Ich bin dann mal weg….

…aber ich schreibe Ihnen Blogpostkarten. Drücken Sie mir für Morgen die Daumen. Ich treffe mich nach der ersten Mautstelle hinterm Brenner an der ersten Autobahnraststätte mit einer Freundin.

Uhrzeit haben wir keine ausgemacht. Sie meint wir kämen sicher in etwa zur gleichen Zeit an. Dieser Plan klingt so bescheuert, dass er schon wieder funktionieren könnte.

Urbanes Herzklopfen (Archiv 2016)

Vor vielen Jahren bekam ich zum Geburtstag einen Atlas geschenkt. Seit ich die ironisch gemeinte Aussage eines Bekannten, dass die nächste Fußball WM auf den Cayman Islands stattfinden würde, für bare Münze nahm, traut man mir weder bei Erdkunde, noch bei Fußball über den Weg. Geographie, besonders die deutsche, ist in der Tat eine meiner Schwachstellen. Seit der Sache mit den Cayman Islands halte ich mich zurück und äußere mich erst, wenn ich schnell und heimlich mit Google Maps überprüft habe, dass ich keinen Mist rede. Das ist reiner Selbstschutz. Mein Unwissen hat mich schon öfter wie einen Idioten dastehen lassen. Besonders unangenehm war es mir, als ich bei meinem ehemaligen Chef im Zimmer stand, die Deutschlandkarte in seinem Rücken betrachtete und ohne nachzudenken sagte „ach sieh einer mal an, Erfurt liegt im Osten“. Ich hatte es mit Erlangen verwechselt und sein entsetzter Blick ist mir gut im Gedächtnis geblieben. Meine Erdkunde Eins in alten Zeugnissen, kann als Beweis gelten, dass man mit purem auswendig lernen zwar eine gute Note bekommt, aber noch lange nichts für das Leben gelernt hat. Meine Kenntnisse der deutschen Geographie, habe ich mir erst nach der Schule und nach dem Erfurt Eklat angeeignet. Mit jedem Nicht-Münchner, den ich kennen lernte, wurden sie besser. Seit vielen Jahren verknüpfe ich deutsche Städte mit mir bekannten Personen. Weiterlesen

Furchtlos, wachsam und ein wenig verschroben (Archiv 2016)

Wenn man mich fragt ob ich ein ängstlicher Mensch bin, schüttele ich vehement den Kopf. Mich kann man getrost im Wald aussetzen. Ich komme schon wieder zurück. Man könnte mich auch nachts über einen Friedhof laufen lassen. Dort  fühle ich mich sicherer als an einer ausgestorbenen, dunklen Bushaltestelle. In beiden Fällen gehe ich ganz rational und logisch an die Sache ran. Welcher potentielle Massenmörder ist denn so blöd und hockt sich auf einen Friedhof oder mitten in den Wald um auf ein Opfer zu warten? Womöglich kommt da monate- oder gar jahrelang nächtens niemand vorbei. Das Risiko in Aktenzeichen XY eine unfreiwillige Rolle zu bekommen, erscheint mir recht gering. Auf unserer Hütte in den Bergen gehe ich nachts ohne Furcht hinter das Haus um Holz zu holen oder laufe durch den Wald zu einer Lichtung um mir die Sterne anzusehen. Angst habe ich dort nie. Tagsüber schlafe ich auf der Bank vor dem Haus und es ist mir völlig egal ob der nächste Nachbar zu Fuß eine gute Viertel Stunde entfernt ist. Die Chance, dass ein irrer Wanderer mehr  als ein Glas Wasser von mir will, ist so verschwindend gering, dass ich gut und tief in der Sonne schlafe. Reales schreckt mich nicht. Ich lausche den Knacken und Knacksen des Waldes gerne. Wenn man lange genug hin hört, klingt es immer so, als würde jemand durch das Unterholz streifen. Das ist ja auch der Fall. Katze, Fuchs oder Siebenschläfer sind hier keine Seltenheit. Alle drei wollen mir nichts böses. Weiterlesen

Katze, Pasta, basta! (Archiv 2016)

Meine Seele sitzt im Bauch. Nicht im Kopf, dort wäre es ihr zu unruhig und sie würde sich nicht wohlfühlen. Auch nicht in Armen oder Beinen, die ständig in Bewegung sind. Selbst im Herzen, wäre es ihr zu unruhig. Nicht nur wegen des ständigen Klopfens, auch wegen der kleinen Narben und Schatten, die ein erwachsenes Herz mit sich herumträgt. Etwas Staub und verheilte Wunden schaden einem Herzen nicht. Vernarbtes Gewebe macht es stärker und sorgt dafür, dass es nicht so leicht aus dem Takt zu bringen ist. Die Flecken zeigen, dass ein Mensch gelebt hat. Ein allzu sauberes und gänzlich unbeschadetes Herz in der Brust eines erwachsenen Menschen sollte misstrauisch stimmen. Ebenso natürlich ein dunkles und schwarzes Herz, dass nicht ausgeheilte Rissen und Wunden mit sich herum trägt. So ein Herz muss sich selbst heilen. Es hilft ihm vielleicht das gleichmäßige Pochen eines anderen Herzens zu hören, aber heilen muss es alleine. Auch die Augen wären kein schöner Ort für ein sensibles Wesen wie die Seele. Die ständige Reizüberflutung würde ihr zu schaffen machen und zugleich würde sie wohl darunter leiden, wenn die Augen im zu schnell verschlossen  werden oder der Blick sich im falschen Moment abwendet. Weiterlesen

Pizza Diavolo für das Kind (Archiv 2016)

Sind Sie Eltern von Kleinkinder im Krabbelalter oder darunter? Spielen Sie mit dem Gedanken Ihr Goldstück am Wochenende erstmals einem kinderlosen Babysitter zu überlassen? Vielleicht sollten Sie diesen Text dann nicht lesen. Es ist besser, Sie heben sich den Beitrag auf, bis Ihr Kind ein robustes Alter von etwa 25 Jahren erreicht hat. Rückblickend können Sie sich dann für Ihren Mut auf die Schulter klopfen. So wie meine furchtlosen Schwestern, denen ich die Details dieses Erfahrungsberichtes erst heute zumute.Die jüngere meiner großen Schwestern, sorgte als erste in unserer Familie für Nachwuchs. Knapp über zwanzig machte sie mich zur Tante aus Leidenschaft. Damals war ich überzeugt davon, dass ein wenig gesunder Menschenverstand und die bedingungslose Liebe zu einem Kind völlig ausreichen würden, um als Babysitter die erste Wahl zu sein. Meine Schwestern würden beim Thema Verstand vermutlich gerne Veto einlegen, können es aber nicht, da sie mich freiwillig als Babysitter für ihren Nachwuchs akzeptierten. Weiterlesen