Corona Home Office XXIV – Nachschlag (ein schöner)

Vor etwa vier Wochen erhielt ich eine E-Mail von Oliver Pötzsch. Ob ich Zeit habe kurz zu telefonieren. Er hätte da eine Frage. Erst mal ganz theoretisch.

28 Tage später ist aus der theoretischen Frage ein Buch geworden. „Auf den Spuren der Henkerstochter“ ein persönlicher Reiseführer zu den Schauplätzen der Romane von Oliver Pötzsch erscheint Mitte Juli im Hirschkäfer Verlag.

Oliver kenne ich durch die CR-Leseagentur, die für uns beide Lesungen organisiert und durch einen gemeinsamen Auftritt im Hofspielhaus. Einen Bestsellerautoren mit über 3 Millionen weltweit verkaufter Bücher bei einem Projekt unterstützen zu dürfen ist eine feine Sache. Wenn ich aber ehrlich bin, dann hat mich seine Familiengeschichte noch mehr gereizt. Er ist ein Nachfahre der Kusisls, die vom 16. bis in das 19. Jahrhundert eine bekannte Henkersdynastie in Schongau waren. Dass man über eine solche Familie viel erzählen kann, das wusste ich bereits – ich habe seine Bücher fast alle gelesen. Ob man den Henkers Nachfahren in ihm aber noch erkennt, da war ich mir nicht sicher. Ich kann es Ihnen verraten. Nein, Oliver Pötzsch ist wahnsinnig sympatisch und ich kann mir nicht vorstellen, dass er jemanden den Kopf abschlägt. Außerdem, so habe ich erfahren, ist das Richtschwert der Familie gestohlen worden und befindet sich nicht mehr in seinem Besitz. Ein Foto davon hat er mir aber gezeigt und ich war dann doch ganz froh, dass er es nicht bei sich trug als wir uns im Hofspielhaus trafen um über das Buch zu sprechen. Nicht weil ich Angst um meinen Hals hatte, vielmehr weil ich mir nicht vorstellen wollte, welchen Tumult er damit in der Münchner Altstadt ausgelöst hätte. 

Die sehe ich jetzt übrigens wieder mit anderen Augen. Und nicht nur die Altstadt Münchens. Auch den Pfaffenwinkel, Bamberg, das Allgäu, Schongau, Regensburg und viele weitere Orte Bayerns (und darüber hinaus). Alles Städte die mir gut bekannt sind und die ich von Kindheit an kenne. Seit vier Wochen kenne ich sie noch viel besser und besonder ihre Geschichte. Die Historie der Orte und Regionen durfte nämlich ich beisteuern. Wenn Sie mich also heute fragen, an welchen wichtigen Handelsrouten Regensburg im Mittelalter lag, dann kann ich es Ihnen sagen. Und auch, warum der Handel auflaute oder was es mit den Geschlechtertürmen auf sich hat. Und wenn Sie dann noch etwas Zeit haben, dann kann ich Ihnen die Geschichte vom großen Brand und den verschwundenen und wieder aufgetauchten Reliquien im Kloster Andechs erzählen. Also ausführlich….knapp finden Sie es im Reiseführer. Da ist es nur ein kleiner Teil und das ist gut so. Sonst wäre nicht genügend Platz gewesen für das was diesen Reiseführer auszeichnet: Spaziergänge und Wanderungen die Sie an all die Schauplätze von Olivers Romanen führen. Wer sie kennt, weiß wie gut recherchiert sie sind und wie viel historisches Wissen sich in diesen Büchern findet. Wer sie nicht kennt, wandert durch Bayern, wird von der Henkerstochter an die Hand genommen und zu ausgesprochen schönen Orten geführt. Verlaufen können Sie sich nicht. In jedem Kapitel sind die wichtigsten Adressen zusammengefasst. Darum habe ich mich gekümmert und Sie können mir glauben, dass das nicht leicht war. Lachen Sie nicht! Ich habe in Corona Zeiten recherchiert. Zeiten in denen sich zwar nicht die Adressen sehr wohl aber die Öffnungszeiten (vor und nach Corona) nicht mehr so leicht finden ließen. Geschlossen, war oft die einzige Angabe auf der Homepage. Eigentlich sollte das im Titel stehen: Öffnungszeiten der einzelnen Museen unter schwierigsten Bedingungen von der Münchner Autorin Mitzi Irsaj recherchiert. Dummerweise fällt mir das erst jetzt ein und das Cover steht bereits. Egal, Sie wissen es jetzt und Sie wissen jetzt auch, woher meine Andeutung des Dreißigjährigen Krieges vor etwa zwei Wochen stammt. Ich war im Mittelalter. In angenehmster Begleitung!

Sobald das Buch erhältlich ist, gebe ich Ihnen Bescheid. Und wenn Sie es haben und dann noch wissen wollen wie die Bayern und besonders die Münchner so ticken, dann schreiben Sie mir. Sie wissen ja – da kenn ich mich aus. Fast so gut wie mit den Geschlechtertürmen in Regensburg. 

Projektbesprechung in Coronazeiten – bei zwei Münchner natürlich bei einem Bier 🙂

Ab Mitte Juli im Hirschkäferverlag!

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18 Gedanken zu “Corona Home Office XXIV – Nachschlag (ein schöner)

  1. Als ich vor einiger Zeit hatte, mit ein paar Menschen aus einer privaten psychiatrischen Klinik zu fachsimpeln, na, haupsächlich zu simpeln, mußte ich fragen: habt ihr eigentlich schon entdeckt, dass neben eurer Einrichtung der Galgen des Städtchens (ein kleines, aber touristisch sehr bekanntes Nest am Oberrhein) stand? Eine Erinnerungstafel war dort angebracht.
    Teilweise war es den dort sattsam Eingerichteten vertraut und sie fanden es ebenso seltsam. Manche kannten es nicht, obwohl keine Neulinge. Und sind regelrecht erschrocken.
    Es ist ja auch irgendwie doch nicht so ganz der richtige Platz für eine, wie auch immer geartete, Heilanstalt. Oder?
    Im oberschwäbischen Raum finden sich vielerlei sogenannte Fasnetstraditonen, teilweise mit grauenvollen Masken, sorgsam geschnitzt. Ja, der Fasching heißt hier anders und sieht auch ein bißchen anders aus. Manche Masken sind nicht ganz so erschreckend, bunter, eigentlich fröhliche Gewänder und jede Gruppe hat ihren eigenen Ruf. So eine bunte, fröhliche Gruppe (ja, angesoffen sind sie alle) ruft dann plötzlich statt „hoorig, horig isch dia Katz“ oder „Hosch es gsäa, dr Schalk ischs gwäa“ oder, ganz politisch, „Breisgau – Ofaloch“ völlig unerwartet: „Henkahaus, laß d’Narra raus!“
    Hups. Die Erklärung? Das bis vor ein paar Jahrzehnten noch stehnende, bewohnte Henkerhaus, also die Unterkunft der ja als unehrliche außerorts (damals, inzwischen sind alle diese Orte ja gewachsen) untergebrachten Gesellen und die darum entstehende Siedlung war es wert (vermutlich waren sich die anderen, ehemals ehrsamen, Ortsteile zu gut!), Zentrum närrischen Treibens zu sein.
    Allerlei Absonderlichkeiten. Oh, ja, Foltermuseen (ich schau die ganz gerne an, hab aber eh so eine eigenartige und vorbelastete Einstellung zu fremdem Blut oder beliebigen anderen Ausflüssen): in Freiburg im erwähnten Breisgau, die Festung in Kufstein hat eine kleine Ausstellung zum Thema…

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    1. Galgen und Heilanstalt ist eine seltsame Kombination. Wahrscheinlich wissen wir aber gar nicht worauf unsere Kliniken, Häuser oder Theater alle gebaut sind. Kufstein kenne ich auch, wobei ich mich an den Folterkeller bzw. die Ausstellung nicht mehr richtig erinnere. Den von Regensburg habe ich im Rahmen einer Stadtführung einmal gesehen. Die Fragstatt heißt es und es war mehr als interessant. wobei ich heilfroh bin, dass wir heute in anderen Zeiten leben.

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      1. Ja, andere Zeiten… fatalerweise gibt es immer noch Dentisten und andere bezahlte – ja, was? Vor der Stadtmauer müssen sie nicht mehr leben, das tun sie eher freiwillig, da innerhalb die Villa keinen Baugrund mehr gefunden hätte. Aber ernster: leider habe ich beruflich neben manch anderem Traumatisierten auch mit echten Folteropfern zu tun. Ich lerne dazu für was man zwischen Bagdad und Damaskus Bohrmaschinen und andere Alltagsgegenstände nutzen kann – es ist so grausig wie nur eh und je! Vom sicheren Herkunftsland Afghanistan ganz zu schweigen. Die große weite Welt betrachtet hat sich reineweg gar nichts geändert (und noch haben wir wenige Flüchtlinge aus den großen Ländern wie China oder, na, wie heißt es noch, das Land mit dem Waterboarding…).

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      2. Das was du schreibst, ist noch viel gruseliger (wobei das Wort das Grauen gar nicht genug spiegelt). Weil es eben nicht vergangen, sondern real und gar nicht so selten ist. Kein leichter Job, vermute ich. Da steht es sich auf einem ehemaliger Henkershügel leichter. Das ist vorbei. Das andere nicht.

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      3. Ja, das wollen wir mal ganz fest hoffen (und in Sachen Politik auch was dafür tun), dass die einmal errungenen Rechte und Gesetze auch erhalten bleiben, gerne auch wo nötig nachgebessert werden, aber nicht – man muß es leider an vielen Stellen befürchten – der Rückwärtsgang eingelegt wird!

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