Sommerverlängerung IV

Am Markt gestern noch ein Strandkleid gekauft, das ich heute ein letztes Mal anziehen werde, bevor es bis nächstes Jahr im Schrank verschwindet.

Heute Abend mit Freunden und meinem Lieblingsmenschen in meinem liebsten Restaurant direkt am Strand essen, bevor es nächstes Wochenende bis zum Frühjahr schließen wird.

Am Strand liegen, die Augen schließen an sich bewusst machen, dass heute und morgen, für mich die letzten Sommertage dieses Jahr sind. Das feine Gefühl der leisen Melancholie spüren und genießen.

Den Aperitif jetzt gerade barfuß und im Bikini auf der Terrasse trinken und bemerken, wie schnell die Sonne bereits hinter den Pinien und den Inseln verschwindet.

Der Sommer war großartig. Hier und in München. Ich verabscheuen das Sprichwort, dass man jeden Tag leben soll. Viel zu viel Druck, viel zu wenig Raum für Normalität und Alltag und die Gefahr bei dem Versuch jeden Tag zu etwas besonderem zu machen, die Kleinigkeiten zu übersehen. Wäre 2022 allerdings mein letzter Sommer, dann wäre es ein verdammt guter gewesen. Dass er wirklich gut war, denn daran, dass ich fast schon vergessen habe, dass meine Rom Reise ins Wasser gefallen ist, weil ich mir Corona eingefangen hatte. Eigentlich habe ich alles vergessen, was in diesem Sommer anstrengend oder unscheinbar. Heute in diesem letzten echten Sommer Wochenende, denke ich nur an die schönen Dinge. Die Tage mit meinen Eltern auf unserer kleinen Hütte in den Bergen, die vielen Abende mit meiner liebsten Nachbarin auf unseren gemeinsamen Balkon und nicht zuletzt die Tage und Nächte bei meinen Freunden in Italien.

Ein paar liebe Freunde in München habe ich zu wenig gesehen. Das werde ich nachholen, wenn die Tage wieder kürzer werden. Jetzt gleich werde ich noch einmal ins Meer springen. Auch morgen noch einmal nach Hause fahren und den Herbst begrüßen. Jetzt, nach diesen Tagen, bin ich bereit für ihn.

Der Abschied vom mutigsten meiner Freunde, wird mir wie immer schwer fallen. Ich bedaure es, dass wir uns nicht einfach spontan sehen können, wenn uns danach ist. Jemanden den man so gerne hat, möchte man in seiner Nähe haben. Selbst wenn man sich nicht sieht, es ist ein schönes Gefühl zu wissen, dass er in der Nähe ist. Aber eigentlich ist das das ja doch. Mir ganz ganz nahe. Es sind schon 800 km in dieser Freundschaft. Nichts. Ein Katzensprung.

Ciao estate. Ci vediamo.

Sommerverlängerung II

Um einiges realistischer, beziehungsweise den heutigen Tag treffender beschreibend, wäre ein kurzes Video, dass der mutigste meiner Freunde von mir gemacht hat. Es zeigt einen ausgesprochen schönen roten Bikini. Getragen von mir. Dummerweise aber auch mich, beim Versuch auf dem SUB bei Wellengang aufzustehen. Ich erspare es Ihnen. Und lüge Ihnen ganz frech ins Gesicht, in dem ich behaupte, dass es ein Kinderspiel war.

Nicht hinterfragen

Ob ich glücklich bin fragt mich eine Kollegin und ich nicke. Ernsthaft, hakt sie nach und lehnt sich neben mich an die Arbeitsplatte der Kaffeeküche unseres Büros. Wieder nicke ich und deute mit dem Kopf zum Fenster. Jetzt gerade? Ja, schau dir das Wetter an. Draußen ist Hochsommer und heute morgen roch es wieder nach großen Ferien. Ich erzähle ihr vom Geruch, der mir heute um halb sieben an der Bushaltestelle in die Nase stieg. Diese wunderbare Mischung der gerade erwachenden Stadt, frischem Kaffee aus unzähligen Küchen und der Hitze eines Augusttages die sich so früh noch nicht schwer, sondern federleicht auf die Schultern legt. Gemischt mit Abgasen – so seltsam es klingt – ist dies genau die Kombination nach der bereits vor Jahrzehnten die Wochen kurz vor den großen Ferien gerochen haben. Meine Kollegin riecht es nicht. Sie fragt sich und mich, ob man überhaupt noch glücklich sein kann in einer Welt wie der unseren. Bei einer solchen Frage verschwindet der schöne Geruch und ganz automatisch relativiere ich. Natürlich lässt mich nichts von dem was ich täglich höre kalt. Die Dürre, die Brände und das enorme Leid, das sie mit sich brachten geht an mir nicht spurlos vorüber. Auch der Krieg in der Ukraien – seit sechs Monaten schon – nicht und nichts was ich täglich in den Nachrichten sehe. Trotzdem…heute morgen roch es unheimlich gut. Scheiß auf den Geruch, sagt sie und erzählt von einem Streit mit ihrem Mann. Während mein Kaffee nicht mehr ganz so gut schmeckt höre ich es mir an und kann ihre schlechte Laune verstehen. Weniger verstehen kann ich, warum ich zugeben soll, dass die meisten Beziehungen Schrott sind und versuche mich mit einem Schulterzucken aus der Affäre zu ziehen.

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Randnotiz

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Selbstverständlichkeiten

Als ich in Verona lebte, gab es diesen einen Zeitpunkt, ab dem ich mich heimisch fühlte. Nach etwa einem halben Jahr, in dem ich viel mit Heimweh und anfänglicher Einsamkeit zu kämpfen hatte, schob man mir morgens in einem Café ohne zu fragen einen Espresso und ein Brioche über den Tresen. nach sechs Monaten in denen ich jeden Morgen dort frühstückte, musste man nicht mehr fragen. Ich war angekommen. Damals in Verona, wurde es mir erst einige Zeit später bewusst, dass dieser Morgen ein ganz besonderer war. Heute denke ich gerne an ihn zurück, weil es der Tag war, an dem ich für einige Jahre, eine neue Heimat gefunden habe. Hier in Ligurien, bei meinem meiner Lieblingsmenschen, ist es anders. Ich lebe hier nicht und komme nur alle paar Monate zu Besuch. Und doch ist es auf eine bestimmte Art und Weise genau das gleiche.

Seit etwa vier Jahren, verbringe ich meine Urlaube hier am Meer. Jeden Urlaub, denn es gibt wenig Orte die mir besser gefallen. Aufgeteilt über das ganze Jahr, mal eine Woche mal nur ein langes Wochenende, sind es viele Aufenthalte. Die vielen Fahrten sind anstrengend. Als Entschädigung, bekomme ich ein ums andere Mal, das Gefühl vermittelt, nach Hause zu kommen. Es ist schön, wenn man nach sechs Wochen zurückkommt und es sich anfühlt als wäre man nur mal eben weg gewesen. Ich mag es die Leute in diesem Viertel mittlerweile gut zu kennen. Finde es herrlich, wenn ich bei einem Restaurantbesuch ein Hallo in die Küche rufe und mit Namen begrüßt werde. Der Mutigste meiner Freunde, würde es wahrscheinlich so beschreiben: Sie ist halt wieder da. Schön, sicher. Aber auch normal. Und genau so sollte sich eine Freundschaft anfühlen. Sie sollte eine Selbstverständlichkeit in sich tragen, die nicht mit Gleichgültigkeit oder mangelnder Werschätzung verwechselt werden darf. Ich bin halt wieder da. Wo auch sonst, als bei einem Freund, den man vermisst, wenn man ihn zu lange nicht sieht. Einem, der es einem nachsieht, wenn man nach 700 km Autofahrt und gefühlten 40 Grad, pampig behauptet, dass man jetzt gerne 3 Stunden auf den Schlüssel für ein Apartment wartet. So ein Freund nimmt einem einfach das Handy aus der Hand, kümmert sich selbst um den Schlüssel und verdreht dabei nicht mal die Augen. 20 Minuten später habe ich mich akklimatisiert und wir machen dort weiter wo wir im Juni aufhörten. Warum auch nicht? Ich war ja nur kurz weg und bin jetzt wieder da.

Und jetzt schaue ich runter ans Meer. Irgendwer den ich kenne, wird da schon rum legen. Kommen Sie gut in den August.

Nur mal eben…

Auf die Frage ob ich schreiben kann, habe ich bisher immer mit einem klaren und eindeutigen Ja geantwortet. Ich hab´s mit sechs in der Grundschule gelernt und kann nach 33 Jahren noch immer den Stift halten, ohne dass er mir aus der Hand fällt. Selbst nach drei Gläsern Rotwein gelingt es mir, im Kneipenlicht meine Telefonnummer und meinen Namen fehlerfrei auf einen winzigen Kassenbon zu kritzeln. Um ehrlich zu sein, vielleicht gelingt es mir doch nicht ganz so fehlerfrei. Die wenigen Male in denen ich es tat erhielt ich an den darauffolgenden Tagen seltsame Anrufe von Menschen, die eine Muffi oder eine Marie sprechen wollten. Bis zum zweiten Glas aber, das kann ich garantieren, klappt es gut. Und weil es so gut klappt, habe ich auch mit einem klaren „ja“ geantwortet, als mich ein Bekannter fragte, ob ich ihm nicht ein paar Zeilen zu einem bestimmten Thema schreiben könnte. Klar. Kann ich, kein Problem. Schreiben ist ja wie Reden. Nur dass die Gedanken nicht durch den Mund, sondern durch die Finger fließen. 600 Wörter? Eine dreiviertel Stunde würde ich sagen. Am Ende noch ein paar Kommas  großzügig zwischen die Zeilen schmeißen, googeln ob es nicht vielleicht doch noch Kommata heißt und fertig. Kein Problem. Das sind ja nur drei Mal so viele Wörter wie dieser Absatz hat und dafür brauchte ich gerade mal fünf Minuten und habe nebenbei einen Apfel gegessen.

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Sanft und gelassen brüllend (II)

Ich bin ein sehr geduldiger Mensch. Da können Sie jeden fragen. Ich bin auch eine ausgesprochen gelassene und in sich ruhende Person. Auch hier können Sie sich gerne erkundigen. Man wird Ihnen bestätigen, dass ich das bin. Im größten Chaos bin ich der Fels in der Brandung. Wenn ich – wie ich es mit großer Freude regelmäßig mache – Lesungen für Autorenkollegen organisiere, dann bringt mich so schnell nichts aus der Ruhe. Der eine oder andere ruft sogar extra mich an, wenn es ein Problem gibt. Gerne dann, wenn es sich um selbstverschuldete Probleme handelt. Ich mag ja besonders gerne Telefonate die mit: „Du Mitz, ich wäre morgen eigentlich in Wörkelbeck….“, beginnen. Da ahne ich sofort, dass der oder die Anrufende morgen ganz sicher nicht in Wörkelbeck sein wird, weil er oder sie sich gerade im Familienurlaub auf Cran Canaria befinden und den Termin komplett verschwitzt haben. Ein extremes Beispiel, aber es kommt vor. Eines meiner größten Talente ist es dann, die Kohlen aus dem Feuer zu holen. Irgendwie klappt es immer und ich freu mich wenn am Ende alle glücklich und zufrieden sind. Ehrlich gesagt…bei so einer Wörkelbeck Sache ist am Ende wahrscheinlich einer doch nicht zufrieden, aber das ist wie gesagt ein seltenes und extremes Beispiel. Viel häufiger kommt es vor, dass einer auf Instagram eine Story postet und freudig verkündigt, dass er in Großkopfhausen liest und sich schon sehr auf die Veranstaltung freut. Dann kommentiere ich gerne und frage ob er wirklich einen ganzen Monat vorher schon anreist. Mit etwas Glück, steigt der, der den Monat verwechselt hat, dann noch schnell wieder aus dem Zug aus. Wirklich oft kommt das aber auch nicht vor. Aber fast wäre es einmal schon passiert.

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