geist sich darüber wundern kann, das diese doch so flüssig über die Lippen kommen. Das passiert mir jedes Mal und während ich darüber erschrecke, atme ich ganz automatisch tief ein und bin für die nächsten 60 Minuten nur noch am lesen und denke an nichts anderes. Obwohl…so ganz stimmt das nicht. Immer wieder freue ich mich zwischendurch und spüre kribbelnde Freude. Darüber, dass ich meine Erzählungen teilen darf. Und über das Lachen, das ich beim Lesen höre. Auch über den einen oder anderen Kommentar, der mir zugerufen wird. Ich genieße es, die direkte Reaktionen mitzubekommen. Sie zwingen mich zu kurzen Pausen und verführen mich immer wieder die Reihenfolge der ausgesuchten Texte spontan über den Haufen zu werfen. 

Und Sorgen mache ich mir auch jedes Mal. Zum Beispiel darüber, ob mein Handy auch wirklich auf lautlos gestellt ist. Und während ich darüber nachdenke, wünsche ich mir fast, dass das eines andren kurz los klingelt. Mit der Vorlage könnte ich, sollte meines ebenfalls klingeln, das Missgeschick in einen Witz verpacken. Ich mache mir Sorgen und lese gleichzeitig. Dass auch das geht, wundert mich und schon denke ich wieder darüber nach, dass man sich sorgen und lesen gleichzeitig kann. Tief einatmen. Das Telefon ist lautlos. Das war es immer. Seit es beim ersten Mal in meiner Hosentasche vibriert hat und ich mir gedanklich – natürlich während ich gelesen habe – schwor den Anrufer umzubringen, deponiere ich meine Tasche ganz hinten im Raum möglichst weit weg von mir. Dann kann es ruhig bimmeln, ich bin es dann nicht. Ich könnte milde lächelnd sagen, dass das nicht so schlimm ist. Mich bringt nichts so leicht aus dem Konzept. Nichts…außer ich selbst.
Davon werden Sie aber nichts merken, das verspreche ich Ihnen. Ich habe noch 18 Tage und eine Stunde. Die werde ich nutzen, neue Texte heraus zu suchen, sie zu polieren, fein abzufeilen und Ihnen dann daraus vorlesen. Wenn Sie Lust und Zeit haben… Ich würde mich sehr freuen. Über Sie als Zuhörer. Und über Sie als Gast mit dem ich danach bei einem schönen Schluck ein bisschen ratschen kann. Sie können gern auch vorher schon etwas trinken. Ich besser nicht. Sonst passiert es am Ende noch, dass ich in der Lesung, mitten im Satz stocke, sie anschaue und sage: „Wissen Sie woran ich gerade denken musste?“ Und dann würde ich von diesem Text hier erzählen. Dem, der in der Lesung ja gar nicht vorkommen wird, weil er ja nur als Einladung dient und Sie dann, wenn ich über ihn sprechen würde, ja schon da sind.

Sollten Sie es mit mir lieber nicht riskieren wollen (eine völlig unbegründete Sorge, wie Sie merken werden, wenn Sie es doch tun), dann kann ich Ihnen auch alle anderen Südsehen Lesungen ans Herz legen. 

Derfs a bisserl Werbung sein?

Liebe Münchner, haben´S schon an rechten Wiesn-Katarrh? Für alle Nicht-Münchner, der Wiesn-Katarrh ist die Erkältungswelle, die während der zweiten Woche des Oktoberfestes beginnt und ihren Höhepunkt am ersten Werktag nach Beendigung des Spektakels erreicht. Hartnäckig ist er und sehr ansteckend. Denn selbst wenn man gar nicht auf der Wiesn war, einer der neben einem steht oder stand und herzhaft nieste war es sicher. Selbstverständlich verbieten sich jegliche Krankmeldung während oder unmittelbar nach der Wiesn. Sie wissen schon…wer feiert, der der kann auch arbeiten. Und dass man sich einen Katarrh eingefangen hat ohne das man es im Zelt oder der Festwiese hat krachen lassen, das glaubt einem eh keiner. Weiterlesen

12 Monate Rosen und Schornsteine – September

Mit etwas Verspätung – der letzte Sonntag im Monat ist bereits vorbei – die Bilder des Münchner Rosengartens. Angefangen mit der herbstlichen Farbenpracht, eingefangen im letzten Sonnenlicht des Tages. Noch immer ist er prachtvoll der Rosengarten. Wehrt sich gegen das Verblühen und verblüht auf eine ganz wunderbare Weise. So schön, dass ich nicht widerstehen konnte, die einzelnen Ecken neben des Hauptbildes einzustellen. Im Anschluss der Rosengarten im Wandel der Zeit.

Ich habe das Projekt Zeilenendes mittlerweile sehr ins Herz geschlossen und freue mich über die regelmäßigen Besuche, an einem meiner Münchner Lieblingsorte.

Den Text dazu gab es bereits gestern hier.  Weiterlesen

Anstich

Dieses  Jahr nicht. Nicht am ersten Tag. Es regnet. Es ist kalt. Und überhaupt muss ich nicht am ersten Tag um zwölf in einem Zelt stehen. Ich mag kein Bier und brauche um zwölf Uhr mittags keinen Alkohol. Dieses Jahr nicht. Außerdem darf man keine Taschen mitnehmen. Heute darf man nicht, früher hat man es nicht gemacht, weil sie einen ja doch störten. Angeblich braucht man nichts außer Geld, Monatskarte und den Hausschlüssel. So ein Blödsinn. Ich brauche eine Tasche, in die Pflaster, Taschentücher, Haarspangen, Labello und flache Schuhe für den Heimweg passen. Außerdem ein Schirm weil es regnet und die Strickjacke meiner Großmutter, die perfekt zum Dirndl passt und die ich sicher nicht in den Dreck unter den Tischen legen werde. Kleine Tasche…ich bin raus. Weiterlesen

Zwölf Monate Rosen und Schornsteine – Juli

Mein Rosengarten zeigt sich von seiner schönsten Seite. Kein einziges Regenbild bisher. Schon im Mai und Juni stand ich schwitzend an der Stelle, von der aus ich an jedem letzten Sonntag im Monat das Foto mache – heute ist es noch heißer. So heiß, dass ich schnell und fast im vorbei gehen das Foto mache und mich dann in den Schatten setze. Die Bänke sind besetzt, aber das ist egal. In einem Anflug von Wahnsinn, bin ich heute morgen in eine enge Jeans geschlüpft. Sie verträgt es, dass man sich mit ihr in den Kies setzt. Heute ist es zu heiß für Oliven. Die Kerne schlummern tief im Boden und erinnern mich heute nicht an dich. Ich stehe nicht über ihnen im Gras, sondern sitze in der hintersten Ecke des Rosengartens unter einer der schönen Trauerweiden. Es ist sogar zu heiß, um zu der Stelle zu blicken, an der die Kerne vergraben sind.  Nicht, weil ich nicht an die Kerne denken möchte, sondern weil die Sonne dort zu grell scheint. Lieber schließe ich die Augen und höre der Hitze beim Flimmern und Flirren zu. An besonders heißen Tagen kann man sie nämlich hören – die Hitze. Hier im Rosengarten vermischt sie sich mit lautem Kinderlachen, weil das Freibad nur wenige Meter entfernt ist. Und hier, unter der Trauerweide, riecht der Sommer nach Chlor, Würstchen, Eis und verdorrtem Gras. Es ist das erste Ferienwochenende. Und es hat 33 Grad. Das ist mein Stichwort. Wenn ich nicht sofort ins Wasser komme, kollabiere ich. Morgen bekommen Sie die Erzählung, die ich eigentlich heute Abend schreiben wollte. Morgen. Jetzt muss ich ins Wasser.

 

Juni

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Mai

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April

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März
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Februar
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Das Zeilenende schrieb im Februar auf seinem Blog: „Zwölf Monate lang begleite ich ein Motiv. Es springt einmal im Monat vor die Kamera und lässt den Augenblick für die Ewigkeit gefrieren. Am letzten Sonntag im Monat werfe ich einen Blick auf das Bild: Was hat sich verändert, was bleibt gleich?“ und lädt zum  mitmachen ein.

Ich schulde einem, der es selbst nicht mehr sehen kann, die Fortsetzung einer Momentaufnahme.

Weiter Teilnehmer sind bei Zeilenende aufgelistet. Alles was ich bisher gesehen habe ist sehens-, lesens- und sogar hörenswert dank eingefügter Klangbilder.

 

 

Da hat er Recht, der Herr von Goethe

Was machen Sie gerade? Ich sitze auf meinem Balkon und habe eine Flasche Crémant vor mir stehen. Ungeöffnet. An einem bewölkten Dienstagabend macht man sich nicht einfach alleine eine Flasche Crémant auf. Nicht wenn einen, wie mich, ein Nachbar mit süffisanten Grinsen vom anderen Balkon aus beobachtet und am nächsten Tag im Waschkeller darauf ansprechen wird, wie verzweifelt man schon sei, wenn man unter der Woche alleine eine Pulle köpfen muss. Sie müssen sich, fernlesend, auch eine aufmachen. Oder Sie kommen vorbei. München, Giesing – fragen Sie sich einfach durch, man kennt mich. Alleine kann ich jedenfalls nicht trinken. Einen Grund brauchen wir nicht. Und falls Sie wider erwarten anderer Meinung sind, dann stoßen wir eben auf das zweijährige Bestehen, meines Blogs an. Sind Sie soweit?

Sie brauchen aber auch lange, ich fang schon mal an. Mit dem ersten Glas. Heute kann ich es wirklich brauchen, egal wie blöd der Nachbar grinst. Passend zu einem an sich schon blöden Dienstag erhielt ich heute drei Nachrichten diverser Singlebörsen. Nicht eine sondern drei! Alle mit einem fast identischen Inhalt. Man würde sich freuen, dass ich nach drei Jahren wohl den passenden Partner gefunden habe und ihre Dienste nicht mehr in Anspruch nehmen würde. Die einen hatten ihre Nachricht mit Herzchen garniert, die anderen mit Bildern vom Prototypen des perfekten Paares. Im P.S. der freundliche Hinweis, dass ich mein altes Profil jederzeit wieder aktivieren könnte. Falls ich noch keinen Partner hätte und so verzweifelt sei, an einem Dienstagabend alleine eine Pulle zu köpfen. Letzteres habe ich zwischen den Zeilen herausgelesen.

Sind Sie schon bei mir? Beeilen Sie sich, bitte. So langsam kann ich nicht trinken. Der gute Schluck wird viel zu schnell warm, bei diesen Temperaturen. Ein Glas trink ich noch alleine, aber dann müssen Sie einsteigen. Heute vor drei Jahren habe ich mich wohl bei allen drei Single Börsen gleichzeitig abgemeldet und bin in die automatische Wiedervorlage gerutscht. Ich stellte fest, dass dieses Medium nicht zu mir passt. Ein Jahr online dating hatte nur einen positiven Effekt – ich habe am Ende mit diesem Blog begonnen. Die negativen Aspekte überwogen. So konnte ich mich zum Beispiel ein Jahr lang nicht mehr in meinem Lieblingscafe blicken lassen, nachdem ich einen ganzen Sommer lang jedes einzelne Date genau dorthin bestellt hatte. Ich fiel auf. Vermutlich auch, weil ich immer das Gleiche – mein liebstes Kleid – an hatte. Am Ende teilten mir die Kellner mit, dass sie sich besprochen haben und sich bereit erklärten mich auszuführen oder sich in ihrem Bekanntenkreis nach männlichen Singles erkundigen würden.  Dieses Elend sei nicht mehr mit anzusehen. Außerdem ist München ein Dorf. Wenn man sich auf nur drei Partnervermittlungsseiten gleichzeitig anmeldet, stößt man immer wieder auf die gleichen Personen und muss denen erklären, dass man nicht verzweifelt ist, sondern nur effizient vorgeht. Mein Nachbar grinst noch immer.

Vielleicht grinst er, weil sein Wein in einem Glas ist, während ich aus der Flasche trinke. Ich hab das Glas umgestoßen und zerbrochen, und bin zu faul aufzustehen. Wenn Sie noch vorbei kommen, mach ich natürlich auf. Das geht noch, aber läuten Sie vorsichtshalber zwei Mal. Jetzt antworte ich den Dating Agenturen und teile ihnen mit, dass ich Single bin. Glücklicher Single. Und das es mir unverständlich ist, warum sie mir mit ihren saublöden Nachfrage einen so schönen Dienstagabend versauen wollen.

Meine erster Blogbeitrag vor zwei Jahren lautete: „Das Leben erzählt die schönsten, traurigsten und seltsamsten Geschichten. Und manchmal kann ich nicht widerstehen, sie aufzuschreiben.
Google ist ein mieser Verräter. Zumindest wenn es um „Die Sache mit dem Internet, den Männern und dem was übrig bleibt“ geht.  Wie immer….alles Fiktion und doch real.“ Mehr stand da nicht. Wie passend, dass sich der Grundstock des Blogs gerade heute nach genau zwei Jahren per E-Mail zu Wort gemeldet hat. Wenn Sie sich noch nicht auf den Weg gemacht haben, dann bleiben Sie jetzt bitte zu Hause. Ich bin nämlich gleich weg. Passend zum Jubiläum mache ich mich mit den Resten des Crémants auf und besuche meinem Nachbarn Paul. Ein so dämliches Grinsen, ist doch im Grunde eine Art Einladung. Und schließlich hockt der auch alleine auf seinem Balkon. Meine Geste hat er wohl verstanden. Ein wenig hektisch deutete er an, dass er noch fünf Minuten braucht. Vermutlich um das größte Chaos in seiner Wohnung zu beseitigen. Warum er gerade das Bett frisch bezieht – ich sehe das vom Küchenfenster aus – ist mir ein Rätsel. Vielleicht stelle ich den Crémant besser in den Kühlschrank und bringe Apfelsaft mit.

Warum hatte ich eigentlich schlechte Laune? Wissen Sie es? Ich nicht mehr. Auch das passt zum Jubiläum. Denn neben des knappen ersten Artikels schrieb ich auf die über mich Seite:

Geschichten schreiben ist eine Art, sich das Vergangene vom Halse zu schaffen.
Johann Wolfgang von Goethe

Da hat er Recht, der Herr von Goethe.
Auch wenn es zu seiner Zeit noch kein Internet und kein Online-Dating gab, halte ich mich an dieses Zitat. Schreib´s auf, dann ist es halb so schlimm. Oder positiver: Schreib´s auf und du kannst darüber lachen.

In diesen Sinne. Ihnen einen schönen 11. Juli. Und wenn Sie Lust auf ein Gläschen haben…das kann man sehr wohl alleine trinken ;).

Herzlichst
Ihre Mitzi, die Sie nicht mehr los werden.