Nur der Mai

Schönen Urlaub, wünschen die Kollegen Montagmorgen im Firmenchat und erinnern mich daran, dass ich meinen Rechner gleich wieder runter fahren kann. Urlaub, ja richtig, da war was. Ich habe Urlaub. Muss ihn genommen haben, als noch dachte wegfahren zu können und habe ihn in den letzten Wochen komplett vergessen. Eine Antwort an mein Team: Danke, ihr könnt euch vorstellen, wie nötig ich eine Woche zu Hause in den eigenen vier Wänden und der näheren Umgebung habe – da war ich in den letzten Monaten viel zu selten. Schief grinsender Smiley und ein letzter Gruß, bevor ich das Notebook runter fahre und in den Schrank stelle. Urlaub also. Unschlüssig stehe ich  um sieben Uhr morgens auf dem Balkon und nippe am Milchkaffee. Einzelne Margeriten sind verblüht und gehören abgezupft. Die Tomaten müssen nach oben gebunden werden. Aber sonst….nein, hier gibt es nichts zu tun. Im Schlafzimmer auch nicht und im Flur war noch nie etwas zu tun gewesen. Aber der Kaffee schmeckt gut. Auch noch in der Küche, wo ich vor dem Fenster stehe und mir die Balkone im Hinterhof ansehe. Pauls Sonnenschirm ist in der Nacht umgekippt. Sonst hat sich seit gestern nicht viel verändert. Meine Nachbarin geht am Fenster vorbei und hält eine Tüte vom Bäcker nach oben. Ich antworte mit einem nach oben gestreckten Daumen. Ja, ein Croissant wäre heute tatsächlich nett. Das gibt es sonst nicht, aber ich habe ja Urlaub. Weiterlesen

Dante hätte gelacht

Ich mag den Mai nicht. Und weil ich nicht mag, bereite ich mich schon im April darauf vor ihm nicht zu mögen. Dann verabscheue ich den frühen Flieder, weil er schön ist, wo nichts schön zu sein hat. Das Erwachen der Natur ekelt mich an, weil es mich an das Vergängliche von allem Lebendigen erinnert. Und die ersten warmen Tage gehen mir auf die Nerven, weil ich wochenlang selbst in der Sonne friere. Auch damals mochte ich den Mai nicht, weil er der Monat des Abschieds war. Und auch damals habe ich schon im April getobt und gewütet. Im Mai hätte mir die Kraft gefehlt und ich konnte euch nicht ohne ein letztes Aufbäumen gehen lassen. Den einen, weil es unfair war, dass ihm das Leben einfach aus der Hand genommen wurde und dem anderen, weil er das seine sinnlos hinterher warf. Ihr musstet mir versprechen, nur Orte aufzusuchen, die mir nichts bedeuteten und die ich am besten gar nicht kenne. Weiterlesen

Misstrauen Sie Wikipedia (und mir…denn dieser Text hat eigentlich nichts mit Wikipedia zu tun)

Halleluja, endlich Juni! Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie froh ich bin! Der Mai steckt mir noch in den Knochen und ich bin noch etwas wacklig auf den Beinen. Aber es geht aufwärts. 01.06.2016 – sagt der Kalender und  erfahrungsgemäß habe ich jetzt für 11 Monate meine Ruhe. Sie sehen schon, ich habe es nicht so mit dem Mai. Frühling hin oder her, blaues Band, Fliederbusch-Duftattacken – alles schön und gut, aber als Gesamtpacket mag ich den Mai nicht. Mehr noch, er ist mir zutiefst zuwider. Statistisch gesehen passieren gut drei Viertel aller Dramen in meinem Leben im Mai. Weiterlesen