Wunsch mit Schleife

Niemand der bei Verstand ist, schenkt sich heutzutage noch etwas zu Weihnachten, erklärt mir eine Bekannt und schüttelt beim Anblick des Regals meines Arbeitszimmers fassungslos den Kopf. Für wen um Gotteswillen soll das alles bitte sein, fragt sie und ich unterdrücke den Impuls ihr auf die Finger zu klopfen, als sie etwas unverpacktes in die Hand nehmen und näher betrachten möchte. Ebenfalls unterdrücke ich das Verlangen, ihr die Hand auf die Schulter zu legen und sie einfach aus dem Raum zu schieben. Stattdessen erkläre ich peinlich berührt, dass all das materielle natürlich nicht Zeit, Zuneigung und Emotionen ersetzt und nur ein kleines Extra sind. Extras die nur so viel wirken, weil ich einem mir sehr am Herzen liegenden Ehepaar (meinen Eltern) einen Adventskalender mit nun mal 24 Päckchen schenke und eine große Familie habe. Ich erkläre mit vor der Brust verschränkten Armen, dass ich es durchaus genauso sehe, dass man nur wenige gute Freunde hat und Freundschaften nicht durch Pakete am Leben gehalten werden. Versuche zu erklären, dass mich noch junge Kinder umgeben und ich denen eine Freude machen möchte und bekomme einen Vortrag, letztendlich nur dem Konsumwahnsinn zu erliegen und zu den bemitleidenswerten Menschen zu gehören, die in der Adventszeit hektisch durch die Fußgängerzonen hasten und das eigentlich besinnliche der Weihnachtszeit dabei völlig aus den Augen zu verlieren.

Ich gebe zu ein Idiot zu sein. Wir lachen über den nicht lustigen Witz und verabschieden uns, nicht ohne, dass sie mir ans Herz legt mich etwas mehr auf das Wesentliche zu konzentrieren.

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Hauptsache gelb

Heute stelle ich meinen Kolleginnen einen Blume auf den Schreibtisch. Jede von Ihnen bekommt ein gelbe Tulpe. Eigentlich müsste es der Zweig einer Mimose sein, aber da es a) in München schwer ist an Mimosen zu kommen und b) sie eh nicht wissen warum, wird es auch die Tulpe tun. Hauptsache gelb. Das sagte mir auch mein Italien-Sommer-Sonne-Jugend Freund als er mich vor Jahren in Verona von der Arbeit abholte und mir einen Strauß gelber Freesien in die Hand drückte. Weiterlesen

Geschenkt – U-Bahn Gedanken

Können Sie sich noch an Anna erinnern? Anna, die ich nie gesehen habe, deren Freund aber regelmäßig mit mir in der S-Bahn fährt. Die Anna, zu der vor einigen Monaten der Satz „Ich dich nicht“ gesagt wurde? Es geht ihr gut. Anna. Zumindest glaube ich, dass es ihr gut geht. Das Rauschen ihrer Stimme klingt fröhlich. Ich verstehe nicht was sie sagt, weil ich neben ihrem Freund sitze und ihre Worte durch sein Handy nicht zu erkennen sind. Aber ich höre, das die Wellen des gesagten fröhlich klingen. Es freut mich, denn ich sorgte mich um sie. Ob das „ich dich nicht“ das Gegenstück zu einem „ich dich auch“ war, werde ich nicht erfahren und möchte lieber nicht spekulieren. Lieber freue ich mich über Annas aufgeregte Stimme. Weiterlesen

10.000 Dinge #2

Goethe und ich sind nicht so dicke. Allenfalls ist meine Beziehung zu ihm eine lockere Bekanntschaft, ohne die Anteilnahme und die Zuneigung einer Freundschaft. Die Schönheit mancher Sätze und die Klugheit einiger Gedanken bleiben mir dennoch nicht verborgen. „Wer besitzt, der muss gerüstet sein“,  heißt es zum Beispiel in Torquato Tasso einem Stück von Goethe. Weder Alfons, der die Worte spricht, noch Goethe, sein geistiger Vater, dachten hier wohl an die Bügel-Perlen-Topfuntersetzer die ich heute bei meiner herbstlichen Inventur gefunden habe. Weiterlesen

In gute Hände abzugeben

Ich habe eine Schublade mit Geschenken für Notfälle. Neben mehreren USB Sticks (meine Mama verschickt ihre Fotodateien gerne auf einem Stick gespeichert, mit der Post) und einem bezaubernden, gehäkelten Babymützchen (ich habe so eine Ahnung, dass ich es bald verschenken werde) ist sie mit  Amazongutscheine für die älteren Patenkinder und reichlich Schokolade bestückt. Das die Schublade auch einen Mann enthielt, wurde mir erst bewusst, als ich ihn ohne nachzudenken verschenkte. Weiterlesen