
Ich wollte Ihnen die Karte ja schon ganz am Anfang meines unverschämt langen Aufenthalts im Süden schicken. Aber die gibt es ja kaum noch zu kaufen. Außerdem hatte ich Ihre Adressen nicht. Und noch mehr außerdem, habe ich schon immer vergessen, Postkarten rechtzeitig zu verschicken. Deshalb bekommen Sie diese auch erst jetzt – zurück in München. Herzliche Grüße aus Arenzano, Cogoleto, Genua, Camogli, vom Boot und Monaco (hier bin ich eher unabsichtlich gelandet).
Nach fast vier Wochen mit einer Bildschirmzeit von max. 30 Minuten (ausschließlich um über den Ort des Aperitivs oder des Abendessens zu diskutieren) ist es schön wieder daheim zu sein. Zu meinem großen Glück hat sich hier auch etwas getan. Neue Nachbarn sind eingezogen. Im Hinterhaus ganz unten. Und ganz besonders wunderbar, die eine von beiden sitzt den ganzen Tag draußen und redet. Wahrscheinlich mit ihrem Partner, aber den hört man nicht. Vielleicht auch mit sich selbst. In jedem Fall unglaublich viel. Besondere freude macht es mir, dass sie über alle Nachbarn redet. Da eröffnen sich ganz neue Blicke. Ich bin übrigens die, zu deren Wohnung ungewöhnlich viele Menschen einen Schlüssel besitzen. Das macht misstrauisch, sagt die neue Nachbarin. Sie ist etwas zu weit unten im Haus, um zu erkennen, dass die verschiedenen Hausbewohner alle eine Gießkanne in der Hand hatten, wenn sie meine Wohnung in den letzten Wochen betraten. Der Schlüssel wurde von einem zum anderen weitergereicht, damit meine Blumen nicht verdursten. Frau Nachbarin heißt Margot. Und sieht wie eine Margot aus. Können Sie sich darunter etwas vorstellen? Bestimmt.




