Corona Home Office VII

Es gab Zeiten, da wusste ich, dass das Klingeln meines Telefons einen Anruf von Familie oder Freunde bedeutet. Manchmal auch eine dämliche Umfrage. Zu 99% aber hörte ich nach dem Abheben eine Stimme die mir bekannt war. Gute alte Zeit. Im Moment versetzt mich das Klingeln des Telefons in Panik – ich weiß nämlich nicht mehr, wen der Anrufer zu hören erwartet, weil ich es die letzten Wochen, Monate und Jahre versäumt habe, all die Nummern von Zetteln und in E-Mails auch in meinem Telefon abzuspeichern. Bis her war es einfach. Familie und Freunde, riefen abends an. Kollegen am Firmenapparat und wer die Autorin sprechen wollte, tagsüber am Handy. Heute wo fast jeder zu Hause ist, weiß ich überhaupt nicht mehr, wen der Anrufer gerade sprechen will. 

a) Mitzi, mit der man verwandt, befreundet oder privat bekannt ist und mit der man ratschen möchte
b) Frau Irsaj, die Kollegin oder Mitarbeiterin aus der Firma, der man eine Frage zu geschlossenen Fonds stellt
c) Mitzi Irsaj, der man eine Lesung absagt oder die man für 2023 (vorbehaltlich) buchen möchte
d) oder die blöde Kuh, die laut Meinung des Anrufers, seinen Tiefgaragen Stellplatz blockiert. Weiterlesen

Corona Home Office VI

Drei Tage war es schön und gemütlich den ganzen Tag im Schlafanzug, mit ungekämmten Haaren und dem knielangen Pullover des Freundes zwischen Bett, Sofa und Küche zu pendeln. Es hatte etwas von dem Gefühl einer Achtjährigen, die mit Papa alleine zu Hause ist und gemeinsam mit ihm Mamas Regeln bricht. An Tag vier fehlt die Mama, die einen strafend ansieht und erst ins Bad und dann zum Aufräumen schickt. Da mich niemand schickt und ich alleine wohne, musste ich es selbst machen. 

  • Alle Wintersachen sind gewaschen
  • Alle Frühlingssachen aus dem Schrank sind gebügelt
  • Die Legokisten der Nachbarskinder sind nach Themen sortiert. 
  • Die Zwischenräume aller Tastaturen in meinem Haushalt wurden mit Wattestäbchen gereinigt

Meine Mutter wäre mit meinem Achtjährigen Ich sehr zufrieden und würde mir jetzt erlauben zu spielen. Ich habe es uminterpretiert und mir ein Glas Wein gegönnt. Eines, dass ich fernmündlich mit dem liebsten meiner Freunde aus Italien getrunken habe. Gin, Gin! Andrá tutto bene. 

Heute werde ich jedes einzelne Buch abstauben. Wenn Sie meine Wohnung kennen, dann wissen Sie, dass der Tag damit ausgefüllt ist. 

Wenn Ihnen die Decke auf den Kopf fällt, dann spiel ich für Sie kurz die Mama. Also, ja das nervt, aber so viel Zeit wirst du in den nächsten Jahren vermutlich nicht mehr haben. Wenn also keine Kinder rumrennen, die Aufmerksamkeit braucht, dann hopp. Wir haben Zeit geschenkt bekommen. Zeit…das was uns letztes Jahr immer fehlte. *Klugscheißermodus aus. 

Corona Home Office IV

In unserem Haus gibt es schon viele sehr eigene Typen. Eine Mutter Beimer hat bisher gefehlt. So wie sich die Dinge entwickeln, werde ich die Rolle übernehmen. Der Gedanke gefällt mir nicht. Weniger, weil mir die drei Kinder fehlen, eher aus oberflächlichen Gründen. Mutter Beimer ist unanttraktiv. Ok, für Ihren Hansemann nicht (bis er sie mit einer jungen und schlanken betrogen hat), aber für die meisten Männer dann doch. Oder wenigstens für mich. Föhnwelle, Glucke und ständig am Spiegeleier braten, wenn es mal schwierig wird. Falls Sie sich fragen wovon ich rede….Mutter Beimer aus der Lindenstraße. Die gibt es glaube ich nicht mehr und um Mutter Beimer ist es nicht schade. Die Figur war aus erzählt – bis mich Corona ins Home Office schickte und ich binnen viereinhalb Tagen den Tagesablauf von drei unselbstständigen und verzogenen Schratzen (bayerisch für innig geliebten, aber doch sehr nervigen Nachwuchs) organisieren muss. Weiterlesen

Randnotiz – Home Office

So, jetzt ist es soweit. Ich bin, wie meine Kollegen, bis auf weiters im Home office. Gestern Abend ruckelte es gewaltig in Bayern. Wahlen vorbei und es ging los. Die Nachrichten müssen wir alle noch etwas verdauen, aber das Vorderhaus beginnt sich einzurichten.

Dank des traumhaften Wetters weiß ich, dass auch meine Nachbarn von zu Hause aus arbeiten. Oben klappert eine Tastatur, unter mir wird telefoniert und neben mir mit dem Handy am Ohr gewunken. Und weil wir nicht ändern können, was nicht zu ändern ist, machen wir alle – die Balkone haben Abstand – gemeinsam um 13:00 Uhr Mittagspause. Jeder auf seinem Balkon, aber keiner alleine. Gefällt mir. So ist es gleich ein wenig weniger gruselig. Nur Frau Obst schimpft, weil wir uns über die Brüstung brüllend verabredet haben. Sie wird aber wohl auch auf ihrem Balkon sitzen, damit sie nichts verpasst.

 

Es war toll!

Ernsthaft? Ok.

Also, Sie von Amazon können nichts dafür, aber wenn ich ehrlich bin, dann fand ich es nicht so toll. Mir fehlte bei dieser Zustellung das gewisse Etwas. Einwurf im Briefkasten…das ist einfach nichts besonders. Da sagt man beim Öffnen der Klappe nicht: „Ui ja, das war toll!“. Sie fragen ja nach der Zustellung und nicht dem Inhalt. Schlüssel rein, drehen, Klappe zu, Schlüssel raus und fertig. Daumen hoch, meinetwegen, aber wenn etwas toll sein soll, dann erwarte ich mir mehr.

Ich drück auch nicht den Daumen runter, so schlimm war es auch nicht. Es war ok. Ich finde keinen Punkt, den ich nicht gut gefunden habe. Und weil weder das eine noch das andere passt, schreib ich Ihnen. Damit Sie künftig vielleicht den Text ein bisschen ändern.

Wenn Sie aus der Zustellung ein Event machen wollen, dann suchen Sie entsprechendes Personal. Der hier, der war richtig gut. Ok, ist nicht Amazon, sondern DHL, aber der Mann hat es verstanden eine Zustellung zum Event zu machen. Mittlerweile spricht er nicht mehr mit mir und wirft mir Paket aus zwei Meter Entfernung vor die Tür, aber es gab eine Zeit, da hatten wir unseren Spaß. Er hörte auf, als er sich mit mir – via Abholkarte – zum Essen verabreden wollte, aber bis zu diesem Zeitpunkt war es echt nett. Daumen hoch. 

Nachdem ich gerade etwas nachdenken konnte, gebe ich Ihnen, Amazon, doch einen Daumen nach oben für die Zustellung. Ich muss Ihnen zu gute halten, dass sie überhaupt etwas zugestellt haben. Selbstverständlich ist das nicht. Nicht für mich, die ich regelmäßig Pakate nach Italien schicke. Bzw. es versuche. Wenn da was ankommt, dann drücken die bestimmt alle sofort auf „Es war toll“. Kommt ja nicht so oft vor. Also Rechnungen schon. Da hab ich noch nie Beschwerden meiner Freunde gehört. Aber Päckchen – puh, das ist reine Glückssache. Da traut sich selbst ein Optimist wie ich nicht mehr ran. Ende November habe ich es wider besseren wissen versucht. Zwei Flaschen meines liebsten Weines, den es in Italien nicht zu kaufen gibt. Eine Flasche – im Hinterhof einer kleinen Giesinger Fabrik hergestellten, Ingwerlikör und eine Flasche super special Weißbier. Dazu nur selten käuflichen Apfelsstollen, selbstgemachte Anisplätzchen, ein Buch und noch ein paar andere Dinge. Ein Dankeschön für meine Freunde, die mich und meine Freundin am Meer in Italien verwöhnten. Gut es ist saublöd ein so schweres Paket zu verschicken, wenn man das Porto bedenkt. Noch blöder aber ist es, etwas das selbst durch die Verpackung gut riecht mit der Post nach Italien zu schicken. Es kam nie an. Ein Zettel zur Abholung schon, aber als mein Freund den fand (war nicht im Briefkasten) war das Paket schon wieder zurück geschickt worden. Sagen sie. Ich vermute es wurde gegessen und getrunken. 

Daher – Daumen hoch. Es war toll, die Zustellung via meines Briefkastens.

 

 

18.04.2020 – Abgesagt

„Jedes Ding hat drei Seiten, eine positive, eine negative und eine komische“, sagt Karl Valentin. 

Ein schönes Thema über das ich gerne am 18. April 2020 im Geburtshaus dieses großartigen Künstlers gelesen hätte. Aufgrund der aktuellen Situation und besonders weil die Lesungen im Valentinhaus vor oft älterem Publikum stattfinden, hat das Theater Südsehen die Termine für das Frühjahr jetzt aber abgesagt. Eine, wie ich meine, richtige Entscheidung. 

Wir sehen uns wenn der Spuk vorüber ist. Dafür lesen wir uns mehr – Sie mich hier und ich Sie auf allen anderen Kanälen. 

Nicht panisch, aber auch nicht gedankenlos werden wir das überstehen. Über die weiteren Termine ab Mai halte ich Sie auf dem Laufenden. 

Herzliche Grüße
Mitzi

 

…..ganz bald!

Balz

Seit ein paar Tagen sitzt meine Freundin Nele auf meinem Sofa. Das ist schön, aber auch ein wenig gewöhnungsbedürftig, da wir derzeit meist zu dritt darauf sitzen und sie sich den Platz zwischen mir und dem Mann an meiner Seite reserviert hat. Es ist ok, dass es derzeit der Mann an ihrer und nicht meiner Seite ist, und er und ich an den nicht von ihr besetzten Flanken eine noch winterkalte Wand zum anlehnen haben. Nele ist kälter als uns und ein bisschen Wärme kann sie gut gebrauchen. Ihr Winter war hart und ich habe ihr versprochen, dass sie sich bis zum Frühling, ein wenig bei mir aufwärmen kann. Neles Winter beinhaltete eine zwischenmenschliche Eiszeit. Eine solch frostige Klimaperiode führt ab und an dazu, dass ein Paar, den Frühling nicht mehr gemeinsam erlebt. Oft ist ein Teil des früheren Paares erleichtert und der andere erst einmal in Schockstarre. Tiefgefroren sozusagen. Nele taut langsam auf. Oder, wie eine andere Freundin gestern Abend meinte, sie erreicht langsam wieder ihre Betriebstemperatur. Wenn dem so ist, dann müssen wir dringend über die Platzverteilung auf meinem Sofa sprechen. Weiterlesen

Nur ein Freund

Manche verstehen es nicht. Verstehen nicht, was Menschen verbindet, wenn ihre Herzen im gleichen Takt schlagen. Nur Freundschaft, fragen sie und ich erspare ihnen und mir eine Erklärung, die sie nicht begreifen würden. Wer dem Wort Freundschaft ein banales „nur“ aufdrängt, dem kann ich nicht begreifbar machen, was mir manch guter Freund bedeutet und will es gar nicht erst versuchen. Manche verstehen auch nicht, dass es Orte gibt, die ich erst dann wieder sehen möchte, wenn neben mir einer steht, mit dem ich sie das erste Mal gesehen habe. Sinnlos zu erklären, dass es alleine anders und nur halb so schön wäre. Es kümmert mich nicht, ob sie es verstehen. Mir reicht es, wenn es einer versteht, auch wenn ich ihm nur zu gerne den Hals umgedreht hätte, als ich nach Jahren wieder auf das Meer geblickt habe, an dessen Strand wir vor langem einmal gesessen sind. Weiterlesen