Katze, Pasta, basta! (Archiv 2016)

Meine Seele sitzt im Bauch. Nicht im Kopf, dort wäre es ihr zu unruhig und sie würde sich nicht wohlfühlen. Auch nicht in Armen oder Beinen, die ständig in Bewegung sind. Selbst im Herzen, wäre es ihr zu unruhig. Nicht nur wegen des ständigen Klopfens, auch wegen der kleinen Narben und Schatten, die ein erwachsenes Herz mit sich herumträgt. Etwas Staub und verheilte Wunden schaden einem Herzen nicht. Vernarbtes Gewebe macht es stärker und sorgt dafür, dass es nicht so leicht aus dem Takt zu bringen ist. Die Flecken zeigen, dass ein Mensch gelebt hat. Ein allzu sauberes und gänzlich unbeschadetes Herz in der Brust eines erwachsenen Menschen sollte misstrauisch stimmen. Ebenso natürlich ein dunkles und schwarzes Herz, dass nicht ausgeheilte Rissen und Wunden mit sich herum trägt. So ein Herz muss sich selbst heilen. Es hilft ihm vielleicht das gleichmäßige Pochen eines anderen Herzens zu hören, aber heilen muss es alleine. Auch die Augen wären kein schöner Ort für ein sensibles Wesen wie die Seele. Die ständige Reizüberflutung würde ihr zu schaffen machen und zugleich würde sie wohl darunter leiden, wenn die Augen im zu schnell verschlossen  werden oder der Blick sich im falschen Moment abwendet.

Im Bauch ist es ruhiger. Dieser Teil des Körpers strahlt eine angenehme Gelassenheit aus. Verborgen unter einer hübschen kleinen Speckschicht ist es warm und angenehm dunkel. Manchmal natürlich, meldet auch der Bauch sich. Er ist ein empathisches Wesen und ähnlich sensibel wie die Seele selbst. Wenn die Augen etwas sehen, der Verstand darüber nachdenkt, das Herz zu schnell pocht und Arme und Hände hilflos und  gehoben und nutzlosfallen gelassen werden, meldet auch er sich. Dann wird es im Bauch, nah bei der Seele auch kühler und sie spürt wie sich der Magen zusammen zieht und der Bauch es ihm gleichtut. Trotzdem hört man kaum von einem vernarbten oder gebrochenem Bauch. Für eine Seele ist es ein guter Platz. Irgendwo müssen diese paar Gramm ja Platz finden. Ihr Gewicht meint Duncan MacDougall mit 21 Gramm herausgefunden zu haben. Er muss sich geirrt haben. Meine Seele ist viel schwerer und wiegt gar nichts.

Ich würde nicht über sie nachdenken, hätte ich heute morgen nicht von Turgenjew die Novelle „Petuschkow“ gelesen. Ich werde sie schnell wieder vergessen, sie gefällt mir nicht. Ich mag keine Erzählungen in denen Männern kopflos lieben und sich lächerlich machen. Aber wie von jedem Buch und jeder Geschichte, wird etwas hängen bleiben. Bei Turgenjew  die Frage, wo er die Seele vermutet, wenn ein altes Weib sich einen Seelenwärmer über die Schulter werfen kann. Es ist ein ärmelloser Umhang gemeint, der den Rücken und die Schultern wärmt. Das käme Bauch und Brust gleichermaßen zu Gute. Eigentlich ist es mir egal, wo ein altes russisches Weib seine Seele herum trägt. Meine sitzt im Bauch und Seelenwärmer habe ich viele. Ein gutes Buch und eine Teller Nudeln mit Tomatensauce zum Beispiel. Oder ein Telefonat mit einem Freund und eine Wärmflasche. Manchmal auch die schwarze Katze, deren Ohren durch einige Kämpfe schon recht zerrupft sind. Sie eignet sich wohl am besten um Seele und Bauch zu wärmen. Legt man mich mit der Katze auf dem Bauch vor einen Kamin, bin ich nicht nur ordentlich gewärmt, sondern auch noch glücklich. Meine Seele scheint recht genügsam zu sein. Mein Bauch jedenfalls ist es. Wird er mit Nudeln in allen Variationen gefüttert, geht es ihm gut. Ab und zu ein nettes Wort und immer schön warm halten. Im Winter mit einer Tasse Tee und im Sommer einfach in die Sonne halten.

Wo genau meine Seele steckt weiß ich nicht. Ich bin mir nicht einmal sicher wie ich sie definieren würde. Dass ich aber ein Bauchmensch bin, scheint mir auf der Hand zu liegen. Schade. Ein Herzensmensch zu sein, klingt viel hübscher.

Obwohl…ich trage mein Herz auf der Zunge. Ein Herzensmensch zu sein, würde bedeuten auch ein Kopfmensch zu sein. Das bin ich nun wirklich nicht. Schluss mit Turgenjew! Er macht mich ganz wirr.

12 Gedanken zu “Katze, Pasta, basta! (Archiv 2016)

    1. Das wäre ich ganz sicher, Gerda. Wahrscheinlich auch ohne Spaghetti. Wenn ich mir deine Bilder so ansehe, dann bin ich fast sicher, dass ich unter der hohen Pinie ziemlich glücklich wäre.
      Aber Spaghetti verstärken jedes Glücksgefühl 😉

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  1. oh ich liebe diesen text und deine gedanken dazu. sie haben bei mir auch grad was angestoßen. diese frage… kopfmensch, bauchmensch, herzmensch… klingt so abstrakt, ist aber irgendwie dann doch wieder recht real merkbar, oder 🙂 ? könnte sein dass ich auch ein bauchmensch bin. das würde vieles erklären. aber so ganz hab ich die antwort auf die frage noch nicht gefunden. vielleicht ist sie aber durchaus nicht nur das nachdenken in form eines textes wert, sondern auch gleich ein guter anstoß für einen solchen ❤

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    1. Ich bin ehrlich gesagt auch überhaupt nicht sicher, was ich eigentlich bin. Früher dachte ich, dass die Frage ganz leicht zu beantworten ist. Kopf oder Bauch? – Ganz klar, Bauch. Aber heute…manchmal auch Kopf. Und dann wieder Herz. Ich glaube fast, dass es keine Eindeutige Antwort gibt. Du bist vielleicht ein verkopfter Herzensmensch, der auf sein Bauchgefühl hört? Ich glaube, dass sind die ganz besonderen Menschen 🙂

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