Versprochen

Ich habe keine Angst, sagte ich meinem Vater als er mich am Vormittag nur ungern im Wald, in dem unserer Hütte liegt, zurück ließ. Ich lachte, weil die Sonne schien und hier an diesem Ort noch nie etwas böses gelauert hat. Die Welt ist voll davon, aber hier oben am Berg, da ist nichts wovor man sich fürchten muss. Ich wäre alleine, sagte mein Vater und schien sich nicht daran erinnern zu wollen, dass es nicht das erste Mal war. Alleine ist gut, erinnerte ich ihn. Ohne andere Menschen widerfährt einem meist viel weniger schlechtes, als mit. Warum er sich an diesem Tag sorgte, weiß ich nicht. Vielleicht hatte er Angst, dass meine Freunde nicht wie vereinbart am Abend kommen würden und ich die Nacht ohne Auto allein wäre. Lachend zuckte ich an diesem Tag mit den Schultern. Es ist mein Nest, diese Lichtung, und nichts macht mir dort Angst. Nicht einmal der alte Schrank am Absatz der Treppe. Weiterlesen

Natürliche Konfrontation (Aus dem Archiv 04.09.2015)

Ich töte Tiere. Einfach so. Damit ich meine Ruhe habe. Schlimm? Es wird noch schlimmer. Ich töte sie nicht, um sie zu essen. Ich töte grundlos. Nicht alle Tiere. Bei Schweinen, Rindern und Hühnern kann ich mit gutem Gewissen sagen, dass ich nur das esse, was das Schwänzchen oder die Schnauze ausgiebig in die Sonne gestreckt hat. Oder – wenn es weder Schwänzchen, noch Schnauze besitzt – in den Wochen vor seinem Schlachttermin, im Gras scharren konnte. Dank der Landwirtschaft meines Onkels, ist mein Karma-Punktekonto diesbezüglich im grasgrünen Bereich. Dunkel- um nicht zu sagen blutrot wird es bei Tieren, die nicht unter die Gattung der Säugetiere fallen. Obwohl…mit Nacktschnecken und Würmern habe ich auch kein Problem. Eigentlich muss sich nur eine einzige Spezies vor mir fürchten. SPINNEN. Weiterlesen

Furchtlos, wachsam und etwas verschroben

Wenn man mich fragt ob ich ein ängstlicher Mensch bin, schüttele ich vehement den Kopf. Mich kann man getrost im Wald aussetzen. Ich komme schon wieder zurück. Man könnte mich auch nachts über einen Friedhof laufen lassen. Dort  fühle ich mich sicherer als an einer ausgestorbenen, dunklen Bushaltestelle. In beiden Fällen gehe ich ganz rational und logisch an die Sache ran. Welcher potentielle Massenmörder ist denn so blöd und hockt sich auf einen Friedhof oder mitten in den Wald um auf ein Opfer zu warten? Womöglich kommt da monate- oder gar jahrelang nächtens niemand vorbei. Das Risiko in Aktenzeichen XY eine unfreiwillige Rolle zu bekommen, erscheint mir recht gering. Weiterlesen

Ein Schrank in einer Hütte im Wald

Mein Großvater sagte einmal, dass die meisten Menschen zu dumm seien um sich vor den richtigen Dingen zu fürchten. Ihre Furcht sei zu oft unbegründet und fremdgesteuert. Trauen könne man nur der Angst die urplötzlich im Magen zu pochen beginnt und an unsere Instinkte appelliert. Er war kein belesener Mann, mein Großvater. Ihm fehlte die Zeit für Bücher. 1914 geboren gab es in seinem Leben keinen Raum dafür. Weiterlesen

Magenkrämpfe gegen Einsamkeit

Allen habe ich berichtet wie spannend und fantastisch meine Jahre in Italien waren. Nur zu gerne, erzähle ich die lustigen Anekdoten und die kleinen amüsanten Geschichten über neue Freundschaften und Erfahrungen und lasse dabei die eigenen Erinnerungen lebendig werden. Erzählend wird das längst vergangene wieder präsent und die bloßen Worte vermischen sich mit den damals empfundenen Gefühlen bis sie wieder greifbar und real werden. Weiterlesen