Lachen – nur mit ihr

Wir kennen uns nicht gut. Wir kennen uns eigentlich überhaupt nicht und weder sie noch ich würden unsere Beziehung als Freundschaft bezeichnen. Freunde kennen sich, gehen gemeinsam einen Weg und vertrauen sich. Wir gingen nur zufällig zeitgleich die Stufen einer Bar hinunter und standen gemeinsam in der Schlange vor der Toilette. Unsere Namen kannten wir nur, weil wir einander ein paar Stunden zuvor vorgestellt wurden. Einer der mit mir in der gleichen Straßen aufwuchs hatte mit dem Bruder ihres Mannes Abitur gemacht, glaube ich mich zu erinnern. Vielleicht war sie aber auch die, mit deren Schwester er einen Sommer lang zusammen war. Es interessierte mich nicht und ihr war mein Interesse nicht wichtig. Wir standen nur nebeneinander in der Kloschlange, hatten beide zu wenig getrunken, um das Alkohlgeschwängerte Geplapper einer Dritten zu ignorieren. Und doch umarme ich sie, wenn ich sie zufällig am Rande meines Freundeskreises sehe. Mitten im Satz unterbreche ich mich dann, stehe auf und umarme eine mir fremde Frau, die ihrerseits ihre Arme um mich legt. Es fühlt sich seltsam an, weil wir beide nicht zu den Menschen gehören, die flüchtigen Bekannten um den Hals fallen und peinlich berührt, lösen wir uns schnell wieder voneinander. Und doch, wenn wir uns zufällig ein oder zwei Mal im Jahr sehen, sind wir uns für einen kurzen, einen sehr kurzen Moment vertraut. Weiterlesen

Alter egal – U-Bahn Gedanken

Obwohl es gestern erst den ganzen Tag geregnet hat, ist es heute schon wieder angenehm heiß. Zu heiß würden viele behaupten; angenehm italienisch warm, sage ich. Obwohl es in München im Sommer recht warm wird, gibt es nur wenige italienische Woche. Solche Wochen zeichnen sich nicht nur durch die Temperatur aus. Vielmehr erinnert sich an diesen Tagen die ganze Stadt, dass sie sich tief im Herzen dem Süden häufig verbundener fühlt als dem Norden. An solchen Tagen gehen die Münchner langsamer, schlendern mehr und bleiben noch lieber für ein Schwätzchen stehen. Die Münchnerinnen tragen schönere Kleider, höhere Schuhe und ein bisschen mehr Rouge auf den Wangen. Sie tun es, weil die Münchner Männer in jenen Tagen ihren Charme zusammen kratzen und häufiger anerkennend lächeln, wenn ein schönes Kleid an ihnen vorbei läuft. Und wenn die Münchnerin ein besonders großes Glück hat, dann trifft sie auf einen Italiener, der das ganze noch ein bisschen besser als der Münchner kann. Weiterlesen

Als ungarische Prinzessin haben Sie nichts zu lachen

Als Münchnerin etwas über den Fasching schreiben zu wollen, ist eigentlich ein richtiger Schmarrn. Wer etwas über den Münchner Fasching wissen möchte, der soll sich die Serie „Monaco Franze“ ausleihen und die Folge 5 „Herr der sieben Meere“ anschauen. Damit ist alles gesagt. Besser geht es nicht. Auch nicht wenn fast 35 Jahre vergangen sind. Helmut Dietl hat München so perfekt und so auf den Punkt genau beschrieben, dass ein jeder der es versucht, nur scheitern kann. Ich natürlich auch, aber das ist mir egal. Ich mag den Fasching nämlich nicht und den Karneval noch viel weniger. Ich gehöre zu den Menschen, die sich viel zu oft aus versehen zum Affen machen, als das sie ein Kostüm bräuchten und auch zu denen, die nicht auf Kommando fröhlich sein könnenden. Die Aufforderung doch ein bisschen Spaß zu haben, funktioniert bei mir nicht. Wenn  mich einer bittet, zu lachen, dann frage ich ihn warum und erbitte ganz ernst eine Erklärung warum ich gerade jetzt denn  lachen solle. Jetzt, wo gerade die Polarkappen schmelzen und der Plastikmüll die Weltmeere verschmutzt. Wer mich kennt, bittet mich aus leidvoller Erfahrung gar nicht erst darum, zu lächeln oder lachen. Meine Freunde hoffen sogar, dass ich nicht  in schallendes Gelächter ausbreche. Das tue ich nämlich am liebsten dann, wenn es unangebracht ist. Weiterlesen

Reden lassen… U-Bahn Gedanken

Die etwa 30 jährige Mutter beklagt sich in der vollbesetzten U-Bahn bei ihrem Mann, dass er ihr schon wieder nicht zuhört. Gerne hätte ich ihr gesagt, dass er ihr bereits seit zwei Stationen still zuhört, ihre Sätze aber kaum Informationen enthalten. Sie beklagt sich nur mit wehleidiger Stimme darüber, dass man ihren Worten kein Gehört schenkt. Eine glatte Lüge. Notgedrungen lauscht nicht nur ihr Gatte dem Lamento, sondern mit mir noch ein Duzend weiterer Personen, die das Pech haben in Hörweiter ihrer nicht nur anklagenden, sondern auch lauten Stimme zu sitzen. Weiterlesen

Tanz!

Samstag sah ich den Tod. Ein weißes Gerippe unter einem schwarzen, langen Umhang. Die weite Kapuze tief über die knöcherne Stirn des blanken Schädels gezogen, schlich er sich langsam und ohne Eile heran. Er ist ein großer, schlanker Mann. Natürlich ist er schlank. Denn dort wo das Fleisch und das Fett des Körpers fehlen, ist ein jeder dünn. Dass pure Knochen schön sein können, wusste ich nicht. Aber er war schön. Der Tod war ein schöner Mann. Weiterlesen

Kopfstürme

Eine strahlende Sonne passt am besten zu mir, sagt einer meiner Freunde und ich lächle über das schöne Kompliment. Ich lächle bis er mich nicht mehr ansieht und ich nicht mehr lächeln muss. Das erloschene Lächeln juckt  in meinen Mundwinkeln und ich schließe die Augen, weil ich lieber an dein Lächeln als an mein eigenes denken möchte. Es gelingt mir nicht. Vielleicht weil du so selten gelächelt hast. Weiterlesen