Lächeln? Das sagen Sie so einfach.

Heute ist der internationale Tag des Lächelns. Das interessiert hier aber keinen. Meine Nachbarn und ich haben heute beschlossen, dass der regionale Tag der schlechten Laune ist. Ein Tag dessen Ursprung in meinem Haus zu finden ist. Wir sind jetzt nämlich Gerüstfrei. Sämtliche Bauarbeiten sind abgeschlossen und wir können unsere Balkone wieder nutzen. Sogar die Fenster haben wir nach Abschluss der Fasadenrenovierung noch geputzt bekommen. Bei so einem Service nimmt man es auch gerne in Kauf, dass das Gerüst an einem Samstag um 06:50 Uhr mit lautem Geschepper abgebaut wird. Die Handwerke wollen ja auch noch etwas vom Wochenende haben. Dachten wir. Weiterlesen

Herr Meier muss gar nichts

„Ich muss gar nix!“, sagte Herr Meier Anfang der Woche und ließ sich mit einem Schnauben zurück auf die Bank vor der Kneipe meines Hauses fallen. Er wiederholte noch einige Male, dass er gar nix müsse und schnaubte unterstützend vor jedem Schluck Bier. Unser Hausmeister hätte sich denken können, dass Herr Meier auf ein „Sie müssen“ nicht reagieren würde. Er kennt ihn lange genug, um zu wissen, dass man einen alten Grantler, wie Herrn Meier nur mit psychologischer Finesse zu etwas bewegen kann. Leider interessiert sich unser Hausmeister nicht für Psychologie und steht Herrn Meier an schlechter Laune in nichts nach. Weiterlesen

Herr Meier schimpft. Frau Obst auch.

Ich habe einen neuen Freund. Zugegeben es ist eine etwas einseitige Beziehung. Mein neuer Freund weiß nichts von mir. Hat keine Ahnung dass es mich gibt, und wenn er es wüsste oder zu denken fähig wäre, dann wäre es ihm egal. Mein neuer Freund ist der Mars, der jeden Abend von meinem Balkon aus zu sehen ist. Wie so oft, fallen einem die Dinge erst auf, wenn man über sie stolpert. Oder wenn man, wie in meinem Fall, nach 20 Jahren die Sehstärke kontrollieren lässt.  Weiterlesen

Ein Höschen führte zum Eklat

Mein Nachbar Herr Meier, spricht nicht besonders viel, ist grantig, konstant schlecht gelaunt und wirkt immer etwas mürrisch. Dennoch würde ihn die Hausgemeinschaft nicht als unfreundlich beschreiben. Er ist schon in Ordnung, der Meier. Auf seine spezielle Art scheint er uns zu mögen. Die lauten Studenten aus dem Hinterhaus, das lesbische Pärchen aus dem ersten Stock und die netten Russen die die Pakete für das ganze Haus entgegen nehmen. Er mag auch die Vietnamesen, die seit einigen Monaten den Back-Shop betreiben. Das ist neu und wie ich erfahren habe, besucht Herr Meier den Back-Shop erst, seit er auf der Eigentümerversammlung erfahren hat, dass Frau Obst die Vietnamesen nicht ausstehen kann. Herr Meier mag alles was Frau Obst nicht mag. Schon aus Prinzip. Weiterlesen

24 Stunden Burn-Out

Kennen Sie das Gefühl morgens aufzuwachen und schon vor dem Aufschlagen der Augen zu wissen, dass man es besser nicht täte? Das Augenaufschlagen und überhaupt das Aufwachen. Der Grund ist objektiv betrachtet klein, nichtig und ein regelmäßiger Gast. An manchen Tagen wird er über Nacht groß. Das sind die unangenehmen Tage.  Die Augen noch geschlossen hört man das fröhliche Zwitschern der Vögel, riecht den Frühling durch das offene Fenster und ahnt, dass es nur noch ein paar Minuten dauert, bis die ersten Sonnenstrahlen auf die Bettdecke treffen. Wenn man – oder ich – dann keine Lust hat mit Elan aus dem Bett zu springen, dann hat mich das 24 Stunden Burn-Out erwischt. Weiterlesen

Herr Meier mag Schnecken

Können Sie sich noch an meinen Nachbarn,  Herrn Meier, erinnern? Herr Meier versorgt mich im Herbst und Winter immer mit Walnüssen aus dem Garten seiner Tochter. Ab Mitte März liegen keine Nüsse mehr im Briefkasten. Dann weiß ich, dass Frühling ist und die Lieferung für einige Monate eingestellt wird. Herr Meier spricht nicht viel und wenn wir uns vor dem Aufzug treffen, grüßt er nur mit einer knappen Kopfbewegung. Zwei bis drei Mal im Jahr murmelt er etwas, das man nachsichtig, als ganzen Satz gelten lassen kann. Vorgestern zum Beispiel. Da wuchtete er die Einkaufstüten mit Schwung in den Aufzug, sah mich an und raunte: „Fünf Jahre?“, „Vier“, verbesserte ich ihn und freute mich über dieses ausführliche Gespräch mit meinem Nachbarn. Weiterlesen