Bitte…(sprechen Sie das Wort in der gewünschten Emotion aus)

Robbie Williams und ich pflegten über lange Jahre ein sehr innige, fast schon intime Beziehung. Zugegeben, sie war etwas einseitig. Aber meine Leidenschaft reichte locker für uns beide. Zum Leidwesen meines damaligen Freundes, der an meinem Verstand zu zweifeln begann, als ich mich in den Tiefen des Internets auf die Suche nach einem 1,85 m großen Pappaufsteller dieses Mannes begab. (Das dieser nicht für unser Schlafzimmer bestimmt war und letztendlich der Grund ist, dass ich heute hier schreibe können Sie  hier nachlesen.) An den Rand der Verzweiflung getrieben habe ich ihn aber erst, als meine bisher geheim gehaltene Leidenschaft in über 250 Kinos weltweit öffentlich gemacht wurde. Während dieser Zeit lernte ich ein faszinierendes Talent meines Freundes kennen. Er schaffte es, in das kleine Wort „bitte“ mehr Emotionen einfließen zu lassen, als in den kompletten sieben Jahren unserer Beziehung. Weiterlesen

Zettelwirtschaft in Büchern (Archiv 2016)

Die kleine Karte ist unscheinbar. Kaum größer als ein Post it. Im Laufe der Jahre ist das rosa Papier dünn und grau geworden. Obwohl ich sie seit über zwanzig Jahren nicht mehr in der Hand hatte, erkenne ich sie sofort wieder. Sie liegt jetzt auf dem Boden vor meinen Füßen und ist aus Milan Kunderas Buch „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ gefallen. Sofort schießen mir die Tränen in die Augen, weil es mir unmöglich ist, nicht an Karenin, den sterbenden Hund im Buch, zu denken. Die Erinnerung an Karenin verschwindet schnell, die Tränen bleiben. Wegen der Karte. Weiterlesen

Leergeschrieben

Hier ist es ruhiger geworden. Viel ruhiger als am Jahresanfang oder während des Corona Lockdowns. Manchmal macht mir das ein wenig Sorgen. Vielleicht liegt es an 724 Erzählungen, in denen schon so viel gesagt und geschrieben wurde, dass es ab und an scheint, als wäre bereits alles gesagt. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich in den letzten vier Wochen 34 Entwürfe gespeichert habe und alle richtig scheiße finde. Leergeschrieben vielleicht. Für den Moment. Es ist ja nicht das erste Mal. Mein Kopf-Sommerloch kommt jedes Jahr. Dann schreibe ich, lösche, fange von vorne an, lösche wieder und speichere dann einen grottenschlechten Entwurf, den ich im Herbst endgültig lösche. Am Ende mache ich eine Pause und poste ein paar Wochen lang aus dem Archiv. Letztes Jahr waren es Erzählungen von 2015 und dieses Jahr….Sie ahnen es…2016. Was auch immer es ist, das Schreiben macht mir viel zu viel Freude, als das ich mir diese durch das Starren auf eine leere Seite verderben lassen möchte. 

Seit einiger Zeit ist es wieder möglich Freunde zu treffen und nach den Corona Monaten stellt sich langsam wieder Normalität ein. Ich bin mir recht sicher, dass ich neues erleben, denken und sehen werde und dann wieder mehr zu erzählen habe. Bis dahin gibt es Erzählungen aus der Konserve. Und eigentlich, ist so ein Kopf-Sommerloch auf einem Blog auch eine gute Sache…manche Erzählungen haben es verdient ein zweites Mal gepostet zu werden. Vielleicht kennen Sie die ja noch gar nicht und wenn doch…es sind meine liebsten, die können Sie ruhig ein zweites Mal lesen ;).

Kommen Sie gut durch den Hochsommer. Er ist herrlich, nicht wahr? Wenn mir einfällt wie ich ihn passend beschreiben kann, dann werde ich es machen. Bis dahin streiche ich die Tage am Kalender durch und genieße ihn wortlos. Seinen Höhepunkt wird dieser Hochsommer für mich Ende August haben. Dann werde ich in Italien sein und….ach, ich wollte ja ein bisschen den Mund halten. 

Noch mal also, kommen Sie gut durch den Hochsommer! 

Ihre Mitzi mit dem Kopf im Sommerloch (und den Beinen in der Isar)

 

 

Nix mit Privatsphäre

Recherche, das ist alles nur Recherche, behauptete ich als mein Nachbar Paul ein Paket bei mir abholen möchte und mich versteckt am Boden des Laubengangs sitzen vorfindet. Dass man an fremden Türen nicht zu lauschen hat, ist hinlänglich bekannt. Ebenso aber auch, dass Telefonate die auf Balkonen geführt werden, das Allgemeingut der gesamten Nachbarschaft sind. Seit ich weniger mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs bin und mehr zu Hause bleibe, bin ich an manchen Tagen um diese Telefonate recht froh. Auf meinem Balkon höre ich viele. Die meisten sind aber langweilig. Herr Krüger telefoniert mit seiner Mutter, Herr Meier mit seiner Schwester, das Russisch von Frau Iwanow verstehe ich nicht und die Bürogespräche auf den beiden Balkonen über mir interessieren mich nicht. Interessanter ist das Hinterhaus, dem ich auf dem Laubengang sitzend zuhören kann. Besonder kurzweilig ist es, seit Anfang April neue Bewohner eingezogen sind. Einer von ihnen ist Jan. Vielleicht erinnern sie sich an ihn – er hat uns während Corona mit Musik versorgt und ist seit dem der DJ unserer Abendstunden. Tagsüber nimmt er keine Musikwünsche an. Zwischen neun und fünf nutzt er seinen Balkon um dort ausführliche Telefonate zu führen. Jan ahnt es nicht, aber ich kenne ihn mittlerweile recht gut. Weiterlesen

Helga mag es auch ruhig

Der, der ab und zu mit einer Flasche Wein vor meiner Türe steht, ist einer der ruhigsten Menschen die ich kenne. Meistens bin ich es, die spricht. Für mich und auch für ihn, wenn ich versuche das in Worte zu fassen, was er nicht ausspricht. Dann nickt er oder schüttelt den Kopf. Zieht ärgerlich die Stirn in Falten, streicht sich die Haare aus dem Gesicht oder reibt sich den Nacken. Manchmal lehnt er, mit tief in den Hosentaschen vergrabenen Händen und hochgezogenen Schultern, im Türrahmen und grinst wie ein Sechzehnjähriger. Oft weiß ich nicht warum, mag aber das Grinsen und remple ihn im Vorbeigehen an. Wenn er nachdenkt, dreht er mir fast immer den Rücken zu. Er scheint dann ein Stück Himmel sehen zu müssen und es kommt vor, dass ich den Rücken umarmen und die Schulterblätter mit der Nase anstupsen muss, damit er sich wieder zu mir dreht. Das ist ok, weil er trotzdem da ist. Wenn er nichts zu sagen hat, nimmt er meine Hand. Drückt leicht meine Finger oder streicht mit dem Daumen über die Innenseite meines Handgelenks. Ich, die Worte so gerne hat, mag das noch lieber. Worte sind nicht das seine, sagt er, aber ich weiß, dass es nicht stimmt. Er kann erzählen. Manchmal besser als ich. Weiterlesen

Fünf!

….fünf ganze Jahre, haben Sie mich nun schon an der Backe kleben. Eine ganz schön lange Zeit, finden Sie nicht? 

  • Fünf Jahre in denen ich Ihnen – oder zumindest Christoph Rox – versucht habe zu erklären was Frauen wollen.
  • Fünf Jahre in denen ich mir das vom Hals geschrieben habe, was sich einfach nicht schlucken lassen wollte.
  • Fünf Jahre in denen Sie meine Nachbarn, Freunde und meine Familie kennen gelernt haben.
  • Fünf Jahre in denen Sie natürlich nicht wissen was echt und was fiktiv ist (meine Nachbarn, Freunde und Familie baten mich diesen Punkt zu ergänzen).
  • Fünf Jahre in denen ich Ihnen erklärte wie der Münchner und die Münchnerin ticken.
  • Fünf Jahre in denen Sie den Münchner Nahverkehr von all seinen Seiten kennen gelernt haben.
  • Fünf Jahre in denen mich viele von Ihnen an Ihrem Leben haben teilhaben lassen. 

Ich häng noch fünf dran. Mindestens. Etwas zu erzählen gibt es ja immer. Außerdem habe ich die Männer noch immer nicht verstanden und muss weiter bei Christoph mitlesen. Sollten Sie übrigens auch tun. Oder bei Heinrich, Jules, Clara, Tina, Gerda….bei eigentlich allen Namen, die Sie in den Kommentaren. Verlinkt habe ich nur den einen. Sie wissen ja, den mag ich. Den Blog, nicht den Mann (den kenn ich ja nicht).

Fünf Jahre und angefangen hat alles mit Dates am Rande des Wahnsinns. Ein bisschen erbärmlich, dass sich der Wahnsinn noch immer nicht gelegt hat. Obwohl….

Koryphäe mit Bügeleisen

Wikipedia definiert eine Koryphäe als eine Person, die durch außergewöhnliche Leistung hervortritt. Eine Autorität auf ihrem Gebiet. Einen Experten, eine Kapazität. Einen Sachkundigen eben. Wenn ich es auch sonst nirgends bin – beim Packen einer Tasche oder eines Koffers bin ich es. Eine echte Koryphäe. Da können Sie jeden fragen, der schon einmal mit mir verreist ist. Ich bin außerdem – auch das können meine Freunde bestätigen –  auch den Inhalte von Handtaschen und Rucksäcken betreffend bestens ausgestattet. Was auch immer passiert, mit mir an Ihrer Seite ist für jede Eventualität gesorgt. Mückenspray, Pflaster, Tampons, Tempos, Stift, Makeup, Kleingeld und Kreditkarte verstehen sich von selbst. Mit mir können Sie aber auch jederzeit spontan in die Isar springen. Wenn Sie triefend nass ans Ufer klettern, halte ich ein Mikrofaser Handtuch bereit. Und wenn Sie mit mir auf einen Berg steigen, dann habe ich neben ausreichend Wasser und einer Brotzeit natürlich auch für Sie noch ein trockenes T-Shirt und ein zweites Paar Socken im Rucksack. Bevor Sie fragen – ja, auch etwas warmes zum Überziehen. Kurz, auf diesem Gebiet bin ich MacGyver und Chuck Norris in Personalunion. Ich bin großartig. Man sollte annehmen, dass mein Freundeskreis das zu schätzen weiß. Tut er nicht. Seit bald zwanzig Jahren werden von diesem innig geliebten, aber undankbarem Pack Witze auf meine Kosten gemacht.  Weiterlesen

Kommas an der richtigen Stelle!!!

Die Chefin meiner Agentur, erkundigt sich regelmäßig, ob mir bewusst ist, dass ich schon ein wenig dämlich sei? (Sie sagt es freundlicher, meint es aber so wie ich es formuliert habe). Sie ist die Einzige, die mich das (mehrfach) fragen darf und die Einzige, der ich immer wieder erkläre, dass es beim Schreiben ja nicht ums Geld verdienen geht. Dann atmet sie tief durch, ich höre sie durch das Telefon etwas gequält lächeln und bin froh, dass sie mich mit dieser Einstellung nicht längst aus ihrer Agentur hinaus geworfen hat. Ab und zu erkundigt sie sich nach den Verkaufszahlen meiner drei Bücher und ihr leises Seufzen tut mir leid. Leid für sie, weil ich eine Agenturchefin habe die sich so sehr hinter ihren Autoren steht, dass es ihr völlig unverständlich ist, dass deren Bücher nicht allesamt in den Bestsellerlisten landen. In diesen Momenten bin ich froh, dass es einige Kollegen der Agentur doch schaffen und erkläre, dass ich dafür Geschichten ganz umsonst ins Internet schmeiße, die umsonst und frei für jeden erhältlich sind. Dann merk ich es selbst….Marketing, das kann ich nicht. Ab und zu probiere ich es aber – heute zum Beispiel höre ich auf die liebste und tollste Chefin:

  • Wenn Ihnen meine Erzählungen gefallen und Sie hier auf dem Blog schon alles gelesen haben, dann können Sie „Nix mit Amore“ (überall im Buchhandel und bei Amazon erhältlich) trotzdem kaufen. Keine der darin enthaltenen Passagen ist hier noch nachzulesen und fast die Hälfte stand hier nie.
  • Es ist ein Roman – bekommen Sie von mir hier sonst ja auch nicht.
  • Lässt sich super am Balkon oder auf der Parkbank lesen (wiegt nämlich nicht so viel) ((das liegt aber nicht am billigen Papier oder dem geringen Umfang!!!!))
  • Wenn Sie sich gerade selbst nicht mögen….nach den ersten Seiten sind Sie froh, nicht ich zu sein und es geht Ihnen gleich besser. 
  • Beim Lesen stellen Sie fest, dass meine Selbstbeschreibung „gerne am Abgrund taumelnd“ doch recht untertrieben ist. 
  • Und am allerbesten für jeden der hier regelmäßig liest….es ist lektoriert. Kommas an der richtigen Stelle, neue deutsche Rechtschreibung….Rechtschreibung überhaupt.

Falls das noch nicht reicht, mache ich das was ich eigentlich nicht machen soll….ich stell doch etwas aus dem Buch hier rein. Als Appetithappen.

  • Ach so, ja etwas das ich wahrscheinlich wieder nicht schreiben sollte….wenn Sie einfach keine Lust haben, sich ein Buch von mir zu kaufen, dann ist das auch völlig ok. 
  • Obwohl…als Geburtstagsgeschenk oder Strandlektüre eigenen sich die drei schon recht gut. 
  • Aber wie gesagt…

 

Nix mit Amore – wenn es hakt, dann hakt es 

.……Eine weitere, nicht minder unschöne Geschichte ist es auch, italienischen Beamten zu erklären, dass man gerne das auberginefarbene Auto abholen würde, von dem man behauptete, dass es den Eltern gehöre, dies aber nicht mit einem Fahrzeugschein beweisen konnte. Unangenehm auch, wenn man aus nostalgischen Gründen noch immer die italienische Steuernummer im Geldbeutel mit sich trug, den deutschen Ausweis und Führerschein aber, in einem Anflug von Idiotismus, in einer Schachtel mit der Aufschrift „Wichtig“ in München deponiert hatte. Ich forderte, bettelte und flehte in meinem besten Italienisch und mit meinem strahlendsten Lächeln – ohne Erfolg. Erst diskutierte ich, dann argumentierte ich und schließlich resignierte ich. Micha hatte mich stumm beobachtet. Erst als ich Luft holte, um einen zweiten Anlauf an Überzeugungsarbeit zu leisten, legte er mir eine Hand auf die Schulter und übernahm. Er erweiterte unsere um das Auto kämpfende Gruppe um zwei besonders engagierte Mitspieler – meine Eltern. Während er meine Mutter telefonisch bat, die Fahrzeugpapiere in einem Copyshop zu fotokopieren und an den Autohof zu faxen, schickte er mich einen Kaffee holen. Und während ich ihn trank, diktierte er meinem Vater eine auf ihn lautende Vollmacht, die ebenfalls gefaxt werden musste. Ich bewunderte seine Ruhe und hätte ihn gerne dafür gelobt, hätte ich nicht gewusst, dass Ruhe bei Micha nur selten ein gutes Zeichen war. Mit jeder Minute, die verstrich, sank seine Stimmung. Trotzdem kam ich nicht umhin, ihm zu versichern, dass sein Delegationstalent erstaunlich sei und er es sicher auch schaffen würde, meinen Mitbewohner in München dazu zu bewegen, mir meinen Ausweis vorbeizubringen. Während ich fröhlich gluckste, beglückwünschte Micha mich grimmig. Binnen gerade einmal zwölf Stunden sei dank mir wieder das Chaos ausgebrochen. Etwas, worauf er müde und noch immer verkatert gerne verzichtet hätte. Sein ernster Blick ließ mich verstummen, und schweigend warteten wir auf die Faxe aus München. Als sie endlich kamen, nahm er mir wortlos die Autoschlüssel aus der Hand. Auf keinen Fall würde er mich fahren lassen, das würden seine Nerven heute nicht aushalten. Ich entschuldigte mich bei ihm und stellte ein wenig geknickt in Aussicht, dass ich morgen ja wieder zurückfahren und dann die Ruhe wieder einkehren würde. Als er mit einem knappen „Vielleicht besser so“ antwortete, sagte ich nichts mehr…

Und das war der Anfang vom Ende. Ob es ein schönes Ende ist, müssen Sie selbst entscheiden. Das kann ich hier natürlich nicht verraten.