Corona Home Office XXII

Rosa mit weißen Sternen, grau mit weißen Punkten oder hellgrün mit winzigen, bunten Blümchen, was meine Sie? Was passt am besten zu Jeans, FlipFlops und einem weißem T-Shirt? Die hellgrünen Blümchen? Ja, das würde ich auch sagen. Mein tägliches Corona Home Office Outfit ist so schlicht, da beißt sich nichts mit dem etwas auffälligeren Stoff meines Mundschutzes. Zum Einkaufen morgen also die. Das passt ganz gut, dann habe ich den Grauen für den Dienstag wenn ich ins Büro fahre. Der passt zu allem und zur Jeansjacke sogar richtig gut. Der mit den rosa Sternen muss am Dienstag trotzdem mit, falls der Graue nicht schnell genug trocknet. Ich werde ihn gleich nach der Ankunft im Büro mit kochendem Wasser übergießen, abkühlen lassen und dann zum Trocken an den Gummibaum im Büroflur hängen. Aber Baumwolle, im Falten genäht….da nehm ich lieber einen zweiten Mundschutz für den Heimweg mit. Wie gesagt, rosa passt ja auch zur Jeansjacke. Abends daheim kann ich dann beide bei 80 Grad für 30 bis 60 Minuten in den Backofen legen, falls mir die Milch ausgeht und ich in den Supermarkt muss. Die Handschuhe sind einfache, da zieh ich einfach ein Paar aus dem Beutel und habe nicht die Qual der Wahl. Alle sind weiß, alle sind aus dünner Baumwolle und alle wandern nach der Benutzung in die Wäsche. Mundschutz und weiße Handschuhe – mein Gott, wenn das Michael Jackson noch erlebt hätte. Ganz Bayern verkleidet sich ab Morgen und wirkt wie eine Hommage an diesen schrecklich traurigen, vielleicht pädophilen und unheimlich talentierten Mann. 

Hier bei uns ticken die Uhren bekanntlich ja langsamer. Sechs Wochen hat es gedauert, bis man sich für eine Mundschutzpflicht beim Einkaufen und bei der Benutzung des öffentlichen Nahverkehrs entschieden hat. Sechs Wochen in denen die Kurve abflachte und sechs Wochen in denen wir uns an eine diffuse und unsichtbare Gefahr gewöhnt haben. Und gerade jetzt, wo sich langsam ein Gefühl emotionaler Ausgeglichenheit wieder einstellt und man langsam glaubt, über dem Berg zu sein, gerade jetzt kommt die nächste Welle ungutem Gefühls. Sind Sie die Tage schon einmal in einem Supermarkt gestanden, in dem ausnahmslos jeder einen Mundschutz trug? Wenn Sie in Italien oder der Schweiz leben, wahrscheinlich schon. In München ist das neu und ich kann Ihnen sagen, dass es sich nicht gut anfühlt. Abgesehen davon, das ich schon einen Michael Jackson recht gruselig finde, erhöht sich mein Puls bei 50 von ihnen noch einmal deutlich. Es heißt, dass die Augen das Fenster zur Seele sind, aber ganz ehrlich – ohne Mund braucht es vermutlich ein Studium der Verhaltenswissenschaften um zu erkennen ob der, der einem den Einkaufswagen gerade in die Haken gefahren hat, entschuldigend lächelt oder nicht. So ein kurzes Lächeln, das schafft es nicht, bis in die Augen und so stehen im Supermarkt lauter stille und ausdruckslose Gestalten, von denen man in den letzten Wochen gelernt hat sich fern zu halten. Scheußlich ist das. 

Es beruhigt mich, meinen Nachbarn Herrn Meier in der Schlange stehen zu sehen. Bei dem weiß ich, dass er nicht lächelt. Das tut er nie, also ist es ok, dass ich nur ein Drittel seines Gesichtes sehe. Allerdings schwitzt mir dieses Gesicht ein wenig zu viel, was daran liegen mag, dass er sich einen dicken Wollschal drei Mal um sein Gesicht gewickelt hat. Hoffentlich lässt ihn jemand vor, sonst erstickt er, bevor er es an die Kasse geschafft hat. Auch um Pauls Lächeln tut es mir leid. Den hab ich vorhin im türkischen Laden getroffen und obwohl er recht hübsche Augen hat, fehlt dem Gesicht etwas, wenn es nicht lächeln kann. Außerdem steht ihm hellblau nicht. Nicht hellblau mit kleinen weißen Autos darauf. Naja, wie müssen hier nehmen was wir kriegen, weil Masken seit beginn der Ausgangsbeschränkungen ausverkauft sin, wir aber zum Glück nähende gute Seelen in unserem Haus haben. Da der Stoffladen aber seit sechs Wochen zu hat, wird eben verarbeitet was man noch zur Hand hat. Paul zuckt mit den Schultern und seine Augen schmunzeln. Die können das also auch ohne den Mund. Ein wirklich breites Grinsen sieht man auf der Straße nur noch bei einem. Herr Iwanow, lässt die Zähne noch immer blitzen, der trägt keinen Baumwollmundschutz, der trägt…..ja, der trägt etwas, bei dem man sich im diffusen Kellerlicht wünschen würde, es nicht gesehen zu haben. Heute, bei Tageslicht, sieht mein Nachbar Herr Iwanow wie ein gestrandeter Astronaut aus. Wenn er damit aber im Keller um die Ecke biegt, dann sieht er aus wie ein verrückter Schweißer aus einem schlechten Horrorfilm. 

Er hat sich bei mir für den gestrigen Schrecken entschuldigt und ich muss zugeben, dass ich vielleicht etwas überreagiert habe. Aber die Maske, die ist doch sehr speziell. Herr Iwanow ist pragmatisch – warum sich etwas neues zulegen wo er doch bereits seit Jahren in der Arbeit mit Masken beste Erfahrungen hat. Wollen Sie sehen, was mir da im Keller begegnet ist?

Hier bitte

Im Keller.
Bei kaputter Beleuchtung.
Um die Ecke biegend.
 

 

 

 

 

 

 

32 Gedanken zu “Corona Home Office XXII

  1. dass du beim anblick so einer maske erschrocken bist, kann ich mir mehr als gut vorstellen O.o und insgesamt hab ich dieselbe erfahrung gemacht. mundschutz macht kommunikation enorm schwer, es wird alles sehr distanziert und unpersönlich und all die verbindlichkeit, die ich zu beginn von corona zu völlig wildfremden menschen wahrgenommen hab, ist irgendwie dadurch verschleiert (im wahrsten sinne des wortes).

    nunja, man gewöhnt sich bekanntlich an vieles, vielleicht lernen wir es ja, mehr aus den augen zu lesen und irgendwann ist das auch mehr ok. obwohl ich eher hoffe, dass wir zuerst diese masken loswerden und corona uns keine gruselschauer mehr über den rücken laufen lässt…

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  2. Hallo Mitzi, die zweite von oben für 14,39 € – die würde ich sofort aufsetzen, ist doch viel, viel angenehmer als eine Maske, schnürt die Atmung nicht ab. Und da könntest du alles sehen – Mund und Nase und Augen.
    Liebe Grüße

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Sarah, danke für den Link. Der Text war interessant zu lesen und wirft – genau wie die Kommentare auch – genau die Fragen auf, die uns wohl allen momentan durch den Kopf schießen. Ich habe in den letzten Tagen so viel diskutiert, dass ich es fast schon leid bin. Weniger weil es nicht wichtig ist darüber zu reden, als viel mehr weil so viele eine feste Meinung haben und nichts anderes gelten lassen. Die Kommentare auf deiner Seite waren da viel mehr ein Austausch den ich gern gelesen habe.

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  3. 😉 Apart, so eine Schweißermaske. Ich habe mich schon gefragt, ob es die Frankensteinmaske vom letzten Karneval nicht auch tut, gerade in Köln müssen die Kleiderschränke doch voll sein von Masken aller Art. Ich habe leider noch keine, mich nervt die Abzockerei – nicht aus Geiz, sondern aus Prinzip. Nun muß ich wohl verhungern, da ich in keinen Supermarkt mehr hineinkomme. Obwohl – ich habe gehört, daß der beste Stoff für eine selbstgenähte Maske der ist, der für Geschirrtücher verwendet wird, und davon habe ich einige. Ich schneide einfach zwei Löcher für die Augen hinein, ein Gummiband um den Hals, damit die Enden nicht so flattern, das müßte doch gehen. Allerdings muß ich nun noch den Reiz unterdrücken, laut „Überfall!“ zu rufen.

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    1. Die Abzocke ist wirklich unglaublich! Ich hab das Glück, dass Nachbarn und Freunde mir welche genäht haben. Es gibt auch Anleitungen wo man nur ein T-Shirt und eine Schere benötigt. Allemal besser als Wucherpreise für Einwegmasken zu zahlen.

      „Überall“ solltest du aber wohl mit keiner Maske rufen 😉

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  4. Ach Kleine, was bin ich stolz auf uns Geschwister, wenn wir Dich nicht jahrelang trainiert hätten, würdest du immer noch kreischen. So jedoch hast Du weder einen Herzinfarkt, noch sonstige bleibende Schäden und als Krönung eine wunderbare Geschichte.

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  5. Ich hatte ja auch so meine Überlegungen zwischen Motorradhelm und Gasmaskem doch woher nehmen, wenn man kein Motorradfahrer ist. Oder einer aparten afrikanischen hölzernen Maske, die nur ein approbierter Medizinmann aufsetzen darf. Auch so ein Bären- oder Bisonschädel für den dito -tanz wäre nicht übel gewesen.
    Aber am Ende wars dann doch die als Einzelexemplar zum Glück Arbeitgeberseitig gestellte und harmlos anmutende weiße mit ein paar Schönheitsfalten. Hat hier bei uns ein jeder (die anderen sogar mehr als ich). Tja, bringt der Job mit sich…
    Aber der Nutzen wird sich weisen. Denn von vorneherein ist ja ein Bedenken, dass die Maßgaben – nicht ins Gesicht fassen, Abstand wahren, Patschhände waschen – womöglich lockerer gesehen werden.
    Natürlich hat sich schon die Mode dieser Fetzen bemächtigt, wer auf sich hält erwirbt eine Luxusversion vom Designer. Was uns dezent darauf hinweisen soll, dass sich nicht wirklich etwas geändert hat.
    Ja, die mimische Kommunikation leidet. Und die sprachliche gleich mit. Was nicht immer ein Nachteil ist, jedoch darf sie anscheinend jeder, der ein Mikrofon erspäht, abnehmen – wie schade.

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    1. Du sagst es, der Nutzen wird sich noch herausstellen. Ich hab ja schon geschrieben, dass mir das Lächeln fehlt. Meinetwegen auch der grantige Mund oder was auch immer. Auf Dauer möchte ich auf die Mimik nicht verzichten müssen. Abwarten…im Moment versuche ich es als Interimslösung zu sehen.

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    1. Hallo Daniel, komische Zeiten in denen wir leben…da hast du recht.
      Immer wieder interessant auch auf anderen Seiten zu lesen, wie diese Zeit empfunden wird.

      Liebe grüße
      Mitzi

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