Friss mich nicht – U-Bahn Gedanken

In der U-Bahn sitzt mir einer gegenüber. Unheimlich, irrer Blick und Speichelfäden in den Mundwinkeln. Ohne zu zögern könnte man ihm eine Rolle im Tatort als Massenmörder anbieten. Würde man sich trauen ihn anzusprechen. Keiner sitzt bei ihm. Ich nur, wenn ich muss. Er macht mich nervös. Rucksäcke, Attentatsgedanken und Burkas nicht. Er schon. „Du magst mich nicht.“, sagt er an einem Morgen. Sagt es so plötzlich, dass ich vergesse nicht zu antworten und es versäume schnell aufzustehen und zu gehen. „Ja,“ wenn es zu spät ist kann man ehrlich sein, „Sie sehen aus, als würden Sie mich gleich fressen.“ Er schnaubt. „Ich fresse niemanden auf. Muss ich nicht. Es frisst sie auf. Das Böse. Von ganz alleine.“ Er sieht mich an. Wischt sich mit dem Handrücken über den Mund. „Dich nicht.“ Weiterlesen

Tschuko

Ich liege unter dem Tisch. Nicht die ganze Zeit. Aber ab und zu. Denn das ist Tschukos aktueller Lieblingsplatz. Auf meinem Laminat rutschen ihm die Pfoten weg und dort ist einer der wenigen Plätze mit einem Teppich. Warm muss er es nicht haben. Als Husky ist er mir dankbar, dass ich die Heizung nicht ganz aufdrehe. Weil ich aber nicht frieren will, lege ich mich unter den Tisch, zu Tschuko. Er legt sich dicht vor mich, während ich lese und ich bin ganz froh, alleine zu wohnen. In meinem Alter ist es komisch, sich zum Lesen unter den Tisch zu legen. Tschuko und ich finden das völlig normal. Ab und zu leckt er mir über das Gesicht, wenn ich mich nicht schnell genug wegdrehe. Er weiß, dass ich das nicht mag und grinst mich dann an. Doch! Hunde können grinsen.

Nachts liegen wir nicht unter dem Tisch. Da gehe ich dann doch lieber in mein Bett und er liegt davor. Es wäre äußerst gemütlich, wenn er ebenfalls in meinem Bett liegen würde, aber ein Hund bleibt ein Hund und für mich gehören sie nicht ins Bett. Punkt. Aber davor. Die tiefen Atemzüge eines großen Hundes sind nämlich äußerst meditativ und mit einer solchen Fellkugel vor dem Bett, weiß man, dass einem nichts passieren kann. Weder Chucky die Mörderpuppe, noch die irren Nachbarn oder ein Großbrand können einen im Schlaf überraschen. Ob es stimmt? Unwichtig, wenn man mit der Gewissheit einschläft. Weiterlesen