Künftig nur mit Entourage

Seit ich gestern Abend von einer Lesung zurück gekommen bin zerbreche ich mir den Kopf. Das ist ungewöhnlich, denn normalerweise tue ich das vor der Lesung. Nicht unbedingt über die Lesung, aber um das Drumherum bei dem es einiges zu beachten gibt. Nicht jeder Veranstaltungsort ist mit Bus und Bahn ohne weiteres zu erreichen und ich versuche bereits im Vorfeld alle Eventualitäten zu berücksichtigen, um mich vor Ort auf die eigentliche Lesung konzentrieren zu können. Dieses Wochenende musste ich mich um so wenig kümmern, dass ich mir jetzt den Kopf zerbreche, wie ich es anstellen kann, dieses Rundumpacket künftig bei jeder Lesung zu erhalten. Schon am Samstag bei der Anreise versuchte ich meine Agentur vorsichtig darauf vorzubereiten, dass ich für weitere Lesungen gerne eine vierköpfige Entourage an meiner Seite hätte.

Um den Wunsch zu verdeutlichen schickte ich direkt aus dem Zug ein Foto, damit sie sehen wie schön eine solche Anreise in richtiger Begleitung sein kann. Gut, ich hätte womöglich den Bildausschnitt ein wenig verändern und nur die strahlenden Gesichter schicken sollen, aber es war schön zu sehen, dass man sich um mich sorgt. So zumindest habe ich Antwort SMS: „Ihr habt ernsthaft eine Flasche Prosecco inklusive Kühler im Zug dabei?!?“ interpretiert. Natürlich nicht nur – es gab auch Lachssemmeln. Das beruhigte meine Lieblingsagenturkollegin bestimmt. Prosecco und Lachs, das geht schon fast wieder als Frühstück durch. Vom Aperol Spritz am frühen Nachmittag habe ich ihr dann lieber erst mal kein Foto geschickt. Sie hätte mir womöglich nicht geglaubt, dass ich auf Pfefferminztee umgestiegen bin und wäre mal eben vorbei gekommen, um sicherzustellen, dass ich bei der Lesung nicht vom Stuhl kippe. Bin ich nicht. Alles lief ganz wunderbar und das nicht zuletzt weil neben weiteren, sehr sympathischen Gästen mein ganz persönliches, kleines Team im Publikum saß. Ein Team, dass ich jetzt gerne immer dabei hätte. So schön Lesungen sind, manchmal ist es schade all die Eindrücke nicht direkt teilen zu können und alleine zu frühstücken ist auch nicht ganz so schön. Manchmal beneide ich Kollegen, die zu zweit lesen dürfen ein wenig und deshalb werde ich künftig immer mit diesen Vieren anreisen. Sie wissen noch nichts von ihrem Glück, aber für mich steht es schon fest. Es ist so viel praktischer. Einer hat immer einen Schirm dabei, einer weiß immer wo das nächste Klo ist und einer hat schon längst vor mir rausgefunden wo ich am Abend eigentlich hin muss. Selbst ein Frühstücksbuffet ist besser, wenn man nicht alleine ist. So kann man auf den fremden Tellern sehen, was man sich gleich holen wird. Vielleicht wird es ihnen ein bisschen langweilig, wenn sie künftig so oft „Nix mit Amore“ vorgelesen bekommen, aber für mich wäre es auch ok, wenn sie, während ich lese, an der Bar warten. Eine Umgebung die ihnen nicht ganz fremd ist und ein Ort an dem ich sie dann auch leicht finde, wenn ich fertig bin.

Ja und dann müsste man natürlich schauen, dass ich unbedingt öfter in den Bergen lese. Am Fuße der Zugspitze zum Beispiel. Neben dem Meer sind Berge meine zweitliebste Umgebung.  Auch hier war es toll, nicht alleine unterwegs zu sein. Mit einem Teil meines ganz persönlichen Lesungsteams bin ich vom Bader- zum Eibsee spaziert, während der zweite Teil in einem Café bereits den Platz mit dem besten Blick reserviert hatte. Ich glaube meine Agentur wird verstehen, dass ich künftig nicht mehr alleine wegfahren kann. Eben ist mir eine Idee gekommen. Teile meines Teams sind bereits im Ruhestand und vielleicht könnte ich die vier künftig auch an meine Kollegen vermieten. Für mich wäre das auf Dauer ein zweites Standbein und die Autorenkollegen würden mir sicher die Tür einrennen, wenn ich ihnen als Begleitung vier Frauen an die Seite stelle, die eine Lesereise mit Lachs und Prosecco beginnen. Die würden sicher auch Tee und Käsebrote mitbringen, wenn man sie darum bittet. Nur für den Künstler versteht sich. Was deren eigene Verpflegung angeht sind sie ein eingespieltes Team und vermutlich wenig kompromissbereit. Ein Werbevideo für die vier habe ich schon gedreht. Als wir über eine Stunde auf den Bus warten musste, haben Sie um uns die Wartezeit zu verkürzen kurzerhand die Musik aufgedreht und die Hüften geschwungen. Großartig – fanden auch die vorbei fahrenden Autos. Ich vermute in erster Linie waren es Herren – die wissen so viel Spontanität und Lebensfreude zu schätzen. Zum Glück ist keiner von der Straße abgekommen, ich hätte es ihm nicht verdenken können. 

Vielleicht aber behalten ich meine Entourage auch einfach nur für mich. Mit zweien bin ich verwandt, die anderen beiden sind mir schon längst ans Herz gewachsen.  Im Frühjahr fahren wir an den Staffelsee. Da lese ich etwas anderes und sogar mit einem anderen zusammen – die Vier müssen trotzdem mit. Dann bin ich mir sicher, dass nichts schief gehen kann. Für Sie noch ein paar Fotos von einem wunderschönen Wochenende und von uns fünf. Falls Sie uns buchen wollen…..wir denken darüber nach. img_3799img_3783img_3792

27 Gedanken zu “Künftig nur mit Entourage

  1. Also für mich ist das eine ganz normale Entwicklung. Erst Deine treuen Leser, dann die Entourage und bald warten die Fans vor der Lesung mit einem Buch wedelnd und auf ein Autogramm hoffend.😁

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  2. Was für eine Entourage! ich beneide Dich um Dein Team. Wenn ich mir die Damen so anschaue, habe ich das Gefühl, jede von ihnen hätte uns wohl eine Geschichte zu erzählen. Was gäbe ich für einen Blick in ihre Tagebücher 😉

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  3. Liebe Mitzi,
    wie so oft hast du eine glückliche Hand bewiesen, eine Entourage mit auf die Lesereise zu nehmen. Die Idee mit der Vermietung der Damen an andere Autoren finde ich hübsch. Aber wenn ich das richtig sehe, ist das Gefühl der Geborgenheit in diesem Kreis nicht vermietbar 😉 Die Brille steht dir übrigens ausnehmend gut.

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