Randnotiz – kurzer Sturm, dann Stille

Bei Christophrox, Sie wissen schon…den,  dessen Seite und den ich mag…schrieb ich unter seinen Artikel „Blame it on the Weatherman“ dass es ja fast schon schick sei, dieser Tage ein Selfie mit trauriger Schnute und dem Hashtag #metoo in die sozialen Medien zu werfen.

Es ist eine Frechheit so etwas zu schreiben. Das weiß ich. Ich weiß es, weil ich eine Frau bin. Und weil ich eine Frau bin, weiß ich auch, dass fast jede von uns diesen Hashtag posten könnte.  Oft wegen Banalitäten, die einen so banal sie sein mögen trotzdem wütend und nach Luft schnappend zurück lassen. Manchmal wegen Unverschämtheiten, die keine Lappalien sondern anmaßende Grenzüberschreitungen oder gedankenlose Dummheit sind. Und seltener aber viel zu oft wegen dem Unaussprechbaren, das manche von uns für den Rest ihres Lebens mit sich rumschleppen. Ein Hashtag reicht nicht.

Ich schrieb ihm unter seinen Artikel weiter, dass eine jede brüllen sollte. Treten und um sich schlagen. Nicht in einer kurzen Hashtag-Welle sondern immer dann, wenn es vorkommt. Dann würde der kurze Sturm zu einem eisigen Wind werden, der manchem Arschloch unangenehm ins Gesicht bläst. 

Manche können es nicht. Aber all die, die fassungslos vor Wut nach Luft schnappen, die können brüllen und aufschreien. Der Hashtag ist gut. Aber er reicht nicht. Nicht wenn nach dem Sturm wieder die Stille kommt. Brüllen Sie meine Damen (und Herren), brüllen Sie im echten Leben gegen diese Übergriffe an. Laut genug, damit es auch für jene reicht, denen die Stimme versagt.

 

13 Gedanken zu “Randnotiz – kurzer Sturm, dann Stille

  1. Liebe Mitzi,
    das Thema ist viel zu ernst, als dass ich etwas „Oberflächliches“ schreibe.
    Aber, was ich diesbezüglich von Frauen erfahren habe, die schlimmste Erlebnisse hatten, kann nicht von MIR hier an die Öffentliuchkeit gebracht werden. So kann ich Ihnen nur zurufen:“ Ich bin auf Ihrer Seite, OBWOHL ich ein Kerl bin!
    Gruß Heinrich

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    1. Sie haben Recht, Heinrich. Nur in seltenen Fällen können oder sollten Erlebnisse dieser Art von anderen wieder gegeben werden. Ich verstehe auch jede Frau, die das selbst nicht kann oder möchte. Deshalb ist der Hashtag auch gut und wichtig, den er kostet eine jede die ihn nutzt sicher viel Überwindung. Ich hoffe nur, dass die Welle nicht wieder zu schnell abebbt.
      Herzliche Grüße
      Es ist schön Sie an der Seite zu haben.

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  2. der hashtag ist nicht genug, keineswegs. aber es ist vielleicht ein kleines steinchen in einem puzzle, das irgendwann ein bild ergibt. irgendwann, wenn es keinen hashtag mehr benötigt, weil jede weiß, dass sie laut schreien darf, kann und soll.

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  3. Liebe Mitzi!

    Eigentlich müsste es einen Hashtag geben, der Töne von sich gibt, wenn man ihn liest oder schreibt und selbst bei inaktivem Handy zu hören ist. Das wäre ein Lärm!
    Aber ansonsten bin ich auch der Meinung, dass man nach Möglichkeit selbst aktiv sein und nicht alles dem Medium Internet überlassen sollte.

    Herzliche Grüße
    Mallybeau 🙂

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  4. Es wurde ja langsam Zeit. Von sexueller Belästigung und Ausbeutung im Schauspielerberuf hat man schon so lange gewusst, dass die „Besetzungschouch“ sprichwörtlich werden konnte. Solange Männer Machtpositionen besetzen und Frauen sich unterwürfig verhalten, wird es das geben. Das letzte gehört nämlich auch dazu. Hat sich doch der US-Präsident Trump vor der Wahl damit gebrüstet, er könne Frauen einfach bei der Pussy anfassen, und nicht wenige Frauen haben ihn trotzdem gewählt. Glücklicherweise sind wir Blogger selten gefährdet, Bloggerinnen auf ihr Asussehen zu reduzieren. Aber positive Diskriminierung kommt vor, weil attraktive Menschen überall in der Gesellscdhaft erfolgreicher sind. Deine Aufforderung an deine Geschlechtsgenossinnen finde ich gut, liebe Mitzi. Nötig wäre auch ein gesellsdchaftlicher Protest gegen TV-Formate wie GNTM und andere emanzipatorische Gegenbewegungen wie die doofen Youtuberinnen mit ihren Schminktipps.

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    1. Ich kann deine Worte nur unterschreiben lieber Jules. Das Beispiel Trumps …. es ist unfassbar, dass ein künftiger Präsident so etwas öffentlich sagt, stolz darauf ist und dennoch gewählt wird.
      Und wie du schreibst fehlt bei vielem schlicht das Gegengewicht. Schminktipps…meinetwegen, aber wenn es das einzige ist das einem zu „junger Frau“ einfällt, dann ist das mehr als schade. Solange Emanze noch als Schimpfwort gilt und Frauen meiner Generation oder jünger gerne behaupten, sie seien ja emanzipiert, aber….ist es noch ein weiter Weg.
      Und jenseits von Emanzipation und Youtube wünsche ich mir, dass jede Frau stark genug ist einen Mann in seine Schranken zu weisen ohne gesellschaftliche oder soziale Nachteile befürchten zu müssen.

      Liebe Grüße

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  5. So eine Hashtag-Welle kann gut sein, um betroffenen Frauen Mut zu machen und zu zeigen, daß sie nicht allein sind – ganz im Gegenteil, sogar in der Mehrzahl, entsetzlicherweise (es macht keinen Spaß, ein Mann zu sein, man sitzt ja mit im Boot der potentiellen Grapscher). Aber mehr als eine Welle kann das Hashtaggen nicht sein, deswegen stimme ich Deiner kleinen Kritik daran vollkommen zu. Die tatsächliche und strukturelle sexuelle Gewalt gegen Frauen sollte ganz andere Konsequenzen nach sich ziehen als nur einen Hashtag-Sturm, z.B. sollte man die sexualisierte Darstellung von (hauptsächlich Frauen-)Körpern in der Werbung und den anderen Medien unterbinden.

    Heute Abend wurde in der „Kulturzeit“ auf 3Sat berichtet, daß es nun auch einen Hashtag #Ihave gibt, mit dem sich reuige Grapscher outen können. Dümmer, als man sich vorstellen kann, geht offenbar immer.

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    1. Ich bin froh, dass die Kritik richtig verstanden wurde. Nichts läge mir ferner als mich über Frauen, die mutig genug sind, an die Öffentlichkeit zu gehen, lustig zu machen.
      #ihave…ne, also dazu fällt mir nichts mehr ein. Ist Absolution gewünscht? Dann soll er zu der Frau gehen, unter deren Rock er gefasst hat. Hier ist die Öffentlichkeit meiner Meinung nach fehl am Platz. Als Entschuldigung lasse ich einen Hashtag nicht gelten und der Mehrwert….vielleicht das Männer sehen, dass es einige von ihnen gibt? Den Frauen muss es keiner sagen. Ich glaube, der Mist bleibt am besten unkommentiert.
      Liebe Grüße

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    1. Das ist besonders traurig. In der U-Bahn frage ich mich verzweifelt, wann „Emanze“ ein Schimpfwort geworden ist, wenn ich Teenager höre. Wohlgemerkt unter Frauen. Obwohl…das war es wohl schon immer, heute aber wird es als solches völlig gedankenlos benutzt.

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