Randnotiz

Ich habe heute nicht im Lotto gewonnen.
Kommen Sie mir jetzt bitte nicht mit Statistiken – ich hatte es im Gefühl und mein Gefühl täuscht mich sonst nicht.

Ich werde also weiter schreiben. Das hätte ich eh, aber vermutlich am Meer.

Und bevor Sie mir jetzt die Nachteile eines Lottogewinns aufzählen oder mir erklären, dass es mir doch gut geht (ich weiß, dass es das tut, nicht zuletzt wegen Ihnen), entschuldigen Sie mich bitte, ich muss einen Flug stornieren und versuchen etwas aus dem Briefkasten zu fischen.

Schönen Abend, wir sehen uns hier ja weiterhin.
In einer Stunde freue ich mich darüber auch wieder.

😉

Wahlfreiheit II – 14.10.

Kalt wird´s, sagt Herr Mu, als ich ihn gestern morgen an der Bushaltestelle treffe. Das Wetter meint er nicht. Auf der anderen Straßenseite steht am Straßenschild ein Wahlplakat der AfD und auf das ist unser Blick gerichtet. Ist es schon, sage ich und frage mich, ob ich Uli Henkels Lächeln genauso beängstigend wie das von Chucky, der Mörderpuppe finden würde, wenn ich nicht wüsste, wofür seine Partei steht. Herr Mu, kennt Chucky nicht, aber er kennt das Parteiprogram der AfD und das ist wichtiger. An der Bushaltestelle sitzend führt er einen stillen aber eindrucksvollen Wahlkampf. Er würde warten, sagt er, auf einen der etwas pro AfD sagt, dann würde er antworten. Was, das hätte er sich lange überlegt und jetzt wartet er. Auf einen eben, dem er all das sagen kann. Mir sagt er es nicht und als ich ihn frage, warum nicht, zieht er die Augenbrauen nach oben. Weil ich so blöd, hoffentlich nicht bin. Nein, er wartet auf einen Dummen. Oder einen der Angst hat. Denn das sind die gefährlichen und vielleicht die, bei denen es sich lohnt. Meinem Nachbarn, Herrn Meier sagt er auch nichts. Der kickt im vorbei gehen seit Wochen gegen jedes AfD Plakat und dem muss man nichts erklären. Außer vielleicht, dass es ihn bei einem seiner Tritte früher oder später hinhauen wird, weil er schon wieder ohne Stock unterwegs ist. Reden muss man, sagt Herr Mu, und zuhören, das hätten die da oben längst verlernt und das ist so wichtig. Er winkt mir beim Einsteigen in den Bus mit den Briefwahlunterlagen, die seit Mitte letzter Woche neben ihm liegen. Vielleicht fängt ja so einer zum Reden an. Einer, dem er sagen könnte, was da wirklich im Programm der AfD steht.

Und dann endlich heute morgen kommt eine. Auf der anderen Straßenseite kommt sie an und richtet das vom Meier angekickte Plakat wieder gerade und setzt sich dann zu uns. Besser, sagt sie und deutet mit dem Kopf auf das wieder waagrechte Chucky Lächeln von Herrn Henkel. Was gefällt ihnen denn an dem, frage ich und lächle vermutlich ebenfalls wie eine Mörderpuppe. Nicht nur Herr Mu, kennt das AfD Programm. Ich habe es auch gelesen. Das sag ich ihr jetzt. Mit einem eiskalten Klumpen im Magen habe ich über die unverhohlene Ausgrenzung gehandicapter Menschen schon im Kindesalter gelesen. Mit Brechreiz über die Aushebelung der Gleichberechtigung und den Rückschritten zu einem Frauenbild, das längst überholt geglaubt ist. Kopfschüttelnd über nicht zukunftsfähige Energiegewinnungsmethoden und fassungslos über die Herabwürdigung von Kultur, die nicht mehr förderungswürdig durch den Staat zu sein scheint. Was genau jetzt, frage ich die irritierte Frau und zähle noch einmal die Eckpunkte auf. Herr Muh stöhnt und ich lächle. Oder doch die Flüchtlinge, erkundige ich mich. Traun´s sich nachts nimmer raus, frage ich und leg ihr meine Hand auf den Unterarm. Ich auch bald nimmer, sag ich. Nicht solang der da drüben so scheinheilig, verlogen und gefährlich grinst. Da kommt mir immer das Frühstück hoch.

Herr Mu und ich sind uns einig. In die Politik gehe ich nicht. Aber zum Wählen. Am 14.10. Was es nicht werden wird, können Sie sich vermutlich denken.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wenn Sie können, springen Sie!

Manchmal muss man springen. Über die Alpen. Ins kalte Wasser. In die Arme eines guten Freundes.
Manchmal muss man fortgehen, um anzukommen. Und zurück kehren, um zu wissen wie wertvoll die Heimat ist.

Wenn Sie die Möglichkeit haben ein paar Jahre im Ausland zu leben, dann tun Sie es. Es ist ein Abendteuer, das Sie mit etwas Glück nicht bereuen werden. Holen Sie sich Tipps von jemanden, der das bereits getan hat. Nur bitte nicht von mir. Meine Auswanderung stellt selbst die größten Idioten auf VOX in den Schatten. Sie war wie ich – chaotisch, kompromisslos und am Ende wider Erwarten erfolgreich. Am 11.11 erzähle ich Ihnen wie es war und verrate Ihnen auch, in wie vielen Tagen ich wieder zurück gehe. Obwohl, das kann ich Ihnen heute schon sagen. 9.786.

Wenn Sie das nicht interessiert, dann schaun´S sich halt Kabale und Liebe oder ein anderes Stückerl vom Südsehen an. Die aktuellen Termine auf der gleichnamigen Homepage.

Ich freu mich auf Sie.

Randnotiz

Er mag es nicht, wenn ich wegen eines Baches vom Schlafen abhalte. Kennt mich aber gut genug um zu wissen, dass ein fiktiver Bach ein Thema ist, dass ich erörtert haben möchte. Man weiß ja nicht, ob wir morgens nicht doch vielleicht…..
Still, unterbricht er mich und setzt sich auf. Für ihn sei es ein leichtes, sich schlafend um das Haus kümmern. Was uns aber aufhalten würde, und daher schnellstmöglich geklärt werden muss, ist die Frage was ich mitnehme. Gähnend hält er mir den Mund zu. Nein, jetzt zu wichtigem.

Wir sind die letzten Menschen. Den anderen geht es gut, aber sie sind, weiß der Henker wo und wir ganz alleine. Er und ich. Schmerzen gäbe es nicht. Leichtes Baugrummeln, wenn man sich überfressen hat, aber sonst nichts. Verlassene Geschäfte versorgen uns mit Büchern, Werkzeug und Kleidung. Dinge die Jahre überstehen und um die wir uns nicht sorgen müssen. Aber, und das sei die Voraussetzung, dass er mitkommt, unsere eigenen Wohnungen sind verschwunden. Nicht mehr zugänglich. Zurück auf Null. Einzig drei Dinge dürfen wir mitnehmen. Er löscht das Licht. Was nimmst du mit, murmelt er noch, gähnt und lässt mich mit dieser wichtigen Frage alleine. Schlafen kann ich nun nicht. Ich muss aus meinen etwa 10.000 Dingen nun die drei Wichtigsten aussuchen. Das ist gemein. An Schlaf ist heute nicht mehr zu denken.

Kotzen und Bauchweh

Nicht nur Chemnitz. Auch, aber längst nicht nur, verdirbt mir die Lust, Ihnen dieser Tage von meinem Nachbarn Paul zu erzählen.

Ich schreibe kaum über Politik. Nicht weil ich mich nicht interessiere und nicht weil ich keine Meinung habe, sondern weil ich beides, Interesse und Meinung, nur schwer schriftlich in Worte fassen kann und vermutlich jedem Kommentator anschließend meine Telefonnummer anbieten müsste, damit ich mich adäquat in einem Gespräch erklären könnte.

Ich erzähle Ihnen nächste Woche von Paul. Bis dahin lese ich weiter die Zeitung und wechsle zwischen akutem Brechreiz und von Besorgnis hervorgerufenen Bauchschmerzen.

Gefundene Sätze #48

„Wem kann ich erzählen, dass die Iljas mich langweilt?“

Christa Wolf

Ach, Christa Wolf, mir hätten Sie das erzählen können. Dann hätte ich an diesem Wochenende vielleicht nicht den achten Anlauf genommen.
Die Iljas wird nun eines der wenigen Bücher, das ungelesen in meinem Regal steht. Frühestens in 20 Jahren werde ich es noch einmal in die Hand nehmen. Die Zeit war und ist einfach noch nicht reif.

Tomatensaft und Minzbonbons (aus dem Archiv 21.07.2015)

Google muss besoffen gewesen sein, als es folgendes zur Suchanfragen „Tipps fürs erste Date“ mit an den ersten Stellen lieferte…

„Männern gefällt es, wenn eine Frau ihre Wünsche vorausahnt, selbst wenn es nur unbedeutende Details sind. Reichen sie ihm das Salz, bevor er danach fragt.“ – Aber das Fleisch können sich die Herrn der Schöpfung noch selbst kleinschneiden?

„Ich finde es fantastisch, wenn mich eine Frau am Nachmittag zu einem Tee einlädt. Das ist mal was anderes als immer das klassische Glas Wein – oder Bier – am Abend. Zumal ich ohnehin keinen Alkohol trinke.“ – Ein Leben ohne Wein? Sorry, ich bin raus.

„Ich mag Herausforderungen! Also, meine Damen: Seid mysteriös, um mich zu verführen!“ – Ne, danke. Ich lass mich lieber verführen. Und glaubt mir, liebe Männer, das wird euch genug fordern…auch heraus. Weiterlesen

Perfekte erste Nachricht

Noch heute, fast fünf Jahre später, nickt mein Umfeld verständnisvoll, wenn ich den Namen von Dr. X erwähne. Ich rechne es ihm hoch an, dass es nicht die Augen verdreht oder an meinem Verstand zweifelt. Weder meine Freunde, noch meine Kollegen haben X je zu Gesicht bekommen und doch gibt es keinen, der nicht mindestens einmal die ganze Geschichte von mir erzählt bekommen hat. Die meisten mehrfach und immer mit der nötigen Portion Pathos um die innewohnende Dramatik gebührend zu unterstreichen. Eine Dramatik, die sich wohl nur mir selbst erschließt. Objektiv betrachtet waren es nur zweieinhalb Treffen. Aber wer ist schon objektiv, wenn es um den EINEN geht, den EINEN den man ohne nachzudenken heiraten würde und von dem man weiß, dass er das perfekte Gegenstück zu einem selbst ist. Wie man das nach nur zweieinhalb Treffen zu wissen glaubt? Ganz einfach. Man kneift die Augen zu und schaltet den Verstand aus. Der Mann hat später absolut alles falsch gemacht, was man nur falsch machen konnte. Keine kleinen Patzer, er hat so richtig in die Vollen gegriffen und mir verbal eins über geknüppelt. Aber ich fand ihn immer noch toll. Schuld war die perfekte erste Nachricht und ein sehr klug ausgefülltes Profil auf dem Dating Portal. Weiterlesen