Gar nicht profane Wurzel

Was ist das unerotischste Wort, das Ihnen einfällt? Nein, sagen Sie es mir bitte nicht. Ich mag unerotische Wörter nicht. Natürlich haben sie ihre Daseinsberechtigung. Alles was existiert, muss benannt werden können. Aber manches nur im äußersten Notfall. Ich mag seinen Schleimlöser nicht, sage ich dem, der vor meiner Tür steht und erkläre ihm, dass dieses Wort schrecklich unerotisch ist. So unerotisch, wie meine röchelnde Stimme, erwidert er und schiebt sich an mir vorbei in die Wohnung.

Eine kräftig Gemüsebrühe könnte er mir machen, schlage ich vor und vermeide es in den Badezimmerspiegel zu sehen. Ich könnte ja so aussehen, wie ich mich fühle. Matschig, fiebrig und röchelnd. Er könnte mich auch an einen Ort schaffen, an dem es einen mit Holz befeuerten Ofen gibt, schlage ich vor. An solchen Orten ist das Licht meist gedimmt und die Chancen, dass man weniger von meinem matschigen Ich sieht um einiges größer. Er würde mich ins Bett schaffen, erwidert er und anschließend das Weite suchen, weil kranke Frauen unerotisch sind. Mit unerotischen Worten habe er kein Problem, mit unerotischen Frauen aber durchaus.

Ich muss wohl auch krank einen Funken Resterotik in mir tragen. Einen sehr kleinen, denn obwohl er geblieben ist, beäugt er mich misstrauisch und hält mich auf Abstand. Sein Misstrauen gilt nicht mir, sondern meiner Forderung nach Holzofen-Wärme und der andauernden Versicherung, dass Schleimlöser nichts für mich ist. So profanes trage ich nicht im Körper. Er würde es hören, das Profane, sagt er und schubst mich auf das Sofa. Als Mediziner sei er schlimmeres gewohnt, zu kämpfen hätte er viel mehr mit dem 1,20 m großem Plüschschaf, das seit kurzem auf meinem Sofa säße. Es sitzt jetzt auf dem Bücherregal in der Kammer. Ein knapp zwei Meter großer Mann hat es dorthin verbannt. Bei Schleimlösern zeigt er sich ebenso wenig kompromissbereit, wie bei Schafen. Da ein Mann mit seinen Herausforderungen wächst, fordere ich alternative Maßnahmen die zu meiner Genesung beitragen und stelle sein jahrelanges Studium in Frage. Nicht das der Medizin. Das des weiblichen Geschlechtes, den er hätte noch immer keine Tafel Schokolade auf den Tisch gelegt. Das ultimative Gastgeschenk für kranke Frauen.

Bitten Sie einen Mediziner nicht um alternative Heilmethoden. Und schicken Sie ihn auf keinen Fall in den Supermarkt. Außer sie mögen es, wenn man ihnen einen Teelöffel scharfen Meerrettich in den Mund schiebt und Sie dabei hämisch angrinst. Erhofft sich der Mediziner einen Schlafplatz bei Ihnen, dann haben Sie vielleicht Glück und bekommen nach dem Meerrettich ein Löffelchen Honig als Ausgleich. Die Kombination ist grausam, wirkt aber erstaunlich gut. Vom Rotwein, den er in meiner Küche gefunden hat, bekam ich selbst bei der größten Schmeichelei nichts ab. Den würde er benötigen um die von mir erwähnte Resterotik zu erkennen und meine kalten Füße zu ertragen. Heute morgen lag auf meinem Nachttisch neben der Packung Schleimlöser eine ausgesprochen hübsche Ingwerwurzel. Und wenn ich ehrlich bin, dann schreibe ich diesen kurzen Text nur, um ein Bild von der schönen Wurzel zu machen und sie hier zu verewigen.

Das hat sie verdient. Die Wurzel. 

 

 

31 Gedanken zu “Gar nicht profane Wurzel

  1. Es ist schon beruhigend zu lesen, dass sich jemand um dich kümmert. Ich hoffe, es hat was genutzt und du fühlst dich schon deutlich besser. Die Wirkung alternativer Medizin hängt wohl wesentlich mit positiven Assoziationen zusammen. Beispielsweise ist „Bachblüten“ so ein hübsches Wort, bei dem ich an ein klar sprudelndes Bächlein denke, an dessen Ufer sich die Blütenköpfchen der feinsten Blümchelein ins Wasser neigen und ab und zu von ein paar aufspringenden Tröpfchen benetzt werden.Ganz falsch. Der die Blütentherapie erfunden hat, war ein Dr. Bach. Hätte er jetzt zufällig Runkelrübe geheißen, würden seine Elixiere nichts helfen. „Runkelrübe“ ist mein unerotischstes Wort. Mein Lieblingswort ist „Likörstübchen“ (wegen der hellen Vokale). Ich empfehle aber keinen Likör, sondern Klosterfrau Melissengeist und wünsche gute Besserung!

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    1. Vielen Dank, lieber Jules. Vom Likör lasse ich die Finger (auch weil ich keinen griffbereit habe) und eine Erkältung ist gut zu überstehen.
      Auch wenn der Bach von Dr. Bach kommt, bleibt noch das schöne Wort Blüten, das ebenfalls positive Assoziationen weckt. Was so harmlos und sanft klingt, dem traut man viel gutes zu.
      Runkelrübe…..die schafft es auch nicht auf meine Liste, der liebsten Worte.

      Liebe Grüße

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      1. :)))) Alfons Schuhbeck dürfte neben Ingwer auch noch diverse Sorten an Gewürzen im Gepäck haben. Gegen einen Besuch in meiner Küche hätte ich nichts. Dafür würde ich mir auch anhören, welche Knolle welche Wirkung hat.

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  2. Darmflora klingt auch nicht gerade blumig – und solange der Schleimlöser nicht aus Darmstadt kommt…. Unsinn – lassen wir das 😉 Aber gegen das Nachdenken über unerotische Wörter kann ich mich nun nach dem Lesen Deines Beitrags gar nicht wehren.
    Ich bin dafür, dass die weltweite Bloggergemeinschaft sich zusammentut und fordert, dass Mitzis erst gar nicht krank werden dürfen. Und wenn doch, dann darf das nicht weh tun und muss innerhalb von Sekunden wieder verschwinden.Jawoll!
    Alles Gute! 🙂

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    1. Ich hab es ja provoziert…das Nachdenken über unerotische Worte ;).
      Vielen Dank für die schöne Aufforderung. Ich würde es ausweiten und uns alle von der Grippewelle verschonen. Überflüssig wie ein Kropf, das Niesen und Schniefen.

      Liebe Grüße

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  3. Wenn man so niveauvoll jammern kann, dann erfreut das zumindest die gesunden Menschen, die doch eigentlich Mitleid haben müßten 🙂 Und ich bin neidisch, ich wurde im Krankenhaus von einer masochistischen Internistin bearbeitet, schick doch den Doc nächstes Mal zu mir, bitte !!! . Gute Besserung liebe Mitzi. und viel Erfolg mit dem Ingwer.

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    1. Geht es dir denn schon wieder besser?
      Ich würde ihn dir glatt ausleihen und ihm noch eine Tafel Schokolade in die Tasche stecken. Seine Qualifikation will ich nicht bezweifeln, aber als Onkologe eignet er sich bei grippalen Infekten auch nur bedingt ;).

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  4. Keine Schokolade? Tja was soll ich sagen, dein Schwager hat auch nach 25 Jahren noch nicht verstanden, das nichts die Gesundung so fördert wie die Aussicht auf einen perfekten Schokoladengenuß.
    In diesem Sinne ein halbes Zitat von Dada:
    „Oisam in an sog und naufghaun…. „

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