Nachverhandelt U-Bahn Gedanken

Da sind zwei, die schauen sich vorsichtig an, weil sie etwas hatten, das sie jetzt nicht mehr haben und noch nicht so recht wissen, was sie jetzt haben. Die Beziehung wollten sie beide nicht mehr und doch ist da immer eine leichte Melancholie, wenn sie sich sehen. Es war ja schön, das was sie hatten, nur eben schon so lange und so gewohnt, dass man sich nicht mehr sicher sein konnte, ob es nicht doch nur noch eine gute Freundschaft war. Wohl nicht, denn jetzt sitzen sie sich gegenüber und verstehen nicht recht,  warum es auf einmal so schwer geworden ist, ungezwungen miteinander zu sprechen. Begreifen nicht, warum sie die Worte des anderen auf die Goldwaage legen und etwas vermissen, das sie doch selbst ohne großen Schmerz aufgegeben haben. Freundschaft ist jetzt kein Zustand, sondern das ist das Ziel und deswegen sitzen sie sich jetzt tapfer in der U-Bahn gegenüber und tun so, als wäre da nie etwas anderes als eben diese Freundschaft gewesen. Sie wollen so tun und sie müssen es auch, denn neben ihm sitzt bereits eine neue Freundin die ihn fragend ansieht. Weiterlesen

Laute(/r) Grattler – U-Bahn Gedanken

„Schnauze!“, darf man nicht laut sagen. Man darf es nur denken. Heute denke ich es seit morgens. Ich dachte es,  als der Nachbar anmerkte, dass mein Fahrrad im Laubengang im Weg steht und ich dachte es als die drei Kinder im Bus in mein Ohr plärrten. Ich dachte es ganz leise im Büro bei einem Telefonat, dass mich an die Grenzen meiner Geduld brachte und ich empfand es mittags in der Kantine als die Besteckbehälter laut scheppernd aufgefüllt wurden. An manchen Tagen ist es mir zu laut. Dann möchte ich mir ein schalldichtes Schneckenhaus über den Kopf stülpen und nichts weiter hören, als den Regen, den ich zwar sehe, aber nicht höre. Weiterlesen

Ach, Anna…. U-Bahn Gedanken

Wir sind Gewohnheitstiere, die ihre Rituale selbst dann pflegen, wenn sie diese nicht einmal als solche erkennen. Anders ist es nicht zu erklären, dass die tägliche Fahrt zur Arbeit und zurück, einem wiederkehrenden Eintauchen in einen in sich geschlossenen Mikrokosmos gleicht. Tag für Tag sitzen mir die gleichen Menschen gegenüber und obwohl ich mit keinem von ihnen spreche, sind sie mir alle vertraut. Nur ein kleiner Teil von ihnen sitzt wirklich jeden Tag am selben Platz, aber der Verstand neigt dazu, die fremden Gesichter auszublenden. Ich bin die, die morgens immer in der siebten Tür von vorne einsteigt, mit etwas zu lauten Absätzen ein bis zwei Türen nach vorne läuft, bevor sie sich ans Fenster setzt. Weiterlesen

Was suchen Sie hier?

Wer sich über Google auf meine Seite verirrt, kann sich relativ sicher sein, dass mir nicht mitteilt wird, nach welchen Schlagwörtern gesucht wurde. Seit es Google mit dem Datenschutz etwas genauer nimmt oder seine Analyseprogramme verkaufen möchte steht da meistens nur „unbekannter Suchbegriff“. Es interessiert mich auch nicht, über welche Ecken der eine oder andere Besucher bei mir landet. Man muss ja nicht alles voneinander wissen und um ehrlich zu sein, es würde mich irritieren, von Ihnen zu hören, dass Sie eigentlich nach „literarischem Wahnsinn“ suchten. Einer der wenigen Suchbegriffe die angezeigt werden. Weiterlesen