Kein Wort – U-Bahn Gedanken

Ich bin doch die, die gerne über so ein Chaos schreib, fragt mich eine, deren Gesicht ich flüchtig kenne, aber nicht sonderlich mag. Das Gesicht ist ok, aber die Stimme, die aus dem darin enthaltenen Mund kommt, geht mir auf die Nerven. Die Stimme passt schon, aber die Worte, die sie formt, sind mir zu banal. Eine Bloggerin, stellt sie mich gerne vor und sagt es so, dass ich mich genötigt fühle, mich zu erklären. Keine Bloggerin, also schon, aber keine Katzenbilder und so was. Weiß der Henker, warum mir das Wort „Blogger“ so verhasst ist, dass ich es ständig relativieren und erklären möchte. Wahrscheinlich, weil es eine ganz bestimmte Art gibt, es auszusprechen. Ein Tonfall, der Banalität und Flüchtigkeit impliziert und das Schöne zunichte macht, weil der, der das Wort hört süffisant grinst und zu wissen meint, was gemeint ist. Ich schreibe, sag ich selbst und ärgere mich, dass schreiben oft nur zählt, wenn die Worte zwischen Seiten gepresst sind. Digitale Seite zählen nicht. Oder schon, aber erst wenn man erklärt und erklärt. Oder nicht erklärt. Es bin ich ja ich, die das Wort nicht mag und deshalb davon ausgeht, das es grundsätzlich falsch verstanden wird. Klar, blogge ich. Ich bin nur schlecht gelaunt und wenn mir um 08:30 Uhr so eine blöde Scheppfe erzählt worüber ich angeblich gerne schreibe, dann könnte ich ihr ins Gesicht springen. Mit Anlauf.  Weiterlesen

2 Jahre Glückssachen

„Festhalten. Paul!…Kruzifix…..Paul!“, plärr ich meinen Nachbarn noch an, bevor erst ich vom Leiterl und dann die Vorhangstange aus der Halterung fliegen. „Depp“, murmle ich noch und reibe mir den Ellbogen. Dann sag ich lieber nix mehr, weil der Kurzifix Depp Paul, vor meinem Karton mit Erinnerungen steht und ganz blass geworden ist. „Mitzi, spinnst du“, sagt er leise und geht in die Hocke damit mit mir, die auf dem Boden hockt, auf Augenhöhe ist. Meist ein Zustand, den ich wünschenswert finde, gerade so gar nicht, weil es unangenehm ist wenn einen einer auf Augenhöhe von oben herab anschaut. „Geh“, sag ich und „…du hast es doch schon gewusst.“ Er schüttelt den Kopf und holt die Mappen aus meinem Karton. Ob er immer dabei ist, will er wissen und als ich nicke, lächelt er schief. „Schau“, sag ich, breite die Mappen aus und deute auf die Inhaltsverzeichnisse, die fast alle irgendwo seinen Namen beinhalten, „du bist fast immer dabei wenn ich lese. Und da nehm ich nur die Menschen mit, die ich wirklich mag.“ Den Herrn Mu, den Meier, meine Oma, den der ab und zu mit einer Flasche Wein vor meiner Tür steht. Den mutigsten meiner Freunde, den besten und oft den mutigsten meiner Freunde und eben ihn, meinen Nachbarn Paul. Er knabbert noch immer daran, dass ich vor über zwei Jahren vergessen habe, ihm ein Pseudonym zu schenken und er sich deshalb weit deutlicher als andere Protagonisten meiner Erzählungen erkennt. Damit er das nicht so schlimm findet, erkläre ich ihm, dass Paul eigentlich das Synonym aller Synonyme ist und zitiere aus der Erzählung die Ulli gestern gelesen hat: 

„Paul war in diesem Fall nur ein Sammelname. Er hieß gar nicht Paul – er war es nur. Es gibt eine bestimmte Art von Erlebnis, das ich Paul nenne, aus dankbarer Erinnerung an seinen ersten Vertreter. Paul ist eine Begebenheit, die immer von Zeit zu Zeit wiederkehrt. Paul kann alles mögliche sein, verheiratet oder Junggeselle, Leutnant, Ingenieur, junger Arzt, Afrikareisender, – es kommt auch vor, daß er gar keinen Beruf hat. Aber er kommt immer wieder, wenn auch jedesmal in etwas veränderter Form und Gestalt.“

Paul ist etwas ganz feines, versuche ich ihm zu erklären und hoffe dabei, dass er das Buch aus dem ich zitiere nicht kennt. Franziska Gräfin zu Reventlow schreib darin nämlich auch, dass Paul immer etwas Lustiges, Belangloses, ohne Bedenken und ohne Konsequenzen ist. Und der Paul, der gerade neben mir sitzt ist doch viel mehr. Eine Glückssache, den es ist ein großes Glück einen Nachbarn wie Paul zu haben. Auch wenn er vergisst festzuhalten. Mich und die Vorhangstange. Ein Glück ist er trotzdem, weil ich nicht mit jedem auf dem Boden hocke und ihn einen Blick in meine Erinnerungskiste der Glückssachen werfen lasse. Seit wann ich das mache, fragt er und während er wühlt, sehe ich am Datum eines Flyers, dass es genau zwei Jahre her ist. Zwei Jahre und schon damals hatte ich ihn dabei. Am 09.12.2016 war er der, mit dem Rhett Butler Lächeln und jeder wusste, dass das ein besonders schönes und unwiderstehliches Lächeln ist.Und jetzt lächelt er es gerade wieder. Arrogant, süffisant und unwiderstehlich. Das sag ich ihm aber nicht. Einem Mann wie Paul tut es nicht gut, ihm zu sagen wie schön sein Lächeln ist. Lieber erzähle ich ihm, wie schön es gestern war und wie schön es jetzt ist, ihm davon zu erzählen. 

Am Ende lese ich ihm alles vor, was ich auch gestern gelesen habe. Und dann lasse ich mir von ihm schriftlich geben, dass ich künftig sein Leben verwurschteln darf. Ich werde es eh tun, sage ich ihm entschuldigen lächelnd und mir wäre es lieber das zu dürfen und nicht einfach zu machen. Unverschämt nennt er mich und unterschreibt dennoch. Der Zettel ist jetzt im Karton mit den Glückssachen. Ich mache heute gar nichts mehr. Ich genieße nur das schöne Gefühl seit genau zwei Jahren, etwas machen zu dürfen, das mich sehr, sehr glücklich macht. 

Danke Simone!

Und danke an Ulli, Robert, Traudl und alle anderen die in den letzten zwei Jahren vorbei gekommen sind und die Abende zu etwas ganz besonderem gemacht haben. 

Für dieses Jahr haben Sie jetzt Ruhe von mir. Jetzt halt ich erst mal den Mund. (Tippen ist allerdings nicht reden…)

Gestern – mit Ulrike Dostal. „Und ewig schreibt das Weib“

Randnotiz Prokastination

Prokastination erreicht ein ganz ungeahntes Niveau, wenn Sie am Vorabend einer Lesung bemerken, dass Ihre Vorhänge hässlich sind, neue kaufen und feststellen, dass diese einen guten halben Meter zu lang sind. Dann muss man sie kürzen. Und wenn der Schneider schon geschlossen hat, dann rennt man zur Nachbarin, leiht sich eine Nähmaschine und ignoriert die Tatsache, dass die Nonnen die einen das irgendwann einmal lehrten vermutlich schon tot sind, weil Jahrzehnte verstrichen sind. Man könnte aufgeben, verbringt aber lieber 2,5 Stunden mit Youtube Tutorials um sich wieder daran zu erinnern wie Ober- und Unterfaden eingefädelt werden müssen. 

Hat geklappt. Ich könnte jetzt für morgen vorbereiten – muss nur noch eben die neue Vorhangstange anbringen. 

PAUL!!!! Wenn er mein Brüllen quer durch den Hinterhof ignoriert, dann fange ich jetzt mit den Vorbereitungen an. Sonst…. 

 

 

Büro Baum

Mit meinen Lieblingsmenschen bin ich geizig. Ich teile sie nur ungern, wenn die Zeit, die ich mit ihnen verbringen kann, knapp bemessen ist. Ungern teile ich den mutigsten meiner Freunde, weil wir uns zu selten sehen und die Zeit für das Kennenlernen einer dritten Person viel zu knapp ist. Meine Kollegin Bine aber, die habe ich sofort mitten in unser Wiedersehen geschmissen. Nicht erst seit heute, aber heute ganz besonders, weiß ich warum. Weil sie ein Schatz ist. Einer, der einen anderen Schatz heute neben meinen Schreibtisch gestellt hat. Weiterlesen

Alltag [der]: Substantiv, maskulin [ohne Plural] II

Stimmt nicht. Lassen Sie sich von mir versichern, dass der Duden eben doch nicht alles weiß. Natürlich gibt es einen Plural vom Alltag. Der Alltag; die Alltage. Ausnahmsweise lehne ich mich etwas aus dem Fenster und bezeichne mich als Autorin. Als eine, die überwiegend über den Alltag schreibt und die sich anmaßt, sich aufgrund der intensiven Beschäftigung mit eben diesem, bestens auszukennen. Deshalb….Plural: [Alltage]. Sorry, Duden – ist so.  Weiterlesen

Wie „ne“?!?

Ob ich wissen würde, was das heißt, fragt er und nimmt mir den Kaffeebecher aus der Hand. Ich schüttle den Kopf. Viel mehr interessiert mich, warum er jetzt meinen Kaffee austrinken würde, wo er vorher noch sagte er will keinen. Vorher stand er unter der Dusche, da wollte er keinen. Jetzt an der S-Bahn schon. Aber zurück zum Geschmiere an der Scheibe, sagt er. Ich könne das doch nicht auf Instagram hochladen, ohne zu wissen was da steht. Wohl, sage ich und stelle mich auf die Zehenspitzen um den Kaffeebecher zurück zu bekommen. Ein Herz ist ein Herz und das ist das schönst heute Morgen hier an der S-Bahn. Ein Herz, in dem womöglich „Schlampe“ steht, gibt er zu bedenken und hält den Becher extra hoch. Das ist albern, sage ich und meine den Kampf um den Kaffee. Allerdings, stimmt er zu und meint das fremdsprachige Herz.  Weiterlesen

Fenster Geschichten

Wenn Sie am 08.12.2018 zur Lesung kommen, dann lesen Sie jetzt nicht weiter, ja? Sonst wird Ihnen da dann fad. 

Wenn ich jetzt im Winter morgens in die Arbeit gehe, dann mag ich es, in die hell erleuchteten Fenster zu blicken. Freilich, das ist neugierig und wahrscheinlich gehört es sich auch nicht, aber wer das nicht will, der könnt ja einfach die Vorhänge zuziehen. Manche sollten das auch. Zum Beispiel des Prackl von Mannsbild, das im Parterre gleich ums Eck wohnt. Jeden morgen steht er in der ausgeleierten Unterhosen vorm Herd und schaut der Milch beim warm werden zu. Und ich ihm beim Zuschauen, weils gar so nett ausschaut, wie er dasteht, das Kreuz durchdrückt und sich gähnend die Haar zu richten versucht. Den mag ich. Weil er lustig ist. Die Familie mit den drei Kindern daneben würd ich wahrscheinlich auch mögen, wenn ich sie kennen würde. Fremd aber, sind sie mir ein bisschen zu langweilig. Die sitzen nur am Tisch und es passiert nichts. Wobei ja eigentlich auch gar nichts passieren muss. Manch einem kann man auch beim Sitzen zuschauen ohne das einem die Zeit lang wird. Wenn ich morgens auf den Bus warte, dann sehe ich eine alte Frau an ihrem Küchentisch sitzen. Die macht gar nichts. Die trinkt bloß eine Tasse Kaffee. Aber sie lächelt dabei und es sieht so schön aus, wie sie die Tasse nimmt, langsam nippt, lächelt und sie dann wieder absetzt. Wenn sich einer so über den ersten Kaffee des Tages freut, dann freut einen das auch – schon beim Zuschauen. Zu der würde ich mich sofort dazu setzen. Zu anderen auf keinen Fall. In machen Wohnungen herrscht ein Gewusel, dass einem ganz schwindlig wird. Da fragt man sich wie zwei eine halbwegs gute Beziehung führen wollen, wenn sie sich schon in der Küche früh morgens dauernd anrempeln, weil keiner ausweichen will. Solche Paare, haben auch zwei Fernseher. Das sieht man dann abends. Da sitzt einer in der Küche und einer im Wohnzimmer. Von außen betrachtet, ein trauriger Anblick. Vor allem wenn die jeden Abend alleine rumsitzen. Da wären zwei Wohnungen doch gescheiter, dann bliebe zu hoffen, dass sie sich freuen, wenn sie sich dann mal sehen. Dann müssten sie auch nicht jeden Abend streiten, wie die zwei im Hinterhaus, bei denen man froh ist, dass jetzt Winter ist und die Fenster geschlossen und die Vorhäng zugezogen sind. Hinter diesem Fenster werden Geschichten erzählt, die ich nicht hören will. Das machen sie nämlich, die hellen Fenster im Winter – sie erzählen Geschichten.  Weiterlesen

Schnee

Den ersten Schnee des Jahres gibt es nur einmal und jedes Mal ist es etwas ganz besonderes. Wunderschön ist es, wenn man morgens aufwacht und ihn riecht noch bevor man die Augen öffnet und sieht, was man ahnt. Alles weiß. Dann fühlt es sich so an.. Anders, aber genauso schön ist es, wenn man spät abends vor die Türe tritt und mitten im Gespräch plötzlich merkt, dass es kein feiner Nieselregen ist, der die Nasenspitze kitzelt, sondern erste feine Schneeflocken. Dann muss man unbedingt stehen bleiben, den Kopf in den Nacken legen und die Augen schließen. Mindestens drei Atemzüge lang sollte man so stehen bleiben und es muss einem unbedingt egal sein, ob einen Menschen von hinten fast umrennen oder für bescheuert halten. Der erste Schnee in einem Jahr ist so schön und so wertvoll, dass einem alles egal sein sollte. Vielleicht nicht die Winterreifen, die man noch aufgezogen hat, aber sonst fast alles. Weiterlesen

WP Nerds an Bord?

Können Sie mir vielleicht sagen, woran es liegen könnte, dass ich neue Blog Beiträge über die App mit meinem Handy erstellen und veröffentlichen kann, es über meinen Rechner aber nicht geht. Über den kann ich alles machen, nur wenn ich einen neuen Block Beitrag schreiben möchte bleibt die Seite weiß und nichts tut sich.

Mehr als lästig, weil ich wieder Handy sicher keine längere Texte schreiben möchte. Hilfe!

Edit: Anderer Browser und es funktioniert – DANKE!