Selbstverständlichkeiten

Als ich in Verona lebte, gab es diesen einen Zeitpunkt, ab dem ich mich heimisch fühlte. Nach etwa einem halben Jahr, in dem ich viel mit Heimweh und anfänglicher Einsamkeit zu kämpfen hatte, schob man mir morgens in einem Café ohne zu fragen einen Espresso und ein Brioche über den Tresen. nach sechs Monaten in denen ich jeden Morgen dort frühstückte, musste man nicht mehr fragen. Ich war angekommen. Damals in Verona, wurde es mir erst einige Zeit später bewusst, dass dieser Morgen ein ganz besonderer war. Heute denke ich gerne an ihn zurück, weil es der Tag war, an dem ich für einige Jahre, eine neue Heimat gefunden habe. Hier in Ligurien, bei meinem meiner Lieblingsmenschen, ist es anders. Ich lebe hier nicht und komme nur alle paar Monate zu Besuch. Und doch ist es auf eine bestimmte Art und Weise genau das gleiche.

Seit etwa vier Jahren, verbringe ich meine Urlaube hier am Meer. Jeden Urlaub, denn es gibt wenig Orte die mir besser gefallen. Aufgeteilt über das ganze Jahr, mal eine Woche mal nur ein langes Wochenende, sind es viele Aufenthalte. Die vielen Fahrten sind anstrengend. Als Entschädigung, bekomme ich ein ums andere Mal, das Gefühl vermittelt, nach Hause zu kommen. Es ist schön, wenn man nach sechs Wochen zurückkommt und es sich anfühlt als wäre man nur mal eben weg gewesen. Ich mag es die Leute in diesem Viertel mittlerweile gut zu kennen. Finde es herrlich, wenn ich bei einem Restaurantbesuch ein Hallo in die Küche rufe und mit Namen begrüßt werde. Der Mutigste meiner Freunde, würde es wahrscheinlich so beschreiben: Sie ist halt wieder da. Schön, sicher. Aber auch normal. Und genau so sollte sich eine Freundschaft anfühlen. Sie sollte eine Selbstverständlichkeit in sich tragen, die nicht mit Gleichgültigkeit oder mangelnder Werschätzung verwechselt werden darf. Ich bin halt wieder da. Wo auch sonst, als bei einem Freund, den man vermisst, wenn man ihn zu lange nicht sieht. Einem, der es einem nachsieht, wenn man nach 700 km Autofahrt und gefühlten 40 Grad, pampig behauptet, dass man jetzt gerne 3 Stunden auf den Schlüssel für ein Apartment wartet. So ein Freund nimmt einem einfach das Handy aus der Hand, kümmert sich selbst um den Schlüssel und verdreht dabei nicht mal die Augen. 20 Minuten später habe ich mich akklimatisiert und wir machen dort weiter wo wir im Juni aufhörten. Warum auch nicht? Ich war ja nur kurz weg und bin jetzt wieder da.

Und jetzt schaue ich runter ans Meer. Irgendwer den ich kenne, wird da schon rum legen. Kommen Sie gut in den August.

4 Gedanken zu “Selbstverständlichkeiten

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