Zwei so gleich

Silvester feierten wir nie gemeinsam. Seltsam. Wir trafen uns immer erst in den frühen Morgenstunden. Wenn wir uns trafen, war das alte Jahr bereits vorbei und das neue hatte noch nicht wirklich begonnen. Um vier Uhr morgens ist der erste Januar noch aus der Zeit gefallen. Das alte Jahr ist vorbei und das neue hat noch nicht begonnen. Wenn wir uns trafen, steckten uns die letzten Stunden in den Knochen. Meine Schuhe flogen in die Ecke und ich auf das Sofa zwischen Euch. Es gibt nichts schöneres als das Gefühl, sehr hohe Schuhe nach sehr vielen Stunden abzustreifen. Noch schöner ist es, sie mit Schwung in die Ecke zu werfen und am aller schönsten ist es, zwischen zwei Menschen zum liegen zu kommen, denen die letzten Stunden genauso in den Knochen steckten. Sie wundern sich nicht, dass man grundlos lacht und sie fragen nicht wo Handschuhe und Schal geblieben sind. Der eine schmückt eine Straßenlaterne, die anderen liegen zum Trocknen auf dem Sitz eines Taxis. Ich habe mich von ihnen auf dem Weg zu euch verabschiedet. Sie richten Grüße aus, die ihr artig erwidert. Um vier Uhr morgens am ersten Januar wundert man sich über wenig. Am wenigsten über die Tatsache, dass ich euch  das erste Mal nur schlecht auseinander halten kann. Der Crémant ist unschuldig. Wer kann schon eineiige Zwillinge um vier Uhr morgens an Neujahr auseinander halten. Weiterlesen

Zwei so ähnlich

Ein Zwillingspaar sitzt mir im Bus gegenüber. Drei Jahre sagt die Mutter zu einer anderen und viele sehen sie an, weil es faszinierend ist, wie sehr sie sich ähneln und weil es hübsche Kinder sind. Hübsche Kinder wart ihr sicher auch, denke ich und sehe dich verschwommen hinter dem Pärchen mit den Schultern zucken und dann nicken. Wie Hanni und Nanni höre ich dich lachend flüstern und steige aus, bevor man sich über mein Lachen wundert. Wie Hanni und Nanni, war das erste das ich sagte, als ich deinen Bruder das erste Mal sah und mit das dämlichste, was man zu zwei erwachsenen Männern über dreißig sagen kann. Auch dämlich, weil ihr für mich von Anfang an nicht gleich ausgesehen habt. In einen von Euch hatte ich mich bereits Hals über Kopf verliebt, als ich den anderen kennen lernte. Ähnlich, ja. Aber gleich niemals. Nie habe ich euch verwechselt. Zu unterschiedlich waren Gestik und Mimik. Vielleicht auch sehr ähnlich, aber von einem der beiden Augenpaare kannte ich bereits jede Schattierung der Iris und zwei der Hände hatte ich zu diesem Zeitpunkt schon viele Stunden in den meinen gehalten. Ich kannte von einem die kleinen Muttermale und den leichten Knubbel am Schlüsselbein, das einmal gebrochen war. Alle Emotionen hatte ich in diesem Gesicht genau studiert und nur einer von beiden sah mich so an, dass mir Luft weg blieb. Anfangs auch, wenn er nur um die Butter am Frühstückstisch bat. Weiterlesen