Corona Home Office XVIII

Der vorletzte Tag meines nun schon fünfwöchigem Home Office. Über Woche sechs und sieben kann ich selbst entscheiden. Weiter zu Hause arbeiten oder zurück ins Büro und damit ein Stück weit zurück in den Alltag. Manche müssen zurück in den Alltag, ich als Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs, darf selbst entscheiden. Eine Entscheidung die mir nicht gefällt, weil es mich daran erinnert, dass der Alltag noch längst nicht wieder zurück kehrt. Nicht solange man beim Gedanken an Bus und U-Bahn ein seltsames Ziehen im Magen hat und die Vorstellung der Nähe von fremden Menschen unangenehm geworden ist. 

Sie fehlen mir, meine Geschichten aus Bus und Bahn. Zu lange habe ich keine mehr erlebt und zu fremd sind sie mir in den letzten Wochen geworden. Reiß dich zusammen, sag ich mir selbst und mag mir dennoch nicht vorstellen am Montag in den Bus zu steigen. Wenn ich müsste, dann müsste ich. Ich kann ihn aber noch umgehen und weil ich es kann, mag ich ihn nicht. Diesen engen Raum, in dem ich keine Kontrolle über unsichtbare Viren habe. Neue Gedanken, die mir vor sechs Wochen noch fremd waren. Irgendeiner schnieft und schnupft und hustet im Bus immer. Es war mir immer egal. Seit fünf Wochen ist es mir nicht mehr egal. Ich bin empfindlich geworden. Ein Stück weit ängstlicher als noch vor kurzer Zeit. Es wird sich wieder legen, sagen wir uns gegenseitig und sind doch überrascht, was ein paar Wochen verändern können. Nicht (nur) mit der Welt, sondern mit uns. Meine Freunde und ich, wir werden gut aus diesen Wochen kommen. Werden unseren Alltag wieder aufnehmen und werden uns schnell wieder daran gewöhnen. Und doch…vielleicht doch noch zwei Wochen, bis die Kontaktsperre aufgehoben ist, noch auf wenigstens den Bus verzichten? Wenn man es kann, dann macht es vielleicht Sinn. So nah wie dort, komme ich sonst niemandem. Es wäre sinnvoll, glaube ich.

Oder ich bin einfach nur ängstlich geworden. Vielleicht auch das.

Es vergeht wieder. Ich war schon öfter in meinem Leben ängstlich und wurde wieder mutig. Die Welt dreht sich weiter, nur mir geht es gerade ein wenig zu schnell. Seltsam auch das. 

28 Gedanken zu “Corona Home Office XVIII

  1. Ich glaube, liebe Mitzi, ich würde auch sehr lange grübeln, was ich mache. – Da mir momentan die Abgeschnittenheit doch auf den Geist geht, wäre ich vielleicht sogar so leichtsinnig, mich in den öffentlichen Nahverkehr zu stürzen.
    Aber du hast ja sicher genügend telefonische Kontakte, so dass du es dir vielleicht doch noch zwei Wochen „schenken“ kannst, dich im Bus anhusten zu lassen.
    Lieben Gruß

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    1. Ich werd ganz langsam wieder starten. Ein bisschen Büro mit wenig Kontakt (da ist unsere Firma super gerüstet) und Bus und Bahn wenn es nötig ist. Anhusten lasse ich mich sicher nicht. Dem würde ich was husten 😉

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  2. Vielleicht anfangs mit Mundschutz und Handschuhen und einem Gel für die Hände in Bereitschaft? Das kommt dir vielleicht albern vor, aber es gibt eine gewisse Sicherheit. Und die Busse sind jetzt nicht voll, glaub ich. Wenn du wartest, ist es schlechter. Dann sind wieder alle unterwegs – und hopps! gehts von vorne los. Also nur Mut! Liebe Grüße!

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    1. Nur Mut, das ist es wohl, liebe Gerda. Seltsam wie sehr man sich manchmal verändert. Allerdings sehe ich es heute schon wieder viel lockerer. Gestern hat es mich tatsächlich ein wenig überrollt. So viel alleine, da wird man plötzlich ängstlich wenn es wieder langsam losgeht. Aber nur temporär, glaube ich.
      Mundschutz habe ich von der Nachbarin genäht bekommen und notfalls ziehe ich mir meine pinken Putzhandschuhe an – Einweg sind noch ausverkauft. Ist eh besser – weniger Müll.
      Liebe Grüße zu dir.

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  3. in der Tat erschreckt einen der ÖPNV. Die Viren? Ja, auch. Aber die Blicke der Menschen, die alle gerne woanders wären… Auch zu anderen Zeiten. Ich dabei vorneweg. Zum Glück benötige ich ihn nicht, schon das Bahnfahren verursacht mir Streß. Aber vor etlichen Jahren habe ich es mal wieder probiert, dachte, das schafft auch die Landbevölkerung, man muß halt regelmäßig sein – es war erschütternd. Sowohl die Einhaltung von Regeln (auch, aber nciht nur, seitens des Arbeitgebers), dabei auch die Abkürzungsfreude des ebenfalls ländliche Sitten gewohnten Busfahrers – ich durfte manchmal ordentliche Stücke laufen, da er eine Haltestelle anzufahren „vergaß.“ Und dann natürlich die (manchmal über-)volle Kiste. Ach so, ja, ich mag auch keine Flugreisen. Aus demselben Grund. In aller Regel versuche ich die Gefährte einfach für eine Runde Schlaf zu benutzen, aber auch das ist nicht so leicht. Und vor allem braucht man dazu mindestens einen Sitzplatz! Dafür – und das hilft vielleicht auch gegen Viren – war es am Besten, extreme Zeiten zu wählen. So hatte ich auf dem Hinweg ob der frühen STunde zumindest mal 0 Schüler.

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    1. Eigentlich mag ich Bus und Bahn ja sehr gerne. Obwohl ich sehr gut verstehe was du meinst – es ist ja hier auf dem Blog eines meiner liebsten Themen. Das mit den Zeiten stimmt – ich werde antizyklisch fahren und Kinder und Jugendliche sind im Moment ja eh nicht da. Es wird also sicher alles ganz gut laufen und ich mache mir umsonst Sorgen.

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    1. Das kann ich sehr gut nachvollziehen. Bei mir ist es nur der Weg. Im Büro kann ich sogar alleine sitzen und den Kollegen im Flur winken. Das ist bei dir sicher anders. Ich wünsch dir wenig ängstliche Gefühle und dir und den Heimbewohnern so viel Gesundheit, dass niemand sich ansteckt und krank wird.

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  4. Liebe Mitzi,
    hm, ein beklemmendes Gefühl und eine schwierige Frage. Voll begründet, Deine Heimarbeit für zwei Wochen zu verlängern. Das Argument von Gerda finde ich durchaus bedenkenswert. Derzeit sind wohl weniger Fahrgäste unterwegs, als dann in zwei Wochen. Gibt es vielleicht die Möglichkeit, es einmal auszuprobieren und nach Erfahrung dann so oder so zu verfahren? Für später wäre ja auch eine Frage, nachdem Deine Heimarbeit über fünf Wochen wohl gut gegangen ist, ob Du einen Teil Heimarbeit wünschst, beantragst und bewilligt bekommst.
    Noch in Heimarbeit, werde ich demnächst auch wieder mit der U-Bahn ins Büro fahren. Die Nürnberger VAG fordert dazu auf, einen Mundschutz zu tragen oder ein Halstuch. Mir fehlt die persönliche Ansprache mit den Kolleg:innen, der Austausch bei Besprechungen und Veranstaltungen. Ein Arbeits-Leben allein vor dem Bildschirm auf Dauer wird mir zu trist sein.
    Also: viel Kraft und Zuversicht, herzlich Bernd

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    1. Lieber Bernd, es heißt wohl einen Mittelweg finden und ich bin sicher, dass wir das alle auch tun werden. Meine Kollegen fehlen mir auch und das Konzept meiner Firma klingt vernünftig. Ich werde wohl auch wieder schon in den nächsten Wochen „rein schauen“. Nicht jeden Tag (das würde eh nicht gehen, weil wir uns großzügig verteilen in den Büros) aber langsam den Alltag wieder begrüßen.

      Dir ein schönes Wochenende mit Zuversicht, Sonne und viel Gesundheit.

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      1. Danke Mitzi,
        für Deine Zuversicht! Das Frühlingswetter ist mit viel Sonne sehr freundlich. Und wenn es mal regnet, wäscht es die Pollen weg, nürnbergerisch: die Bolln.
        Eben sagt der Moderator bei „Aspekte“: „Wir müssen alles erwarten, auch das Gute.“
        Herzlich
        Bernd

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      2. Das ist doch mal ein schöner Satz. Es dürfte auch ruhig mal ordentlich regnen – die Natur hat es nötig. Und wenn sie es besonders gut mit uns meint, dann regnet es nachts 😉

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  5. Ich werde das Angebot meines Arbeitgebers nutzen und noch zwei weitere Wochen im Homeoffice bleiben. Wenn ich mir die Zahlen der festgestellt Infizierten in Köln ansehe, sinken sie von Tag zu Tag. Wenn ich die Möglichkeit habe, das Ansteckungsrisiko zu minimieren, nutze ich es, das scheint mir – nüchtern betrachtet – das Vernünftigste zu sein, ganz besonders, wenn man gezwungen ist, öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen. Aber das muß natürlich jeder für sich selbst abwägen, wenn einem zu Hause die Decke auf den Kopf fällt, ist man vielleicht eher bereit, das Risiko einzugehen. Ich werde es nicht tun.

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    1. Die Decke fällt mir nicht auf den Kopf. Bzw. wüsste ich dann andere Wege um mich abzulenken ;). Das Wetter soll schön bleiben. Vielleicht kann ich anfangs mit dem Rad fahren. Ziemlich weit, aber so werde ich auch gleich wieder fitter und kann mein Team im Büro unterstützen. Ohne diesen Aspekt würde ich wahrscheinlich die zwei Wochen auch ganz noch von zu Hause aus arbeiten. Wie du schreibst….vernünftiger.

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  6. ich glaube, ein komisches gefühl zu haben ist ganz normal. und ich denke es ist auch okay, es einfach zu vermeiden, wenn es nicht sein muss. ich benutze die ubahn auch grad nur, wenns wirklich nicht anders geht. warum sich unnötig mehr risiko aussetzen als nötig? vielleicht wird mehr bewusstsein zurückbleiben, auf gewisse dinge zu achten, wenn jemand krank ist (oder man selbst). aber das komische gefühl wird vergehen. wenn wir irgendwann nicht mehr jeden tag über todesfälle und infektionen und intensivbetten lesen. wenns eine impfung gibt. wenn wir gelernt haben, mit dem virus umgehen. und das werden wir.

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    1. Es beruhigt mich das zu lesen. Besonders, dass es vergehen wird. Ich denke auch und besonders dann, wenn die Nachrichten wieder besser werden. Ein Schritt für mich ist schon mal, nicht mehr stündlich den Newsticker zu lesen. Liebe Grüße und ein schönes Wochenende.

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      1. ja, so gehts mir auch. ich merk auch mal wieder, welche macht die medien haben, obwohl ich ja eigentlich gar nicht so viel von den klassischen nachrichten konsumiere. trotzdem gehts mir besser, seit bei uns wieder ein bisschen mehr leben möglich ist. seit die abonnierte zeitung jeden tag ein hübsches bild mit der anzahl der genesenen postet. es gibt hoffnung auf das leben danach, das zwischenzeitlich so ungreifbar erschienen ist, obwohl wir offiziell jetzt schon bei ende august sind mit veranstaltungsverbot und obwohl ich letzte woche gelesen habe, dass man von offizieller seite annimmt, dass es 2021/2022 werden wird, bis alles wieder wie gewohnt geöffnet ist.

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      2. Auch hier merke ich die ersten Lockerungen. Es sind etwas mehr Leute auf der Straße und nächste Woche können die ersten kleinen Läden wieder öffnen. Mal sehen wie sich das auswirken wird, aber diese Öffnungen Schritt für Schritt spürt man und sie tun gut.
        Seltsam ist, dass die Wiesn abgesagt wurde. Das ist absolut richtig. Es wäre Wahnsinn – aber es fühlt sich sehr, sehr komisch an.

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      3. das glaub ich dir. obwohl ich noch nie dort war und auch nicht hin gefahren wär, hab ich selber geschluckt wie ich das gelesen hab. mir gehts immer noch so mit unseren theatern. mir sind so viele karten verfallen und der trip im sommer ist auch gestrichen – bis 31.8. ist mal fix alles dicht und wien ohne theater… naja. trotzdem. es fühlt sich alles ein wenig leichter an, auch wenn ich noch skeptisch bin, aber… licht!

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      4. Licht und leichter…..noch vor drei Monaten wäre das nicht viel gewesen und jetzt ist es plötzlich eine ganze Menge. Ich bin gespannt und auch etwas besorgt, wie das restliche Jahr sich gestalten wird.

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  7. Ich war heute sehr erstaunt – wieder einmal mehr – wie schnell wir uns an die Stille, die wenigen Menschen und den Abstand gewöhnen. Heute im Geschäft viel zu viele Menschen, weniger Abstand und die Welt scheint mir auch wieder lauter, schneller…..

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