Corona Homeoffice XXXI

Noch fünf Wochen und diese kleine aber feine Rubrik feiert ihr zweijähriges Jubiläum. Wer hätte das gedacht? Ich sicher nicht und ich vermute auch kaum jemand von Ihnen. Zum Glück, denn hätte man uns im Februar 2020 gesagt, dass im Februar 2022 (aufgerundet, denn auf zwei Tage kommt es nun wirklich nicht mehr an) gar nichts vorbei ist, sondern – ganz im Gegenteil – der Wahnsinn immer neue Formen annimmt, dann hätten wir in unsere Fenster keine von Kindern liebevoll gezeichnete Regenbogen mit „Andrá tutto bene“ oder hier hin München mit „Alles wird gut“ geklebt, sondern Pappschilder mit „Habt mich doch alle gern“ (im besten Fall…im realistischeren vermutlich etwas derber). Verstehen Sie mich nicht falsch, es liegt mir fern über die verschiedensten Coronamaßnahmen zu wettern, 3G zu verdammen oder mich über die Maskenpflicht zu echauffieren. Ich muss nur gestehen, dass ich dabei bin komplett den Überblick zu verlieren und mich mittlerweile von einer zwölfjährigen über die gängigen Regeln aufklären lasse, weil ich selbst sie nicht mehr täglich verfolge. Und wie Sie wissen….die ändern sich unglaublich schnell. Wenn Sie dann noch das Bundesland oder gar das Land verlassen, dann stehen Sie im Wald.

Da stand ich heute übrigens auch. Ohne das Land oder Bundesland verlassen zu haben. Genauer gesagt nur am Isar Hochufer nach einem Besuch beim Schnelltestcenter. Einer der wenigen Vorteile der Pandemie. Wenn man ein Kind – dessen Eltern das Haus aufgrund einer Infektion nicht verlassen können – das selbst, aber bereits genesen ist und sich freitesten lassen darf, zum Test begleitet, dann macht man das bei jedem Wetter. Auch bei einem so heftigen Wind, bei dem man sonst zu Hause geblieben wäre. Das klingt im ersten Moment nicht nach einem Vorteil. Wird aber zu einem, wenn auf dem Rückweg die Sonne rauskommt, die Isar unten im Tal glitzert und man heilfroh ist, sich doch auf das Rad geschwungen zu haben. Das Kind erklärt mir auf dem Heimweg wann Schnell- und wann PCR Test angesagt ist und rollt mit den Augen, als ich anmerke, dass das vor Weihnachten anders war. Vor Weihnachten…..in Pandemiezeiten ticken die Uhren anders. Ich zucke mit den Schultern, liefere Kind und ein paar Semmeln ab, bevor ich noch einmal zum Bäcker radle und für zwei Nachbarn Kuchen und Krapfen für den Sonntag kaufe. Richtig – die sind in Quarantäne und wir im Haus kaufen abwechselnd für sie ein. Klar, man könnte bestellen, aber warum, wenn man Nachbarn hat. Sagt, Paul, der meint, ein wenig Bewegung würde mir nicht schaden und der noch nicht weiß, dass ich ihm – weil ich bei Kommentaren dieser Art nachtragend bin – Vollkornbrot statt dem gewünschten Baguette vor die Tür gestellt habe.

Auch im Freundeskreis jenseits der Alpen verliere ich den Überblick. Frage eine Freundin, was sie an diesem schönen Sonntag macht und bekomme ein (hier die entschärfte Übersetzung) „ob ich sie verarschen möchte“ als Antwort. Ich vergaß, dass sie, positiv getestet, mit Mann, zwei Kindern und Schwiegermutter in einer Vierzimmerwohnung festsitzt und vermutlich sämtliche Energien dazu benötigt die zwei Wochen zu überstehen ohne danach eine Scheidung oder Adoption einzuleiten. Vielleicht auch nur eine Woche oder gleich drei. Keine Ahnung welche Regeln in Italien gelten, damit beschäftige ich mich erst wieder wenn ich meine Tasche packe. Eine andere schickt Bilder vom Meer und ich erkundige mich bei einer dritten ob das klug ist, öffentlich Fotos zu posten, während man als direkte Kontaktperson doch eigentlich nicht raus darf. Ich werde aufgeklärt, dass man das schon darf. Wenn man doppelt geimpft, geboostert und Symptomfrei ist und dass dies in diesem Fall keine Rolle spielt, weil ich schon wieder zwei Bekannte verwechselt habe. Die hätten doch die Delta Variante gehabt und die sei derzeit ja überholt. Ja, so ist es. Überholt hat mich nicht nur Delta sondern so ziemlich alles. Es ist Sonntag, bereits dunkel und ich habe keine Ahnung ob ich morgen im Homeoffice oder im Büro bin. Ehrlich gesagt, weiß ich überhaupt nicht, wer da momentan überhaupt noch vor Ort ist und ob ich, falls es nicht ich bin, die richtigen Anträge für eine weiter Woche im Homeoffice gestellt habt. Heute ist Sonntag – ich werde mich also erst morgen mit diesen Fragen beschäftigen. Viel wichtiger ist heute Abend, ob mein blödes Testergebnis von gestern noch gilt, um später ins Theater zu gehen. Ich bin nämlich mittlerweile nicht mehr gebostert. Irgendwann war ich es….Johnson & Johnson Einmalimpfstoff (der erste der für mich verfügbar war) plus im November oben drauf…das war gebostert, ist es jetzt aber nicht mehr und ich darf noch gar nicht bostern. Erst in drei Wochen. Boostern oder bostern? Ich wechsle die Schreibweise einfach ab, lassen Sie sich nicht irritieren. Bei Google erkundige ich mich sicher nicht nach der korrekten Schreibeweise, sonst erschlagen mich die aktuellen Inzidenzen auf die ich gerade keine Lust habe. Ich koche nämlich nebenbei Gemüsesupper für Frau Hintereder. Nein, die ist nicht postiv getestet, die hat sich den Fuß verknackst und liegt deshalb flach. Oder ist sie doch…. Entschuldigen Sie mich, bitte. Falls die Hintereder positiv ist, wer war dann der Knöchel?

Halten Sie die Ohren steif und alles wird gut.

28 Gedanken zu “Corona Homeoffice XXXI

  1. Liebe Mitzi, du sprichst mir aus der Seele. Ich komme auch nicht mehr hinterher und anscheinend ist es ‚en vogue‘ in Quarantäne oder Isolation zu sein. 😉 Man ist schneller durch, wenn man die wenigen Verbleibenden zählt, die sich noch frei bewegen dürfen. Vielleicht solltest du zukünftig einen ‚Stationsplan‘ aufstellen für euer Haus?
    Paul, 2x Vollkornbrot, nur geschnitten. Hat noch genug Gemüse. Braucht aber Obst.
    Frau XY, der Knöchel, kann theoretisch raus. Braucht kein Gebäck, dafür Gemüsesuppe.
    Und immer so weiter. Halt die Ohren steif! Viele Grüße, Eva

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    1. …genau und vorsichtshalber schon mal Listen verteilen, was ich dann brauche, wenn ich an der Reihe bin 😉
      Es ist ein Wahnsinn. Wenigstens sitzen wir alle im gleichen Boot. Das ist zwar großer Mist, aber irgendwie auch beruhigend.
      Liebe Grüße und halt ebenfalls die Ohren steif.

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  2. 🤣🤣 ja. da kann man schonmal schwindelig werden. Liegt es an den Politikern, oder der Impfung selbst. Wie auch immer, ist wurscht, denn wir nehmens wies kommt. Was bleibt einem, äh Verzeihung, ein:Innen auch übrig.
    Guten Appetit jedenfalls. Ob mit oder ohne geschwollenen Knöchel….

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  3. Das mit dem Vollkornbrot tut dem Paul sicher nicht schaden! Es kann halt Retourkutschen geben, wenn man selbst in die Verlegenheit kommt, Einkaufsdienste in Anspruch zu nehmen. Kann man ja irgenwie grad die Uhr nach stellen. Dann kommt Halbfettmargarine statt Butter, oder andersrum, und Limettensirup statt Zitronensprudel,…Ach, egal. Et kütt wie et kütt un so kütt et ooch. Aber am Ende ist alles gut, auch der Knöchel!

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  4. Paul wird Dich vermutlich nicht damit beauftragen, ihm ein Steak zu besorgen, jedenfalls nicht, wenn er keine Lust auf eine Gemüsepfanne hat.;-)
    Ich bekomme andauernd rote Warnhinweise in meiner Corona-App, daß ich jemanden getroffen habe, der infiziert ist. Nach den Empfehlungen soll man sich ja sogleich in Quarantäne begeben, ich hätte meine Wohnung also schon seit Wochen nicht verlassen dürfen – mein Arbeitgeber hätte sich bedankt. Gestern hatte ich nur Kontakt zu anderen Menschen in der Schlange des Testzentrums – prompt bekomme ich heute wieder eine Warnung. Na toll, Testzentren als Super-Spreader-Einrichtungen.

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    1. Die Corona-App taugt doch nichts, das haben sie selbst neulich zugegeben. Und das Testzentrum als Superspreader-Event – vollkommen richtig, da kann man sich wunderbar anstecken – alles ein Irrsinn… 🙄

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      1. Vom Prinzip her finde ich die App nicht schlecht, aber man müsste sie halt (wir haben ja jetzt schon richtig lange Zeit) auch weiterentwickeln :(. Die Testzentren bei mir finde ich aber ganz ok. Da klappt das mit Abstand usw. gut. Nur die App….die sollte man da wirklich ausmachen.

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    2. Beim Testen mache ich die App aus. Wenn sie da nicht ab und zu anschlagen würde, dann wäre sie ja völlig für die Katz. Aber auch sonst ist sie bei mir ganz oft rot und ich bleib auch nicht daheim. Im Büro gibts regelmäßige Tests, die ich mache – auch sonst mal daheim, aber man kann das Risiko einfach nicht ausschließen. Wenn wir uns zwei Jahre lang komplett einsperren haben wir alle einen Dachchaden ;). Aufpassen und Rücksicht, ja. Aber die Empfehlung kann man gar nicht einhalten.

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  5. Da Lob ich mir mal wieder unsere Schweiz. Unsere Inzidenzen sind x-mal höher als Eure, wir feiern rauschende Skifeste in Adelboden und Wengen, grölen in vollen Einshockeystadien und leeren dabei täglich unsere Intensivstationen ein Stück mehr. Und da so viel Positive doch eigentlich gar nicht negativ sein können, werden Isolation und Quarantäne auf ein Minimum reduziert und unser Bundesrat muss sich seit Tagen verteidigen und entschuldigen, dass er dennoch stur und selbstherrlich an ein paar Corona-Massnahmen festhalten will. Dabei habe ich mich unterdessen so an die Maske gewöhnt und es schätzen gelernt, nicht mehr für jede Sitzung irgendwohin fahren zu müssen… und „sitzen“, das tun sie gerne hier in der Westschweiz, fast wie die Franzosen. Corona wird da zum Heilmittel gegen Reunionitis 🤔😂
    Wie auch immer, stell Dir vor, es hätte Corona nie gegeben. Dann gäbe es auch Deine XXXI Satiren nicht… und das wäre schon ziemlich schade 😉😊

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    1. Also, da hätte ich schon lieber etwas anderes als Thema gefunden ;). Nicht mehr durch die Gegend fahren zu müssen, nicht jedem (in München vor Corona unmöglich) zur Begrüßung ein Küsschen geben zu müssen und das Homeoffice…da gibt es schon ein paar Dinge, die auch positiv sind. Man darf halt die Rechnung nicht machen und es mit den Einschränkungen abwägen. Wenn die Kollateralschäden ausbleiben, dann hat die Schweiz alles richtig gemacht :). Ich wünsche es ihr. Im Moment – und das ist erbärmlich – weiß ich gar nicht mehr, was ich für richtig halte. Ich hab den gedanklichen Anschluss verloren. Der kommt auch wieder, aber diese Woche nehme ich mir noch „Coronagedankenfrei“ 😉

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      1. Ja, ob all das tatsächlich richtig war, was wir in den letzten Monaten für richtig gehalten haben und halten mussten, muss sich wohl erst noch zeigen. Ich habe es jedenfalls bisher geschafft, Corona weitgehend aus meinem schöpferischen Schaffen herauszuhalten, sei es nun beim Predigen oder beim Schreiben von neuen Geschichten 😉

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      2. Das hast du richtig gemacht :). Ich zwar nicht, aber ich bin froh, dass es auf ganz vielen Blogs und auch im Privaten, nicht ständig thematisiert wird. Damit auseinandersetzen natürlich schon, aber das restliche Leben geht ja weiter 😉

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  6. Ich hab schon lange aufgehört, mir das alles anzuhören. Keine Nachrichten mehr und schon gar keine Talk-Shows – da wirst du nur ramdösig. Was interessiert die ihr Geschwätz von gestern und selber halten sie sich sowieso nicht daran: bestes Beispiel ist Premier Boris Johnson… 🙄

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  7. Wenn sich die Veranstaltungsbranche erst daran gewöhnt hat, Konzerte, Theater, Kabarett und was auch immer nur vom Frühjahr bis zum Frühherbst anzubieten, wenn wir uns daran gewöhnt haben, nur noch in diesen Zeiten zu reisen und unsere Masken nicht Mal mehr ablegen wollen, dann wird es eines Tages vorbei sein mit der Pandemie und wir werden nicht mehr wissen, wie es vorher war und wie das alles ging mit der Nähe und dem Gedränge. Es wird uns überfordern, aber wir werden uns daran gewöhnen, wenn die Ministerpräsidentenkonferenzen uns schrittweise darauf vorbereiten und wenn es Medikamente gibt gegen die Angst vor dem neuen alten Leben.

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    1. Puh….dieses neue alte Leben ist eine mehr als unschöne Vorstellung. Besonders, nicht mehr zu wissen wie es vorher war.
      Es ist wirklich an der Zeit, dass all das langsam aber dauerhaft verschwindet.

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  8. 😂 Mir geht es ähnlich mit meiner Johnson&Johnson. Weihnachten gab ich noch damit an, die erste mit Booster zu sein und zack, plötzlich bin ich die letzte und muss bis zum 21. Februar warten. Aber das ist nicht schlimm, weil ich nirgends hin muss.
    Ich habe es auch aufgegeben, die Pandemie zu verstehen und die Logik in den Maßnahmen zu finden. Ich bin vorsichtig und halte mich noch ein wenig zurück. Ich wünsche uns allen, dass die Zeiten wieder vergnüglicher werden. Wobei Dein Text richtig vergnüglich war. Ist also alles nicht nur schlimm! Ich danke Dir! 💝🙋‍♀️

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    1. Ich darf am 14.02. Schlimm finde ich es auch nicht. Hinken wir eben etwas hinterher ;).
      Mir geht es ganz ähnlich. Ich verstehe manches gar nicht, finde einiges nicht nachvollziehbar und kann ganz vieles verstehen und halte mich auch noch zurück. Irgendwann haben wir das auch durch – ich setze auf den Sommer 😉

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