Versprechen

Es war kalt, als ich vor sechs Wochen in der Mittagspause telefonierte und hoffte, dass mich die Wintersonne ein wenig wärmen würde. Sie tat es nicht. Dass ich nicht fror, lag am warmen Lachen am anderen Ende der Leitung. Wirklich, fragte er und ich nickte bevor ich es in einem Satz bestätigte. Diesmal würde ich wirklich kommen und reichlich Zeit im Gepäck haben. Schön, sagte er und ich rechnete es ihm hoch an, dass er kein Wort darüber verlor, dass ich das einst gegebene Versprechen über ein Jahrzehnt lang nicht erfüllt hatte. Es ist erschreckend leicht, gegebene Versprechen aufzuschieben und es braucht einen guten Freund, der über Jahre hinweg geduldig wartet, nicht drängt und doch keinen Zweifel darüber lässt, dass er nicht aufgeben wird. Nächste Woche löse ich mein Versprechen ein und es ist vieles, aber sicher keine Verpflichtung. Es ist etwas schönes, etwas auf das man sich freut und etwas bei dem man sich fragt, warum es manchmal so schwierig ist, es einfach zu machen. Kommst du runter auf einen Kaffee? Die Frage verkam mit den Jahren zu einer Floskel und erst vor sechs Wochen wusste ich, dass irgendwann der Moment kommt, in dem sie auch der geduldigste Freund nicht mehr stellen wird.  Weiterlesen

Warten – Alltag V

Sie, deren Blog ich seit lese, seit wir sonst keinen Kontakt mehr haben, wartet. Wieder einmal. Es ist bedrückend zu lesen, wie oft sie wartet, über das Warten schreibt und das Ende der Warterei herbei sehnt. Ändern wird es sich nicht mehr. Vielleicht doch, ich würde es ihr wünschen, glaube aber nicht mehr daran. Zu lange sprach sie vom Warten auf den richtigen Zeitpunkt und zu oft, dachte ich an verstreichende Zeit und verpasste Gelegenheiten. Gedacht und nicht gesagt, weil es anmaßend ist, von der verschwendeten Zeit eines fremden Lebens zu sprechen. Weiterlesen

Dummheiten

Er sei sich nicht sicher, was er von einer Frau halten würde, die Oliven auf eine so seltsame Art essen würde. Das war ein dummer Gedanke, denn ich war bereits nicht nur eine, sondern seine Frau und ich sagte ihm, dass es längst zu spät war, diese Tatsache in Frage zu stellen. Er wollte wissen, wann es zu einer Tatsache geworden war, da er sich nicht daran erinnern konnte, jemals eine Entscheidung getroffen zu haben. Auch das war dumm gedacht, erklärte ich geduldig zwischen zwei Oliven. Eine Bindung zwischen zwei Menschen wurde nicht durch eine rationale Entscheidung der Beteiligten geschaffen. Sie wurde einem in den Bauch gepflanzt und verhielt sich so lange still, bis man sein Gegenstück traf und sich dann für den Rest des Lebens nicht mehr trennte. Beim „Rest des Lebens“ verschluckte er sich und machte einen albernen Scherz ob er mich nun wirklich nie wieder loswerden würde. Weil ich nicht lachte, hörte auch er auf und sah mich ruhig an. Das konnte er besser als ich. Jemanden ruhig in die Augen sehen und dem Blick nicht ausweichen. Irgendwann nickte er. Gut, dann hätte die Suche ja nun ein Ende und er hätte die Frau seines Lebens gefunden. Nur der Zeitpunkt sei etwas unglücklich, da er sich bereits in einer Beziehung befand. Wieder lachte er. Ich nicht. Er war wirklich dumm. Weiterlesen